Evangelium und Kirche (EuK) ist eine evangelische, kirchenpolitische Vereinigung in Württemberg, die sich auf vielen Ebenen (Kirchengemeinde, Bezirk, Synode) einbringt. Sie steht als eine der vier Gesprächskreise der württembergischen Landeskirche bei den Kirchenwahlen mit ihren Kandidaten zur Wahl und wird deshalb auch oft als eine Art „Kirchenpartei“ bezeichnet.

Geschichte 1934 bis 1945 Gegründet wurde EuK 1934 als Evangelische Bekenntnisgemeinschaft in Württemberg durch Pfarrer Theodor Dipper und stand in Opposition zum Nationalsozialismus in der Kirche. Man wandte sich z. B. gegen den Arierparagraphen, der aber von der Mehrheit der Anhänger der Deutschen Christen angenommen wurde. Viele, die in der Bekennenden Kirche aktiv waren, standen EuK nahe oder gehörten der Gruppe an.

Viele Mitglieder engagierten sich trotz drohender Repressalien. So verurteilte in Kirchheim/Teck 1936 Pfarrer Otto Mörike die Bezeichnung Hitlers als „Hohepriester vor Gottes Thron“ durch Goebbels und wurde daraufhin zusammengeschlagen, zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und mit Redeverbot belegt. Weitere Beispiele, wie die Predigt des Pfarrers Julius von Jahn gegen die Reichskristallnacht anlässlich des Buß- und Bettages 1938, endeten ähnlich.

Der damalige Vorsitzende Theodor Dipper wurde wiederholt mit Redeverbot belegt und eingesperrt, doch er ließ nicht von seinem Widerstand ab. So gehörte er mit seiner Frau Hedwig, Gertrud und Otto Mörike und anderen „Bekenntnispfarrern“ dem „Brüderring“ an, die ab 1943 angebliche „Bombenflüchtlinge“, die in Wirklichkeit aber jüdische Flüchtlinge waren, in ihren Privathäusern getarnt aufnahmen.

Entwicklungen seit 1945 Nach 1945 galt es die demokratische Neugestaltung von Kirche und Staat konstruktiv und kritisch zu begleiten. 1966 konstituierte sich der synodale Gesprächskreis wieder unter dem Namen Evangelium und Kirche. 1970 wurde die Bekenntnisgemeinschaft konsequenterweise ebenfalls in Evangelium und Kirche umbenannt. In den 1980er und 1990er Jahren hat der Gesprächskreis oftmals eng mit der Vereinigung Offene Kirche in Württemberg zusammengearbeitet. Als Publikationsorgan der Gruppierung erscheinen zwei- bis dreimal jährlich die „Informationen“ mit Beiträgen zur theologischen Themen und zur Arbeit in der Synode.

Die Landesvorsitzenden JahreVorsitzender1933–1934Wolfgang Metzger (Sprecher), Pfarrer, später Prälat1934Gotthilf Weber (Sprecher), später Dekan1934–1939Theodor Dipper, Pfarrer, später Dekan1939–1945Paul Schmidt, Pfarrer1945–1969Theodor Dipper, Dekan1969–1974Peter Spambalg, Dekan1974–1978Gerhard Müller, Dekan1978–1990Hans Lachenmann, Kirchenrat1990–1999Walter Blaich, Dekan1999–2014Richard Mössinger, Pfarrer2014–2023Ernst-Wilhelm Gohl, Dekan, ab 2022 Landesbischofseit 2023Martin Böger, Pfarrer, und Damaris Läpple, Vikarin

Positionen EuK stellt die kirchenpolitische Mitte dar. Viele Mitglieder könnten auch anderen Gesprächskreisen angehören, wollen aber „die ganze Kirche im Blick haben“. Schwerpunktthemen sind theologische Urteilsbildung zu kirchlichen und kirchenpolitischen Themen das Gespräch zwischen Christen verschiedener Prägungen (Pietisten, Liberale etc.) das „Suchen ausgewogener Lösungen statt einseitiger Entscheidungen“ Bildung und Diakonie.

Weblinks Homepage Sendung im Kirchenfernsehen Alles hat seine Geschichte, Auch EuK; Werbebroschüre

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