mini|Jesus heilt den Blinden, von David Vinckboons, auf einem Gemälde von Gillis Claesz. de Hondecoeter (1608), im Museum Geelvinck-Hinlopen Huis David Vinckboons (* 13. August 1576 in Mechelen; † 1632 in Amsterdam) war ein niederländischer Maler.
Biografie David Vinckboons entstammte einer Künstlerfamilie aus Mechelen in Flandern. Sein Vater war der Miniatur- und Aquarellmaler Philip Vinckboons I., bei dem er seine erste und wahrscheinlich einzige künstlerische Ausbildung erhielt. Nach der Einnahme Antwerpens durch spanische Truppen verließ die Familie die südlichen Niederlande und ließ sich spätestens 1591 dauerhaft in Amsterdam nieder. Dort entwickelte sich Vinckboons zu einem der erfolgreichsten Maler der ersten Generation des niederländischen Goldenen Zeitalters.
1602 heiratete er in Leeuwarden Agneta van Loon, die Tochter eines Notars. Das Paar hatte zahlreiche Kinder. Zu seinen Söhnen gehörten der Kartograph und Aquarellmaler Johannes Vinckboons (* um 1616; † 1670) sowie die Architekten Justus Vinckboons (* um 1620; † um 1698) und Philips Vinckboons (* um 1607; † 1678), die zu den bedeutendsten Vertretern des holländischen Klassizismus zählen.
Vinckboons wirkte nahezu sein gesamtes Berufsleben in Amsterdam. 1611 erwarb er ein Haus in der Sint-Anthonisbreestraat, das nach seinem Tod noch längere Zeit als Atelier seiner Söhne diente. Bereits seine Zeitgenossen schätzten seine Gemälde außerordentlich; zahlreiche Kompositionen wurden von führenden Kupferstechern vervielfältigt und verbreiteten seinen Stil weit über die Niederlande hinaus. Zu seinen Schülern zählten unter anderem Gillis d'Hondecoeter, Claes Janszoon Visscher sowie vermutlich Esaias van de Velde, Joost Cornelisz. Droochsloot und Hendrick Avercamp.
Sein Todesdatum ist nicht überliefert; urkundlich ist belegt, dass seine Ehefrau am 12. Januar 1633 bereits als Witwe bezeichnet wurde, sodass sein Tod zwischen seinem letzten datierten Gemälde von 1630 und diesem Zeitpunkt anzusetzen ist.
Œuvre David Vinckboons nimmt innerhalb der niederländischen Kunstgeschichte eine Schlüsselstellung ein. Gemeinsam mit Hans Bol, Gillis van Coninxloo und Roelant Savery übertrug er die flämische Landschafts- und Genremalerei Pieter Bruegels d. Ä. in die nördlichen Niederlande und bereitete damit die Entwicklung der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts vor.
Den Schwerpunkt seines Schaffens bilden kleinfigurige Wald- und Flusslandschaften, in denen biblische, mythologische oder allegorische Szenen eingebettet sind. Anders als bei älteren Historienmalern steht nicht mehr das erzählerische Ereignis, sondern die Landschaft selbst im Mittelpunkt der Darstellung. Der Einfluss Gillis van Coninxloos zeigt sich insbesondere in den dicht bewaldeten Kompositionen mit hohem Horizont und fein abgestuften Raumfolgen.
Von besonderer Bedeutung sind auch seine Genrebilder. Diese Gemälde knüpfen unmittelbar an Pieter Bruegel den Älteren an, entwickeln dessen Bildsprache jedoch zu einer eigenständigen, erzählerisch reicheren Genremalerei und ähneln daher dem Werk von Jan Brueghels des Älteren. Vinckboons schuf bäuerlich-derbe und bunte Gesellschaftsstücke aus dem Leben seines Landes wie eine Bauernkirmes, Hochzeiten, Tanz- und Wirtshausszenen, Kirchweihfeste und Jagden.
Vinckboons gehörte auch zu den produktivsten Zeichnern seiner Generation. Ein erheblicher Teil seines erhaltenen Œuvres besteht aus Federzeichnungen, die überwiegend als Vorlagen für Kupferstiche, Buchillustrationen und Kartenumrahmungen dienten. Seine Entwürfe wurden von führenden Verlegern vervielfältigt und trugen wesentlich zur Verbreitung seines Stils in den Niederlanden und darüber hinaus bei.
Vinckboons verbindet in seinem Werk den flämischen Manierismus des späten 16. Jahrhunderts mit dem aufkommenden Naturalismus und Realismus der holländischen Malerei. Typisch sind hohe Horizontlinien, eine differenzierte Staffelung des Landschaftsraumes, fein ausgeführte Kleinfiguren und eine helle, kontrastreiche Farbigkeit. Während die frühen Werke noch stark dekorativ angelegt sind, zeigen die Gemälde nach etwa 1610 eine ruhigere Komposition und eine stärkere Konzentration auf die natürliche Wiedergabe von Landschaft und Figuren.
Werke in öffentlichen Sammlungen Die Landpartie (fête champêtre), 28,5 × 43,7 cm, Öl auf Holz, Rijksmuseum, Amsterdam, Inv.-Nr. SK-A-2109 Der blinde Drehorgelspieler, 33,8 × 62,6 cm, Öl auf Holz, Rijksmuseum, Amsterdam, Inv.-Nr. SK-A-2401 Das Pech des Bauern, 26,7 × 41,7 cm, Öl auf Holz, Rijksmuseum, Amsterdam, Inv.-Nr. SK-A-1351; Dorffest, 110 × 167 cm, Öl auf Holz, Königliches Museum der Schönen Künste (Antwerpen), Inv.-Nr. 495, Herkules, Dejanira und der Kentaur Nessus, 71,5 × 92,5 cm, Öl auf Holz, Kunsthistorisches Museum Wien, Absaloms Tod, 22 × 35 cm, Öl auf Holz, Kunsthistorisches Museum Wien, Der Hauptmann von Kapernaum, 50,7 × 83,5 cm, Öl auf Holz, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Neue Residenz (Bamberg), Inv.-Nr. 5983, Kirmeß, 42,5 × 60 cm, Bayerische Staatsgemäldesammlung, Staatsgalerie im Neuen Schloss, Schlossanlage Schleißheim, Inv.-Nr. 4927, Der Weg nach Golgatha, 41 × 59 cm, Öl auf Holz, Bayerische Staatsgemäldesammlung, Staatsgalerie im Neuen Schloss, Schlossanlage Schleißheim, Inv.-Nr. 5036, Dorffest mit blindem Drehorgelspieler, 55,4 × 69,1 cm, Städelsches Kunstinstitut, Frankfurt. Bankett im Park, 64 × 94,2 cm, Öl auf Holz, Statens Museum for Kunst, Kopenhagen, Inv.-Nr. KMSsp175, Die Verteilung des Brotes unter die Armen, 27,5 × 40 cm, Öl auf Holz, Statens Museum for Kunst, Kopenhagen, Inv.-Nr. KMS1880, Park mit heimkehrender Jagdgesellschaft, 89 × 144 cm, Öl auf Holz Nationalmuseum Warschau, Inv.-Nr. M.Ob.834, Winterlandschaft mit Schlittschuhläufern, 55 × 104 cm, Öl auf Holz, Nationalmuseum Warschau, Der blinde Drehorgelspieler, 28,5 × 43,4 cm, Öl auf Holz, Princeton University Art Museum, Inv.-Nr. Y1957-67, Kirchweihfest in Oudenaarde, 1608, 115 × 141 cm, Herzog Anton Ulrich Museum, Braunschweig. Das große Kirchweihfest, 1610, 120 × 168 cm, Nationalmuseum Stettin
Literatur
Klaus Ertz, Christa Nitze-Ertz: David Vinckboons 1576–1632. Monographie mit kritischem Katalog der Zeichnungen und Gemälde. (= Flämische Maler im Umkreis der großen Meister. Band 10). Luca Verlag, Lingen 2016, ISBN 978-3-923641-60-4, S. 419.
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Einzelnachweise
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