Der Jerusalemsverein (JV) ist ein deutscher evangelischer Verein zur Unterstützung von Kirchengemeinden in Israel, Palästina und Jordanien.

Geschichte und Tätigkeit Gründung 1853 bis zur britischen Eroberung 1917 mini|Friedrich Adolph Strauß, einer der Gründer des Jerusalemsvereins Am 21. Januar 1853 wurde im Berliner Dom die Gründung des Jerusalemsvereins bekanntgegeben. Er sollte „die Vertretung der deutsch-evangelischen Kirche im Heiligen Lande durch Sammlungen von Beiträgen … befördern und für die innere und äußere Mission unter den Einheimischen jener Gebiete und den daselbst ansässigen und reisenden Deutschen in den bereits gegründeten und noch zu gründenden Pfarren, Schulen, Krankenanstalten und Hospizen thätig … sein.“§ 1 der Satzung von 1853 nach Frank Foerster: Mission im Heiligen Land: Der Jerusalems-Verein zu Berlin 1852–1945. Gütersloher Verlags-Haus Mohn, Gütersloh 1991, ISBN 3-579-00245-7, S. 235 f. Zu den Gründern gehörten Wilhelm Hoffmann und Friedrich Adolf Strauß, der bis zu seinem Tode als Vorsitzender amtierte.Frank Foerster: Mission im Heiligen Land: Der Jerusalems-Verein zu Berlin 1852–1945. Gütersloher Verlags-Haus Mohn, Gütersloh 1991, ISBN 3-579-00245-7, S. 235 f.

Der Verein unterstützte anfangs christliche Einrichtungen in Jerusalem wie zum Beispiel die von Kaiserswerther Diakonissen geleitete Mädchenschule Talitha Kumi oder das von Johann Ludwig Schneller gegründete Syrische Waisenhaus. Außerdem wurden die evangelischen Gemeinden bzw. Geistlichen in Alexandria, Beirut, Jerusalem und Kairo unterstützt. 1860 wurde eine erste eigene „Missionsstation“ errichtet, die 1865 als evangelische Gemeinde Bethlehem selbständig wurde. 1879 wurde mit Bischara Canaan der erste arabische Evangelist der deutschen evangelischen Palästinamission eingestellt.Jerusalemsverein: Geschichte, abgerufen am 7. Juli 2025.

1886 bildete sich in Haifa eine deutschsprachige evangelische Gemeinde, Kirchler genannt, als mehr als 50 Mitglieder der von Christoph Hoffmann, einem Bruder Wilhelm Hoffmanns, gegründeten Tempelgesellschaft wieder in die evangelische Kirche eintraten. Der Jerusalemsverein beteiligte sich an der Finanzierung von Schule, Kapelle, Pfarrhaus und Gemeindehaus sowie seit 1890 mit dem Gehalt für einen Lehrer, seit 1893 für einen Pfarrer, seit 1900 für eine in Kaiserswerth ausgebildete Diakonisse und seit 1911 für eine Lehrerin.Jakob Eisler: Kirchler im Heiligen Land. Die evangelischen Gemeinden in den württembergischen Siedlungen Palästinas (1886–1914). In: Das Erwachen Palästinas im 19. Jahrhundert, Kohlhammer, Stuttgart 2001, S. 77–90.

Auch in Jaffa bildete sich 1889/90 vor allem aus Apostaten der „Templergemeinde“, den Angehörigen einer älteren von Peter Martin Metzler gegründeten Missionsstation, sowie evangelischen Auslandsdeutschen und -schweizern eine deutschsprachige evangelische Gemeinde, die sich – wie auch die Gemeinde Haifas – 1906 der altpreußischen Landeskirche anschloss. Der Jerusalemsverein sorgte seit 1891 für einen Lehrer, seit 1897 einen Pfarrer und seit 1911 für eine Lehrerin. Auch den Bau der Immanuelkirche in Jaffa finanzierte der Verein zu wesentlichen Teilen. In Bait Sahur begann 1901 die Bildung einer noch heute bestehenden arabischsprachigen evangelischen Gemeinde.Jakob Eisler: Der deutsche Beitrag zum Aufstieg Jaffas 1850–1914: Zur Geschichte Palästinas im 19. Jahrhundert. Harrassowitz, Wiesbaden 1997, ISBN 3-447-03928-0 (Abhandlungen des Deutschen Palästina-Vereins; Bd. 22), S. 111–118.

1897 besuchten 180 Kinder die Schule in Bethlehem und 210 Kinder die Schule in Beit-Jala.Thomas Hartmut Benner: Die Strahlen der Krone: Die religiöse Dimension des Kaisertums unter Wilhelm II. vor dem Hintergrund der Orientreise 1898. Tectum Verlag, 2001, ISBN 978-3-8288-8227-0, Seite 148.

1907 gründete die deutschsprachige Kirchlergemeinde aus Haifa eine neue Siedlung namens Waldheim (heute Allonei Abba), die auch Unterstützung des Jerusalemsvereins erhielt.Jakob Eisler: Kirchler im Heiligen Land. Die evangelischen Gemeinden in den württembergischen Siedlungen Palästinas (1886–1914). In: Das Erwachen Palästinas im 19. Jahrhundert, Kohlhammer, Stuttgart 2001, S. 84–86.

In der Weimarer Republik Die mit der britischen Eroberung Palästinas 1917 zunächst eingerichtete Besatzungsverwaltung (Occupied Enemy Territory Administration, OETA) beschlagnahmte alles Eigentum natürlicher und juristischer Personen nichtosmanischer feindlicher Staatsangehörigkeit, also auch das palästinensische Vermögen des Jerusalemsvereins. John Raleigh Mott und Joseph Houldsworth Oldham, zwei Vertreter der Ökumene, hatten am 14. April 1918 das Emergency Committee of Cooperating Missions gegründet, mit Mott als Präsident und Oldham als Generalsekretär.Roland Löffler: Die Gemeinden des Jerusalemsvereins in Palästina im Kontext des kirchlichen und politischen Zeitgeschehens in der Mandatszeit. In: Almut Nothnagle (Hrsg.): Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem! Festschrift zum 150jährigen Jubiläum von Talitha Kumi und des Jerusalemsvereins. Evangelische Verlags-Anstalt, Leipzig 2001, ISBN 3-374-01863-7, S. 185–212, hier S. 193 f. Mott und Oldham gelang es, Art. 438 in den Friedensvertrag von Versailles einzubringen, demnach das Vermögen deutscher Missionen – anders als das Vermögen sonstiger deutscher juristischer Personen – von der Enteignung zum Zwecke der Kriegsreparation für den Ersten Weltkrieg ausgenommen wurde. Jerusalemsverein und Evangelische Jerusalem-Stiftung hatten inzwischen den schwedischen lutherischen Erzbischof Nathan Söderblom als ihren Sprecher bei den britischen Behörden ernannt.Roland Löffler: Die Gemeinden des Jerusalemsvereins in Palästina im Kontext des kirchlichen und politischen Zeitgeschehens in der Mandatszeit. In: Almut Nothnagle (Hrsg.): Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem! Festschrift zum 150jährigen Jubiläum von Talitha Kumi und des Jerusalemsvereins. Evangelische Verlags-Anstalt, Leipzig 2001, ISBN 3-374-01863-7, S. 185–212, hier S. 194.

Im Mai 1919 meldete der Verein dem Reichskommissar für die Deutschen im feindlichen Ausland, dass der Verlust an Eigentum im Heiligen Land sich auf 891.785,- Mark (ℳ) belaufe (ca. 44.589,25 £ oder 212.329,76 $ gemäß den ℳ-Vorkriegsparitäten). Der Friedensvertrag von Versailles, der am 28. Juni 1919 unterzeichnet worden war und nach allseitiger Ratifikation am 10. Januar 1920 in Kraft trat, legalisierte den bestehenden britischen Gewahrsam des Vermögens.Frank Foerster: Mission im Heiligen Land: Der Jerusalems-Verein zu Berlin 1852–1945. Gütersloher Verlags-Haus Mohn, Gütersloh 1991, ISBN 3-579-00245-7, S. 142.

Im Süden Palästinas wurden die meisten Männer nichtosmanischer feindlicher Staatsangehörigkeit – darunter auch verbliebene Mitarbeiter des Jerusalemsvereins wie Pastor Eitel-Friedrich von Rabenau – als feindliche Ausländer interniert und zwar zunächst in Wilhelma.Frank Foerster: Mission im Heiligen Land: Der Jerusalems-Verein zu Berlin 1852–1945. Gütersloher Verlags-Haus Mohn, Gütersloh 1991, ISBN 3-579-00245-7, S. 134; 136. Die Internierten wurden Anfang 1918 in ein Lager südlich von Gaza gebracht, während die nicht internierten Feindstaatler strenger Polizeiaufsicht unterstellt wurden. Im August 1918 brachte die britische Verwaltung die Internierten außer Landes nach Sidi Bishr und Helwan in der Nähe Alexandrias.Roland Löffler: Die Gemeinden des Jerusalemsvereins in Palästina im Kontext des kirchlichen und politischen Zeitgeschehens in der Mandatszeit. In: Almut Nothnagle (Hrsg.): Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem! Festschrift zum 150jährigen Jubiläum von Talitha Kumi und des Jerusalemsvereins. Evangelische Verlags-Anstalt, Leipzig 2001, ISBN 3-374-01863-7, S. 185–212, hier S. 193; Frank Foerster: Mission im Heiligen Land: Der Jerusalems-Verein zu Berlin 1852–1945. Gütersloher Verlags-Haus Mohn, Gütersloh 1991, ISBN 3-579-00245-7, S. 137. Mit dem Inkrafttreten des Friedens von Versailles 1920 kamen die Internierten frei und die meisten kehrten ins Heilige Land zurück, ausgenommen diejenigen, die laut einer schwarzen Liste der britischen Streitkräfte als unerwünscht galten, wie zum Beispiel Rabenau.Frank Foerster: Mission im Heiligen Land: Der Jerusalems-Verein zu Berlin 1852–1945. Gütersloher Verlags-Haus Mohn, Gütersloh 1991, ISBN 3-579-00245-7, S. 143.Roland Löffler: Die Gemeinden des Jerusalemsvereins in Palästina im Kontext des kirchlichen und politischen Zeitgeschehens in der Mandatszeit. In: Almut Nothnagle (Hrsg.): Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem! Festschrift zum 150jährigen Jubiläum von Talitha Kumi und des Jerusalemsvereins. Evangelische Verlags-Anstalt, Leipzig 2001, ISBN 3-374-01863-7, S. 185–212, hier S. 196.

mini|Armenisches Waisenhaus des Jerusalemsvereins in Bethlehem Im Rahmen der nach der Konferenz von Sanremo am 1. Juli 1920 eingerichteten regulären britischen Zivilverwaltung übernahm Edward Keith-Roach als Public Custodian of Enemy Property die Verwaltung des beschlagnahmten Eigentums und vermietete es an Dritte, wobei die Mieteinnahmen ab 1920 den Eigentümern gutgeschrieben wurden. Das Armenische Waisenhaus des Jerusalemsvereins in Bethlehem wurde so zum Beispiel als Landesnervenheilanstalt an die Mandatsverwaltung vermietet. Nach Inkrafttreten des Vertrags von Lausanne im Jahre 1925 wurde der Gewahrsam aufgehoben und das Vermögen restituiert, eventuelle Vermögensschäden entschädigte Keith-Roach bis zur Höhe von 50 % des Schadens.Frank Foerster: Mission im Heiligen Land: Der Jerusalems-Verein zu Berlin 1852–1945. Gütersloher Verlags-Haus Mohn, Gütersloh 1991, ISBN 3-579-00245-7, S. 138; 143. Der Jerusalemsverein vermietete dann in eigener Regie das Armenische Waisenhaus weiter an die Mandatsregierung.Frank Foerster: Mission im Heiligen Land: Der Jerusalems-Verein zu Berlin 1852–1945. Gütersloher Verlags-Haus Mohn, Gütersloh 1991, ISBN 3-579-00245-7, S. 174.

Ab April bis Ende 1921 vertrat Gustaf Dalman, stellvertretender Propst in Jerusalem, unter anderem auch die Interessen des Jerusalemsvereins in Palästina. Ab 1925 normalisierte sich die Tätigkeit des Jerusalemsvereins in Palästina. Die Schule Talitha Kumi wurde wieder vom Verein mitbetreut.