mini|hochkant=1.8|Liniennetz der Metro-North Railroad Metro-North Railroad ist ein Eisenbahnunternehmen in den Bundesstaaten New York, Connecticut und New Jersey der Vereinigten Staaten von Amerika. Es besitzt und betreibt Reisezüge, die es im Ballungsraum New York einsetzt. Es besitzt bzw. betreibt Eisenbahnstrecken und Bahnhöfe. Das Bedienungsgebiet erstreckt sich von New York City und von Hoboken (New Jersey) in nördlich gelegene Städte und Vororte.
mini|Metro-North-Triebwagen im Bahnhof Marble Hill am Harlem River
Metro-North hat fünf Hauptlinien, die nach ihrem Verlauf östlich oder westlich des Hudson River eingeordnet werden. Befahren werden 383 Meilen (616 Kilometer) Linienlänge auf 787 Meilen (1267 Kilometer) Gleislänge, bedient werden 123 Bahnhöfe.
Das Unternehmen wurde 1983 gegründet und hatte 6709 Beschäftigte im Januar 2025. Es ist eine Tochtergesellschaft der staatlichen New Yorker Verkehrsgesellschaft Metropolitan Transportation Authority (MTA) und führt den Markennamen MTA Metro-North Railroad. Der Firmenname Metro-North Commuter Railroad Company wurde bis in die 1990er Jahre auch im öffentlichen Auftritt verwendet. Präsident der Metro-North Railroad ist seit April 2025 Justin Vonashek.
Die Bedienung in Connecticut erfolgt im Auftrag der Verkehrsbehörde Connecticut Department of Transportation (ConnDOT). Der Betrieb in New Jersey erfolgt im Auftrag der staatlichen Verkehrsgesellschaft New Jersey Transit in Zusammenarbeit mit der Metropolitan Transportation Authority und beinhaltet die Bereitstellung von Zügen, die vom Eisenbahnunternehmen NJ Transit Rail Operations mit eigenem Personal betrieben werden. Metro-North betreibt überdies Verkehrsstationen im Bundesstaat New York, an denen Züge von New Jersey Transit halten.
Geschichte
1971 begannen die Staaten New York und Connecticut, den Nahverkehr der Eisenbahngesellschaft Penn Central Transportation (PC) auf der von ihr 1969 übernommenen Strecke der ehemaligen New York, New Haven and Hartford Railroad nach New Haven (Connecticut) zu subventionieren. Die Trackage Rights (Streckennutzungsrechte) wurden von beiden Bundesstaaten erworben. Ein Jahr später wurden auch die PC-Vorortlinien der ehemaligen New York Central Railroad nach Brewster (Harlem Line) und Poughkeepsie (Hudson Line) finanziell unterstützt. Diese Strecken wurden von PC durch den Bundesstaat geleast. Die Linien auf diesen drei Strecken beginnen im in Manhattan gelegenen Grand Central Terminal, das ebenfalls als Leasing vom Staat New York übernommen wurde.
Die Metro-North Commuter Railroad Company wurde 1983 ins Leben gerufen, als Conrail ihre im Northeast Corridor () kobetriebenen Vorortverkehre an regionale Verkehrsverwaltungen abgab. Conrail war die überwiegend bundeseigene Auffanggesellschaft mehrerer in Konkurs gegangener privater Eisenbahngesellschaften im Nordosten der USA und agierte als integriertes Eisenbahn-Infrastruktur- und -Verkehrs-Unternehmen mit einem Gebietsmonopol. Gemäß dem Bundesgesetz Northeast Rail Service Act of 1981 sollte Conrail ab Jahresende 1982 keine Reisezugverkehre mehr betreiben, sondern sich auf den Schienengüterverkehr konzentrieren.
Dem Bundesgesetz folgend kaufte Metro-North den Streckenabschnitt des Northeast Corridor von New Rochelle bis zur Grenze zwischen den Bundesstaaten New York und Connecticut und kaufte ConnDOT den anschließenden Streckenabschnitt bis New Haven. Amtrak, die den restlichen Northeast Corridor besitzt, verkehrt auf diesen beiden Abschnitten auf Basis von Trackage Rights. Das Bundesgesetz Passenger Rail Investment and Improvement Act of 2008 (PRIIA) regelt die Kostenaufteilung beim Unterhalt des Northeast Corridor zwischen Amtrak, ConnDOT und Metropolitan Transportation Authority.
Streckennetz mini|Schienenverkehr in Connecticut nach Betreiber (2024). Dunkelblau: Metro-North, Hellblau: Amtrak, Rot: CTRail
Die fünf Hauptlinien werden nach ihrem Verlauf östlich oder westlich des Hudson River eingeordnet.
Der „East of Hudson Service“ sind drei Linien vom Bahnhof Grand Central Terminal nach Poughkeepsie auf der Hudson Line, nach Wassaic (in der Town Amenia) auf der Harlem Line, sowie nach New Haven, New Canaan, Danbury und Waterbury auf der New Haven Line mit ihren drei Zweigstrecken. Diese Linien bedienen die Counties Westchester, Putnam und Dutchess in New York sowie Fairfield und New Haven in Connecticut.
Der „West of Hudson Service“ sind zwei Linien vom Bahnhof Hoboken Terminal nach Port Jervis auf der Port Jervis Line und nach Spring Valley (in der Town Ramapo) auf der Pascack Valley Line. Bedient werden die Counties Rockland und Orange in New York und Bergen und Hudson in New Jersey.
Grand-Central-Linien mini|Zwei Metro-North-Züge in New York, links auf der Hudson Line, rechts der New Haven Line (2021) mini|Zwei Züge auf dem viergleisigen Park-Avenue-Viadukt vor der Einfahrt in den Tunnel zum Grand Central Terminal (2007)
Die drei vom Grand Central Terminal abgehenden Strecken sind mit von unten bestrichenen Stromschienen bei 750 Volt Gleichspannung elektrifiziert.
Die Hudson Line ist nur bis Croton-Harmon in Croton-on-Hudson elektrifiziert, die Harlem Line bis Southeast nördlich von Brewster. Die New Haven Line hingegen ist ab Pelham (westlich von New Rochelle) mit einer Oberleitung mit 12,5 kV Wechselspannung ausgestattet. Auch die Zweigstrecke nach New Canaan (Bahnstrecke Stamford–New Canaan) ist mit diesem System elektrifiziert.
Die von der New Haven Line abzweigenden Strecken nach Danbury (Bahnstrecke Danbury–Norwalk) und Waterbury (Bahnstrecke Bridgeport–Winsted) sind nicht elektrifiziert. Auf der Danbury-Zweigstrecke wurde die 1925 eingeweihte Oberleitung in den 1960er Jahren zurückgebaut.
Auf der New-Haven-Linie werden wegen des Wechsels des Stromsystems Triebwagen mit Zweisystemausrüstung eingesetzt. Bauähnliche Triebwagen mit reiner Gleichspannungsausrüstung fahren auf den anderen Linien. Die nicht elektrifizierten Strecken werden mit Wendezügen mit Diesellokomotiven bedient, bis in die 1990er Jahre auch mit kurzen Dieseltriebzügen. Zusätzlich gibt es so genannte One-Seat-Ride-Züge, die durchgehend bis zum Grand Central Terminal verkehren. Diese wurden 1982 eingeführt und bewirkten einen Fahrgastzuwachs von 38 Prozent.
Auf der New-Haven-Linie fahren auch Regional- und Acela-Züge der Amtrak sowie Güterzüge der Providence and Worcester Railroad. Amtrak-Züge des Empire Service zu den Niagarafällen benutzen die Hudson-Linie.
Durch East Side Access erhielt 2023 die Long Island Rail Road mit dem neuen Bahnhof Grand Central Madison am Grand Central Terminal eine Umsteigemöglichkeit, aber keine Gleisverbindung zu den Zügen der Metro-North.
Das Grundstück des Grand Central Terminal, die Hudson Line und Harlem Line wurden seit den 1980er Jahren durch Metro-North gepachtet und 2020 durch die Metropolitan Transportation Authority gekauft, die bereits den Abschnitt der Harlem Line nördlich Dover Plains besaß. Die Immobilien gehörten ab 2006 einem privaten Unternehmen, das sie von der American Financial Group, Eigentümerin der Penn-Central-Nachfolgegesellschaft American Premier Underwriters, gekauft hatte.
Hoboken-Linien alt=Bahnsteig an eingleisiger Strecke, silberner einstöckiger Zug fährt in Richtung der Kamera. Im Bildhintergrund eine grün bewachsene Anhöhe, links und im Bildhintergrund abgezäunt ein zweites Gleis mit Bahnsteig, sonstige Eisenbahnanlagen und weiterer Bewuchs.|mini|Comet-V-Wagen mit Metro-North-Beschriftung in Suffern (New York) auf der Port-Jervis-Strecke
Vom Bahnhof Hoboken Terminal in New Jersey fahren die Züge der Pascack-Valley-Linie nach Spring Valley (New York) und der Port-Jervis-Linie nach Port Jervis. Beide Linien durchqueren New Jersey und haben die Mehrzahl ihrer Stationen dort, bevor sie New Yorker Staatsgebiet erreichen. Betrieben werden sie von NJ Transit Rail Operations, das mit eigenem Personal und dem gleichen Zugmaterial in den Farben und mit der Beschriftung wie auf anderen Vorortlinien der New Jersey Transit fährt. Metro-North ist dabei Eigentümer eines Teils der Fahrzeuge, was nur an den Fahrzeugnummern bzw. Fahrzeughalterkennzeichnungen (reporting marks) erkennbar ist.
Die im Bundesstaat New Jersey liegenden Strecken der New York Central Railroad wurden von New Jersey Transit übernommen. In New Jersey wird die ehemalige Hauptstrecke der Erie Railroad genutzt, die daher als Main Line oder Hauptlinie bezeichnet wird. Von ihr ist in Bergen County die Bergen-County-Linie, die von einem Teil der Züge der Port-Jervis-Linie befahren wird, abgespalten und verläuft als Umgehungsstrecke, bis sie wieder in die Hauptstrecke einfädelt.
Auch der auf New Yorker Staatsgebiet liegende Abschnitt der Pascack-Valley-Strecke gehört New Jersey Transit. Die Port-Jervis-Strecke auf New Yorker Staatsgebiet von Suffern bis Port Jervis gelangte durch den Verkauf der Conrail in das Eigentum der Frachtgesellschaft Norfolk Southern Railway, die sie an Metro-North verpachtet.
Sonstige Linien Eine sechste Linie, die die jüngste und kürzeste ist, wurde in New Jersey 2009 zwischen dem Meadowlands Sports Complex in East Rutherford und dem Umsteigebahnhof Secaucus Junction eingerichtet. Die Betriebszeit auf der eingleisigen Strecke ist auf Veranstaltungen beschränkt. Ein Teil der Fahrten ist über Secaucus Junction hinaus zum Bahnhof Hoboken Terminal durchgebunden.
Bei Sportveranstaltungen im Yankee Stadium in der Bronx halten zusätzliche Züge im Bahnhof Yankees–East 153rd Street.
Metro-North besitzt seit 1994 oder 1995 die ehemals durch einzelne Güterzüge der Housatonic Railroad befahrene Beacon-Linie (Bahnstrecke Beacon–Brewster–Danbury), die die Hudson Line, Harlem Line und Danbury-Zweigstrecke als Ausweichstrecke für Dienstfahrten miteinander verband. Es ist geplant, sie zu einem Bahntrassenradweg umzubauen. Die Housatonic Railroad hat 2023 gegenüber der Regulierungsbehörde Surface Transportation Board darauf verzichtet, ihre Streckennutzungsrechte in Anspruch zu nehmen.
Rollmaterial Die Metro-North setzt einen vielfältigen Fahrzeugpark ein. Ein Großteil besteht aus S-Bahn-ähnlichen Triebwagen der Reihen M3, M7 und M8 der Baujahre 1983 bis 2015, die für alle ausschließlich auf den elektrifizierten Abschnitten verkehrenden Züge genutzt werden. Durch Beschaffung der Reihe M9A soll die Reihe M3 in den 2020er Jahren abgelöst werden.
Die Fahrzeuge sind weitgehend mit denen der Long Island Rail Road (LIRR) baugleich, nur bestreichen die Stromabnehmer bei der Metro-North die Stromschienen von unten. Die Einheiten für die New-Haven-Linie sind zusätzlich mit Bügelstromabnehmern auf dem Dach ausgerüstet.
Auf nicht elektrifizierte Strecken übergehende Züge östlich des Hudson werden mit Lokomotiven der Reihen P32-ACDM von General Electric sowie BL20GH von Brookville, remotorisiert zu BL20GHM durch MotivePower/Wabtec, bespannt. Die P32-ACDM sind Zweikraftlokomotiven für Diesel- und elektrischen Betrieb mit Speisung durch eine Stromschiene, die BL20GHM reine Diesellokomotiven, die auch westlich des Hudson eingesetzt werden.
Der Einsatz von EMD FL9, der ersten in größerer Zahl gebauten Zweikraftlokomotiv-Bauart aus den späten 1950er Jahren, endete 2009. Um die Lokomotiven des Typs P32-ACDM abzulösen, wurden im Jahr 2020 bei Siemens Mobility zunächst 27 und im Jahr 2023 sechs zusätzliche Zweikraftlokomotiven des Typs SC-42DM der Plattform Siemens Charger bestellt. 2025 kam die Bestellung von 13 Zweikraftlokomotiven für Batterie- und Oberleitungsbetrieb auf der in Bau befindlichen Verbindung Penn Station Access dazu. Der erste Einsatz einer SC-42DM im Fahrgastbetrieb fand im September 2025 auf der Hudson-Strecke statt.
Für die nicht elektrifizierten äußeren Streckenabschnitte und Zweigstrecken betrieben Metro-North und ConnDOT bis in die 1990er Jahre Budd Rail Diesel Cars und Budd SPV-2000.