thumb|hochkant|Egbert von Frankenberg (2. v. r.) zwischen dem angeblichen Bundeswehrdeserteur Bruno Winzer (r.) und Adolf Deter (l.) am 8. Juli 1960 auf einer Pressekonferenz in Ost-Berlin. Die vom Ministerium für Staatssicherheit gesteuerte und von Frankenberg moderierte Veranstaltung sollte die Weltöffentlichkeit auf die „Aggressionspläne des Bonner Generalstabs“ aufmerksam machen.

Egbert Wilhelm Erwin von Frankenberg und Proschlitz, häufig kurz Egbert von Frankenberg, (* 20. März 1909 in Straßburg; † 15. März 2000 in Berlin) war ein Major der Wehrmacht, später Politiker der DDR-Blockpartei NDPD, Funktionär dieser Partei und erster Präsident des ADMV.

Leben Egbert von Frankenberg stammte aus einer uradligen schlesischen Gutsbesitzers- und OffiziersfamilieVgl. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). 1904. Jahrgang 5, Justus Perthes, Gotha 18. September 1903, S. 257. und war der zweitälteste Sohn des späteren Generalmajors Werner von Frankenberg und Proschlitz und dessen Ehefrau Josephine Barthélemy (* 1879; † 1952), Tochter der Marie Weigelt und des kgl. preuß. Oberstleutnant a. D. Theodor Barthélemy. Frankenberg hatte mehrere Brüder, Nichten und Neffen. Die Mutter stammte aus Stettin und lebte als Witwe in Bad Pyrmont. Der gleichnamige preußische Generalleutnant Albert Benno Wolfgang Egbert von Frankenberg und Proschlitz war sein Großvater, Viktor von Frankenberg und Proschlitz sein Onkel.

Die Schulzeit schloss Frankenberg mit dem Abitur ab. Bereits zum 1. April 1931 trat er der NSDAP (Mitgliedsnummer 516.855)Bundesarchiv (BArch) R 9361-IX KARTEI/9400635. und 1932 der SS bei. Nach EigenangabenDerselbe: Tradition im Kreuzverhör. Meine Familie in der Geschichte. 2. Auflage, Verlag der Nation, Berlin 1980, S. 270. betraf dies die Mitgliedschaft in einem SS-Fliegersturm/Fliegerstaffel, welche nachfolgend ab 1933 in das NS-Fliegerkorps (NSFK) übernommen wurde. Nach dem Meteorologie-Studium folgte für Egbert von Frankenberg parallel von 1931 bis 1935 eine Piloten-Ausbildung für Land und See. Anschließend wurde er von der neuen Luftwaffe übernommen.

Als freiwilliger Angehöriger der Legion Condor kämpfte er im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Putschisten gegen die republikanischen Truppen.

Im Jahre 1941 war er Gruppenkommandeur der III. Gruppe des Kampfgeschwaders 77. , Offiziere der Luftwaffe 1939–1945. Im Krieg gegen die Sowjetunion geriet er als Major und Kommodore des Kampfgeschwaders 51 1943 in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Er gehörte zum Nationalkomitee Freies Deutschland und war Gründungsmitglied des Bundes Deutscher Offiziere. Er war Mitunterzeichner der Gründungsdokumente und des „Aufrufes an die deutschen Generale und Offiziere! An Volk und Wehrmacht!“ vom 12. September 1943.DRAFD-Wiki (Hrsg.): Index Egbert von Frankenberg und Proschlitz. 1948 wurde er in die Sowjetische Besatzungszone entlassen.

1949 wurde Frankenberg Mitglied der NDPD, 1951 bis 1990 gehörte er dem Hauptausschuss der Partei an. Er übte verschiedene hauptamtliche Parteifunktionen aus, war von 1949 bis 1951 politischer Geschäftsführer (2. Vorsitzender) der NDPD in Thüringen und 1951/52 Landesvorsitzender in Berlin. Nach Bildung der Bezirke in der DDR war er 1952/53 Vorsitzender des NDPD-Bezirksverbandes Berlin. Seit 1951 war er auch stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses der Nationalen Front von Ost-Berlin,Neues Deutschland, Berlin, 21. Juli 1951, S. 1. ab 1954 war er Dozent der NDPD-Hochschule in Waldsieversdorf.

Bei den Landtagswahlen 1950 wurde er zum Mitglied des Thüringer Landtags bestimmt und war dort seit 3. November 1950 Vizepräsident.Neue Zeit, Union Verlag, Berlin 4. November 1950, , S. 2. Am 31. Oktober 1951 rückte er für Heinz Neukirchen als Mitglied der NDPD-Fraktion und Berliner Vertreter in der Volkskammer nach, legte jedoch am 21. April 1954 sein Mandat nieder.Berliner Zeitung, Berlin, 22. April 1954, S. 2. Er war Abgeordneter der Berliner Stadtverordnetenversammlung (SVV) und seit Februar 1953 Vorsitzender der Ständigen Kommission für Gesundheitswesen der SVV.Neues Deutschland, Berlin, 14. Februar 1953, S. 6.

1957 wurde er zum Thema Die Massenvernichtungswaffen: Einige militärpolitische und völkerrechtliche Überlegungen promoviert, 1989 habilitierte er sich mit der Arbeit Im Interesse des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit über die Streitkräfte unter UNO-Flagge. Seit 1957 war er auch der militärpolitische Kommentator des Rundfunks der DDR.

Frankenberg war seit Dezember 1952 Präsident der Sektion Motorrennsport der DDR, von 1957 bis 1978 erster Präsident des ADMV der DDR. Er wurde 1979 mit dem Vaterländischen Verdienstorden (VVO) in Gold und 1984 mit der Ehrenspange zum VVO in Gold ausgezeichnet.

Familie Egbert von Frankenberg und Proschlitz war zweimal verheiratet. 1939 heiratete er im pommerschen Schwarz-Damerkow Liselotte Freiin von Puttkammer (* 1916), Tochter der Emilie Puchelt und des Gutsherrn Franz Freiherr von Puttkammer auf Puttkammerhof. Diese Ehe wurde am 10. April 1951 in Dresden geschieden. Ihre Kinder waren: Hubertus (* 1941), Lehrbeauftragter a. d. FH Regensburg, verheiratet, zwei Kinder Angelika (* 1943), Bibliothekarin i. Icking, verheiratet, führt den Geburtsnamen

Liselotte lebte zuletzt in Baden-Baden.

In zweite Ehe heiratete er in Berlin-Köpenick die Ingenieurstochter Maria Kawasow verwitwete Menzel (* 1922), aus Jugoslawien stammend. Ihre Kinder waren: Alexander (* 1950), Betriebswirt, zweimal verheiratet, Kinder; Wohnsitz Berlin-Köpenick Egbert (* 1957), Arzt, verheiratet, zwei Kinder; Wohnsitz Berlin-Köpenick

Maria von Frankenberg lebte zuletzt in Berlin-Köpenick.

Schriften Zu Befehl. Verlag der Nation, Berlin 1951. Die Massenvernichtungswaffen. Einige militärpolitische und völkerrechtliche Überlegungen. Verlag des Ministeriums für Nationale Verteidigung, Berlin 1958. Meine Entscheidung. Deutscher Militärverlag, Berlin 1963. Tradition im Kreuzverhör. Meine Familie in der Geschichte. 1. Auflage, Verlag der Nation, Berlin 1980.

Literatur Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil A (Uradel). 1934. Jahrgang 33, Justus Perthes, Gotha 1933, S. 181 ff. Walter von Hueck, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1969 Band IX, Band 43 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1969, , S. 120–128. Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1983 Band XVII, Band 81 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1983, , S. 215–219. Zum 65. Geburtstag, In: ADMV-DDR (Hrsg.): Illustrierter Motorsport (Berlin), Heft 3/1974, Sportverlag, Berlin 1974, S. 59. Christoph Franke, Moritz Graf Strachwitz von Groß Zauche und Camminetz: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 2005. Band XXVIII, Band 138 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 2005, , S. 67–73. Bernd-Rainer Barth: Frankenberg u. Proschlitz, Egbert von. In: Wer war wer in der DDR? 5. Auflage. Band 1. Ch. Links Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.

Weblinks

Bubndesstiftung Aufarbeitung-Datenbank: Frankenberg u. Proschlitz, Egbert von. Familienverband: Erwähnung: Egbert von Frankenberg und Proschlitz

Einzelnachweise

Kategorie:Major (Luftwaffe der Wehrmacht) Kategorie:Person (Legion Condor) Kategorie:Sachbuchautor Kategorie:DDR-Literatur Kategorie:Person (Nationalkomitee Freies Deutschland) Kategorie:NDPD-Funktionär Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:SS-Mitglied Kategorie:Landtagsabgeordneter (Thüringen 1946–1952) Kategorie:Abgeordneter der Volkskammer Kategorie:Abgeordneter der Länderkammer der DDR Kategorie:Mitglied der Stadtverordnetenversammlung von Berlin (DDR) Kategorie:Träger des Vaterländischen Verdienstordens (Ehrenspange) Kategorie:Träger des Sterns der Völkerfreundschaft Egbert Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1909 Kategorie:Gestorben 2000 Kategorie:Mann