Christian Ernst Schöler (* 14. November 1756 in Bad Ems; † 25. Juni 1832 ebd.) war ein deutscher Orgelbauer.
Leben Christian Ernst Schöler wurde als Sohn des Orgelbauers Johann Wilhelm Schöler und seiner Frau Maria Christiana Friederica Werner (1732–1767) geboren. Als einziger von vier Söhnen überlebte er das Kindesalter. Im Jahr 1772 wurde er in Bad Ems konfirmiert. Er erlernte den Orgelbau in der väterlichen Werkstatt. Eine Lehre außerhalb ist nicht belegt und angesichts derselben Bauprinzipien von Vater und Sohn unwahrscheinlich.Rodeland: Die Orgelbauwerkstatt Schöler in Bad Ems. 1991, S. 21. Erstmals ist seine Tätigkeit als Orgelbauer 1774 nachweisbar, als er bei der Visitation der Orgel in Herschbach mithalf, wo sein Vater seine größte Orgel fertiggestellt hatte. Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1793 übernahm er dessen Orgelbauwerkstatt in Bad Ems.Fischer, Wohnhaas: Lexikon süddeutscher Orgelbauer. 1994, S. 371. Später wird er in den Urkunden als „Fürstl. Hess.-Darmstädt. Hof Orgelbauer“ bezeichnet. Am 8. November 1798 heiratete Christian Ernst Schöler Friede Martina Henrietta Cramer in Mehren (Westerwald).
Daniel Raßmann vertiefte sich bei Schöler, bevor er sich selbstständig machte. Schölers Schwiegersohn Philipp Gottlieb Heil (* 30. September 1793 in Seeheim; † 30. April 1847 in Bad Ems) entstammte selbst einer Orgelbauerfamilie und heiratete 1825 Schölers älteste Tochter Johannette Wilhelmine. Schöler starb am 25. Juni 1832 und wurde am 28. Juni in Bad Ems beerdigt. Nach Schölers Tod übernahm Philipp Heil 1833 dessen Firma, baute aber bis auf eine Orgel nur Hammerklaviere und übernahm ansonsten Orgel-Wartungen und Stimmungsarbeiten.Rodeland: Schöler, Christian Ernst. 2005, S. 1570. Unter Heil erlosch das Unternehmen im Jahr 1837. Schölers Witwe starb am 14. März 1850.Rodeland: Die Orgelbauwerkstatt Schöler in Bad Ems. 1991, S. 18.
Werk Auf Christian Ernst Schöler gehen neben Umbauten, Renovierungen, Umsetzungen und Reparaturen 17 Orgelneubauten zurück. Acht Instrumente sind ganz oder teilweise erhalten. Schöler baute drei Typen von Orgeln: a) eine Orgel mit sieben Registern für Schloss Schaumburg, b) 13 Orgeln mit 10 bis 14 Registern und c) zwei Instrumente mit 16 Registern und eine Orgel mit unbekannter Registerzahl. Alle seine Orgeln haben ein selbstständiges Pedal.Rodeland: Die Orgelbauwerkstatt Schöler in Bad Ems. 1991, S. 197. Schöler baute wie sein Vater überwiegend seitenspielige Brüstungsorgeln. Die Prospekte sind charakteristisch und in der Regel fünfachsig mit schlankem Mittelturm. Zwei nach außen ansteigende Harfenfelder leiten zu den niedrigeren Spitztürmen über. Den seitlichen Abschluss bilden hochrechteckige Kästen, die in die Brüstung übergehen. Der mittlere Rundturm und die beiden Spitztürme stehen auf Konsolen.Bösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. II/2, 1975, S. 611 f.
Werkliste Kursivschreibung zeigt an, dass das betreffende Werk nicht mehr erhalten ist. In der fünften Spalte bezeichnet die römische Zahl die Anzahl der Manuale, ein großes „P“ ein selbstständiges Pedal. Die arabische Zahl gibt die Anzahl der klingenden Register an. Die letzte Spalte bietet Angaben zum Erhaltungszustand oder zu Besonderheiten.
Jahr Ort Gebäude Bild Manuale Register Bemerkungen nach 1793 Lorsbach Ev. Kirche I/P 14 1910 durch Weigle ersetztBösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. II/2, 1975, S. 600 f. 1797 Anhausen Ev. Kirche I/P um 14 1904 durch Raßmann ersetzt 1802 Raubach Evangelische Pfarrkirche 160x160px I/P 13 nach Delling (Kürten), ev. Kirche, überführt und dort erhalten (Foto) 1803 Maxsain Ev. Kirche I/P 14 keine Metallpfeifen erhalten; 2013 von Mebold rekonstruiert 1803 Niederwambach Ev. Kirche I/P 13 nach Umbauten 1856 und 1912 durch Oberlinger 1939 unter Verwendung der Manuallade ersetzt 1805/1806 Nassau (Lahn) Ev. Kirche I/P um 16 1883 durch Rudhard ersetztBösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. II/2, 1975, S. 627–631. 1805 Schloss Schaumburg Schlosskapelle I/P 7 erhaltenBösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. II/2, 1975, S. 741. 1809 Braubach Markuskirche I/P 16 nicht erhaltenBösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. II/1, 1975, S. 92 f. 1810 Essershausen Ev. Kirche I/P 10 umdisponiert erhaltenBösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. II/1, 1975, S. 182. 1811 Niedershausen Ev. Kirche 160x160px I/P 12 erhaltenBösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. II/2, 1975, S. 665. 1818 Ketternschwalbach Ev. Kirche I/P 11 zum großen Teil erhaltenBösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. II/1, 1975, S. 492. 1819 Höchstenbach Ev. Kirche I/P 10 1850 durch Raßmann ersetztBösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. II/1, 1975, S. 438 f. 1820 Strinz-Trinitatis Ev. Kirche I/P 13 erhaltenBösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. II/2, 1975, S. 763 f. 1821 Breitenau (Westerwald) Kath. Kirche I/P 12 1908 durch Klais ersetztBösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. II/1, 1975, S. 99 f. 1823 Schweighausen Ev. Kirche I/P 10 1963 durch Walcker ersetztBösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. II/2, 1975, S. 747 f. 1823 Geisenheim Ev. Kirche I/P 10 1839 durch Stumm ersetztBösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. II/1, 1975, S. 351–355. 1830 Bad Ems Maria Königin 160x160px I/P 10 erhaltenBösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. II/1, 1975, S. 40.
Literatur
Jürgen Rodeland: Die Orgelbauwerkstatt Schöler in Bad Ems. Katzbichler, München/Salzburg 1991, ISBN 3-87397-512-2. Jürgen Rodeland: Schöler, Christian Ernst. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. (Personenteil). Bd. 14. 2. Aufl. Bärenreiter u. Metzler, Kassel u. Stuttgart 2005, ISBN 3-476-41009-9, Sp. 1570–1271.
Weblinks Birger Petersen: Schöler (Familie). In: Musik und Musiker am Mittelrhein 2.
Einzelnachweise
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