Die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung ILA (ILA Berlin) in Brandenburg ist die bedeutendste Fachmesse der Luft- und Raumfahrtindustrie in Deutschland und zählt neben dem Pariser Aerosalon und der Farnborough Air Show in England zu den großen und wichtigen Luft- und Raumfahrtmessen der Welt. Sie findet seit 1912 zumeist im geradzahligen Zweijahreszyklus statt. Die für Mai 2020 geplante ILA musste aufgrund der globalen COVID-19-Pandemie abgesagt werden. Unter dem Titel „ILA Goes Digital“ konnte die Messe jedoch als reine Online-Veranstaltung stattfinden.ILA Berlin – Short Analysis 2022 kpi.ila-berlin.de. Abgerufen am 26. März 2023. Damit war sie die weltweit erste digitale Luft- und Raumfahrtmesse, an der nach Betreiberangaben insgesamt 120 Aussteller und 30.000 Besucher teilnahmen.ILA goes Digital – Ein neues Format für eine herausfordernde Zeit ila-berlin.de. Abgerufen am 26. März 2023.
Veranstalter der ILA sind der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie e. V. (BDLI) und die Messe Berlin GmbH, Markeninhaber ist dabei der BDLI.
Bis 2010 fand die ILA auf dem Südgelände des Flughafens Berlin-Schönefeld statt, seit 2012 wird sie auf dem Berlin-ExpoCenter-Airport-Areal im Schönefelder Ortsteil Selchow, südöstlich von Berlin, am Westrand des Flughafens Berlin Brandenburg ausgetragen.
Vorgeschichte mini|Internationale Luftschiffahrt-Ausstellung Frankfurt 1909 mit Parseval-Luftschiff PL3 mini|Internationale Luftfahrtausstellung Berlin 1928 mit Farman-Flugzeug mini|Deutsche Luftsport-Ausstellung Berlin 1932 mini|Deutsche Luftfahrtschau Hannover 1972 mit Tupolew Tu-144
Frankfurt 1909 Die Geschichte der ILA beginnt mit der Internationalen Luftschiffahrt-Ausstellung vom 10. Juli bis 17. Oktober 1909 in Frankfurt am Main. 500 Aussteller zeigten Luftschiffe, Ballone und Flugzeuge. Im Veranstaltungszeitraum kamen 1,5 Millionen Besucher. Zu den Luftschiffausstellern gehörten Zeppelin, Parseval, Franz Clouth und Hermann Ruthenberg.
Im Anschluss an die erste ILA schlossen sich im April 1910 auf Anregung des Flugzeugkonstrukteurs August Euler zahlreiche Flugvereine zum Deutschen Flieger-Bund zusammen. Kurz darauf wurde in Frankfurt am Main der Verband der deutschen Flugzeugindustriellen gegründet. Damit war die direkte Verbindung zwischen der ILA und dem späteren Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie e. V. (BDLI) hergestellt, die seitdem besteht.
Berlin 1912, 1928 und 1932 Aufgrund des großen Erfolges fand fast drei Jahre später, 3.–14. April 1912, die Allgemeine Luftfahrzeug-Ausstellung (ALA) in den Ausstellungshallen am Zoo in Berlin statt. Hier überwogen bereits die Flugzeuge gegenüber den Luftschiffen. Der Erste Weltkrieg setzte den Luftfahrtausstellungen einstweilen ein Ende.
Erst zehn Jahre nach Kriegsende, 7.–28. Oktober 1928, fand in Berlin wieder eine Internationale Luftfahrtausstellung in den Messehallen am Berliner Funkturm statt. Etwa 150 Flugzeuge aus 19 Ländern wurden ausgestellt. Höhepunkt bildete ein Sternflug von 40 Flugzeugen nach Tempelhof, den nur 21 Piloten erfolgreich beendeten.Rainer W. During: Die ILA feiert ihren 100. Geburtstag – „Mutter“ aller Luftfahrtmessen. In: Fliegerrevue Nr. 6/2009, S. 36. Vom 1. bis 23. Oktober 1932 fand in den Messehallen am Funkturm die Deutsche Luftsport-Ausstellung (DELA) statt.
Hannover 1957 bis 1990 Die Bundesrepublik Deutschland erlangte 1955 mit den Pariser Verträgen fast vollständige Souveränität einschließlich der Lufthoheit, so dass auch wieder Luftfahrtausstellungen veranstaltet werden konnten. Im Jahr 1957 gab es im Rahmen der Industriemesse Hannover auf dem Flughafen Hannover-Langenhagen die Internationale Reiseflugzeugschau. 1958 wurde die Ausstellung in größerem Umfang als Deutsche Luftfahrtschau wiederholt. 1959 wurde sie eigenständig und fand ab 1960 alle zwei Jahre statt.
Die Veranstaltung erhielt aufgrund der immer stärker werdenden internationalen Ausrichtung 1978 (zum 50-jährigen Jubiläum der Ausstellung von 1928) den Namen Internationale Luftfahrtausstellung und das seit 1909 verwendete traditionsreichen Kürzel ILA.
Im Laufe der 1980er-Jahre ergaben sich zunehmend Platzprobleme. Der Flughafen expandierte und der reguläre Flugbetrieb durfte nicht gestört werden. Trotz steigender Teilnehmer- und Besucherzahlen mussten die Ausstellungsflächen daher verkleinert werden. Die Organisatoren entschlossen sich aus diesem Grund und angesichts der deutschen Wiedervereinigung, die Veranstaltung nach Berlin zu verlegen, so dass die ILA 1990 zum letzten Mal in Hannover stattfand.
Während der Schau in Hannover trat regelmäßig die Kunstflugstaffel der Royal Air Force (Red Arrows) auf; am 3. Mai 1978, 25. April 1980, 22. Mai 1982, 25. Mai 1984 und zum letzten Mal am 13. Juni 1986.
Ausstellungen auf dem Südgelände des Schönefelder Flughafens mini|hochkant=0.8|ILA-Logo bis 2008
1992 Nach dem Mauerfall und der deutschen Wiedervereinigung ergab sich die Chance, die ILA wieder in Berlin durchzuführen. So kehrte nach 64 Jahren die ILA 1992 mit neuem Konzept zurück. Der BDLI und die Messe Berlin präsentierten das Ereignis als Drehkreuz zwischen Ost und West auf dem Südgelände des Flughafens Berlin-Schönefeld vom 15. bis zum 21. Juni.Siehe Fliegerrevue Nr. 5/1992, S. 4.Bernd Kuhlmann: Schönefeld bei Berlin: Ein Amt, ein Flughafen und elf Bahnhöfe, Verlag GVE Berlin 1996, S. 76–81, ISBN 3-89218-038-5
Neuheiten waren der Airbus A340-200 sowie die russischen Passagierflugzeuge Il-114 und Jak-42F. Polen war mit mehreren Versionen des Hubschraubers W-3 „Sokół“ vertreten. Auch militärisches Fluggerät aus insgesamt 18 europäischen Luftwaffen war ausgestellt. Erstmals wurde im Osten Deutschlands ein AWACS-Flugzeug E-3 „Sentry“ gezeigt. Die MiG-29 absolvierte Flugvorführungen, die MiG-31 wurde nur am Boden vorgestellt. Für Kontroversen sorgte die Präsentation der Attrappe des Eurofighters.Matthias Gründer: ILA' 92 – Eine neue Dimension. In: Fliegerrevue Nr. 7/1992, S. 18–21.
Erstmals seit 1909 und 1928 wurde auf 1200 m² eine Ausstellung historischen Luftfahrtgeräts präsentiert.Karl-Dieter Seifert: Die Historische Ausstellung auf der ILA. In: Fliegerrevue Nr. 9/1992, S. 18/19. Vertreten waren u. a. der Raketenjäger Me 163 und das Segelflugzeug Grunau Baby IIb. Flugvorführungen erfolgten mit dem Nachbau eines Fokker-Dreideckers, mit dem STOL-Flugzeug LF1 „Zaunkönig“ und mit dem spanischen Lizenzbau einer Bf 109.
1994 Die ILA 1994 fand vom 28. Mai bis 5. Juni statt. 422 Aussteller aus 30 Ländern präsentierten 251 Fluggeräte, 140.000 Zuschauer besuchten die Messe.Highlights von der ILA. In: Fliegerrevue Nr. 7/1994, S. 14. Erstmals gezeigt wurde das ukrainische Propfantriebwerk D-27 an einem fliegenden Testträger Il-76. Das russische Höhenflugzeug M-55 „Geofisika“ war ebenso ausgestellt wie die beiden Verkehrsflugzeuge Jak-142 und Tu-204 sowie die Feuerlöschversion des Hubschraubers Mi-14. Suchoi präsentierte seine Kampfflugzeuge Su-30MK und Su-35 im Flugprogramm.
Die Lufthansa nutzte den Veranstaltungsrahmen, um ihr neues Konzept, zusammen mit United Airlines Gemeinschaftsflüge ab dem 1. Juni 1994 in über 400 Zielorte in 90 Ländern aufzunehmen, anzukündigen. Aus diesem Grund erfolgte der Überflug eines Dreiergespanns, bestehend aus A320, A321 und der Ju-52-Traditionsmaschine der Gesellschaft. Ebenfalls im Rahmen der ILA wurden in einem Festakt am 31. Mai im Entwicklungs- und Montagezentrum der BMW- und Rolls-Royce GmbH in Dahlewitz zwei Triebwerksprüfstände in Betrieb genommen.
Ein Zwischenfall ereignete sich am 31. Mai, als eine französische Mirage 2000 beim Showprogramm einen ILS-Mast streifte. Das beschädigte Flugzeug konnte jedoch vom Piloten sicher gelandet werden.
1996 Die ILA 1996 fand vom 13. bis 19. Mai stattKarl-Dieter Seifert: ILA' 96 – Mittler zwischen Ost und West. In: Fliegerrevue Nr. 3/1996, S. 15 und wurde von 216.500 Menschen besucht. Auf dem 120.000 m² großen Gelände waren 578 Aussteller aus 30 Ländern vertreten. Die Veranstaltung stand im Zeichen des 100. Todestages des Flugpioniers Otto Lilienthal, auf den durch eine Ausstellung der Gesellschaft zur Bewahrung von Stätten deutscher Luftfahrtgeschichte aufmerksam gemacht wurde. 266 Flugzeuge und Hubschrauber nahmen an Flugvorführungen teil. Zu sehen waren unter anderem der russische Strahltrainer MiG-AT, die schwere Transportflugzeuge Il-76, An-124 und A300-600ST „Beluga“. Der Eurocopter Tiger, ein deutsch-französischer Kampfhubschrauber der neuesten Generation, wurde ebenso vorgestellt wie die zivilen Drehflügler EC 120 und EC 135. Der Airbus A319 hatte seine Messepremiere, ebenso das Kunstflugzeug Extra 200 und das Geschäftsreiseflugzeug Extra 400. Weitere Exponate waren die Regionalflugzeuge Do 328 und Falcon 2000. Auch die Bundeswehr war präsent und führte den EF-2000 im Flug vor. Russland präsentierte die Kampfflugzeuge Su-30, Su-35 und MiG-29. 16 % der Demonstrationsflüge wurde durch militärisches Fluggerät absolviert.ILA' 96 – Schau, Geschäft und die hohe Kunst des Fliegens. In: Fliegerrevue Nr. 6/1996, S: 10–12
1998 Die ILA 1998 fand vom 18. bis 24. Mai statt und stand unter dem Zeichen des 50. Jahrestages der Berliner Luftbrücke. Erstmals wurde die ILA offiziell von einem Staatsoberhaupt, Bundespräsident Roman Herzog, eröffnet.Rainer Schmid, Karl-Dieter Seifert, Torsten Gemsa: ILA' 98 – ein Fest für Fachleute und Besucher. In: Fliegerrevue Nr. 7/1998, S. 10–19 Knapp 227.000 Menschen besuchten die Veranstaltung, auf der 825 Aussteller aus 32 Ländern vertreten waren.ILA Berlin – Positionen für die Zukunft stärken. In: Fliegerrevue Nr. 7/1998, S. 4 Es waren nicht nur Neuheiten zu sehen, sondern auch viele Oldtimer wie die B-17 „Pink Lady“ und C-54 „The Spirit of Freedom“. Eine Woche zuvor wurde eine C-17 Globemaster III vom US-Präsidenten Bill Clinton auf den Namen „Spirit of Berlin“ getauft und flog zur ILA ihre Runden über dem Platz. Erstmals war der amerikanische Flugzeugbauer Boeing auf der Messe vertreten und präsentierte neben einem Modell die Kabinenattrappe des Verkehrsflugzeuges B 717-100. Erstmals wurde der Transporter An-70 außerhalb der GUS-Staaten gezeigt. Weitere Neuheiten waren die Il-76MF, der Airbus A330-200 und die Do 328JET. Vorgeflogene militärische Fluggeräte waren unter anderem die Su-37, der Eurofighter sowie der Kampfhubschrauber Eurocopter Tiger. Die kampfwertgesteigerte russische MiG-29SMT wurde nur am Boden präsentiert, ebenso die Attrappe des Kipprotorflugzeuges Bell 609.
Einen fliegerischen Höhepunkt bildete am 23. Mai der Vorbeiflug der bis dahin größten An-2-Formation über Deutschland. Acht dieser Doppeldecker nahmen an dem Gruppenflug teil.
2000 Die ILA 2000 fand vom 6. bis 12. Juni statt. Vorgeführt wurde u. a. die F-117A Nighthawk der US-Luftwaffe. Zum ersten Mal seit dem Flugtagunglück von Ramstein 1988 trat im Jahr 2000 wieder eine militärische Kunstflugstaffel, die Patrouille de France, unter strengsten Sicherheitsauflagen auf der ILA auf.
2002 Die ILA 2002 fand vom 6. bis 12. Mai statt. Airbus präsentierte zwei Neuheiten, die A318 und A340-600. Des Weiteren war auch der Airbus Beluga mit seiner großen Bugklappe vertreten. Russland stellte das Amphibienflugzeug Berijew Be-200 vor. 2002 war die Patrouille Suisse als Gast auf der ILA.
2004 Die ILA 2004 fand vom 10. bis zum 16. Mai statt und zählte rund 200.000 Besucher. Gezeigt wurden u. a. Airbus A340-600, Transportflugzeug Airbus Beluga, Lockheed Super Constellation, einer der ersten Eurofighter EF2000 der Bundeswehr, Boeing E-3 (AWACS), erste Serienmaschine des Eurocopter NH90 und erstes Tankflugzeug Airbus A 310 MRTT der Luftwaffe.
2006 Auf der ILA 2006 vom 16. bis 21. Mai war erstmals der Airbus A380 zu sehen. Es war auch die Premiere eines neuen Modells der Iljuschin 76 (Il-76TD-90WD), der MiG-29 M-OWT, der B-1B Lancer, dem SPn Utility Jet (einem Kunststoff-Flugzeug) und einem Nachbau der Messerschmitt Me 262 sowie einer Original-Oberstufe der Ariane-5-Rakete.