Die Deutsche Verkehrswacht e. V. (DVW) ist ein als gemeinnützig anerkannter deutscher Verein auf dem Gebiet der Verkehrserziehung und -aufklärung.

Vorgeschichte Nach dem Ersten Weltkrieg kam es in Deutschland zu einer rasanten Zunahme des Kraftfahrzeugbestandes. Hierdurch hatten sich „große Mißstände entwickelt, die das für das Wirtschaftsleben so ungeheuer wichtige Kraftfahrwesen schwer zu beeinträchtigen drohen“. Deshalb rief 1920 der ADAC in München eine Autowacht ins Leben, deren Ziel es war, „durch sachverständige Mitglieder diejenigen Kraftfahrzeugbesitzer festzustellen, die durch unvorschriftsmäßiges Fahren Gelegenheit zur Mißstimmung im Publikum bieten. Dieselben erhalten zunächst eine Verwarnung seitens der Klubleitung.“ Am 22. September 1922 wurde „eine große Vereinigung über das Deutsche Reich ins Leben gerufen, die gemeinsam mit den öffentlichen Körperschaften eine Selbsthilfe der Automobilisten organisiert. Das, was die Behörden mit ihrem großen Anzeigeapparat nicht fertig brachten, eine durchgreifende geordnete Regelung des gesamten Straßenverkehrs herbeizuführen, das will diese Vereinigung durch ein erzieherisches Eingreifen auf alle Fuhrwerkslenker erwirken.“

Geschichte Am 17. Oktober 1924 wurde „in einer Sitzung der am Automobilverkehr interessierten Spitzenverbände die Schaffung einer Reichsorganisation der Verkehrswacht beschlossen“.

Am 3. November 1924 erfolgte schließlich in Berlin die Gründung der Deutschen Verkehrswacht (D. V. W.) durch folgende Verbände, die insgesamt rund 750.000 Mitglieder repräsentierten:

Allgemeiner Deutscher Automobil-Club (ADAC), Automobilclub von Deutschland (AvD), Deutscher Touring Club (DTC), Reichsverband der Deutschen Automobilindustrie, Deutscher Verkehrsbund mit den Reichsabteilungen der Kraftfahrer, Straßen- und Kleinbahner, Transport und Spedition, Deutscher Automobil-Händler-Verband, Mitteleuropäischer Motorwagen-Verein, Kraftfahrervereinigung Deutscher Ärzte, Deutsche Auto-Liga, Zentralverband für das Kraftdroschken-Gewerbe Deutschlands, Vereinigung Deutscher Kraftfahrschulen, Bund Deutscher Radfahrer (BDR), Arbeiterradfahrerbund "Solidarität", Kraftverkehr Deutschland G. m. b. H.

„Um aller Vereinsrivalität von vornherein zu begegnen“, wurde Generaldirektor Kaufmann „als durchaus neutraler Herr“ zum ersten Vorsitzenden gewählt. Zuvor gab wie schon erwähnt lokale, zumeist Autowachten genannte Verkehrswachten. Diese bestanden zuerst in München (1920 vom ADAC ins Leben gerufen) sowie unter anderem in Berlin, Frankfurt am Main und Magdeburg. 1924 folgten weitere, so in Chemnitz, Düsseldorf, Hamburg, Koblenz, Königsberg (Preußen), Nürnberg, Stuttgart und Zwickau.mobil & sicher-Verkehrswachtmagazin 05/2024, S. 6, Berlin, 2024.

Zwischen 1933 und 1945 war der Verein verboten und konstituierte sich am 13. Dezember 1950 als Bundesverkehrswacht e. V. neu. Sitz des Verbandes war seit 1950 Bonn. Im Juli 2009 zog die Geschäftsstelle von Bonn nach Berlin.

Auf Initiative der Deutschen Verkehrswacht und mit Unterstützung des Bundesministeriums für Verkehr (BMV), der Wirtschaft und von spendenden Privatpersonen werden Programme und Maßnahmen zur Steigerung der Verkehrssicherheit erstellt und umgesetzt.

Zu den Aktionen, die die Deutsche Verkehrswacht durchführt, gehören Programme für Vorschulkinder in Kindertagesstätten und Kindergärten, Aufklärungsaktionen für junge Fahrer, Programme für ältere Verkehrsteilnehmer, örtliche Fahrradtage, der maßgeblich vom Verband der Automobilindustrie finanzierte Schülerlotsendienst, die gemeinsam mit dem Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe durchgeführte Aktion „Licht-Sicht-Test“, Programme zur schulischen Verkehrserziehung, die Verkehrskadetten und über viele Jahre die Fernsehsendereihe „Der 7. Sinn“. Durchgeführt werden bundesweit u. a. auch Fahrsicherheitstrainings für Personenkraftwagen, Motorrad und Lastkraftwagen.

Die Verbandszeitschrift „mobil und sicher – Das Verkehrswachtmagazin“ informiert seit 1994 sechsmal im Jahr über Themen in den Bereichen Verkehrssicherheit, Verkehrserziehung, Verkehrspsychologie, Verkehrspolitik, Verkehrstechnik, Verkehrsrecht, Unfallforschung, Verkehr und Umwelt. Das Magazin erscheint als Print- und als digitale Version (App). Zudem wird seit 2000 jährlich ein „mobil und sicher“-Wettbewerb für alle örtlichen Verkehrswachten zu Verkehrssicherheitsaktionen ausgelobt.

Über den nationalen Horizont hinaus auch europäischen Zielen verpflichtet, trat die Deutsche Verkehrswacht im Jahr 2005 der Europäischen Charta für Straßenverkehrssicherheit („European Road Safety Charter“) der Europäischen Kommission bei.

Präsidenten (seit 1924) Die Präsidenten der Deutschen Verkehrswacht seit ihrer Gründung waren August Horch (1924 bis ca. 1933), nach dem Verbot der Organisation in der Zeit des Nationalsozialismus Dietrich Arndt (1951 bis 1952), Walter Linden (1952 bis 1966), Prinz Richard von Hessen (1967 bis 1969), Paul Bockelmann (1969 bis 1971), Heinrich Hellge (1971 bis 1977), Felix Mottl (1977 bis 1992), Günter Sabow (1992 bis 1995), Burkhard Ritz (1995 bis 2001), Heinz Hardt (2001 bis 2007), Kurt Bodewig (2007 bis 2024) und Kirsten Lühmann (seit 2024).

Zielsetzung Ziel der Deutschen Verkehrswacht ist es, in freiwilliger Mitarbeit engagierter Mitglieder und in eigener Initiative vor Ort die Verkehrssicherheit zu fördern, Verkehrserziehung und -aufklärung zu betreiben, Verkehrsunfälle durch geeignete Maßnahmen zu verhüten, die Interessen aller Verkehrsteilnehmenden auf ausreichende Sicherheit im Straßenverkehr zu vertreten, Mitglieder und Behörden in Fragen der Verkehrssicherheit zu beraten und bei ihrer Arbeit Belange des Umweltschutzes einzubeziehen.

Die Deutsche Verkehrswacht bekennt sich zur Vision Zero, deren Ziel keine Getöteten und Schwerverletzten im Straßenverkehr sind.

Struktur Die Organisation wird von rund 50.000 ehrenamtlichen Mitgliedern getragen, die in rund 550 Orts-, Gebiets- und Kreisverkehrswachten organisiert sind, die sich wiederum auf 16 Landesverkehrswachten verteilen.

Mitglieder Neben den 16 Landesverkehrswachten sind Unternehmen, Institutionen und Einrichtungen Mitglied bei der Deutschen Verkehrswacht. Dazu zählen laut eigener Auflistung: Unternehmen des Automobilbereiches, u. a. BMW AG, Daimler AG sowie der Verband der Automobilindustrie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft Autoclubs, u. a. ACE, ADAC, AvD, und NAVC Verlage, u. a. Schmidt-Römhild GmbH & Co. KG Polizei, u. a. Gewerkschaft der Polizei Prüfgesellschaften, u. a. DEKRA und TÜV

Präsidium und Vorstand Im Juni 2025 hat die Jahreshauptversammlung der Deutschen Verkehrswacht folgende Personen in das Präsidium gewählt: Kirsten Lühmann, Präsidentin, Vizepräsidentin der Landesverkehrswacht Niedersachsen Mark Benn, Vizepräsident, Vorsitzender der Landesverkehrswacht Bremen Burkhard Metzger, Vizepräsident, Präsident der Landesverkehrswacht Baden-Württemberg Andreas Nowak, Vizepräsident, Präsident der Landesverkehrswacht Sachsen Gabriele Pappai, Vizepräsidentin, Vizepräsidentin der Landesverkehrswacht Nordrhein-Westfalen Andreas Rade, Vizepräsident, Geschäftsführer „Politik & Gesellschaft“ beim Verband der Automobilindustrie Karsten Witt, Vizepräsident, Vorsitzender der Verkehrswacht Hamburg Kirsten Zeidler, Vizepräsidentin, Leiterin der Unfallforschung der Versicherer Guido Zielke, Vizepräsident, Präsident der Landesverkehrswacht Berlin Die Mitglieder des Präsidiums sowie die Präsidenten beziehungsweise Vorsitzenden der Landesverkehrswachten bilden den Vorstand.

Ehrenpräsidenten Die Jahreshauptversammlung der Deutschen Verkehrswacht kann ehemalige Präsidenten, die sich um die Förderung der Verkehrssicherheit oder um die Deutsche Verkehrswacht besonders verdient gemacht haben, auf Vorschlag des Präsidiums zum Ehrenpräsidenten ernennen.

Seit November 2024 ist Kurt Bodewig, Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen a. D., Ehrenpräsident der Deutschen Verkehrswacht. Sein Vorgänger Burkhard Ritz, Präsident der Deutschen Verkehrswacht von 1995 bis 2001, führte den Titel ebenfalls bis zu seinem Tod im April 2025.

Gesellschaftliche Leistung & Aktivitäten mini|Mitglied der Deutschen Verkehrswacht im Einsatz mini|Ein Auto der Deutschen Verkehrswacht vor der Berliner Messe Die Deutsche Verkehrswacht kann als Vorreiterin und Wegbereiterin der heutigen Verkehrserziehung in Deutschland angesehen werden:

1924 als gemeinnützige Bürgerinitiative gegründet, wurde sie bereits Jahrzehnte bevor die akademische Pädagogik die gesellschaftliche Bedeutung der Verkehrserziehung erkannte und die Allgemeinbildenden Schulen sie 1972 als fächerübergreifenden Bildungsauftrag von der Politik übertragen bekamen in der Verkehrsertüchtigung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aktiv.Empfehlungen zur Verkehrserziehung in der Schule. Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 7. Juli 1972 i. d. F. vom 17. Juni 1994. Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland. Bonn 1994. Die anfangs sehr pragmatisch als praktische Verkehrseinweisung und Regellehre betriebene „Verkehrskunde“ wurde zunächst vorrangig aus der dringlichen Notwendigkeit der Unfallverhütung geboren und gerechtfertigt.Dieter Hohenadel: Erziehung und Verkehrswirklichkeit. 2. Auflage, Braunschweig 1986. Entscheidendes Anliegen war es nämlich, die mit der rapide wachsenden Motorisierung jährlich zunehmenden Unfallzahlen bei Kindern zu bremsen und die Risiken des Straßenverkehrs, vor allem für die besonders gefährdeten Schulanfänger, zu senken. Unter dieser Zielsetzung wurden die Kinder geschult, wurde Elternaufklärung betrieben, wurden die Kraftfahrer regelmäßig (vor allem zu Schuljahresbeginn) für die Problematik sensibilisiert, wurden Politiker, Stadtplaner und Kraftfahrverbände zu Maßnahmen gedrängt. Man ging mit Broschüren, Elternbriefen, Lehrgängen, Aufklärungsmaßnahmen, Vorführungen, einer eigenen Zeitschrift mobil und sicherDeutsche Verkehrswacht (Hrsg.): mobil und sicher – Das Verkehrswachtmagazin, Verlag Max Schmidt-Römhild GmbH & Co. KG, Lübeck. in die Öffentlichkeit, band zunehmend Polizei, Elternverbände, Kommunalpolitiker, Autoclubs, Industriefirmen und Schulverwaltungen in die gemeinsame Verantwortung ein. Die Ausbildung von Schülerlotsen, Schulbusbegleitern, Moderatoren, Fachberatern schuf ein Multiplikatorensystem, das die Erkenntnis einer gemeinsamen Verantwortung förderte. Inzwischen über 800 Jugendverkehrsschulen mit ebenso vielen Verkehrsübungsplätzen, regelmäßige Wettbewerbe, Fußgänger- und Radfahrprüfungen, Anzeigenkampagnen, Abzeichen und Auszeichnungen machten die Bedeutung einer guten Verkehrserziehung öffentlichkeitswirksam bekannt. Organisatorisch entstand ein flächendeckendes Netz von gemeinnützigen Verbänden auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene. Man tauscht sich bis heute international regelmäßig aus, etwa mit gleichartigen Verbänden in den Nachbarländern Österreich und Schweiz.Siegbert A. Warwitz: Verkehrserziehung im Aufbruch – Tendenzen der Verkehrserziehung in der Bundesrepublik Deutschland. Wels/Österreich, 2009.