Werner Twardy (* 28. Dezember 1926 in Oberhausen; † 16. Januar 1977 in Kleineichen bei Köln) war ein deutscher Komponist, Arrangeur, Pianist, Organist, Dirigent und Musikproduzent. Er trat auch unter den Pseudonymen Daddy Monrou, T. W. Ardy und Dicky GrayPseudonym belegt in Günther, M. und Lotz, G.: Ein Name wie Musik. Die Polydor-Singles Deutschland 1953–1970. Bear Family Records 2001 in Erscheinung.
Leben und Werk Twardy studierte an der Folkwangschule in Essen Harmonie- und Kompositionslehre Klappentext der LP The Entertainer. 28 Hits in der Tanzbar, RCA International und wirkte zunächst als Jazz-Pianist, vor allem in amerikanischen Offizierscasinos. Er war Mitglied einer kleineren Formation des Trompeters Charly Tabor, der auch die Saxophonisten Delle Haensch, Max Greger und Paul Martin sowie der Schlagzeuger Teddy Paris angehörten. Vgl. O. Blackstone. Playback, Bände 2-3, 1949, S. 91 Ferner wirkte er zusammen mit den Trompetern Fred Bunge und Hanne Wilfert, dem Posaunisten Otto Bredl und den Saxophonisten Paul Biste und Bubi Aderhold in der Band von Joe Wick.Vgl. Tom Wohlert, Musiker Macher Machos Mafiosi: Vom Amateurmusiker in die Kölner Studio-Szene 2010, S. 86; Twardys Mitgliedschaft in der Band von Joe Wick ist ferner belegt durch die Kurzbiografie auf der EMI/Papagayo-LP „Werner Twardy – Zwanzig Erfolge“ (1987), die in Kooperation mit den beiden Musikverlagen entstand, bei denen Twardy unter Vertrag stand (Gerig Musikverlag/UFA-Musik- und Bühnenverlage) Seit 1950 gehörte er zu einer der kleineren Formationen von Fred Bunge.Horst H. Lange: Jazz in Deutschland. Die deutsche Jazz-Chronik 1900–1960. Berlin: Colloquium Verl. 1966, S. 141. Mit dieser Formation, der Fred Bunge And His Dixieland Band, kam es 1951 auch zu einer Plattenaufnahme (Blues Improvisation/Shine, Astra Schall AW 4000). Erik Raben: Jazz Records: 1942-80: a discography. Band 3, Kopenhagen o. J., S. 215 Nach einem kurzen Engagement bei Fred Spannuth führte ihn 1950 ein Rundfunkengagement nach Hamburg, wo er bis 1952 am NDR u. a. mit Bert Kaempfert und dem Orchesterleiter und Sänger Hans Köpke arbeitete und nebenbei an der Heinrich Schenker-Akademie bei Felix-Eberhard von Cube studierte.Klappentext der Papagayo/EMI-LP „Werner Twardy – Zwanzig Erfolge“; belegt auch in dem Beitrag von Lutz Kuessner „Werner Twardy – der «weiße Riese»“. In: et cetera. Verlagszeitschrift der UFA Musik- und Bühnenverlage, Nr. 20/1988 Ende 1952 erhielt Twardy dann ein Engagement als Pianist im Orchester von Kurt Edelhagen beim SWF in Baden-Baden. Er war hier Nachfolger von Heinz Kiessling, wurde aber bereits 1953 von Werner Drexler abgelöst. Im Rahmen des Engagements bei Kurt Edelhagen kam es am 24. April und am 22. Juni 1953 auch zu Plattenaufnahmen, bei denen Twardy als Solist fungierte (An American in Paris/Summertime, Brunswick 82755 und Hawaiian War Chant/Tenderly, Brunswick 82768).Michel Ruppli: The Decca Labels. A Discography. Volume 5. Country Recordings, Classical Recordings & Reissues. Westport 1996: Greenwood Press, S. 834 Twardy schrieb zahlreiche Arrangements für Edelhagens Band und war zwischen 1952 und 1955 außerdem als Pianist Mitglied der Jazz-Combo Edelhagen All Stars, die modernen Jazz spielte und Arrangeur für andere Formationen, u. a. für Adalbert Luczkowski, Franz Thon und Alfred Hause.Matthias Künnecke (unter Mitarbeit von Suitbert Kempkes und Christopher Klaese): Begleittext der CD The Fantastic Sound of Werner Twardy. Universal Music Group. 2010. Ab 1953 bis einschließlich 1960 war er Mitglied des Kleinen Tanz- und Unterhaltungsorchesters des WDR. Vgl. Jürgen Wölfer: Jazz in Deutschland – Das Lexikon. Alle Musiker und Plattenfirmen von 1920 bis heute. Höfen 2008, S. 340 1954 tourte er als Pianist mit dem Helmut Weglinski-Sextett.Klappentext der Papagayo/EMI-LP „Werner Twardy – Zwanzig Erfolge“ 1956 nahm er als Pianist der Mister Martins Band an den Aufnahmen zum Soundtrack des Films Die Halbstarken (Musik: Martin Böttcher) teil und spielte dort neben Größen wie Horst Fischer, Fatty George, Ernst Mosch, Werner Baumgart, Gerald Weinkopf, Cornelis op den Zieken, Bill Grah, Siegfried Enderlein, Rolf Ahrens und Hans Last. Vgl. Label der Columbia EP SEGW 21-7819: Filmmusik Die Halbstarken: Originalmusik aus dem gleichnamigen Interwest Union Film 1957 schloss sich Twardy dem Wechsel Edelhagens zum WDR nach Köln an, wo er noch gelegentlich für das Edelhagen-Orchester als Arrangeur tätig war. Wechselnde Engagements zwischen dem WDR und dem NDR führten dazu, dass er mehrere Jahre zwischen Hamburg und Köln pendelte. So nahm er u. a. 1958 als Pianist am ersten Konzert des von Hans Gertberg initiierten NDR Jazzworkshops teil, der die seit 1952 bestehende Studio-Jazzkonzert-Reihe des NDR weiterführte. Hier spielte Twardy mit namhaften Jazzgrößen seiner Zeit, wie Fred Christmann, Albert Mangelsdorff, Glen Buschmann, Attila Zoller, Hans Last, Peter Trunk und Karl SannerVgl. http://www.plosin.com/milesahead/Tapes.aspx?s=19580221 sowie https://jazzrealities.blogspot.de/2015/12/ndr-jazz-workshops-start-of-listing-i.html. Um 1960 war Twardy am NDR Mitbegründer, Arrangeur und Pianist des Willi Surmann Saxtetts, dem auch Hans Last und Rolf Ahrens angehörten.Klappentext der Papagayo/EMI-LP „Werner Twardy – Zwanzig Erfolge“; Formation auch belegt in Wolfram Knauer: Darmstädter Beiträge zur Jazzforschung 8. Improvisieren. 2004, S. 155 Laut Tom Lord war Twardy im Bereich der Jazzmusik zwischen 1951 und 1960 insgesamt an fünf Einspielungen als Pianist beteiligt, gleichwohl sich deutlich mehr Aufnahmen belegen lassen.Tom Lord Jazz Discography Seit Ende der 1950er-Jahre leitete Twardy auch sein eigenes Studio- und Begleitorchester, mit dem er zahlreiche Titel, u. a. für die Plattenlabels Heliodor, Polydor, Vogue und Electrola aufnahm und Arrangements, u. a. für Peter Alexander und Bill Ramsey, schrieb. Mit seiner Einspielung des von Stan Jones komponierten Titels Geisterreiter (Riders in the Sky/Columbia) erreichte er am 6. Mai 1961 mit seinem Orchester Platz 21 der deutschen Singlecharts.Hit Bilanz. Deutsche Chart Singles 1956–1980. Hamburg 1990: Taurus Press, S. 208
In Köln wurde er Ende 1958 für den Produzenten Kurt Feltz tätig, für dessen Produktion er auch erstmals als Komponist in Erscheinung trat, u. a. mit Titeln für Margot Eskens und Margrit Imlau. Ab 1961 war er fast ausnahmslos für den Produzenten und Orchesterleiter Hans Bertram tätig, für dessen erfolgreiche Musikproduktion er als Komponist, Arrangeur, Dirigent und Organist arbeitete. Fortan konzentrierte sich Twardy vor allem auf die Kompositionstätigkeit. Er schuf zahlreiche Titel, oft in Zusammenarbeit mit der Textdichterin Lilibert, hinter deren Pseudonym sich Elisabeth Bertram verbarg, die Ehefrau von Hans Bertram. Erste respektable Erfolge und Chartplatzierungen gelangen ihm mit Kompositionen für Will Brandes, Trude Herr und das Medium-Terzett. Er war der kreative Kopf hinter der populären Babysitter-Welle, die mit der deutschen Einspielung des Babysitter-Boogie von Ralf Bendix begann, der 1961 unter der Federführung von Hans Bertram im Kölner Electrola-Studio aufgenommen wurde. Twardys geschicktes Arrangement des US-amerikanischen Titels von Buzz Clifford, bei dem Bertrams Tochter Elisabeth als „kleine Elisabeth“ den Babypart übernahm, begründete nicht nur eine Serie ähnlich gestalteter Titel, sondern wurde ein weltweiter Millionenerfolg. Im Fahrwasser dieses Erfolges gelangen Twardy in den Folgejahren zwei weitere respektable Erfolge. Mit Will Brandes und der kleinen Elisabeth folgten auf den Boogie noch ein Baby-Twist (1962) und ein Baby-Babbel-Bossa-Nova (1963), die mit dem bereits erprobten Background (Produzent Bertram, Texterin Lilibert und der nicht mehr ganz so kleinen Elisabeth) zu Verkaufsschlagern wurden. Der mit Abstand größte Erfolg seiner Karriere gelang Twardy aber mit seinen Kompositionen für Roy Black und Chris Roberts, für die er gleich mehrere Hits schrieb und deren charakteristischen Stil er prägte. Mit Titeln wie Schön ist es auf der Welt zu sein (Roy Black und Anita), „Dein schönstes Geschenk“ (Roy Black) und „Ich bin verliebt in die Liebe“ (Chris Roberts) feierte er seine größten Erfolge als Komponist für die „Hitfabrik Bertram“. Twardy war zeitlebens der Mann im Hintergrund. So begleitete er z. B. Roy Black bis 1973 auf all seinen Tourneen als Pianist und Orchesterleiter, so z. B. auch im Jahr 1971 gemeinsam mit dem Jochen Brauer-Sextett auf einer Mittelmeerkreuzfahrt auf dem Neckermann-Schiff. Klappentext der Polydor-LP Weisser Riese in Pop Zwischen 1969 und 1972 war Twardy auch für die Musik zu einigen Filmen verantwortlich, in denen die populären Schlagersänger mitwirkten. Für das Plattenlabel Polydor produzierte Bertram neben Schlagersingles auch eine ganze Reihe Langspielplatten im Big-Band- und Easy-Listening-Sound (allen voran die Instrumentalreihe In Gold, z. B. Hammond in Gold, Klarinette in Gold, Trompete in Gold, Piano in Gold, Posaune in Gold), für die Twardy zahlreiche Arrangements beisteuerte und unter dem Pseudonym T. W. Ardy Hammond-Orgel spielte. In dieser Zeit arbeitete er mit namhaften Instrumentalisten wie Henry Arland, Horst Fischer, Marek & Vacek, Fritz Schulz-Reichel, Heinz Schachtner, Leif Uvemark, Otto Bredl oder Jiggs Whigham und spielte unter dem Pseudonym Dicky Gray zwei Instrumental-Singles ein. Auch schrieb er zahlreiche Arrangements für den Günter Kallmann Chor, die Fischer-Chöre und das Medium-Terzett.