Priborn ist eine Gemeinde im Süden des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte in Mecklenburg-Vorpommern. Sie wird vom Amt Röbel-Müritz mit Sitz in Röbel/Müritz verwaltet.

Geografie mini|Müritzarm Die Gemeinde liegt am südlichen Ende der von der Müritz nach Süden verlaufenden Seenkette etwa fünf Kilometer südwestlich von Rechlin und zirka zehn Kilometer südlich der ehemaligen Kreisstadt Röbel/Müritz. Hier mündet die Elde in die Seenkette inmitten eines Landschaftsschutzgebietes. Die östliche Begrenzung der Gemeinde ist der Müritzarm, die westliche der Melzer See, die südliche der Müritzsee. Südlich des Ortes befindet sich ein ausgedehntes, etwa 485 Hektar großes Waldgebiet, die Priborner Heide. An deren westlichem Ende ist mit 82,4 Meter ü. NN mit dem Wulfsberg der höchste Punkt der Gemeinde. Nachbargemeinden sind Südmüritz, Buchholz, Melz und Lärz.

Geschichte

Ursprünge Priborn ist eine slawische Gründung (Stamm der Abodriten). Der Name leitet sich aus „Pryborn“ = „Mitkämpfer“ ab. Der Ort wurde am 26. Mai 1239 erstmals anlässlich der Verpachtung der Wassermühle urkundlich erwähnt. Fürst Nikolaus von Werle schloss einen Erbpachtvertrag mit dem Kloster Amelungsborn. Im Jahre 1273 verlieh er dem Büßerinnen-Konvent (Magdalenerinnen) in Röbel zwei Hufen Land in Priborn (sowie in weiteren Nachbardörfern).Urkunde Nr. 1283 im Mecklenburgischen Urkundenbuch. II. Band. Schwerin 1864, S. 451. Seine Söhne bestimmten 1285 Priborn zum Ort der Landdinge (Mittlere Gerichtsbarkeit) im Lande Röbel.

Am 17. März 1291 gelangte die Mühle wieder in den Besitz der Fürsten, als Gegenleistung für einen Anteil an der Fischereigerechtigkeit in der Müritz. Im Jahre 1302 war die Mühle im Besitz der Grafen Burchart und Ullrich von Lindow. Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts wurde die Wassermühle nicht mehr erwähnt. Im Mittelalter gab es mehrere Wechsel der Eigentümer des Dorfes. Der Rittmeister Jacob Ernst von Knuth-Leizen, aus einer alten mecklenburgischen Familie stammend, war auch Gutsherr von Priborn.

Vom 18. Jahrhundert bis 1945 Ab 1732 besaß die Familie von Ferber die Ortschaften Priborn, Melz und Karbow. Ernst von Ferber, verheiratet mit Wally von Bornstedt, errichtete zwischen 1870 und 1880 das zweigeschossige Gutshaus. Die neugotische Dorfkirche Priborn wurde ebenfalls in dieser Zeit gebaut. 1883 wurden vier Freibauernhöfe erwähnt. Das Gut Priborn war ein Allodialbesitz und zugleich ein Teil eines von Ferber’schen Familienfideikommiss. Zu dieser Zeit besuchten die 14 schulpflichtigen Kinder des Dorfes die Dorfschule in Melz, da Priborn erst ab 1903 wieder über eine eigene Schule verfügte.

Um 1928, kurz vor der Weltwirtschaftskrise, verzeichnete das Güter-Adressbuch Mecklenburg für Priborn einen Gesamtumfang von 1102 ha. Davon waren 300 ha Ackerflächen sowie 573 ha Waldbesitz. Im Mittelpunkt des Gutsbetriebes stand die Rindviehwirtschaft. Auch die vier 17-ha-Höfe in Priborn, unter anderem verpachtet an die Familien Peper, waren Teil des Gutes. Im Ort betrieb der Kossät August Buchholz einen eigenständigen landwirtschaftlichen Betrieb mit 15 ha.

Ab 1939 wurden in den landwirtschaftlichen Betrieben des Dorfes polnische Zwangsarbeiter eingesetzt. Ihnen folgten 1940 französische, 1941 sowjetische und 1944 US-amerikanische Zwangsarbeiter. 1943 wurden erste elektrische Anschlüsse im Dorf verlegt. Am 2. Mai 1945 wurde das Dorf kampflos durch sowjetische Truppen besetzt. Der letzte Besitzer des Gutshauses war bis 1945 Dr. Horst von Ferber-Melz. Nach dem Besuch mehrerer Gymnasien war er als Assistent an der Technischen Hochschule Dresden tätig. Im Jahr 1934 heiratete er die aus Nürnberg stammende Käthe Pregler. Das Gutshaus hatte er an Heinrich Heinicke verpachtet. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurden darin geflüchtete und vertriebene Familien aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten notdürftig untergebracht.

DDR-Zeit (1945–1990) Die Familien von Ferber und Heinicke verließen 1945 Priborn. Im Zuge der Bodenreform wurde das Gutshaus am 3. Oktober 1945 enteignet und anschließend als Dorfschule genutzt. Am 31. Dezember 1945 hatte Priborn 214 Einwohner, darunter 115 Menschen die umgesiedelt oder geflüchtet waren.

Während der DDR-Zeit entwickelte sich Priborn zu einem sogenannten sozialistischen Vorzeigedorf. Das Dorfleben wurde insbesondere durch die am 16. Januar 1953 gegründete Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) „Fortschritt“ unter dem Vorsitz von Fritz Dallmann geprägt. Zu den wichtigsten Einrichtungen gehörten eine von der LPG betriebene Kartoffel- und Gemüseproduktion, eine Verkaufsstelle der Bäuerlichen Handelsgenossenschaft (BHG) sowie eine Mosterei. mini|Kinderkrippe in Priborn (1960) 1958 wurde eine Kinderkrippe eingerichtet. Für ältere Kinder bestand zunächst ein saisonaler Erntekindergarten. Im Jahr 1959 wurde die Schule zu einer Polytechnischen Oberschule erweitert. Ihr Einzugsgebiet umfasste neben Priborn auch die Orte Melz, Buchholz und Vipperow. 1969 legte der erste Jahrgang dort die 10. Klasse ab.

Im Gegensatz zu vielen umliegenden Dörfern profitierte Priborn von seinem Status als Vorzeigedorf. Im Frühjahr 1960 wurden ein Konsum errichtet, die Dorfstraße ausgebaut, eine zentrale Abwasserentsorgung geschaffen und eine Straßenbeleuchtung eingerichtet. Anlässlich des 20. Jahrestags der DDR wurde das Kulturhaus eröffnet, das sich zu einem zentralen Veranstaltungsort entwickelte und in den folgenden Jahren prominente Künstler der DDR empfing, wie unter anderem Helga Hahnemann.

Zum 1. September 1974 erhielt die Dorfschule den Namen Otto-Brosowski-Schule. Ende der 1970er Jahre wurden eine Turnhalle, ein Schulpavillon und eine Zentralheizung errichtet. Zum Jahresanfang 1981 wurde das neu errichtete Gebäude des Kindergartens eröffnet. Der Status Priborns als Vorzeigedorf wurde sowohl innen- als auch außenpolitisch genutzt. Neben regelmäßigen Delegationen aus der Sowjetunion empfing Fritz Dallmann beispielsweise am 22. Oktober 1982 auch eine Delegation der Portugiesischen Kommunistischen Partei unter Führung von Álvaro Cunhal.

Zum Zeitpunkt der Wende im Jahr 1989 lebten 602 Menschen in Priborn.

Entwicklung seit 1990 Nach der deutschen Wiedervereinigung war Priborn wie viele andere Orte in Ostdeutschland von Bevölkerungsrückgang und Abwanderung betroffen. Im Zuge des wirtschaftlichen Strukturwandels wurden zahlreiche Einrichtungen und Betriebe geschlossen oder privatisiert, wodurch sich das Arbeitsplatzangebot im Ort verringerte. Viele Einwohner pendelten fortan zu ihren Arbeitsplätzen in umliegende Gemeinden und Städte. Eine Gaststätte mit Diskothek wurde aufgegeben, das Ärztehaus stand leer und auch das letzte Ladengeschäft schloss. mini|Leerstehendes Gutshaus von Priborn (2009) Die Schule bestand bis 2003. Nach ihrer Schließung verfiel das ehemalige Gutshaus zunehmend. Im Jahr 2005 wurde ein umfassendes Nutzungskonzept für ein Erholungshotel erstellt, das jedoch nicht verwirklicht wurde.Gutshaus Priborn – Diplomarbeit 2005 zur Nutzung von Dipl.-Ing. Jeanette Seifert, abgerufen am 12. Juli 2015 Anlässlich der 750-Jahr-Feier im Jahr 2014 wurde ein Kulturverein gegründet. Der Kulturverein erwarb 2020 das baufällige Gebäude, saniert es seitdem und nutzt es unter der Bezeichnung „Kulturschloss“ als Veranstaltungsort.

Seit 2015 hat sich der Bevölkerungsrückgang weitgehend stabilisiert. Erstmals seit der deutschen Wiedervereinigung verzeichnete Priborn wieder einen leichten Bevölkerungszuwachs. Das Dorf verfügt heute über eine Freiwillige Feuerwehr, mehrere ortsansässige Betriebe sowie eine kleine touristische Infrastruktur. Diese Einrichtungen tragen zur wirtschaftlichen und sozialen Infrastruktur des Dorfes bei.

Politik

Gemeindevertretung

Die Gemeindevertretung hat sechs Mitglieder.

Partei/Bewerber Prozent SitzeReihenfolge nach Stimmenanteil Wählergruppe Freiwillige Feuerwehr Priborn75,94 Die Linke14,11 Einzelbewerber10,01

Bürgermeisterin ist Beate Höhn.

Wappen, Flagge, Dienstsiegel Die Gemeinde verfügt über kein amtlich genehmigtes Hoheitszeichen, weder Wappen noch Flagge. Als Dienstsiegel wird das kleine Landessiegel mit dem Wappenbild des Landesteils Mecklenburg geführt. Es zeigt einen hersehenden Stierkopf mit abgerissenem Halsfell und Krone und der Umschrift „GEMEINDE PRIBORN“.Hauptsatzung § 1

Einwohnerentwicklung Jahr 1910 1933 1939 1945 1948 1989 2008 2011 2015 2017 2020 20222026 Einwohnerzahl 138 152 161 214 282 602 398 358 352 362 353 345367

Sehenswürdigkeiten, Einrichtungen

Ehemaliges Gutshaus von 1880, heute Veranstaltungsort namens „Kulturschloss“ Neogotische Dorfkirche Priborn aus Backstein von um 1860 Freibad am Müritzarm Insektenwiese mit Teich und sechs alten Eichen (Naturdenkmäler) am südöstlichen Ortsrand

Wirtschaft Die Wirtschaft Priborns ist heutzutage vor allem durch die Landwirtschaft und mittelständische Unternehmen geprägt. Zu den wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnissen zählen Grünlandbewirtschaftung, Kartoffeln, Mais und Hanf, zudem wird Biogas produziert. Darüber hinaus sind im Ort unter anderem Unternehmen des landwirtschaftlichen Anlagenbaus, der Fensterherstellung sowie des Straßen-, Tief- und Erdbaus ansässig. Ergänzt wird das Angebot durch Handwerksbetriebe, einer Pension am Müritzarm sowie Ferienwohnungen.

Verkehr Von Priborn führt eine Landstraße L 241 über eine Kreuzung der Bundesstraße B 198 nach Röbel/Müritz und in Richtung Süden nach Buchholz. Die Autobahn-Anschlussstelle Röbel an der Bundesautobahn 19 (Berlin–Rostock) ist etwa 16 Kilometer entfernt. Mit Sportbooten ist Priborn über den Schiffsanleger am Müritzarm zu erreichen, welcher etwa 2 km vom Dorfkern entfernt ist.

Durch Priborn verläuft ein Abschnitt eines Fahrradrundwegs, der über Vipperow, Priborn und Buchholz um den Müritzarm, die Nebel und den Thüren führt. Die Route ergänzt den Müritzrundweg und stellt zugleich eine wichtige Verbindung zum brandenburgischen Radwegenetz dar, unter anderem in Richtung Wittstock über die Schmugglerheide.

Vereine Kleingartenverein Priborn e.V. Angelverein „Müritzarm“ e.V. Kulturverein Priborn e.V. Bootshausgemeinschaft „Müritzarm Priborn“ e.V.

Weblinks

Kulturschloss Priborn

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte