mini|hochkant|Gustav Willgohs (1880) Gustav Adolph Friedrich Willgohs (* 26. Dezember 1819 in Dobbertin; † 8. Februar 1904 in Berlin-KreuzbergDer Hospitalist starb am 8. Februar 1904 im Gertraudenhospital in Berlin-Kreuzberg, Standesamt Berlin IV a, Sterberegister 1904, Zweitregister, Eintrag Nr. 95 vom 9. Februar 1904.) war ein deutscher Bildhauer.
Herkunft mini|hochkant|Blick auf den Chor mit Altar in der Klosterkirche zu Dobbertin (2011) Gustav Willgohs war das vierte von sieben Kindern des Chirurgen Johann Christoph Georg Willgohs (* 10. Juli 1775 Gnoien; † 5. März 1830 Dobbertin), der als Wundarzt im Klosteramt Dobbertin tätig war, und dessen Ehefrau Margarete Friederike Hedwig, geb. Linge, Wundarzttochter aus Dobbertin.
Leben Gustav wurde am zweiten Weihnachtstag, dem 26. Dezember 1819 in Dobbertin geboren und schon am 28. Dezember 1819 in der Klosterkirche durch Pastor Friedrich Birckenstädt getauft.Horst Alsleben: Liste der Persönlichkeiten des Klosters Dobbertin. 2010–2013. Gevatter war der Küchenmeister Gustav Hartwig Schulze als Finanzbeamter des Klosteramtes. Nach dem frühen Tode des Vaters 1830 hinterließ dieser seine Frau mit sieben minderjährigen Kindern. Unterstützung bekam die kinderreiche Familie vom Klosteramt in Dobbertin.Bernd Ruchhöft: Bildhauer Gustav Willgohs aus Dobbertin zur Erinnerung. (unveröffentlicht).
Nach dem Schulbesuch in der Dobbertiner Dorfschule war es dem jungen und talentierten Gustav Willgohs vorerst nur möglich, statt einer Bildhauerlehre bis 1840 in Dobbertin den Beruf eines Tischlers zu erlernen. Die anschließende Wanderschaft führte ihn Anfang 1841 schließlich nach Berlin. Dort arbeitete er sechs Tage wöchentlich als Tischler und besuchte bis 1847 den Sonntagsunterricht der Kunst- und Gewerbeschule der Akademie der Künste. Er glänzte durch besonders gute Leistungen, die ihm in Aufmunterung und Anerkennung des Fleißes 1845 die kleine und 1846 die große silberne Medaille der Akademie einbrachten. Der Dobbertiner Klosterhauptmann Carl Peter Johann Baron von le Fort hatte am 16. November 1847 auf dem Landtag zu Sternberg den Antrag eingebracht, dem Sohn des zu Dobbertin verstorbenen Amtschirurgen Willgohs eine jährliche Unterstützung von fünfzig Reichsthalern auf drei Jahre zu bewilligen. Bedingung dabei war, dass p. Willgohs während der Dauer derselben ferner hin seine Applecation nachweist.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokolle Sternberg 16. November 1847, Nr. 21. Die Zahlung erfolgte durch die Klosterkasse. In den Rechnungsbüchern des Klosteramtes Dobbertin von 1848 bis 1850 ist dazu unter Ausgabe-Geld vermerkt: Gustav Willgohs an landtagsmäßiger Unterstützung zur Erlangung der Bildhauerkunst in Berlin jährlich 58,16 Courant zu zahlen….LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Haupt-Register Ausgabe-Geld Nr. 1279, 1280.
Im September 1847 folgte der Eintritt in ein Schüleratelier der Akademie bei Bildhauer Ferdinand August Fischer, der ihm aus menschlicher Güte das Unterrichtshonorar erließ. Um seinen Lebensunterhalt während der Ausbildungszeit bestreiten zu können, bat Willgohs am 12. Oktober 1847 den Großherzog Friedrich Franz II. um ein Stipendium von 200 Talern jährlich. Am 11. November 1847 ließ er aus Ludwigslust mitteilen, dass auf die Bitte von Willgohs ein Stipendium mit 50 Taler von Johannis 1848 auf zwei Jahre hindurch aus seiner Schatulle genehmigt wird.LHAS 5.2-1 Großherzogliches Kabinett III Nr. 5168. Willgohs lebte in diesen Jahren am untersten Existenzminimum, zumal ab 1850 die Zahlungen aus der Dobbertiner Klosterkasse ausblieben. In einem Schreiben von Willgohs als Schüler der Bildhauerkunst vom 3. Juli 1850 an den Schweriner Geheimen Kabinettsrat Eduard Prosch bat er um weitere Unterstützung, um das weitere Studium nicht unterbrechen zu müssen.
Mit zwei Porträtreliefs des Kammerdieners der Großherzogin, Herrn Böhme, die er als Beleg seiner Kunstfertigkeit im August 1849 nach Schwerin sandte, legte er dem Großherzog und dem Kunstministerium erstmals ein Zeugnis seiner Arbeit ab. Fünf Taler in Gold waren Lohn dieser Arbeit. Nach zwei Jahren Studium bewarb sich Willgohs am 3. Juli 1850 um eine einjährige Verlängerung des Stipendiums und bat um 100 Taler jährlich, davon wurden nur 50 Taler bewilligt. Auf Fürbitte des Ministeriums für Unterricht gewährte der Großherzog Friedrich Franz II. zusätzlich eine einmalige Beihilfe von 30 Talern aus seiner privaten Schatulle. Gustav Willgohs bedankte sich bei Ferdinand August Fischer, nun Professor und ordentliches Mitglied der Königlichen Akademie für die Übergabe seiner Beurteilung vom 28. Juni 1850, die durch den Direktor der Königlichen Akademie der Künste Prof. Herbig am 4. Juli 1850 noch befürwortet wurde.
Tätigkeit als Bildhauer
Willgohs war in seiner bescheidenen Künstlerkarriere an mehreren Bauprojekten in Deutschland beteiligt. Als im Sommer 1851 der Königlich Preußische Geheime Oberbaurat Friedrich August Stüler für den Schweriner Schlossbau einen guten Bildhauer suchte, da empfahl ihm der wohl bekannteste Bildhauer jener Zeit, Christian Daniel Rauch den jungen Bildhauer Gustav Willgohs.LHAS 2.26-2 Hofmarschallamt Schwerin, Personenregister. Nr. 1385 Acte Beschäftigung Wllgohs für den Schlossbau 1851–1855. Im Namen der Mecklenburgisch-Schwerinschen Schlossbaukommission schloss August Stüler am 5. August 1851 mit dem Bildhauer Gustav Adolph Willgohs in Berlin für die Zeit vom 1. September 1851 bis zum 31. August 1852 einen festen Vertrag mit sechs Paragrafen und mit einem festen Gehalt von 500 Talern ab. Vierteljährlich erfolgte eine Auszahlung von 125 Talern in Berlin. Den Vorschlag der Schlossbaukommission genehmigte der Großherzog Friedrich Franz II. am 25. August 1851 von Doberan aus mit der Bedingung, es sei aber keine Festanstellung für Willgohs beim Schlossbau. Der Kontrakt wurde zu gleichen Konditionen bis zum 31. Dezember 1852 verlängert. Nach der Vorlage eines Allunterthänigsten Pro Memoria an das Kabinett am 19. September 1854 wurden die Arbeiten mit einem Gehalt von jährlich 600 Talern bis zur Beendigung des Schlossbaues 1857 weitergeführt.
Im ersten Jahr seiner Tätigkeit als Schlossbildhauer in Schwerin modellierte Willgohs neben einigen kleinen Arbeiten die Statuen von vier mecklenburgischen Fürsten.LHAS 5.2-1 Großherzogliches Kabinett III Nr. 5168 Information Stüler vom 5. Dezember 1852 an die Schloßbaukommission. Seine wichtigsten Arbeiten während dieser Jahre in Schwerin waren die Statuen der Grafen Gunzelin und Heinrich über dem HauptportalGeorg Dehio: Schwerin, ehem. Residenzschloß. In: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Mecklenburg-Vorpommern. 2000, S. 539. als Teil des landesgeschichtlichen Skulpturenprogramms und der Herzöge Heinrich der Friedfertige, Johann Albrecht I. und Adolf Friedrich im Schlossinnenhof. Im Thronsaal befinden sich acht allegorische Statuen „Gerechtigkeit“, „Weisheit“, „Stärke“, „Gnade“, „Christlicher Glaube“, „Christliche Liebe“, „Kirchliche Lehre“ und „Kirchliche Kunst“. Weiter hatte Willgohs am Brunnen im Schlosshof, an Bildsäulen mitgewirkt und verschiedenen Putten und Engel geschaffen. In der Schlosskirche stehen im Triumphbogen zwischen Langhaus und Chor die von ihm 1854 geschaffenen Plastiken der vier Evangelisten „Johannes“, „Lukas“, „Markus“ und „Matthäus“.Susanne Klett: Ein Rundgang durch die Kirche. 2013, S. 28.
Die 1,19 Meter hohen vier Evangelisten Johannes, Lukas, Markus und Matthäus befinden sich in weiteren Abformungen auch in der Dobbertiner Klosterkirche. Gustav Willgohs hatte sie 1856 den Klostervorstehern aus Dankbarkeit für die finanzielle Unterstützung seines Bildhauerstudiums in Berlin gestiftet.Horst Alsleben: Am angestammten Platz. Gustav Willgohs und Dobbertin SVZ; Mecklenburg-Magazin vom 29. Februar 2008. Sie stehen als Gipsabgüsse in sandsteinimitierter Farbgebung auf vier Säulen im Chorpolygon. Markus und Johannes auf der Südseite und Matthäus und Lukas auf der Nordseite. Sie konnten aber erst nach der Kirchweihe im Oktober 1857 aufgestellt werden, da die Säulen und Baldachine von der Marchschen Tonwarenfabrik aus Berlin zu spät geliefert wurden.
Seit 1859 befinden sich weitere Abgüsse von den vier Evangelisten auch in der Kirche Wolfshagen (Uckermark).
Das Willgohs nicht nur ein rühmlich bekannter und akkurat arbeitender Bildhauer war, zeigte sich besonders bei der aus Eichenholz gearbeiteten Kanzel. Den Entwurf des mit der Restaurierung der Klosterkirche beauftragten Wismarer Architekten Heinrich Thormann zur Kanzel wurde verworfen. Der Klosterhauptmann Otto Julius Freiherr von Maltzan entschied sich für den Entwurf des für mecklenburgische Kirchenbauten zuständigen Schweriner Hofbaurat Theodor Krüger. Die fachliche Mitwirkung und restauratorische Betreuung oblag dem Geheimen Archivrat und Konservator Friedrich Lisch aus Schwerin. Zum Entwurf der Kanzel schrieb Willgohs am 19. September 1855 an Lisch: Am selben Tag schrieb Willgohs auch an den Klostervorsteher und Rat der Dobbertiner Kirche: Willgohs entwarf und modellierte noch 1855 die vier Kanzelfiguren in den Bogenfeldern. Durch den Berliner Bildhauer Friedrich Dietrich wurden sie 1856 in Eiche geschnitzt. Die Kanzelfiguren erlangten auf der Mecklenburgischen Kunstausstellung 1856 große Beachtung und Anerkennung.
Nach Abschluss des Schweriner Schlossneubaues ging Willgohs 1858 nach Italien und gönnte sich in Rom trotz abgelehnter großherzoglicher Unterstützung einen Studienaufenthalt.LHAS 5.2-1 Großherzogliches Kabinett III Nr. 51698.
Von 1861 bis 1865 arbeitete er für August Stüler an der Burg Hohenzollern. Unter dem dort von ihm geschaffenen umfangreichen Skulpturenschmuck befinden sich auch acht aus Gips modellierten und farbig bemalten Statuen der Hohenzollernkaiser im großen zehneckigen Kaisersaal. Zu den Standbildern gehören: Heinrich V., Friedrich I. Barbarossa, Friedrich II., Rudolph I., Ludwig der Bayer, Carl IV., Sigismund, Friedrich III. Im Kaisersaal befinden sich auch zwei Reliefs von Kaiser Maximilian I. und Kaiser Karl V.Bernd Ruchhöft: Zusammenstellung von Gustav Willgohs Werken für die Burg Hohenzollern. (unveröffentlicht) Die Sandsteinstatue des Grafen Jobst Nikolaus von Zollern von 1863 steht auf der Freitreppe. Am Eingang zur Burganlage über dem Adlertor befindet sich das Reiterbild des Kurfürsten von Brandenburg Friedrich I. aus Sandstein und am Aufgang zwei Standbilder von Burgwächtern. Im Bischofsturm stehen Standbilder von Friedrich von Zollern als Bischof zu Regensburg und Albrecht von Brandenburg als Erzbischof von Mainz von 1862. Neben neun Wappenträger im Markgrafenzimmer und einem Kaminaufsatz Kampf der Deutschordensritter gegen die Litauer 1394 und acht Relieffiguren im Königszimmer fertigte Willgohs 1862 auch den Heiligen Michael in der St. Michaelskapelle und die sechs Statuetten aus Eichenholz in der Christuskapelle.
Aus dem Jahr 1865 ist ein „junges Mädchen ihr Morgengebet vor einem Buch betend“ bekannt. Diese freie Arbeit aus Marmor in der Größe von zwei Fuß sieben Zoll war dem Großherzog Friedrich Franz II. angeboten, zu einem Kauf kam es jedoch nicht.
Bei der Einweihung des neuen Hauptgebäudes der Universität Rostock wurde Willgohs am 27. Januar 1870 das Verdienstkreuz des Hausordens der Wendischen Krone verliehen. Er hatte zusammen mit Christian Genschow die Ausführung sämtlicher plastischer Arbeiten an den Fassaden übernommen und zur vollsten Zufriedenheit aller dies in hervorragender Qualität gefertigt. Zum Skulpturenschmuck gehören Herzog Johann II., Herzog Albrecht IV., Herzog Johann Albrecht I., Herzog Ulrich, allegorische Figuren, Reliefbildnisse und Wappenreliefs.