Seladonit, synonym bzw. als Pigment auch unter der Bezeichnung Grünerde (hauptsächlich aus Seladonit und Glaukonit bestehendes Gemenge), Veronesererde, Veronesergrün, Tirolererde bekannt, ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung K(Mg,Fe2+)(Fe3+,Al)[(OH)2|Si4O10] und entwickelt überwiegend erdige bis massige Mineral-Aggregate, selten aber auch winzige, glimmerartige, schuppige Kristalle von hellgrüner bis blaugrüner Farbe und weißer Strichfarbe. Oft findet sich der Seladonit auch innig verwachsen mit Heulandit oder Stilbit und sorgt bei diesen normalerweise farblosen Mineralen für eine gleichmäßige, meergrüne Färbung.

Seladonit diente schon im Altertum als grünes Pigment.

Etymologie und Geschichte Erstmals beschrieben wurde Seladonit 1847 von Ernst Friedrich Glocker, der das Mineral aufgrund seiner charakteristischen Farbe nach dem französischen Wort „céladon“ für Meeresgrün benannte.

Für den Seladonit werden insgesamt drei Typlokalitäten angegeben: Planitz in Sachsen (Deutschland), „Malga Canalece“ bei Brentonico und „Tierno-Besagno“ bei Mori am Monte Baldo in der italienischen Provinz Trient. Ursache dafür ist, dass zur Bestimmung des Minerals mehrere Proben aus den genannten Fundorten herangezogen werden mussten.

Klassifikation In der letztmals 1977 überarbeiteten und daher veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Seladonit zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Schichtsilikate (Phyllosilikate)“, wo er gemeinsam mit Aluminoseladonit, Glaukonit, Muskovit, Paragonit und Roscoelith in der „Muskovit-Reihe“ mit der Systemnummer VIII/E.05a steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/H.10-030. Dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Schichtsilikate“, wo Seladonit zusammen mit Aluminoseladonit, Boromuskovit, Chromphyllit, Chromseladonit, Ferroaluminoseladonit, Ferroseladonit, Ganterit, Muskovit, Nanpingit, Paragonit, Roscoelith und Tobelith die „Seladonit-Muskovit-Reihe (Phengite)“ mit der Systemnummer VIII/H.10 bildet.

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Seladonit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung „Schichtsilikate (Phyllosilikate)“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Schichtsilikate (Phyllosilikate) mit Glimmertafeln, zusammengesetzt aus tetraedrischen und oktaedrischen Netzen“ zu finden, wo es zusammen mit Aluminoseladonit, Boromuskovit, Chernykhit, Chromseladonit, Chromphyllit, Ferroaluminoseladonit, Ferroseladonit, Ganterit, Glaukonit, Montdorit, Muskovit, Nanpingit, Paragonit, Phengit, Roscoelith, Tainiolith, Tobelith und Voloshinit die „Muskovitgruppe“ mit der Systemnummer 9.EC.15 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Seladonit die System- und Mineralnummer 71.02.02a.06. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Schichten von Sechserringen“. Hier findet er sich in der „Muskovit-Untergruppe“, in der auch Muskovit, Paragonit, Chernykhit, Roscoelith, Glaukonit, Tobelith, Nanpingit, Boromuskovit und Montdorit eingeordnet sind.

Kristallstruktur Seladonit kristallisiert monoklin in der oder mit den Gitterparametern a = 5,22 Å; b = 9,05 Å; c = 10,20 Å und β = 100,4° sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.

Bildung und Fundorte mini|links|Stilbit-Ca mit Einschlüssen von Seladonit Seladonit bildet sich vorwiegend in basischen Vulkaniten durch hydrothermale Vorgänge, wobei er primär vorhandene, eisen- und magnesiumhaltige Silikate ersetzt. Begleitminerale sind unter anderem Calcit, verschiedene Chlorite, verschiedene Heulandite, Klinoptilolith, Laumontit, Montmorillonit, Prehnit und Quarz.

Seladonit kommt in verschiedenen Lokalitäten vor und zeigt nach Fundort verschiedene Nuancen wie span-, bläulich- und seladongrün, oliven-, apfel- oder graugrün. Die bestfarbigen Seladonite kommen vom Monte Baldo bei Verona, wo sie in großen Massen vorzufinden sind.

Weitere Fundstätten sind im Trentino (Fassatal) und Tirol (Zillertal), am Harz, in Thüringen, Böhmen, Polen und Ungarn, in Schottland (Scuir Mohr) und auf den Färöern (Streymoy, Suduroy). Vorkommen in Nordamerika sind u. a. in Oregon (John Day Formation), am Mt. Rainier Nationalpark (Wash.), Kalifornien (Red Rock Canyon) und Nicaragua sowie in Japan (Präfekturen Miyagi, Yamagata, Kamogawa und Chiba). Weltweit konnte Seladonit bisher (Stand: 2010) an rund 200 Fundorten nachgewiesen werden.

Ein bekannter Fundort ist auch der Monte Altissimo di Nago, der 2079 m hohe Nordgipfel des Monte Baldo mit einem Seladonit-Aufschluss, in dem das bereits im Altertum als „Terra verdi“ genutzte Pigment „Grünerde“ ansteht.

Verwendung Seladonit bzw. Grünerde dienten bereits seit dem Altertum als Pigment und wird auch heute noch fein geschlämmt zu sehr haltbaren, farbechten und unschädlichen Farbmitteln für Anstriche und Malereien, sowohl als Ölfarbe wie auch als Leimfarbe verarbeitet. Durch mäßiges Glühen wird ihre Farbe in ein schönes Braun umgewandelt.

Siehe auch Liste der Minerale

Literatur

Weblinks

Mineralienatlas:Seladonit (Wiki) Kremer-Pigmente GmbH – Seladonit, Grünerde und Veroneser grüne Erde

Einzelnachweise Mineralienatlas:Typlokalität Mindat – Celadonite (englisch) Mindat – Localities for Celadonite

(PDF; zur Farbechtheit von Seladonit: S. 17; 6,2 MB)

Webmineral – Celadonite (englisch)

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