Rapa Iti (Kurzbezeichnung: Rapa, alter Name: Oparo) ist eine 38 km² große, bewohnte Insel im Südpazifik, die geographisch zu den Austral-Inseln, politisch zu Französisch-Polynesien gehört.

Geografie mini|links|Mont Tautautu (links) und Mont Pukumaru (rechts) Rapa Iti heißt übersetzt Klein-Rapa, im Unterschied zu Rapa Nui (dt.: Groß-Rapa), dem amtlichen Namen der Osterinsel. Rapa Iti liegt im südöstlichen Pazifischen Ozean und gehört geographisch zum Austral-Archipel, genauer zur Untergruppe der Bass-Inseln. Die nächstgelegene bewohnte Insel ist Raivavae, 537 km im Nordwesten.

Das mit rund 38 km² Landfläche relativ kleine Rapa Iti hat mehrere vorgelagerte Nebeninseln, die größten davon sind Karapoo und Tauturoo an der Südküste. Das Landschaftsprofil ist gebirgig mit zackigen Gipfeln und dem 650 m hohen Mont Perau als höchste Erhebung.

Eine anschauliche Beschreibung des Landschaftsbildes gibt der „Pacific Islands Pilot“, das Seehandbuch der Pazifischen Inseln:

Denselben abweisenden Eindruck hatte bereits George Vancouver, der Rapa zutreffend als zerklüftet und aus steilen Bergen bestehend beschrieb, mit sehr wenig ebenem Boden. Die Steilküste erhebt sich unmittelbar aus dem Meer und ist einer heftigen Brandung ausgesetzt, da ein vorgelagertes Korallenriff fehlt. Die Insel hat keine Küstenebene und keine Sandstrände. Platz für eine begrenzte Kultivierung bieten nur die engen Täler zwischen den steilen Berghängen. Die Küstenlinie ist von Buchten vielfach zergliedert, es sind die einzigen Stellen, an denen Zugang zum Inselinnern möglich ist. Die größte ist die Ahurei (oder auch Ha’urei)-Bucht, der Überrest einer versunkenen Caldera. Die beiden Ansiedlungen, Ahurei und das kleinere Area, liegen sich an den Enden dieser Bucht gegenüber. Alle Einwohner von Rapa Iti, überwiegend Polynesier und einige wenige Europäer, leben in diesen beiden Dörfern.

Klima Rapa Iti liegt nach der Klassifikation des Klimas von Köppen und Geigerkoeppen-geiger.vu-wien.ac.at in der tropischen Klimazone Af. In Ahurei wird eine Jahresdurchschnittstemperatur von 20,9 °C erreicht. Der wärmste Monat (im südlichen Sommer) ist der Februar, die Temperatur beträgt im Mittel 24,1 °C, der kühlste Monat ist der Juli mit durchschnittlich 18,3 °C. Frosttage treten nicht auf.

Der Himmel ist oft bedeckt. Innerhalb eines Jahres fallen im Mittel 2653 mm Niederschlag (zum Vergleich Köln mit 774 mm), wobei sich die Monate deutlich unterscheiden. Im Oktober, dem trockensten Monat, fallen durchschnittlich 171 mm, im niederschlagsreichen März sind es hingegen 266 mm.Climate Data

Vegetation Die ursprüngliche Flora von Rapa Iti wurde bereits von den polynesischen Ureinwohnern geschädigt und mehr noch von den freilaufenden Ziegen, die die Europäer einführten. Reste des altheimischen Bergregenwaldes findet man noch in den Höhenlagen und den auch für die Ziegen unzugänglichen Spalten und Steillagen.

Die altheimische Vegetation weist eine höhere Biodiversität auf als andere tropische Inseln vergleichbarer Größe und zeigt einige Ähnlichkeit mit der des erheblich weiter westlich gelegenen Neuseeland. Es gibt jedoch zahlreiche Endemiten, zum Beispiel der Gattungen Bidens, Fitchia, Oparanthus und Sclerotheca.

Die Kämme und Spalten des aus der Entfernung kahl erscheinenden Mont Perau erhalten die meiste Feuchtigkeit und sind von einer niedrig wachsenden, buschigen Vegetation bedeckt, die sich hauptsächlich aus Metrosideros, die hier nicht höher als einen Meter wachsen, Weinmannia, Bidens und Freycinetia zusammensetzt. Dazu kommen Zwergsträucher der Gattung Plantago und zahlreiche, zum Teil endemische Farne, zum Beispiel Parablechnum venosum und Parablechnum pacificum, der erst 2011 erstmals beschrieben wurde.

Die mittleren Lagen werden dominiert von Freycinetia rapensis und Metrosideros collina sowie dem endemischen Myoporum rapense.Dieter Mueller-Dombois, F. Raymond Fosberg: Vegetation of the Tropical Pacific Islands, Springer-Verlag, New York-Berlin 1998, ISBN 0-387-98313-9, S. 402–404

In niedrigeren Lagen dominieren die Nutzpflanzen, zum Beispiel der intensiv angebaute Taro in den feuchten Seitentälern. Eine Zeit lang hat man auch Kaffee angepflanzt, der jedoch wegen des Verfalls der Kaffeepreise stark an Bedeutung verloren hat. Große Teile der Berghänge wurden jedoch gerodet, sind erodiert und mit Sekundärvegetation bedeckt, die hauptsächlich aus robusten Gräsern besteht.

Geologie Die Australinseln bilden eine mehr als 1500 Kilometer lange Kette im Südpazifik, die sich von Ostsüdost nach Westnordwest bis zu den Îles Maria erstreckt. Sie sind das Produkt eines Hotspots unter dem immer noch aktiven Macdonald-Seamount, der heute am südöstlichen Ende der Australinseln nur 27 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Die geologisch ältesten, mehr erodierten und zerklüfteten Inseln liegen im Nordwesten, die jüngeren im Südosten der Kette. Rapa Iti ist die vorletzte Insel der Gruppe, weiter nach Ostsüdosten folgen nur noch die unbewohnten Felseneilande von Marotiri und schließlich der Macdonald-Seamount. Die Inselkette verläuft so gut wie parallel zur Fortbewegungsrichtung der Pazifischen Platte, die hier seit 43 Millionen Jahren (Mittleres Eozän, Lutetium) in Westnordwest-Richtung (N 300) mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 110 Millimeter/Jahr vorankriecht. Die Ozeanische Kruste ist am Macdonald-Seamount 35 Millionen Jahre alt (oberes Eozän, Priabonium), wird nach Nordwesten zusehends älter und weist am Nordwestende der Inselkette bereits ein Alter von 80 Millionen Jahren auf (Oberkreide, Campanium).

Bathymetrisch sitzt Rapa Iti einem 150 Kilometer langen und 50 Kilometer breiten untermeerischen Hochplateau auf, das rund 1000 Meter unter dem Meeresspiegel liegt und mit seiner Längsachse in Südost-Nordwestrichtung streicht. Dieses Plateau bildet seinerseits Teil einer noch wesentlich größeren, 200 Kilometer breiten Hochstruktur, die ausgehend vom Macdonald-Seamount bis 200 Kilometer südlich von Raivavae heranreicht, erkennbar an der Zweitausend-Meter-Tiefenlinie. Nach Südwesten fällt das Hochplateau zum 4000 bis 5000 Meter tiefen Abyssal des Südpazifiks ab.

Südwestlich der Insel ist eine riesige kanalisierte Massenbewegung erfolgt, die fast die gesamte Breite der Insel einnimmt und wahrscheinlich mit dem Einsturz der Caldera in Zusammenhang steht. Der Abbruch erfolgte in etwa 1000 Meter Wassertiefe, befindet sich 14 Kilometer südwestlich der Küste in 3000 Meter Wassertiefe und läuft dann im Abyssal aus.

Die Insel ist vulkanischen Ursprungs und entstand vor etwa 5,1 Millionen Jahren. Die Gesteine sind typische ozeanische Inselbasalte (OIB) mit schwach ausgeprägten DUPAL-Anomalien – vorwiegend Alkalibasalte und Basanite mit 44 bis 45 Gewichtsprozent SiO2-Gehalt. Geochemisch sind sie vergleichbar mit den benachbarten Vulkaniten von Marotiri und vom Macdonald-Seamount, es bestehen aber auch Ähnlichkeiten in den Isotopenverhältnissen zu den Vulkaniten von Atiu und Rarotonga (Cookinseln), zu den Vulkaniten der Marquesasinseln und selbst noch zum Koʻolau-Schildvulkan Oʻahus.

Geschichte Vorgeschichte Die Insel Rapa war in der jüngeren Vergangenheit Ziel umfangreicher archäologischer Forschungen, die bis heute anhalten. Sie ist ein beeindruckendes Beispiel für die Entwicklung von befestigten Bergdörfern in Polynesien mit fortschrittlichen, durchdachten Verteidigungsanlagen. Die Wissenschaft hat sich überwiegend auf diese Periode der Inselgeschichte konzentriert, über die Frühgeschichte ist daher wenig bekannt. Es ist unklar, wann und von wo die Polynesier die Insel erstmals besiedelten. Wegen der Randlage im Polynesischen Dreieck ist anzunehmen, dass der Austral-Archipel erst relativ spät bevölkert wurde, höchstwahrscheinlich im frühen 2. Jahrtausend n. Chr., ausgehend von den Gesellschaftsinseln, möglicherweise auch von Mangareva oder den Cookinseln, das kleine und isolierte Rapa vermutlich später als die anderen Australinseln.Patrick Vinton Kirch: Rethinking East Polynesian Prehistory. Journal of the Polynesian Society Nr. 95, 1986, S. 9–40 Radiokarbondatierungen reichen bis ca. 1200 n. Chr. zurück.Atholl John Anderson u. a.: Prehistoric Human Impacts on Rapa, French Polynesia. In Researchgate, Juni 2015, [DOI: 10.1017/S0003598X00093662] (deutsche Kurzfassung hier: )

Der Archäologe John F.G. Stokes (1875–1960) vom Bernice P. Bishop Museum in Honolulu hat küstennahe Höhlen bzw. Felsüberhänge in einigen Buchten als ursprüngliche Siedlungsformen identifiziert.John F.G. Stokes: Ethnology of Rapa. Unveröffentlichtes Manuskript des Bernice P. Bishop Museums, Honolulu 1930. Zitiert nach: Atholl Anderson, Douglas J. Kennett (Hrsg.): Taking the High Ground – The archaeology of Rapa, a fortified island in remote East Polynesia. Terra Australis 37. Canberra 2012, S. 47–76. Spätere küstennahe Siedlungen lassen sich anhand der Überreste von Hausterrassen, Erdöfen und anderen Strukturen belegen.Archaeology of Coastal Sites on Rapa. In: Atholl Anderson, Douglas J. Kennett (Hrsg.): Taking the High Ground – The archaeology of Rapa, a fortified island in remote East Polynesia, Terra Australis 37, Canberra 2012 Sehr schnell etablierten sich mehrere Stammesfürstentümer mit einer streng stratifizierten Gesellschaftsstruktur. Die Ariki – eine Art Erbadel – standen an der Spitze der gesellschaftlichen Pyramide. Die Soziohistorie wird bestimmt von häufigen, ritualisierten Stammeskriegen, es scheint, dass sich kurz vor der europäischen Entdeckung ein Clan als zentrale Macht durchsetzen konnte.Atholl Anderson: Dwelling carelessly, quiet and secure – A brief ethnohistory of Rapa Island, French Polynesia, AD 1791–1840. In: Terra Australis 37, Canberra 2012, S. 43

Bereits George Vancouver, dem ersten europäischen Entdecker, fielen 1791 bei einem Blick durch das Fernrohr sechs Festungen auf den steilen Graten rund um die Ahurei-Bucht auf.George Vancouver: A Voyage of Discovery to the North Pacific Ocean and Around the World, Band 1, London 1798 Aber erst 1868 untersuchte und beschrieb der neuseeländische Kapitän John Vine Hall die Bergfestungen Rapas, wenn auch sehr oberflächlich und ohne Sachkenntnis.John Vine Hall: On The Island of Rapa. Transactions and Proceedings of the Royal Society of New Zealand 1868–1961, Volume 1, Wellington 1868, S. 128–134

Der Begriff „Festungen“ für die ausgedehnten Strukturen ist eigentlich zu kurz gegriffen, denn es handelt sich um stark befestigte Wehrdörfer, mit einem durchdachten Verteidigungssystem aus steinverkleideten Erdwerken, Gräben und Palisaden. Zu der Anlage gehören auch Terrassen für Wohnbebauung mit aus vergänglichen Materialien erstellten Häusern sowie bewässerte Anbauterrassen. Große Festungswerke sind oft mit kleineren assoziiert, wahrscheinlich Satelliten größerer Siedlungen oder zeitweilige Refugien. Die Größe der Anlagen variiert, sie umfassten Grundflächen von insgesamt 3040 m² bis 25.237 m². Die Bergspitzen und die steilen Grate wurden dafür großflächig umgestaltet.Douglas Kennett, Sarah B. McClure: The Archaeology of Rapan Fortifications. In: Terra Australis 37, Taking the High Ground – Archaeology of Rapa a Fortified Island in Remote Polynesia, Australian National University, Canberra 2012, S. 203–234