Der Echte Eibisch (Althaea officinalis), auch Gebräuchlicher Eibisch oder Arznei-Eibisch genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Eibisch (Althaea) in der Unterfamilie der Malvoideae innerhalb der Familie der Malvengewächse (Malvaceae).

Trivialnamen Der deutschsprachige Trivialname Eibisch (lateinisch Althaea) für Althaea officinalis lässt sich über mittelhochdeutsch ībesch (auch ĩbeschenwurz und ibeschwurzVgl. Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 368 (Eybischwurtz: die Pflanze Echter Eibisch sowie auch deren Wurzel radix ibisci – bzw. radix althaeae) und 490 (zum Wortbestandteil wurtz in eybischwurtz). sowie ybischOtto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 155.) auf lateinisch (h)ibiscum zurückführen. Im Volksmund findet man für diese Pflanzenart auch Bezeichnungen wie Althee, Alter Thee, Samtpappel, Ibischwurz, Heilwurz, Weiße Malve, Sumpfmalve, Adewurz oder Schleimwurzel. Lateinisch wurde der Eibisch unter anderem auch Malva und BismalvaOtto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 136. und Malva agrestis sowie Malva viscus, Ybiscus und EvicusOtto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 155 und 201 (Malva – pappele, malviscus, bismalva, ybisch). genannt.

Weitere zum Teil auch nur regional gebräuchliche deutschsprachige Bezeichnungen für den Echten Eibisch sind oder waren: Arteawurzel (Rendsburger Apotheke), Ebich, Ebiche (mittelhochdeutsch), alte Eh (Österreich), Eibesch, Eibich (Österreich), Eibischwurz, Eibschen (Zürich), Eisenkraut,belegt auch bei Georg August Pritzel. Grozpapel (althochdeutsch), Heemst (Niederlande), Hemisch, Hemst (Niederlande), Homes, Hülfwurz, witte Hümst, Hünst (mittelniederdeutsch), Hüffwurzel (Schlesien), Ibisch, Ibischa, Ibischpappel, Ibsche (Bern, mittelhochdeutsch), Ibschge (Zürich), Ipsch (mittelhochdeutsch), witte Malve, Pallenblöm (bezogen auf die Blüte), weiße oder wilde Pappel, wilt Pippeln, Sammetpappeln, Rockwort (mittelniederdeutsch), Teewurzel (Rendsburger Apotheke), Ungerschkrud, Weizpappel, Ybesce, Ybesch, Ybesche, Ybischa, Ybischea, Ybize und Ywesche (mittelhochdeutsch).Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Verlag von Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 23.

Beschreibung mini|links|Illustration aus Köhler’s Medizinalpflanzen von 1887 mini|hochkant|Die gestielten Laubblätter sind mit Sternhaaren besetzt und auffallend samtig-weich mini|hochkant|Die Blüten stehen meist in den Achseln der oberen Laubblätter mini|hochkant|Blüte von der Seite mini|hochkant|Radiärsymmetrische fünfzählige Blüte mini|hochkant|Sternhaar (Trichom), mikroskopisch, polarisiertes Licht

Vegetative Merkmale Der Echte Eibisch ist eine ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 50 bis 150 Zentimetern. Die oberirdischen Pflanzenteile sind mit Sternhaaren behaart (Indument). Der aufrechte Stängel ist kräftig und meist einfach oder wenig verzweigt; er ist mit Sternhaaren rau oder wollig behaart oder an seiner Basis verkahlend. Die oberirdischen Pflanzenteile sind samtig-filzig behaart.

Die wechselständig am Stängel angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Der mit Sternhaaren wollig behaarte Blattstiel ist 1 bis 5, selten bis zu 6 Zentimeter lang, wobei die unteren Stängelblätter lang, die obersten kürzer gestielt sind. Die pergamentartige Blattspreite ist bei einer Länge von meist 3 bis 5 (1,5 bis 10) Zentimetern sowie einer Breite von 2 bis 4 (1,4 bis 7) Zentimetern im Umriss drei- oder fünfeckig kreis- bis nieren-, ei- oder herzförmig, mehr oder weniger ungeteilt oder drei- bis fünflappig mit gerundeter, fast herzförmiger oder gestutzter Spreitenbasis. Die untersten Stängelblätter sind höchstens zwei- oder dreilappig, die obersten meist drei- bis fünflappig. Die Blattspreite oder die Blattlappen besitzen ein spitzes oder zugespitztes oberes Ende und einen unregelmäßig gezähnten, gesägten oder gekerbten Blattrand. Beide Blattflächen dicht mit Sternhaaren flaumig und samtig-filzig behaart, aber stärker auf der Blattunterseite. Die oberen Stängelblätter sind schwach dreilappig bis ungeteilt und zwischen den Blattadern gefaltet. Die meist früh abfallenden Nebenblätter bei einer Länge von meist 3 bis 5 (2 bis 8) Millimetern relativ klein und linealisch oder linealisch-lanzettlich, pfriemlich, manchmal zweiteilig oder gezähnt und dicht mit Sternhaaren behaart.

Generative Merkmale Die Blütezeit reicht je nach Standort von Juni bis meist Juli bis August oder seltener September. Die relativ kurz gestielten Blüten befinden sich einzeln oder in kleinen Gruppen in den Blattwinkeln oder endständig in kleinen rispigen Blütenständen. Es ist meist ein mit Sternhaaren wollig behaarter Blütenstandsschaft vorhanden, wobei dieser etwa so lang oder länger ist als die Blütenstiele. Der Blütenstiel ist mit einer Länge von 2 bis 10 Millimetern relativ kurz und mit Sternhaaren flaumig behaart. Die meist acht bis neun (sechs bis zwölf) grünen Außenkelchblätter sind bei einer Länge von 3 bis 5 oder 8 bis 12 Millimetern linealisch oder linealisch-lanzettlich bis lanzettlich, verschmälern sich allmählich und sind an ihrer Basis verwachsen und mit Sternhaaren striegelig behaart. Der Außenkelch ist viel kürzer als der Kelch.

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf haltbaren, meist 8 bis 10 (6 bis 12) Millimeter langen Kelchblätter sind höchstens bis zu ihrer Mitte becherförmig verwachsen und dicht rau behaart; die fünf Kelchlappen sind dreieckig oder lanzettlich bis eiförmig mit zugespitztem oberen Ende. Die Kronblätter sind etwa doppelt so lang wie die Kelchblätter. Die Blütenkrone besitzt einen Durchmesser von 2 bis 3 Zentimetern. Die fünf weißen, blassrosa-, hellrosa- bis blass-purpurfarbenen Kronblätter sind bei einer Länge von 1 bis 2 Zentimetern oder 15 bis 25 Millimetern sowie einer Breite von 5 bis 15 Millimetern verkehrt-eiförmig oder verkehrt-eiförmig-länglich mit etwas ausgerandeten oder seicht gekerbten oberen Enden. Der Nagel ist am Rand bewimpert. Bei der Unterfamilie Malvoideae sind die vielen Staubblätter zu einer den Stempel umgebenden 3 bis 5, selten bis zu 8 Millimeter langen Röhre verwachsen, der sogenannten Columna; sie ist kahl oder spärlich papillös behaart. Die bräunlich- bis dunkel-purpurfarbenen Staubbeutel befinden sich in Gruppen in der oberen Hälfte der Staubblattröhre. Die 15 bis 25 Fruchtblätter sind zu einem vielkammerigen (15 bis 25 Kammern), oberständigen abgeflachten Fruchtknoten verwachsen. Je Fruchtknotenkammer ist nur eine Samenanlage vorhanden. Der vielästige (gleich viele wie Fruchtblätter) Griffel endet in linealischen Narben.

Die Frucht ist vom beständigen Kelch umhüllt. Die Spaltfrüchte sind bei einem Durchmesser von 5 bis meist 7 bis 8 Millimetern abgeflacht rundlich und diskusförmig, mehr oder weniger dicht flaumig behaart sowie fein gerippt und zerfallen in viele (15 bis 20, selten bis zu 25) Teilfrüchte, die in einer Reihe angeordnet sind. Die Teilfrüchte sind 3 bis 4,5 Millimeter lang, an den Seiten 2,5 bis 3 Millimeter breit, am Rücken 1 bis 1,5 Millimeter breit und an ihrem Rücken dicht mit Sternhaaren filzig behaart. Die braune, ungefügelte Teilfrucht enthält nur einen Samen; sie befinden sich einzeln in den einzelnen, kleinen „Cocci“. Die brauen, glatten und kahlen Samen sind bei einer Länge von 1,5 bis 2, selten bis zu 2,5 Millimetern sowie einer Breite von 1 bis 1,5 Millimetern nierenförmig-rund.

Chromosomensatz Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 21; es liegt Diploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 42 vor.

Ökologie Der Echte Eibisch ist eine mehrjährige Pflanze, die mehrmals blüht (plurienn-pollakanth), wächst gerne an feuchten Stellen (helomorph) und hat verhärtetes Gewebe (skleromorph). Seine Überwinterungsknospen liegen auf Bodenhöhe (Hemikryptophyt).

Die immer zwittrigen Blüten sind proterandrisch, also sind die Blüten zuerst männlich und später weiblich. Blütenökologisch handelt es sich um Scheibenblumen mit völlig verborgenem Nektar. Die Nektarien befinden sich an der Basis der Staubblätter. Wenn Fremdbestäubung ausbleibt, kann spontane Selbstbestäubung innerhalb einer Blüte erfolgen. Als Belohnung für Bestäuber ist Nektar vorhanden. Die Pollenübertragung erfolgt durch Insekten. Bestäuber sind Bienen, Hummeln, Wespen, Wollschweber (Bombyliidae) sowie Syrphiden. Es liegt gemischte Befruchtung vor, denn sowohl Selbst- als auch Fremdbefruchtung sind häufig. Es liegt Selbstkompatibilität vor, also führt Selbstbefruchtung erfolgreich zum Samenansatz.

Diasporen sind beim Echten Eibisch die Teilfrüchte, also die geschlossen bleibenden Fragmente der Zerfallfrucht. Die Ausbreitung der Diasporen erfolgt durch Autochorie.

Althaea officinalis ist eine wertvolle Bienenfutterpflanze.

Krankheiten Der Echte Eibisch wird vom Malvenrost befallen, der hier Teliosporen bildet.

Vorkommen und Gefährdung Der Echte Eibisch kommt „wild“ in den Steppenzonen Südrusslands und Zentralasiens östlich bis zum Altai vor. Im Westen reicht das Verbreitungsgebiet von Südeuropa und Südosteuropa bis zur Iberischen Halbinsel. Es gibt Fundortangaben für das nördliche Algerien, das nordöstliche Tunesien, Gibraltar, Spanien, Portugal, Andorra, die Balearen, Monaco, Frankreich, Korsika, Sardinien, Sizilien, Italien, Malta, Österreich, Liechtenstein, Deutschland, Dänemark, das Vereinigte Königreich, Belgien, Luxemburg, die Niederlande, Polen, Tschechien, Ungarn, Slowakei, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Bulgarien, Albanien, Rumänien, Moldawien, Montenegro, Nordmazedonien, Griechenland, Inseln der östlichen Ägäis, der europäischen Teil Russlands, Georgien, Abchasien, Adschara, Armenien, Aserbaidschan, Nachitschewan, Syrien, Libanon, Israel, Palästina, Jordanien, die Türkei, die Ukraine die Krim, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan, Pakistan (dort selten) sowie in Xinjiang nur in Tacheng. Er ist in vielen Gebieten der Welt, beispielsweise in Nordamerika, ein Neophyt.

Nach Mitteleuropa wurde der Echte Eibisch durch den Menschen gebracht (Archäophyt), beständige verwilderte Vorkommen sind hier auf küstennahe Gebiete und Binnensalzstellen beschränkt. Vorübergehend taucht der Echte Eibisch an Ruderalstellen, in Gartenanlagen oder auch auf Schuttplätzen auf. In Mitteleuropa gedeiht der Echte Eibisch meist an sonnigen, warmen Standorten mit nährstoffreichen, gut wasserversorgten Lehm- oder Tonböden. Er ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Soncho-Angelicetum archangelicae, kommt aber auch in anderen Pflanzengesellschaften der Ordnung Convolvuletalia oder der Ordnungen Molinietalia oder Agrostietalia vor.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 4w+ (sehr feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 5 (kontinental), Salztoleranz 1 = tolerant.

In Österreich gibt es ein autochthones Vorkommen in Zwingendorf (Niederösterreich).