mini|Show im Delfinarium Zoo Duisburg, 2018 Als Delfinarium oder Delphinarium bezeichnet man eine Form der Tierhaltung, in der Delfine oder andere Wale in Gefangenschaft leben. Meist werden sie trainiert und führen Kunststücke vor. Von wissenschaftlich geführten Delfinarien, die Forschung betreiben und sich einem Bildungsauftrag verpflichtet sehen, kann man reine Show-Delfinarien unterscheiden, die ausschließlich der Unterhaltung der Zuschauer dienen. Die häufigste in Delfinarien vertretene Art ist der Große Tümmler; weitere häufiger gehaltene Arten sind Große Schwertwale und Weißstreifendelfine. Die Haltung von Walen und Delfinen in Delfinarien ist umstritten.

Geschichte Delfinarien in Europa und Nordamerika mini|Große Tümmler im Dolfinarium Harderwijk, 2006 Bereits früh wurden Versuche unternommen, Delfine in Zoos zu halten. Jedoch war es lange unmöglich den Anforderungen auch nur im Ansatz gerecht zu werden. In den 1950er Jahren kamen die ersten Delfinarien auf; so eröffnete das Delfinarium des Zoos Lissabon in Portugal 1955. Die Hoch-Zeit der Delfinarien in Europa und Nordamerika begann in den 1960er Jahren und zog sich bis in die 1980er Jahre. Ein Großteil der heutigen Delfinarien auf diesen Kontinenten entstand in diesem Zeitraum. Zu Beginn wurde die Haltung verschiedener Delfinarten erprobt, es zeigte sich jedoch schnell, dass Große Tümmler vergleichsweise robust sind und schnell lernen, weswegen sie schnell die am häufigsten gehaltenen Art waren.

Die Großen Tümmler für die Delfinarien, die überall in Europa und Nordamerika eröffneten, wurden überwiegend im Golf von Mexiko bzw. in der Karibik gefangen, vereinzelt auch im Pazifik. Schwertwale wurden in den 1960er und 1970er Jahren hauptsächlich in Nordamerika, in den 1980er Jahren in den Gewässern um Island gefangen.

Ab den 1980er Jahren verboten immer mehr Länder das Fangen von Delfinen sowie den Import von Wildfängen. Anfang der 1990er Jahre kam der Zustrom von Wildfängen somit zum Erliegen. Die letzten Importe wildgefangener atlantischer Großer Tümmler nach Europa (EU) erfolgten Anfang der 2000er Jahre durch spanische Einrichtungen. In den Nachfolgestaaten der Sowjetunion werden hauptsächlich Schwarzmeer-Tümmler gehalten, eine bedrohte Unterart des Großen Tümmlers. Ihre Fang war für Russland viele Jahre lang profitabel, bis er auf Grund der hohen Bedrohungslage durch die CITES verboten wurde.

Bereits zu Beginn der Delfinhaltung in großem Stil hielten sich die Delfinarien oft nur wenige Jahre, was an der sehr kurzen Lebenserwartung gefangener Delfine lag. Mit dem Ende der Neuimporte sank die Zahl der Delfinarien zunächst. Während einige Delfinarien schlossen, entwickelten sich die übrigen Delfinarien weiter. Das gesammelte Wissen über die Bedürfnisse von Delfinen, die Sozialstruktur von Delfinen und über tierärztliche Behandlung von Delfinen ermöglichte eine stetige Verbesserung der Haltungsbedingungen. Von den 1990er Jahren bis in die 2010er Jahre entwickelte sich in Europa und Nordamerika eine Delfinhaltung, die sich deutlich von der der 1960er und 1970er unterscheidet. Unter anderem kann der Bedarf an Delfinen vollständig durch Nachzuchten gedeckt werden und es wird auf stabile Gruppenzusammensetzungen geachtet.

In mehreren Ländern wurde mittlerweile die Haltung und Zucht von Delfinen oder bestimmten Delfinarten verboten. In vielen Ländern gibt es politische Bestrebungen, ein Verbot einzuführen.

Delfinarien in Asien Auch zur Hoch-Zeit der Delfinarien in Europa und Nordamerika gab es bereits Delfinhaltungen in Asien. Jedoch entwickelte sich keine starke Sensibilität, was den Schutz der wildlebenden Delfine anging. 2009 deckte der Dokumentarfilm Die Bucht die Geschehnisse bei der alljährlichen Delfin-Treibjagd im japanischen Taiji auf. Die Brutalität sorgte international für Entsetzen. Neben der Tötung der Delfine für Nahrungszwecke spielt dabei auch der Fang vieler lebender Delfine eine Rolle, die abgerichtet und an Delfinarien verkauft werden. Kritik gab auch an internationalen Delfinarien, so hatte SeaWorld in den 1980er Jahren wildgefangene Kleine Schwertwale aus Taiji erworben. Auch waren viele der betroffenen japanischen Delfinarien Teil der akkreditierten Zooverbände Japans (JAZA) und der Welt (WAZA). 2015 verbot die JAZA ihren Mitgliedern endgültig den Kauf neuer Wildfänge aus Taiji.

Während die Beluga-Population in Nordamerikanischen Aquarien hauptsächlich auf Jahrzehnte zurückliegende kanadische Wildfänge zurückgeht und die Orca-Population auf isländische Wildfänge, stammen die Belugas in asiatischen Meeresparks und Aquarien aus russischen Wildfängen. Auch wurden ab 2013 viel Orcas gefangen und an Delfinarien in Russland und China verkauft. Gegenwärtig (29. September 2022) leben mindestens 18 noch recht junge, wildgefangene Orcas in Parks in Russland und China. Ziel ist der Aufbau einer Zuchtpopulation. Aufgrund wachsender Kritik hat Russland ein vorübergehendes Fangverbot verhängt und mehrfach verlängert.

Programme Neben Delfinshows bieten Delfinarien und Wasserparks oft noch weitere Aktivitäten an:

In Delfin-Schwimmprogrammen können Besuchergruppen zu den Delfinen ins Wasser steigen und sie berühren. Das gilt jedoch als nicht Risikofrei, so können Große Tümmler durchaus aggressiv gegenüber Menschen sein. Auch besteht das Risiko, dass die Besucher das Wasser mit Keimen belasten.

Mehr als 25 Jahre vor 2008 kam in den USA die Idee auf, dass die Begegnung mit Delfinen eine heilsame Wirkung haben könnte. Seither bieten immer mehr Delfinanlagen Delfintherapien zur Behandlung verschiedener psychischer Erkrankungen und Entwicklungsstörungen an. Die Meinungen über den Nutzen der Delfintherapie gehen stark auseinander. Die kurzfristige Hilfe soll dabei stärker ausfallen, als bei anderen Therapie-Tieren. Bis heute gilt die langfristige Wirksamkeit der Delfintherapie, wie die aller tiergestützten Therapien als wissenschaftlich weder belegt noch widerlegt. Die bekannteste Studie im deutschsprachigen Raum zur Delfintherapie wurde von der Universität Würzburg in Kooperation mit dem Tiergarten Nürnberg unter Leitung von Erwin Breitenbach und Eva Stumpf durchgeführt.Universität Würzburg: Auch dieser Studie werden methodische Mängel vorgeworfen., 2008Christian Schulze: Rezension zu Delfintherapie für Kinder mit Behinderungen, aus 2008; PDF 145 kB; abgerufen: 13. März 2013Psychologie Heute 4/2010: Doc Dolphin – magischer Heiler oder ausgebeutete Kreatur?Faktensammlung 2011 Norbert Kochhan:

In Fütter- und Streichelbecken („petting pools“) können Delfine von Besuchern berührt und gefüttert werden. Hierbei besteht das Risiko von Konkurrenz innerhalb der Gruppe und Verfettung einzelner Tiere durch übermäßiges Füttern.

Zucht und Zuchtprogramme mini|Schwertwal-Dame Kasatka mit Jungtieren Nakai (rechts) und Kalia (links), Seaworld San Diego, Kalifornien Lange Zeit war nur wenig über die Fortpflanzung von Delfinen bekannt. Insbesondere in den ersten Jahrzehnten der Zucht gab es sehr viele Fehlgeburten und Todesfälle. Durch neue Erkenntnisse und größere Vorsicht konnten jedoch erste Zuchterfolge verbucht werden. Ab den 1980er Jahren stieg die Zahl an erfolgreichen Geburten unter den Großen Tümmlern stetig an. Im Jahr 1990 lebten in den Delfinarien der EU und des Europäischen Wirtschaftsraums 119 Delfine, von denen 12 Tiere (10 %) in menschlicher Obhut geboren waren. Im Jahr 2000 waren es 188 Individuen, von denen 44 % in Delfinarien geboren waren. 2021 lag der Anteil an zoogeborenen Großen Tümmlern in der EU bei 78,5 % von insgesamt 302 Exemplaren.

In Delfinarien wird versucht, Inzucht zu vermeiden, indem die Tiere zu einem anderen Park transportiert werden. Die Trennung kann die bei Walen sehr stark ausgeprägte Mutter-Kind-Beziehung beeinträchtigen. Da die Tiere hochsozial sind, können sie sich an die neue Umgebung und die neuen Gefährten gewöhnen. So entschärft man Konflikte zwischen Delfinen durch Umsiedelung eines der betroffenen Tiere in ein anderes Delfinarium.

Seit dem Jahre 2001 wird mitunter auf künstliche Befruchtung zurückgegriffen, um Transporte zu reduzieren. In Europa sind jedoch fast alle geborenen Delfine auf natürliche Vermehrung zurückzuführen.

Um soziale Probleme zu vermeiden, werden inzwischen hauptsächlich männliche Delfine transportiert. Wenn nötig, werden außerdem oft mehrere Weibchen zusammen transportiert. Transporte und Eingewöhnung werden von Tierärzten und dem Tierpflegepersonal besonders stark überwacht.

Der europäische Zooverband verzeichnete 2010 einen Geburtenüberschuss von 4,7 % bei der Zoopopulation Großer Tümmler. In den Jahren 2012 bis 2015 wurden mehr als doppelt so viele Jungtiere geboren, wie Individuen starben. Um eine Überlastung zu vermeiden, wird versucht, die Zucht etwas zu reduzieren. An Verhütungsmitteln soll ebenfalls geforscht werden. Kastration ist gegenwärtig noch nicht möglich.

In Europa führt die EAZA ein Zuchtprogramm für Große Tümmler. Während es anfangs hauptsächlich um eine Vergrößerung des Bestands ging, liegt inzwischen der Fokus auf dem Halten des stabilen Bestands, da die Population ohne Geburtenkontrolle stark steigen würde.

Die SeaWorld-Parks in den USA führten ein Zuchtprogramm für Orcas. Dieses wurde 2016 eingestellt, die verbliebenen Tiere befinden sich weiterhin im Bestand. Das Zuchtprogramm für Große Tümmler wird fortgesetzt.

In Nordamerika gibt es außerdem Zuchtprogramme für Weißstreifendelfine und Belugas.

In China wurde ein Zuchtprogramm für Orcas mit russischen Wildfängen gestartet. Stand Oktober 2023 wurden mindestens fünf Jungtiere geboren.

Kritik und Entgegnungen Haltung der Tiere Die Haltung von Delfinen und Orcas in Gefangenschaft ist umstritten. Bemängelt werden neben der Enge und Eintönigkeit des Umfelds auch künstlich aufbereitetes Wasser und die unnatürliche Gruppenzusammensetzung. Auch der Lärm und die dauernde Anwesenheit von Menschen werden kritisiert. Diese Dinge setzten die Tiere unter Stress. In Studien zur Bestimmung des Cortisol-Levels stellte sich heraus, dass Delfine in menschlicher Obhut keineswegs grundsätzlich gestresster sind als Delfine in der Wildnis. Tierschützer halten die Haltungsbedingungen in Delfinarien dennoch für stressig und machen sie für innerartliche Aggressionen, Schwächung des Immunsystems bis hin zu chronischen Krankheiten und Tod verantwortlich. Viele Tiere stünden deshalb auch regelmäßig in medizinischer Behandlung, zum Beispiel wegen Magengeschwüren.

Der Lärm der lebenswichtigen Umwälzpumpen soll eine weitere psychische Belastung für geräuschempfindliche Meeressäuger sein. Delfinarien entgegnen, dass das durch moderne Technik verhindert wird. Insgesamt werde in wissenschaftlich geführten Delfinarien sehr auf das Wohlbefinden der Tiere geachtet. mini|Unterwassereinsicht Delfinlagune Tiergarten Nürnberg, Großer Tümmler und Kalifornischer Seelöwe Beim Transport außerhalb des Wassers benötigt die Haut der Tiere besonderen Schutz, da längere direkte Bestrahlung mit Sonnenlicht zu Verbrennungen führt. Transporte von Delfinen haben sich daher zu intensiv geplanten und zeitaufwendigen Aktionen entwickelt. Intensiv kritisiert wird auch die Gabe von Medikamenten: So sollen Delfine mit Psychopharmaka wie Diazepam gefügig gemacht werden und aufgrund der schlechten Bedingungen auf viele Medikamente angewiesen sein.Erneut Psychopharmaka bei Delfinen im Tiergarten Nürnberg und in Duisburg. Pressemeldung des Wal- und Delfinschutz-Forums bei presseportal.de vom 13. Dezember 2018.

Der niederländische Kommunikationswissenschaftler Cees Kamminga behauptete 1985, dass er bei „gefangenen Zahnwalen einen steten Rückgang an Zahl und Intensität von Lautäußerungen beobachtet“ habe, was auf eine Verkümmerung des Sonars und eine gestörte Psyche durch die Haltung in Betonbecken hinweise.Udo Tschimmel, Christoph Henning: Flippern bis zum Todeskampf. In: Geo-Magazin. Oktober 1985. S. 98–122.