Ecuador ist nach BIP pro Einwohner nach Kaufkraftparität das viertärmste Land Südamerikas, nach Guyana, Bolivien und Paraguay. Es beträgt 11.482 US-Dollar, das von Bolivien 7.547 $, das der Nachbarn Peru und Kolumbien 13.334 $ und 14.485 $. Zum Vergleich: das BIP pro Einwohner nach Kaufkraftparität von Deutschland beträgt 50.425 $. Die Wirtschaft Ecuadors ist stark von der Erdölproduktion abhängig, die fast 60 % der Exporte erwirtschaftet. Seit dem Jahr 2000 hat Ecuador keine eigene Währung mehr, sondern der US-Dollar ist offizielles Zahlungsmittel. Eine weitere Besonderheit der Volkswirtschaft des Andenstaates sind seine zahlreichen Arbeitsemigranten. Etwa ein Fünftel der Ecuadorianer lebt im Ausland, vor allem in den USA und Spanien.

Im Index für wirtschaftliche Freiheit belegte das Land 2017 Platz 160 von 180 Ländern.

Wirtschaftliche und soziale Lage Ecuador ist gemessen am BIP pro Kopf nach Kaufkraftparitäten das viertärmste Land Südamerikas. Wie in den meisten lateinamerikanischen Ländern ist die wirtschaftliche Ungleichheit extrem hoch: Während die oberen 20 % etwa 58 % des Nationaleinkommens erzielen, bleiben für die unteren 40 % lediglich 11 %.

Ecuador hat knapp 14 Millionen Einwohner und gehört damit zu den mittleren Staaten Südamerikas. Die Bevölkerung ist weniger als ein Fünftel so groß wie die Deutschlands, halb so groß wie die Perus, gut ein Viertel so groß wie die Kolumbiens und fast doppelt so groß wie die Boliviens. Etwa 40 % der Bevölkerung ist unter 15 Jahre und nur 5 % über 65. Das Durchschnittsalter liegt bei 23 Jahren (in Deutschland bei 42) – in Südamerika sind nur die Bolivianer und die Paraguayer jünger. Die Lebenserwartung liegt mit 73 Jahren für Männer nur drei Jahre unter der Deutschlands. Die arbeitende Bevölkerung beträgt gut vier Millionen Menschen.

Nach Angaben von UNICEF belegt das Land mit einer Kindersterblichkeit (unter 5) von 2,5 % nur den 102. Rang weltweit. 16 % der Neugeborenen und 12 % der Fünfjährigen sind unterernährt. 6 % der Bevölkerung fehlt Zugang zu sauberem Trinkwasser und 11 % haben keine adäquaten Sanitätseinrichtungen. Dabei ist die Situation der Landbevölkerung signifikant schlechter als die in der Stadt.

Nach Angaben der WHO liegt die Lebenserwartung für Männer mit 70 Jahren im südamerikanischen Mittelfeld (Schlusslicht ist Bolivien mit 63 Jahren, Spitzenreiter Chile mit 74). Ähnliches trifft auf die Säuglingssterblichkeit (unter 1) und die Kindersterblichkeit (unter 5) mit 23 pro Tausend bzw. 25 pro Tausend zu – allerdings ist hier der Abstand sowohl zu Bolivien (52/65) und Chile (8/10) größer. 15 % der Bevölkerung leben von weniger als einem Dollar am Tag – nach Bolivien und Paraguay der höchste Wert auf dem Subkontinent. Dagegen wird Ecuador beim Zugang zu sauberem Trinkwasser (89 % in ruralen Gegenden) und Sanitätseinrichtungen (82 %) nur von Uruguay übertroffen. Eine mögliche Erklärung ist die hohe Bevölkerungsdichte bei gleichzeitig geringer Urbanisierung, die eine Erschließung gleichzeitig dringlicher und günstiger machen (siehe Geographie Ecuadors). Mit 5,5 % Gesundheitsausgaben am BIP liegt Ecuador im unteren Mittelfeld: Schlusslicht Peru gibt 4,1 % aus, Argentinien 9,6 % – aber Erfolgsland Chile auch nur 6,1 %. Mit 12 Toten im Jahr pro 100.000 Menschen spielt HIV/Aids in Ecuador wie in den meisten Ländern Südamerikas keine große Rolle – traurige Ausnahmen sind hier Guyana und Surinam mit mehr als 150 Toten pro 100.000. In einigen Staaten Sub-Sahara Afrikas liegt diese Zahl im vierstelligen Bereich (in Deutschland sind es „unter 10“). Erstaunlicherweise hat Ecuador nach WHO-Angaben nach Chile mit 5,6 % die zweitniedrigste Rate an Schwangerschaften von Minderjährigen – was aber auch an veralteten Daten liegen kann. Das Nachbarland Kolumbien ist hier mit 9,2 % führend. Die wirtschaftliche Unterentwicklung lässt sich auch daran ablesen, dass nur 4,2 % der Ecuadorianer das Internet benutzen (nur in Paraguay und Bolivien sind es weniger) und das es lediglich 11 Telefone pro 100 Einwohner gibt – weniger als halb so viele wie in Chile, Argentinien oder Brasilien (obwohl hier wieder die hohe Bevölkerungsdichte helfen sollte).who.int

Wirtschaftsdaten Über die letzten vier Jahre wuchs das BIP real um 4,9 % im Jahr, das entspricht bei einem Bevölkerungswachstum von 1,4 % p. a. etwa 3,5 % Pro-Kopf-Wachstum im Jahr. Die reale Inlandsnachfrage wuchs dabei überproportional mit 5,6 %. Die Inflation ist seit der Dollarisierung moderat und relativ stabil und lag 2002–06 bei durchschnittlich 5,7 %. Die Leistungsbilanz betrug durchschnittlich −0,8 % des BIP und die ausländischen Direktinvestitionen 2,2 % des BIP.economist.com

Im Juli 2007 lag die Staatsverschuldung bei 25 % des BIP, die jährliche Inflation bei 2,6 % und das jährliche Wirtschaftswachstum bei 3,4 %.bce.fin.ec

Wirtschaftsdaten Ecuadors 1980–2007Internationaler Währungsfonds, Berechnung Benutzer:Prissantenbär Jahre 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 00 01 02 03 04 05 06 07 Wachstum des BIP p.c. 1,0 0,6 −5,5 1,5 1,8 0,6 −8,5 8,1 −2,1 0,7 2,8 1,3 −0,2 2,5 −0,4 0,3 2,1 0,1 −8,2 0,9 9,2 0,1 2,2 6,5 3,3 3,0 1,8 Inflation(Konsumerpreise) 13 16 16 48 31 28 23 30 58 76 49 49 54 45 27 23 24 31 36 52 96 18 13 8 3 2 3 3 Leistungsbilanzin % des BIP −4 −7 −8 −1 −2 1 −5 −10 −5 −6 −4 −6 −2 −4 −4 −4 −1 −3 −9 5 5 −3 −5 −1 −1 0 4 4

An den historischen Wirtschaftsdaten sind die schwersten Wirtschaftskrisen der jüngeren Geschichte gut abzulesen. 1983 sorgte die Schuldenkrise in Lateinamerika für negatives Wachstum, 1986–87 der Zusammenbruch des OPEC-Kartells und der darauf folgende Sturz des Öl-Preises. 1999–2000 folgte eine schwere Banken- und Währungskrise. Eine Folge der permanenten Wirtschaftskrisen ist, dass im Jahre 2000 das Pro-Kopf-Einkommen unter dem Niveau von 1980 lag. Der Anteil Ecuadors an der Weltwirtschaftsleistung ist seit 1980 von 1,1 ‰ auf 0,9 ‰ gefallen.Internationaler Währungsfonds Weiterhin auffallend sind die hohen Inflationsraten, besonders zwischen Schuldenkrise und Dollarisierung. Die einzigen Jahre mit deutlich positiver Leistungsbilanz sind die Krisenjahre 1999–2000, als der Sucre massiv abgewertet wurde sowie die letzten beiden Jahre mit ihren hohen Ölpreisen und der Fertigstellung einer zweiten transandinen Pipeline.

Außenhandel Exporte Der Export Ecuador basiert vor allem auf Erdöl. Im Jahre 2006 wurden insgesamt Waren im Wert von 12,7 Mrd. US$ (FOB) exportiert. Davon waren 6,6 Mrd. $ Rohöl, 1,2 Mrd. $ Bananen, 0,7 Mrd. $ Fischereiprodukte, 0,6 Mrd. $ Erdölderivate, 0,6 Mrd. $ Shrimps, 0,6 Mrd. $ Metalle und Maschinen, 0,4 Mrd. $ Schnittblumen, 0,2 Mrd. $ Kakao und 0,1 Mrd. $ Kaffee. Der Erdölsektor macht damit 59 % aller Exporte aus. Von den traditionellen Exporten Bananen, Kakao und Kaffee spielen nur noch die ersten eine wichtige Rolle. Nicht-traditionelle Exporte wie Metallwaren, Shrimps und Schnittblumen sind zwar seit den 1980er Jahren stark angewachsen, gegenüber den Erdöleinnahmen jedoch immer noch weitgehend bedeutungslos.

Die wichtigsten Märkte sind die USA (54 %), Peru (9 %), Kolumbien (5 %) und Chile (4 %).

Importe Da Ecuador keine ausreichenden Raffineriekapazitäten besitzt, muss es Erdölderivate wie Benzin und Diesel einführen. Diese machten 2006 rund ein Viertel aller Importe aus. Die wichtigsten Lieferanten sind die USA (25 %), Kolumbien (15 %), Venezuela (8 %) und Brasilien (7 %).

Handelspolitik und Freihandelsabkommen Ecuador erlebte zwischen 1989 und 1994 eine Periode radikaler Handelsliberalisierung. Unter Präsident Rodrigo Borja wurde der durchschnittliche Zollsatz von über 40 % auf unter 12 % gesenkt. Der maximale Zollsatz fiel von 290 % auf 20 % (nur Autos, insbesondere Gebrauchtwagen, wurden höher verzollt). Des Weiteren wurden zahlreiche nicht-tarifäre Handelshemmnisse beseitigt und der Sucre drastisch abgewertet. Des Weiteren wurden ausländische Direktinvestitionen erleichtert. Unter Borjas' Nachfolger Sixto Durán Ballén trat Ecuador in den Andenpakt und die WTO ein.

1991 wurde Ecuador außerdem zusammen mit den anderen Andenstaaten Kolumbien, Peru und Bolivien von den USA in das Präferenzabkommen Andean Trade Preference Act (ATPA) aufgenommen. Mit der Zollbefreiung von einzelnen andinen Agrarprodukten – etwa Schnittblumen – sollte den Landwirten ein positiver Anreiz gegeben werden auf den Anbau von Coca oder Schlafmohn zu verzichten. Das ATPA ist Teil des sogenannten Anti-Drogen-Kriegs (War on Drugs) der USA, der unter anderem auch den Plan Colombia hervorgebracht hat. Für Ecuador wurde der Vertrag bis Februar 2008 verlängert.

Im Moment laufen Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen mit Chile und eine Mitgliedschaft im Mercosur. Die Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen mit den USA wurden 2006 von den USA wegen der Energiepolitik der Regierung Correa abgebrochen.

Geldpolitik und Dollarisierung mini|Vorderseite der US-amerikanischen 1-Dollar-Banknote mini|Vorderseite der US-amerikanischen 20-Dollar-Banknote mini|Ecuadorianische 20.000 Sucres Banknote mini|Der größte jemals gedruckte Sucre-Schein, Ende 1999 gerade noch zwei Dollar wert

Geschichte der Dollarisierung Am 9. Januar 2000 kündigte Präsident Jamil Mahuad an, die Ecuadorianische Währung Sucre abzuschaffen und den US-Dollar als offizielles Zahlungsmittel des Landes einzuführen. 22 Tage später wurde er auf Druck von Militärs und Indigenenverbänden wie dem CONAIE nicht zuletzt aufgrund dieser Entscheidung gestürzt und durch seinen Vize Gustavo Noboa ersetzt. Trotzdem bezahlt man in Ecuador bis heute mit dólares.

Frühere Dollarisierungen Nur wenige Länder hatten zuvor eine vollständige Dollarisierung durchgeführt. Dieses Wechselkursregime bestand davor nur in einigen halb-autonomen Territorien und Staaten wie Panama (seit dem Kanalbau 1904), den Marshallinseln oder Palau (seit 1944). Ein Jahr nach der Dollarisierung in Ecuador folgte El Salvador und später Liberia. Guatemala führt den Dollar als offizielle Zweitwährung.

Vor- und Nachteile Eine Dollarisierung – die Übernahme einer fremden Währung als offizielles Zahlungsmittel – bedeutet das Ende jeglicher Geldpolitik, das heißt, das Geldangebot und damit das Zinsniveau kann nicht mehr von der Politik gesteuert werden. Als einzige makroökonomische Politik bleibt Fiskalpolitik. Außerdem verliert das Land die Seigniorage aus der Ausgabe von Bargeld. Des Weiteren fällt eine Abwertung als mögliche Reaktion auf exogene Schocks weg. Im Gegenzug erhält das Land eine stabile Währung und der Schwarzmarkt wird eliminiert.

Krise in Ecuador 1998–2000 mini|links|250px|Sucre-Dollar Wechselkurs