mini|Peter Tscherkassky erklärt im Rahmen eines Vortrags seine Arbeitsweise (2020) Peter Tscherkassky (* 3. Oktober 1958 in Wien, Österreich) ist ein österreichischer Avantgardefilmregisseur.

Leben und Wirken Tscherkassky besuchte das Kollegium Kalksburg in Wien und anschließend das Bundesoberstufenrealgymnasium Mistelbach, wo er 1977 maturierte. Anschließend studierte er Publizistik und Politikwissenschaft an der Universität Wien. 1978 machte er erstmals Bekanntschaft mit dem avantgardistischen Filmschaffen, als er eine fünftägige Lecture-Serie von P. Adams Sitney im Österreichischen Filmmuseum besuchte. 1979 zog Tscherkassky zeitweilig nach Berlin, wo er ein Philosophiestudium begann. Ende desselben Jahres erwarb er auch eine Super-8-Ausrüstung – eine unter Experimentalfilmschaffenden lange Zeit sehr beliebte Filmausrüstung. Im Dezember des Jahres begann er auch mit den Dreharbeiten zu seinem ersten Kurzfilm Kreuzritter, dessen Drehbuch er zuvor geschrieben hatte. Er begann sich intensiv mit dem Avantgardefilmschaffen im deutschsprachigen Raum zu beschäftigen und lernte unter anderen die vorwiegend aus dem Berliner Raum stammenden Künstler und Filmschaffenden Thomas Kiesel, Frieder Butzmann, Reinhold Vorschneider, Nils Krüger, Regina Baumgart, Gerti Fietzek, Thomas Kapielski, Rolf-Peter Baacke kennen. Er besuchte regelmäßig das Kino „Arsenal“, insbesondere die wöchentlichen Programme über das internationale Avantgardefilmschaffen.

1981 lernte er die österreichischen Avantgardefilmer Lisl Ponger, Dietmar Brehm und Ernst Schmidt Jr. kennen. 1982 war er Gründungsmitglied der Austrian Filmmakers Cooperative (aus der er 1993 austrat).

1984 begann Tscherkassky, als Kurator zu arbeiten: Er präsentierte im Rahmen der Ausstellung „Kometen.Folge.Lawinen.Orte“ der Galerie Thaddaeus Ropac zunächst das Programm „überBlick – Super-8-Filme aus Österreich“ im Berliner Kutscherhaus. Anschließend kehrte er nach Wien zurück, wo er u. a. mit Eva Schlegel, Heimo Zobernig, Gudrun Bielz, Helmut Rainer und Helmut Mark die „UFVA – Unabhängiger Film & Video Austria“ gründete. In der Folge kuratierte er weitere Programme und Retrospektiven zum österreichischen Avantgardefilm in Deutschland, Schweden, der CSSR, Polen und Ungarn.

Zwischen 1985 und 1986 schrieb er seine Dissertation „Film + Kunst: Zu einer kritischen Ästhetik der Kinematografie“ am Institut für Philosophie in Wien. 1986 promovierte er zum Dr. phil.

Nach seinem Zivildienst im Jahr 1987 kuratierte und konzipierte er Festivals und Symposien zum Thema Avantgardefilm.

Von 1989 bis 2002 hatte er einen Lehrauftrag für künstlerische Filmgestaltung an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz inne.

1993 und 1994 wurde er von Kunstminister Rudolf Scholten zum künstlerischen Leiter des neu gegründeten Festivals des österreichischen Films, der Diagonale, bestellt. 1993 konzipierte er auch die Retrospektive „morgenlicht. Österreichischer Avantgardefilm von Kubelka bis heute“ im Berliner Kino „Arsenal“. Weitere Kuratoraufträge gingen dem bereits voraus bzw. folgten noch.

2005 hatte sein Werk Instructions for a Light and Sound Machine beim Filmfestival von Cannes in der Reihe „Quinzaine des réalisateurs“ Weltpremiere. Im Rahmen der 74. Internationalen Filmfestspiele von Cannes präsentierte er 2021 ebenfalls in der Sektion Quinzaine des réalisateurs seine zwanzigminütige Arbeit Train Again.

Bekannte Filme des Regisseurs sind Happy End (1996) und Outer Space (1999), die beide in der österreichischen Filmauswahl Der österreichische Film auf DVD herausgegeben wurden. Ein weiterer mehrfach preisgekrönter Kurzfilm des Regisseurs ist Dream Work (2002). Zahlreiche seiner Filme werden beim österreichischen Vertrieb sixpackfilm vertrieben.

Filmografie (Auswahl) Kurzfilmregie, sofern nicht anders angegeben. 1981: Aderlaß 1982: Erotique 1982: Liebesfilm 1983: Freeze Frame 1983: Urlaubsfilm 1983: Ballett Nr. 3 (45 s, Kurzfilmbeitrag Nr. 22 in Über Nacht berühmt, Prod. Stiletto, Unternehmen von der Hand in den Mund)Über Nacht berühmt, Film in voller Länge auf YouTube, zuletzt abgerufen am 2. Oktober 2018 1983: Miniaturen - Viele Berliner Künstler in Hoisdorf 1984: Motion Picture (La Sortie des Ouvriers de l'Usine Lumière à Lyon) 1985: Manufraktur 1996: Happy End 1997: L’Arrivée 1999: Get Ready 1999: Outer Space 2001: Dream Work 2005: Instructions for a Light and Sound Machine 2006: Nachtstück (Nocture) 2010: Coming Attractions 2015: The Exquisite Corpus 2021: Train Again

Veröffentlichungen (Auswahl) Als Herausgeber zusammen mit Gabriele Jutz: Peter Kubelka. PVS-Verleger, Wien, 1995, ISBN 978-3-901196-19-5 Als Herausgeber: Film Unframed. A History of Austrian Avant-Garde Cinema. Synema Gesellschaft für Film und Medien, Wien, 2012, ISBN 978-390164-442-9

Auszeichnungen für seine Tätigkeiten: 1989: Förderungspreis für Filmkunst des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst 1996: Österreichischer Würdigungspreis für Filmkunst 2003: Würdigungspreis für Filmkunst des Landes Niederösterreich 2019: Goldenes Verdienstzeichen des Landes WienAvantgardefilmer Peter Tscherkassky mit Goldenem Verdienstzeichen des Landes Wien ausgezeichnet. OTS-Meldung vom 13. Juni 2019, abgerufen am 13. Juni 2019.

für seine Filmwerke: Outer Space (1999) 1999: DOK Leipzig: Prize of the 'Sparkasse Leipzig' 1999: Diagonale: Diagonale Innovative Cinema Award 2000: San Francisco International Film Festival: Golden Spire 2000: Seattle International Film Festival: Short Film Award - Honorable Mention 2000: Uppsala International Short Film Festival: Film Jackdaw Dream Work (2002) 2002: Melbourne International Film Festival: City of Melbourne Award 2002: New York Expo of Short Film: Silver Award 2002: Internationale Kurzfilmtage Oberhausen: Grand Prize Coming Attractions (2010) 2010: Internationale Filmfestspiele von Venedig: Orizzonti-Kurzfilmpreis 2011: Vienna Independent Shorts: Österreichischer Kurzfilmpreis

Literatur Über Peter Tscherkassky: Alexander Horwath, Michael Loebenstein (Hrsg.): Peter Tscherkassky, FilmmuseumSynemaPublikationen Band 2, Wien 2005, ISBN 3-901644-16-4

Weblinks

www.tscherkassky.at – Webseite von Peter Tscherkassky

Einzelnachweise

Kategorie:Hochschullehrer (Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz) Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Träger des Goldenen Verdienstzeichens des Landes Wien Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1958 Kategorie:Mann