mini|hochkant=1.5|Während der Übung VANDALEX startet das US-Geschwader massenhaft Standard Missiles, um eine anfliegende Salve von Seezielflugkörpern abzuwehren

Der Ausdruck Standard Missile bezeichnet eine Produkt­familie von Raketenwaffen, die vorrangig als Boden-Luft-Raketen mittlerer bis hoher Reichweite entwickelt wurden. Es gibt sie in Varianten zur Abwehr von ballistischen Raketen und als Luft-Luft-Rakete.

Der erste Produzent war General Dynamics. Die meisten Varianten wurden von der Standard Missile Cooperation, einem Joint Venture von Hughes Aircraft und Raytheon, entwickelt. Bis 2001 wurden mehr als 21.000 Standard-Lenkwaffen hergestellt. Stand 2023 ist Raytheon mit Sitz in Tucson, eine Tochtergesellschaft des Konzerns RTX Corporation, der alleinige Produzent.

Entwicklung Die ersten Standard Missile wurden in den 1960er Jahren als Nachfolger für die Flugabwehrraketen der Typen RIM-2 Terrier und RIM-24 Tartar entwickelt, die seit den 1950er-Jahren auf einer Vielzahl von Schiffen der US-Marine eingesetzt waren. Sie wurden im Vietnamkrieg eingesetzt. Die SM-1 besaß den gleichen Rumpf wie ihre Vorgängerin, die Tartar, um so einfacher mit den bereits vorhandenen Startvorrichtungen und Magazinen verwendet werden zu können. Die SM-2, auch als Standard Missile 2 bekannt, wurde in den 1970er-Jahren entwickelt und ist Teil des Aegis-Kampfsystems sowie des New Threat Upgrade (NTU). In den frühen 1980er-Jahren war eine wichtige Entscheidung, die Rakete vertikal starten zu können. Sowohl die SM-1 als auch SM-2 wurden kontinuierlich weiterentwickelt. Allerdings sind alle Varianten halbaktiv zielsuchend, weshalb ein Feuerleitradar das Ziel im Endanflug beleuchten muss. Um das Problem zu umgehen, wird seit 2011 mit der SM-6 eine „Fire-and-Forget“-Version angeboten.

Bestimmte Versionen der Standard Missile wurden als Basis für das Terminal-High-Altitude-Area-Defense-System (THAAD) verwendet. Ursprünglich wurden zwei Systeme entwickelt, die sogenannte Navy Area und Navy Theater-Wide. Die Entwicklung des Navy-Area-Systems wurde aufgrund von zeitlichen Verzögerungen und einer Kostenexplosion durch das US-Verteidigungsministerium gestoppt. Das System Navy Theater-Wide wird unter einem anderen Namen als Teil der Systemfamilie der Missile Defense Agency weitergeführt. Die dafür vorgesehene Lenkwaffe trägt den Namen SM-3 oder auch Standard Missile 3.

Eine Variante gegen Landziele, die sogenannte Land Attack Standard Missile SM-4, wurde vor der Serienproduktion gestoppt. Damit besteht auch weiterhin eine Lücke zwischen der Feuerkraft und Reichweite von Schiffsartillerie und Marschflugkörpern wie der BGM-109 Tomahawk.

Standard Missile 1 (SM-1) mini|Eine SM-1 verlässt einen Mk-13-Starter mini|Start einer SM-1 ER mit Booster

Die Standard Missile 1 wurde konstruiert, um die Tartar-Lenkwaffe abzulösen. Daher ist die Rakete auch zum Mk-13-Starter und dem AN/SPG-51-Feuerleitradar des Tartar-Systems kompatibel. Es existieren auch einige Varianten, die durch einen zusätzlichen Booster über eine höhere Reichweite verfügen („Extended Range“, ER). Des Weiteren verfügt die Rakete über einen Modus zur Bekämpfung von Überwasserzielen. Allerdings ist der Sprengkopf im Vergleich zu zweckbestimmten Seezielflugkörpern erheblich kleiner, sodass dieser Modus hauptsächlich zur Bekämpfung kleinerer Schiffe wie den damals aufkommenden Schnellbooten und Flugkörperschnellbooten konzipiert wurde. Die SM-1 wurde von 1967 bis 1983 produziert. Sie wurde in der Spätphase des Vietnamkriegs Anfang der 1970er Jahre eingesetzt. In den Beständen der US-Marine wurde sie vollständig durch die SM-2 ersetzt. Danach blieb die Rakete noch in einigen anderen Staaten im aktiven Dienst, sodass der Hersteller Raytheon noch Support und Ersatzteile bereitstellte. Mit dem Ende der Unterstützung durch Raytheon übernahm ein staatliches Rüstungs- und Forschungsunternehmen auf Taiwan diese Aufgabe.

Varianten der SM-1 RIM-66A Block I: Die erste Serienvariante. Es werden das Dual-Schub-Raketentriebwerk Mk 27 und der Gefechtskopf Mk 51 (62kg) der Tartar-Lenkwaffe verwendet. Block II und III: Es wurden kleinere Detailverbesserungen vorgenommen. Block IV: Dies ist die am häufigsten produzierte Variante. Es wurden folgende Verbesserungen erreicht: geringere Mindestreichweite, erhöhte ECCM-Kapazitäten und eine geringere Aufschaltzeit. Die Rakete wurde 1968 in Dienst gestellt, wobei viele Block-III-Lenkwaffen nachträglich auf diesen Standard gebracht wurden. RIM-66B, Block V: Bei dieser Version wurde ein neuer Suchkopf und Autopilot eingeführt. Auch wird nun ein Mk-90-Gefechtskopf und ein Mk-56-Raketentriebwerk verwendet. Durch diese Maßnahmen konnte die Reichweite um etwa 45 % erhöht werden. RIM-66E, Block VI: Diese Variante erhielt einen neuen Mk-45-Näherungszünder sowie einen Monopuls-Radarsuchkopf, was die Leistung gegenüber Zielen mit geringem Radarquerschnitt verbesserte. RIM-67A: Hierbei handelt es sich um die ER-Variante (Extended Range) mit gesteigerter Reichweite. Sie unterscheidet sich mit Ausnahme des Antriebssystems nicht von den anderen RIM-66-Versionen. Neben einem anderen Raketentriebwerk (Mk 30) wurde ein zusätzlicher Booster (Mk 12) installiert, um die Reichweite zu steigern. RGM-66D: Diese Variante ist speziell für die Verwendung als Seezielflugkörper vorgesehen. Sie basiert auf der RIM-66B, wobei ein voll passiver Radarsucher verwendet wurde. Hierdurch kann die Rakete feindliche Schiffsradare gezielt bekämpfen. RGM-66E: Entspricht der D-Version, wurde jedoch von ASROC-Startern aus eingesetzt. RGM-66F: Diese Version sollte einen aktiven Radarsuchkopf zur Schiffsbekämpfung erhalten. Die Entwicklung wurde nach einigen Test im Jahre 1975 eingestellt.

Standard Missile 2 (SM-2) mini|Eine SM-2 verlässt eine Senkrechtstartanlage für Flugkörper mini|Senkrechter Start einer RIM-156A. Diese Variante hat einen Booster am Ende. mini|Eine SM-2 verlässt im Jahr 1979 einen Mark-26-Starter

Die SM-2 entstand aus der Forderung der US-Marine nach einer neuen Lenkwaffe, die zwar eine erheblich höhere Reichweite und Störfestigkeit als die SM-1 aufweisen, aber gleichzeitig auch mit möglichst vielen Komponenten des alten Systems kompatibel sein sollte. Daher kann die SM-2 unter anderem auch mit dem alten Mk-13-Starter sowie den Feuerleitradaren mit den JETDS-Bezeichnungen AN/SPG-51 und AN/SPG-60 verwendet werden. Diese Lenkwaffe ist der zentrale Bestandteil des Aegis-Kampfsystems und war von Anfang an für die Verwendung in Kombination mit dem Multifunktionsradar AN/SPY-1 und dem Feuerleitradar AN/SPG-62 vorgesehen. Daher benötigt der neue Suchkopf keine kontinuierliche Radarbeleuchtung des Ziels wie die SM-1. Beim Start erhält das inertiale Navigationssystem die Position des Zielobjektes vom Feuerleitsystem des Schiffes. Nach dem Start kann die SM-2 nun den größten Teil des Weges mit Hilfe ihres Navigationssystems autonom zurücklegen, so dass eine Radarbeleuchtung des Ziels nur in der Endphase des Fluges nötig ist.

Auch bei der SM-2-Familie gibt es Varianten mit erhöhter Reichweite („Extended Range“; ER).

Varianten der SM-2 RIM-66C, Block I: Dies ist die erste Serienvariante mit einem Gefechtskopf Mk 115, einem Monopuls-Radarsucher und einem neuen Autopiloten. Sie wurde 1978 in Dienst gestellt und bis 1983 produziert. RIM-66D, Block I: Gleicht der C-Variante, ist jedoch für die Verwendung auf Schiffen mit Tartar-Feuerleitsystemen angepasst. RIM-66G, Block II: Es wurde ein verbessertes Mk-104-Raketentriebwerk eingebaut, um die Leistung gegenüber schnellen und agilen Zielen zu erhöhen. Darüber hinaus wurden neue Signalprozessoren integriert, um die ECCM-Kapazitäten zu steigern. Ein neuer Näherungszünder und ein Gefechtskopf mit gerichteter Sprengwirkung gewährleisten eine höhere Abschusswahrscheinlichkeit. Diese Version ist für den Einsatz auf Aegis-Schiffen konzipiert und wurde 1983 in Dienst gestellt. RIM-66H, Block II: Die G-Variante für den Start aus einem VLS-System Mk 41. RIM-66J, Block II: G-Variante für Schiffe mit Tartar-Feuerleitsystem. RIM-66K, Block IIIA: Bei dieser Version wurde das Zielsystem überarbeitet, um eine bessere Leistung gegenüber tieffliegenden Zielen zu gewährleisten. Außerdem wurde der neue Mk-115-Gefechtskopf verwendet. Diese Rakete stützt sich auf das Tartar-Feuerleitsystem. RIM-66L, Block IIIA: Gleicht der K-Version, ist aber für den Einsatz durch das Aegis-Kampfsystem konzipiert. RIM-66M, Block IIIB: Diese Variante zeichnet sich durch einen zusätzlichen Infrarot-Suchkopf aus. Dieser wurde im Rahmen des Missile Homing Improvement Program (HMIP) entwickelt, um neueste Flugzeuge und Seezielflugkörper auch unter dem Einfluss massiver Radarstörung effektiv bekämpfen zu können. Diese Variante wurde in großen Stückzahlen beschafft und ist auf das VLS-System Mk 41 zugeschnitten. Raytheon stellt seit Anfang 2007 ein sogenanntes „Maneuverability Upgrade“ zur Verfügung, das die Manövrierfähigkeit der Rakete durch neue Software und eine Schubvektorsteuerung deutlich erhöht. Das Upgrade kann problemlos in bereits vorhandene Block-III-B-Lenkwaffen eingebaut werden. Aktuell (Stand: Januar 2009) wird auch ein verbessertes Zielerfassungssystem getestet. RIM-67B, Block I: Hierbei handelt es sich um die „Extended-Range“-Variante (ER) mit gesteigerter Reichweite. Dies wird wie bei der SM-1 ER mittels eines zusätzlichen Boosters erreicht. Diese Version wurde 1980 eingeführt. RIM-67C, Block II: Durch die Verwendung des neuen Mk-70-Boosters konnte die Reichweite nochmals massiv erhöht werden. RIM-67D, Block III: Diese Variante bekam ein neues Raketentriebwerk und ein verbessertes Zielsystem, ähnlich dem der RIM-66K. RIM-67E: Irrtümliche Bezeichnung für die RIM-156A RIM-156A, Block IV: Die Block-IV-Version wurde entwickelt, um eine bessere Verteidigung gegen hoch fliegende Ziele in großer Entfernung, neueste Seezielflugkörper und Ziele mit geringem Radarquerschnitt zu gewährleisten. Des Weiteren verfügt die Rakete über verbesserte ECCM-Kapazitäten. Die Block-IV-Variante wurde auch als Zwischenschritt zur Entwicklung der Block-IVA-Variante geplant, weshalb auch nur relativ geringe Stückzahlen beschafft wurden. Durch einen völlig neu entwickelten Booster (keine Flügel, Schubvektorsteuerung) war nun auch der Einsatz mit dem VLS-System Mk 41 möglich. Die Rakete wurde 1999 in Dienst gestellt und ist aktuell (Februar 2008) die weitreichendste konventionelle Luftabwehrlenkwaffe. RIM-156B, Block IVA: Mit dieser Variante sollte die wirkungsvolle Bekämpfung von ballistischen Raketen im Rahmen des Programms Navy Area TBMD ermöglicht werden. Trotz eines erfolgreichen Tests wurde das Programm und damit auch die Entwicklung dieser Variante im Dezember 2001 eingestellt. Ihre Aufgabe übernimmt nun die SM-3-Rakete. NT-SBT: Als die Entwicklung der Block-IVA-Variante eingestellt wurde, suchte man nach einer anderen Lösung, um ballistische Raketen innerhalb der Erdatmosphäre bekämpfen zu können. Als Basis sollte die Block-IV-Variante dienen. Die daraus entstandene Rakete heißt Near Term Sea-Based Terminal Weapon (NT-SBT), teils auch als „modified SM-2 Block IV“ bezeichnet, und ist primär zur Abwehr von in der Endphase befindlichen ballistischen Kurzstreckenraketen gedacht. Gegenüber der Block-IV-Variante wurden u.a. die Steuerungssoftware, der Booster und die Schubvektorsteuerung modernisiert. Im April 2006 wurde die Rakete erfolgreich gegen ein Unterschall-Testziel eingesetzt, im Mai desselben Jahres wurde eine Kurzstreckenrakete des Typs MGM-52 Lance erfolgreich abgefangen und im Juni 2007 wurde die erste Rakete aus der Serienproduktion an die US Navy übergeben. Am 5. Juni 2008 konnte die Lenkwaffe während eines Tests erfolgreich eine Kurzstreckenrakete beim Wiedereintritt in 19km Höhe abfangen. Am 26. März 2009 wurde mit einer NT-SBT eine Kurzstreckenrakete abgefangen, während eine RIM-66L parallel einen Marschflugkörper abschoss.

Einsätze von SM-2