mini|Monika Stocker (1990)
Monika Stocker, auch Monika Stocker-Meier (* 1. Juli 1948 in Aarau; † 21. April 2026Ehemalige Zürcher Nationalrätin Monika Stocker gestorben. In: SRF.ch, 24. April 2026.), war eine Schweizer Politikerin (GP).
Leben mini|Die von Monika Stocker initiierte Frauensession 1991 im Nationalratssaal Monika Stocker wuchs als jüngstes von drei Geschwistern in Aarau auf. Ihr Vater war Polizist, die Mutter Hausfrau. Die Tatsache, dass die Stellung der Frau in der Zeit ihrer Jugend von Einschränkungen geprägt war (der Mutter war es als verheirateter Frau nicht möglich, ein eigenes Bankkonto zu haben), bestärkte sie in ihrem Entschluss, nach der Matura ein Studium aufzunehmen, um einer Erwerbstätigkeit nachgehen zu können. Monika Stocker studierte von 1968 bis 1973 Sozialwissenschaften an der Universität Fribourg. Dort lernte sie auch ihren späteren Mann kennen. Beide kamen überein, bei der Familiengründung ein egalitäres Beziehungsmodell zu leben. Die Kriege in Vietnam, im Irak sowie der bewaffnete Konflikt in Nordirland beschäftigten sie. Sie entwickelte sich zur Pazifistin und schloss sich den „Frauen für den Frieden an“. Deswegen sei sie damals immer wieder angefeindet worden, sagte Stocker später. In der Zeit des Kalten Krieges sei das in der öffentlichen Wahrnehmung einem Landesverrat vergleichbar gewesen. 1986 war sie Mitglied bei den Grünen. Von 1987 bis 1991 war sie Nationalrätin und nahm gleichzeitig Lehrtätigkeiten an Schulen für soziale Arbeit auf. 1991 war sie Initiantin der Frauensession in Bern. Zwischen März 1994 und Juli 2008 war sie Stadträtin und Vorsteherin des Sozialdepartements der Stadt Zürich, dies als Nachfolgerin von Emilie Lieberherr. Als Sozialvorsteherin leistete Monika Stocker über die Stadtgrenze hinaus Pionierarbeit, wie z. B. die Neue Zürcher Zeitung festhielt. 1995 liess die Stadt Zürich auf dem sog. „Lettenareal“ unweit des Zürcher Hauptbahnhofs zwar die zahlreichen Drogensüchtigen vertreiben, um eine Ausweitung der Drogenszene zu verhindern, doch kam es nicht zur Eskalation. Stattdessen wurde den Schwerstsüchtigen Hilfe angeboten. Monika Stocker setzte sich erfolgreich dafür ein, die Menschen am Rande der Gesellschaft zu entstigmatisieren. Als Pionierin galt sie in Sachen Jobs für Sozialhilfeempfänger.
Im Jahr 2007 wurde sie schweizweit von verschiedenen Seiten scharf für ihre Sozialhilfepolitik kritisiert. Nachdem bereits ein Jahr zuvor der sogenannte SpanienfallHarte Jugend: In der Wildschweinfalle. Die Weltwoche, Ausgabe 16/2006, 3. März 2016 (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive). und später der sogenannte Hotelfall – es ging um eine Familie, die auf Kosten des Sozialamtes in einem Zürcher Hotel untergebracht worden war –, publik geworden war, wies vor allem die Weltwoche in einer ganzen Reihe von Artikeln auf Missstände im Zürcher Sozialamt hin.«Die Sozialhilfe bezahlt keine Autos», Tages-Anzeiger, 22. März 2007. (Online nicht mehr verfügbar, )Frau Zaki braucht wieder Sozialgeld, Weltwoche vom 16. April 2013 (Archiv) Anfang 2008 outeten sich zwei Controllerinnen des Sozialamtes, Margrit Zopfi und Esther Wyler, als Informantinnen der Weltwoche.«Die Untersuchung war eine Farce» (Archiv) Die beiden Whistleblower wurden 2010 mit dem Prix Courage ausgezeichnet.Prix Courage 2010: Publikumspreis geht an Margrit Zopfi und Esther Wyler. Juristisch wurden sie in erster Instanz vom Vorwurf der Amtsgeheimnisverletzung freigesprochen, das Obergericht kam aber 2011 zu einem Schuldspruch, der vom Bundesgericht bestätigt wurde.Bundesgericht: Wyler und Zopfi schuldig.
Am 5. Februar 2008 gab Stocker infolge gesundheitlicher Probleme ihren Rücktritt aus dem Zürcher Stadtrat per Juli 2008 bekannt.
Ab ihrer Pensionierung arbeitete sie ehrenamtlich in verschiedenen Projekten mit, so als Präsidentin der Sektion Zürich und Schaffhausen der Stiftung UBAhttp://www.uba.ch/index.php?id=11 für Konflikte im Alter.UBA Medienorientierung vom 12. Juni 2013. .Neue Zürcher Zeitung vom 9. September 2014, Nr. 208, S. 51 (Hinweis auf eine Sendung am 9. September 2014 um 9.02 Uhr auf SRF 2, in der Monika Stocker neben Albert Wettstein zum Thema «Gewalt im Alter» mitdiskutiert) Von 2009 bis 2016 war sie Co-Leiterin der Redaktion der Zeitschrift Neue Wege – Beiträge zu Religion und Sozialismus.
Sie veröffentlichte mehrere Bücher und zahlreiche kleinere Schriften.
Stocker war verheiratet und hatte zwei Kinder. Sie starb am 21. April 2026 im Alter von 77 Jahren.
Literatur Alex Baur: Störfall im Sozialamt. Elster, Zürich 2011, ISBN 978-3-907668-88-7.
Dokumentarfilm «Monika Stocker – der Weg an die Macht» von Barbara Bosshard, die Stocker vom ersten Tag als Nationalrätin bis zur Wahl als Stadträtin begleitete. Langzeitbeobachtung von 1987-1995. (Online bei SRF, 51 Min)
Weblinks Persönliche Website von Monika Stocker
Nachlass im Stadtarchiv Zürich (enthält auch Gedichte und persönliche Texte)
Einzelnachweise
Kategorie:Stadtrat (Zürich) Kategorie:Nationalrat (Zürich) Kategorie:Mitglied der Grünen Schweiz Kategorie:Person (Religiöser Sozialismus) Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1948 Kategorie:Gestorben 2026 Kategorie:Frau