mini|Otto Ludwig Lange, 2004 Otto Ludwig Lange (* 21. August 1927 in Dortmund; † 14. August 2017 in WürzburgTodesanzeige in der Mainpost vom 17. August 2017, abgerufen am 17. August 2017.) war ein deutscher Biologe und Botaniker. Der Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit lag auf dem Gebiet der Ökophysiologie von Wild- und Kulturpflanzen sowie der Flechten (Lichenes). Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „“.

Leben Otto L. Lange studierte Biologie, Chemie und Physik an den Universitäten Freiburg und Göttingen. An letzterer folgten 1952 das Staatsexamen für das Lehramt an Höheren Schulen sowie die Promotion und 1959 die Habilitation im Fach Botanik. 1961 bis 1963 war er Wissenschaftlicher Rat an der TU Darmstadt. Von 1963 bis 1967 hatte er den Lehrstuhl für Forstliche Botanik und Technische Mykologie an der Universität Göttingen inne und war für den dortigen Forstbotanischen Garten verantwortlich. Von 1967 an war Otto Ludwig Lange Professor für Botanik an der Universität Würzburg, er lehnte Rufe nach Grenoble, Stuttgart-Hohenheim, Tübingen und Göttingen ab und wurde 1992 emeritiert. In Würzburg leitete er auch den Botanischen Garten und betreute dessen Neueinrichtung nach Verlegung aus der Stadtmitte.

Er war mit der Biologin Rose, geb. Wilhelm, verheiratet, sie haben zwei Töchter. Lange starb im August 2017 wenige Tage vor seinem 90. Geburtstag in Würzburg.

Wirken Lehrtätigkeit An den Universitäten Göttingen, Darmstadt und Würzburg lehrte Lange Allgemeine Botanik, Forstbotanik, Forstgenetik, Pflanzensystematik, Allgemeine Ökologie, Ökophysiologie, Vegetationskunde und Pflanzensoziologie. Er führte Bestimmungsübungen für Höhere Pflanzen, Moose, Pilze und Flechten durch, experimentelle Praktika und Exkursionen. Er lehrte als Gastwissenschaftler an Universitäten in den Vereinigten Staaten, in Australien und in China.

Forschungsarbeiten Die ökologisch-botanische Forschung von Lange hatte zum Ziel, das Verhalten und die Reaktionen von Wild- und Kulturpflanzen, sowie von Flechten an ihren Freilandstandorten im Wechselspiel mit ihrer Umwelt quantitativ zu erfassen. Existenzmöglichkeit, Verbreitung und Produktivität als Folge ihrer morphologischen Eigenschaften und ihrer physiologischen Funktionen sollten analysiert und kausal interpretiert werden. Wasserhaushalt und photosynthetischer Kohlenstoffgewinn lagen im Zentrum des Interesses. Für derartige ökophysiologische Untersuchungen war ein ständiger Wechsel zwischen Messungen und Experimenten im Gelände und Arbeiten unter kontrollierten Bedingungen im Laboratorium, beispielsweise in Klimakammern, charakteristisch. Pflanzen und Flechten extremer Wuchsgebiete, bei denen sich Anpassungen etwa an Trockenheit, Kälte oder Hitze besonders deutlich zeigen, waren von der Antarktis bis zum tropischen Regenwald in Panama Schwerpunkt der Forschungen von Lange. Seine Untersuchungen waren einerseits Grundlagenforschung; andererseits standen angewandte Gesichtspunkte im Vordergrund, wie bei Bewässerungskulturen in Wüstengebieten (z. B. in der Negev-Wüste in Israel), bei Arbeiten über Waldschädigungen durch Luftschadstoffe oder bei Analyse „Biologischer Bodenkrusten“ als Erosionsschutz arider Gebiete. Exakte ökophysiologische Stoffwechselmessungen an Pflanzen unter Freilandbedingungen bedürfen einer besonders ausgelegten Messmethodik. Lange bemühte sich um deren Konstruktion. Es wurden bewegliche Feldlaboratorien zur kontinuierlichen Erfassung von Photosynthese und Transpiration der Pflanzen aufgebaut. In Kooperation mit Spezialfirmen und -werkstätten wurden spezielle Instrumente, z. B. klimatisierte Küvetten und „Porometer“ zur Ermittlung von Gaswechsel und Diffusionswiderständen der Pflanzen entwickelt.

Lange hat nahezu 400 wissenschaftliche Artikel publiziert. Er ist der Erstbeschreiber der Flechtenart Gonohymenia mauritanica LANGE 1958 syn. Lichinella mauritanica (LANGE) MOENO et EGEA.

Wissenschafts-Organisation Otto L. Lange wirkte als Herausgeber und Mitherausgeber botanischer Zeitschriften (Photosynthetica, Oecologia, Flora, Biochemie und Physiologie der Pflanzen, Trees, Botanica Acta), Buchserien (Ecological Studies, Man and the Biosphere) und Fachbüchern (z. B. 4 Bände der Encyclopedia of Plant Physiology: Physiological Plant Ecology, Springer-Verlag 1981–1983).

Er war u. a. in folgenden wissenschaftlichen Gremien tätig: 1976–1981: „Kuratorium der Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege“, München/Laufen 1981–1988: Begründer und Sprecher der Würzburger DFG-Forschergruppe „Ökophysiologie“ 1982–1989: Gründungs- und Beiratsmitglied der „Bayerischen Forschungsgruppe Forsttoxikologie“ des Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus 1987–1990: Chairman des „Arid Ecosystems Research Center“ of the Hebrew University Jerusalem (Israel) 1989–1991: Sprecher des DFG-Sonderforschungsbereiches 251 der Universität Würzburg „Ökologie, Physiologie und Biochemie pflanzlicher Leistung unter Stress“

Ehrungen und Auszeichnungen 1949: Silberne Ehrennadel der Universität Göttingen „Für hervorragende sportliche Leistungen und Verdienste um den Hochschulsport“ (als aktiver Geräteturner) 1967: Das United States Board on Geographical Names benennt einen 2.435 m hohen Berg in der Admiralty Range, Süd-Victorialand, Antarktis, als „Lange Peak“ in Anerkennung der Forschungen zur Flechten-Ökologie an der amerikanischen Hallet Station, Süd Victorialand 1972: Mitglied der Leopoldina 1974: Antarctica Service Medal der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika 1976: Korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1978: Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 1984: Bundesverdienstkreuz I. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 1986: Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis zusammen mit Ulrich Heber (PDF, 237 kB), 1988: Balzan-Preis gemeinsam mit Michael Evenari, Hebrew University Jerusalem, übergeben durch den italienischen Präsidenten, Francesco Cossiga, in Rom 1988: Ehrenmitglied der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft 1989: Mitglied der Academia Europaea 1990: Adalbert-Seifriz-Preis für Technologietransfer (Stuttgart), gemeinsam mit Elektromeister Heinz Walz, Effeltrich 1991: Academia Scientiarum et Artium Europaea, Salzburg, Österreich 1991: Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst 1991: Ehrenmitglied der British Lichen Society 1992: Ehrenmitglied der Gesellschaft für Mykologie und Lichenologie 1992: Acharius-Medaille der International Association for Lichenology 1993: Ehrenmitglied der Gesellschaft für Ökologie 1994: Auswärtiges Mitglied der American Academy of Arts and Sciences 1995: Ehrendoktor der Fakultät für Biologie, Chemie und Erdwissenschaften der Universität Bayreuth 1996: Ehrendoktor der Technischen Universität Lissabon 2001: Ehrendoktor der Technischen Universität Darmstadt 2002: Ehrenmitglied der Deutschen Botanischen GesellschaftLaudatio Deutsche Botanische Gesellschaft zur Ehrenmitgliedschaft 2002 2007: Eminent Ecologist Award der Ecological Society of America 2014: Medaille „Bene Merenti in Gold“, in Anerkennung seiner großen Verdienste um die Universität Würzburg 2015: Cothenius-Medaille der Leopoldina, für sein herausragendes botanisches Lebenswerk

Namensgeber Nach Otto Ludwig Lange wurden die Flechtenarten Peltula langei BÜDEL und ELIX 1997, Hubbsia langei FOLLMANN 1997 und Jackelixia ottolangei S.Y.KONDR., KÄRNEFELT und V.WIRTH 2010 benannt.

Weblinks

Laudatio zur Acharius-Medaille cv_Leopoldina Otto Ludwig Lange bei WürzburgWiki

Einzelnachweise

Kategorie:Lichenologe Kategorie:Ökologe Kategorie:Pflanzenphysiologe Kategorie:Botaniker (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Julius-Maximilians-Universität Würzburg) Kategorie:Mitglied der Academia Europaea Kategorie:Mitglied der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Sciences Kategorie:Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Mitglied der Leopoldina (20. Jahrhundert) Kategorie:Mitglied der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft Kategorie:Leibnizpreisträger Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Träger des Bayerischen Maximiliansordens für Wissenschaft und Kunst Kategorie:Ehrendoktor der Universität Bayreuth Kategorie:Ehrendoktor der Technischen Universität Darmstadt Kategorie:Ehrendoktor der Technischen Universität Lissabon Kategorie:Ehrenmitglied einer wissenschaftlichen Organisation Kategorie:Balzan-Preisträger Kategorie:Absolvent der Georg-August-Universität Göttingen Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1927 Kategorie:Gestorben 2017 Kategorie:Mann