Neuweiler ist eine Gemeinde des Landkreises Calw in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Nordschwarzwald.
Geografie Geografische Lage Die Gemeinde liegt auf einer ausgedehnten Hochfläche im nördlichen Schwarzwald zwischen den Flüssen Nagold und Enz, der Enz-Nagold-Platte. Das Gemeindegebiet, das sich zwischen 438 und 766 Meter Höhe erstreckt, ist Teil des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord. Jede der Siedlungen der Gemeinde ist von dichten Wäldern umgeben, die fast 80 % der Gemeindefläche ausmachen. Im Ortsteil Neuweiler entspringt in einem kleinen Naturschutzgebiet die Teinach, ein Nebenfluss der Nagold.
Nachbargemeinden Nachbarorte von Neuweiler sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden): Bad Wildbad, Oberreichenbach, Bad Teinach-Zavelstein, Neubulach, Altensteig und Simmersfeld, die alle zum Landkreis Calw gehören. Mit Bad Teinach-Zavelstein und Neubulach ist Neuweiler im Zusammenhang mit der Gebietsreform in Baden-Württemberg 1975 einen vom Gesetzgeber verfügten Gemeindeverwaltungsverband eingegangen und bildet mit den beiden Städten den Gemeindeverwaltungsverband Teinachtal.
Gemeindegliederung Die Gemeinde Neuweiler setzt sich aus sieben Ortsteilen zusammen. Es sind dies die Teilorte Hofstett und Neuweiler der vor 1974 bestehenden Gemeinde Neuweiler sowie weitere fünf Teilorte, die aus bis 1974 eigenständigen Gemeinden hervorgingen. Dies sind Agenbach (staatlich anerkannter Erholungsort), Breitenberg, Gaugenwald, Oberkollwangen und Zwerenberg (staatlich anerkannter Erholungsort). Jeder der sieben Teilorte entsendet Vertreter in den Gemeinderat.
Zur ehemaligen Gemeinde Agenbach gehören das Dorf Agenbach und der Weiler Agenbacher Sägemühle an der Bundesstraße 294. Zur ehemaligen Gemeinde Breitenberg gehören die Siedlung Breitenberg, das Gehöft Dachshof und die Weiler Glasmühle und Weikenmühle. Zur ehemaligen Gemeinde Gaugenwald gehören das Dorf Gaugenwald und die Häuser am Grenzweg am Ortsrand von Zwerenberg im Gewann Aisbach. Zur Gemeinde Neuweiler in den Grenzen von 1974 gehören die Dörfer Neuweiler und Hofstett, zudem gehörten zum Amt Neuweiler bis 1850 auch die sogenannten Bergorte Aichelberg, Hünerberg, Meistern, Rehmühle und Kälbermühle. Ab 1850 erreichten die Bergorte als Gemeinde Bergorte die Selbständigkeit. Im Jahre 1974 wurden diese im Rahmen der Gemeindegebietsreform zu Bad Wildbad eingemeindet. Zu den ehemaligen Gemeinden Oberkollwangen und Zwerenberg gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe. Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2, S. 490–492
Bevölkerung Einwohnerzahl: JahrEinwohner19902.70920013.15020113.12220213.198
Geschichte Alle Dörfer entstanden wohl im Laufe des 11. Jahrhunderts als Waldhufendörfer. Die für diese Siedlungsform charakteristische Anordnung von Hof, dahinter Felder und dann der Wald, ist heute noch an manchen Stellen erkennbar. Als erstes wurde Gaugenwald im Jahre 1139 urkundlich erwähnt, die erste Nennung der anderen Ortsteile erfolgte meist im 14. Jahrhundert.
Zur Geschichte von Neuweiler sind auch die Fautsburg und die heute kommunal zu Bad Wildbad gehörenden Bergorte Aichelberg, Hünerberg, Meistern, Rehmühle und Kälbermühle zu nennen, die bis 1850 Bestandteil des Amtes Neuweiler waren. Das Dorf Neuweiler gelangte bereits gegen Ende des 14. Jahrhunderts mit der Herrschaft Fautsberg an die Grafschaft Württemberg. Seither gehörte Neuweiler zum Amt, später Oberamt Calw. Das Dorf Agenbach gehörte zum Kloster Hirsau, die anderen Orte gelangten auch nach und nach zum Herzogtum Württemberg.
Im 19. Jahrhundert waren seit 1810, nach der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im Königreich Württemberg, die Orte Agenbach, Breitenberg, Neuweiler, Oberkollwangen und Zwerenberg sowie die Bergorte Aichelberg, Hünerberg, Meistern, Rehmühle und Kälbermühle beim Oberamt Calw, der Ort Gaugenwald jedoch beim Oberamt Nagold.
Auf Grund der vor allem im Winter schwer zu überwindenden Geographie mit dem kleinen Enztal und den Bergen wurde Aichelberg, Hünerberg, Meistern, Rehmühle und Kälbermühle die kommunale Selbständigkeit als Gemeinde Bergorte zugestanden. Später erfolgte die Umbenennung in Gemeinde Aichelberg und 1974 die Eingemeindung zur Stadt Bad Wildbad.
Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg 1938 gelangten alle heutigen Teilorte Neuweilers zum Landkreis Calw.
1945 wurde das Gebiet Teil der Französischen Besatzungszone und kam somit zum Nachkriegsland Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Land Baden-Württemberg aufging.
Am 1. Januar 1975 entstand die Gemeinde Neuweiler in ihrer heutigen Form durch Vereinigung der früheren Gemeinden Agenbach, Breitenberg, Gaugenwald, Neuweiler, Oberkollwangen und Zwerenberg.
Heute präsentiert auch der Fautsburg Rundwanderweg / historische Rundwanderweg Fautsburg neben der Geschichte der Bergorte auch die Geschichte Neuweilers.Fautsburg Rundwanderweg. outdooractive.com
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat von Neuweiler wird nach dem Verfahren der Unechten Teilortswahl gewählt, bei der für die einzelnen Ortsteile eine bestimmte Zahl an Gemeinderäten festgelegt wird. Die Hauptsatzung der Gemeinde Neuweiler sieht 13 Sitze für die sieben Ortsteile vor: davon je zwei für Agenbach und Zwerenberg, drei für Breitenberg und Neuweiler sowie je einen Sitz für Hofstett, Gaugenwald und Oberkollwangen.Hauptsatzung vom 25. März 1980, auf neuweiler.de Bei den letzten drei Kommunalwahlen wurden jeweils von zwei Wählergruppen Kandidaten aufgestellt. Da die Sitzverteilung innerhalb der sieben Wohnbezirke erfolgt, weicht die gewonnene Sitzzahl der Wählergruppen deutlich ab von der Stimmenzahl, welche insgesamt für die Kandidaten der jeweiligen Wahlvorschläge abgegeben wurden.
Kommunalwahl 2024 Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem vorläufigen Endergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart
Freie Wähler Union (FWU) 49,41 % 6 Sitze Zukunft für Neuweiler (ZfN) 44,20 % 6 Sitze AfD 6,39 % 1 Sitz
Kommunalwahl 2019 Die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 ergab folgende Stimmen- und Sitzverteilung im Gemeinderat:Öffentliche Bekanntmachung des Wahlergebnisses im Amts- und Mitteilungsblatt Neuweiler vom 29. Mai 2019Jannik Nölke: Gemeinderat Neuweiler; Kreis Calw, Ticker zur Kommunalwahl 2019. Schwarzwälder Bote, 28. Mai 2019, abgerufen am 21. April 2022
Freie Wähler Union (FWU) 69,1 % 8 Sitze Zukunft für Neuweiler (ZfN) 30,9 % 6 Sitze
Kommunalwahlen 2014 Die Kommunalwahl am 24. Mai 2014 ergab folgende Sitzverteilung im Gemeinderat:
Freie Wähler Union 68,3 % 11 Sitze Alternative für Neuweiler 31,7 % 6 Sitze
Bürgermeister Bürgermeister ist seit 2007 Martin Buchwald. Er wurde im April 2015 und im März 2023 im Amt bestätigt.Axel H. Kunert: Martin Buchwald bleibt Bürgermeister, Schwarzwälder Bote, 13. April 2015, abgerufen am 21. April 2022
Wappen der Gemeinde Neuweiler
Laut Verleihungsurkunde vom 22. November 1976 führt die Gemeinde Neuweiler ein wie folgt beschriebenes Wappen: „In Gold ein mit dem Mundstück nach links gerichtetes schwarzes Hifthorn mit silbernen Beschlägen und roter Fessel“. Dies war auch das Wappen der Gemeinde Neuweiler in den Grenzen bis 1975.
Die Gemeindefarben sind schwarz-gold.
Wappen der ehemaligen Gemeinden 80px|Agenbach Agenbach 80px|Breitenberg Breitenberg 80px|Gaugenwald Gaugenwald 76px|Oberkollwangen Oberkollwangen 78px|Zwerenberg Zwerenberg
Das Oberkollwanger Wappen war ein nie formell verliehener Entwurf, der zwischen grünen Flächen einen silbern gehaltenen Bach entsprechend der Lage des Dorfes symbolisieren sollte; der Bach bildete einst die Grenze zwischen den Herzogtümern Franken und Alemannen und den Bistümern Speyer und Konstanz.
Kirchengemeinden Im Hochmittelalter gehörten die heutigen Teilorte von Neuweiler vor ihrer kirchlichen Selbstständigkeit entweder zu Ebhausen oder zu Effringen. Heute gehören die früher eigenständigen evangelischen Kirchengemeinden der Teilorte zu zwei verschiedenen Kirchengemeinden in Neuweiler: Agenbach, Breitenberg, Neuweiler und Oberkollwangen zur Evangelischen Kirchengemeinde Neuweiler,Website der Evangelischen Kirchengemeinde Neuweiler, Breitenberg, Oberkollwangen und Agenbach Gaugenwald und Zwerenberg zur Evangelischen Verbundkirchengemeinde Zwerenberg.Website der Evangelischen Verbundkirchengemeinde Zwerenberg Das bis 1850 zum Amt Neuweiler, bis 1973 zur Kommune Neuweiler und bis Ende 2018 zum Kirchenbezirk Calw gehörige Aichelberg mit seiner Jugendstilkirche ist seit 1974 ein Ortsteil der Stadt Bad Wildbad und gehört kirchlich seit dem 1. Januar 2019 zum Kirchenbezirk Neuenbürg.
Die katholischen Christen gehören – je nach Wohn-Ortsteil – zu verschiedenen katholischen Kirchengemeinden in den Nachbarkommunen. Zudem gibt es in Neuweiler eine neuapostolische Kirche.Kirchen, neuweiler.de, abgerufen am 21. April 2022
Wirtschaft und Infrastruktur Ansässige Unternehmen mini|Glasmühle im Teinachtal Im Gewerbegebiet Neuweiler befinden sich unter anderem Firmen aus den Bereichen Erdwärme (Geothermie), Omnibusverkehr, Getränkehandel, Holzhandel, Möbel/Innenausbau, Chemie, Metall, Automobil bis hin zum Spezialfahrzeugbau etc. Größter Arbeitgeber in der Gemeinde mit mehr als 350 Arbeitsplätzen ist die Firma Veyhl im Ortsteil Zwerenberg, ein Hersteller und Produktentwickler für Komponenten und Baugruppen der Büromöbelindustrie. Rund 650 gewerbliche Arbeitsplätze sind im Gemeindegebiet vorhanden.
In Neuweiler-Breitenberg befindet sich mit der Solarpark GbR die derzeit größte Solaranlage im Nordschwarzwald. Hier wird seit Ende 2005 auf einer Fläche von rund 1,7 ha bzw. einer Kollektorfläche von rund 5.000 m², bei einer Leistung von 940 kWp, Strom für die Versorgung von etwa 350 Haushalten pro Jahr erzeugt.
Ein weiteres Novum war der Erdwärmepark in Neuweiler; ein Baugebiet, in dem ausschließlich Erdwärme zu Zwecken der Gebäudeheizung und -kühlung verwendet wird. Hier soll im Rahmen eines Modellprojekts auch das Heizen bzw. Kühlen der vorhandenen Straßen erstmals in Deutschland umgesetzt werden.
Hotellerie und Gastronomie Das bis jetzt einzige zertifizierte Naturparkhotel der Gemeinde Neuweiler im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord ist das Landhotel Talblick und befindet sich seit 1965 in dritter Generation in dem Ortsteil Oberkollwangen. In der Bar „Oberer Wald“ im Hotel werden Bilder gezeigt aus dem Archiv des Ehrenbürgers und ehemaligen Bürgermeisters Hans Schabert.
Bildung Neuweiler verfügt mit der Waldschule über eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule. Die Grundschule bietet ein Betreuungsangebot von 7.30 bis 13.30 Uhr. In den Ortsteilen Neuweiler, Agenbach, Breitenberg und Zwerenberg ist jeweils ein Kindergarten vorhanden. Ergänzt wird das Bildungsangebot durch Kurse der Volkshochschule sowie eine Gemeindebücherei.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Evangelische Kirchen Kirchen, die in Teilen um 500 und mehr Jahre alt sind, stehen in Breitenberg, Gaugenwald, Neuweiler und Oberkollwangen. Einen interessanten Kontrast hierzu bildet die moderne Kirche in Agenbach. In Zwerenberg bewahrt die Kirche des 19. Jahrhunderts noch einen frühen Turmrest.
Agenbach mini|Auferstehungskirche Agenbach, zugleich Aussegnungshalle