Das Kleinkastell Anhausen war ein römisches Kastell des Obergermanischen Limes, der im Jahre 2005 den Status des UNESCO-Weltkulturerbes erlangte. Das jetzige Bodendenkmal befindet sich in den Wäldern südwestlich der heutigen Ortsgemeinde Anhausen, die zur Verbandsgemeinde Rengsdorf-Waldbreitbach im rheinland-pfälzischen Landkreis Neuwied gehört.
Lage und Forschungsgeschichte mini|links|Lage zur Zeit der Reichs-Limeskommission 300px|mini|Grundriss und Geländeprofil des Kleinkastells Anhausen zur Zeit der Ausgrabungen durch die RLK (1893–1899) Das Kleinkastell Anhausen befindet sich auf einer Höhe zwischen dem Gladbacher und dem Heimbacher Wald, südwestlich der heutigen Ortschaft Anhausen auf Neuwieder Gebiet. Es liegt hier östlich oberhalb des Passes der nach Gladbach und weiter nach Neuwied führenden Landesstraße 258, der Dierdorfer Straße.
An dem Kastellplatz erreicht der Limes im Verlauf des Bogens, den er um das Neuwieder Becken schlägt, seinen nördlichsten und zugleich höchsten Punkt. In antiker Zeit diente das Kleinkastell hier der Überwachung mehrerer Straßen, die in diesem Bereich unter Ausnutzung der Passlage den Limes kreuzten. Der Kastellplatz wurde zuerst 1893 von dem Archäologen Heinrich Jacobi (1866–1946) untersucht und beschrieben. Weitere Ausgrabungen durch die Reichs-Limeskommission erfolgten im August 1898 und im Januar 1899, um die anfangs nicht ganz eindeutige Baugeschichte des Lagers zu klären.
Befunde Die Reichs-Limeskommission war noch davon ausgegangen, dass das Anhauser Militärlager ein Kleinkastell war, das ursprünglich aus zwei verschiedenen Baukörpern – einem äußeren und einem inneren Kastell – gebildet wurde, die zeitgleich entstanden seien.Die Reichs-Limeskommission war in ihrem Bericht (ORL Abt. A, Band 1, S. 93f.) von einer einzigen Bauphase ausgegangen und hatte bei den Ausgrabungen zwischen 1893 und 1899 einen zusammenhängenden Mauerverband zwischen dem äußeren und dem inneren Bauwerk festgestellt. So findet sich das Kleinkastell Anhausen auch bei M. Klee (1989, S. 44) dargestellt. Bereits der provinzialrömische Archäologe Dietwulf Baatz (1928–2021) hatte an dieser Auffassung gezweifelt und geschrieben, dass „in der Südwestecke des größeren, älteren Wehrbaus“ … „später ein kleineres Kastell“ entstanden sei. Bei einer Nachgrabung 2008 im Rahmen der Bestandsdokumentation für die UNESCO-Unterschutzstellung hat sich die Baatz’sche Überlegung bestätigt.Cliff Alexander Jost: Untersuchungen an alten Grabungsstellen der Reichs-Limeskommission am Limes zwischen Wied und Saynbachtal. In: Peter Henrich (Hrsg.): Perspektiven der Limesforschung. 5. Kolloquium der Deutschen Limeskommission. (= Beiträge zum Welterbe Limes. Band 5). Theiss, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2465-8, S. 21–23.
Die Wehrmauer des äußeren Lagers nahm mit den Seitenlängen von 43,20 mal 39,30 Meter eine Fläche von rund 0,17 Hektar ein. Die Mauer hatte eine Mächtigkeit von 1,72 bis 1,80 Meter, besaß abgerundete Ecken und verfügte über nur ein einziges, von zwei vorspringenden Wehrtürmen flankiertes Tor, das nach Norden, zum Limes hin ausgerichtet war. Als Annäherungshindernis war ein Spitzgraben vorgelagert. Im Inneren des Außenkastells konnten, vorrangig im nordwestlichen Bereich, Spuren von Mannschaftsbaracken nachgewiesen werden. Die Innenbauten dürften im Wesentlichen aus Holz bestanden haben.
Das kleinere Lager wurde unter Nutzung eines Teiles der West- und der Südmauer des größeren Kastells zu einem unbestimmten Zeitpunkt in dieses hineingebaut. Es bedeckte mit seinen Seitenlängen von 28,70 mal 23,60 Meter eine Fläche von knapp 0,07 Hektar im südwestlichen Bereich des Außenkastells. Die kleinere Fortifikation besaß ebenfalls nur ein einziges, nach Norden ausgerichtetes Tor, das nicht von Türmen, sondern von eingezogenen Torwangen flankiert war. Die Stärke der neu erbauten Nord- und Ostmauer war mit 2,05 bis 2,10 Metern deutlich massiger, als die des Außenkastells. Das innere Kastell wurde mit einem eigenen vorgelagerten Graben versehen, bei dessen Anlage die Mauern des Außenkastells durchbrochen wurden. Die Mauern des äußeren Kastells, sofern sie nicht auch die Ummauerung des Innenkastells bildeten, wurden schon bei der Errichtung des Innenkastells abgebrochen. Den Graben des äußeren Lagers verfüllte man mit dem daher stammenden Bauschutt. Im südlichen Bereich des kleineren Kastells wurde noch ein Brunnen freigelegt und ausgegraben, der einiges Fundmaterial zu Tage brachte. Das datierbare MaterialDarunter ein Sesterz, der möglicherweise dem Commodus (180–192) zugeordnet werden kann, sowie ein Denarius des Severus Alexander (222–235). des Kastellplatzes insgesamt ist aber nicht ausreichend und geschlossen genug, um eine Aussage zur Feindatierung des Lagers treffen zu können. Insgesamt wird es im Zusammenhang mit dem Ausbau des Limes in diesem Abschnitt stehen. Es wurde also vermutlich unter Domitian (81–96), spätestens aber unter Trajan (98–117) angelegt und während der germanischen Offensiven bis 259/260 n. Chr. (Limesfall) wieder aufgegeben. Der antike Name des Platzes ist nicht bekannt, auch über die ihn belegenden Einheiten liegen keine Quellen vor. Es dürfte sich um Vexillationen (Detachements) der benachbarten Auxiliarlager gehandelt haben.
Limesverlauf zwischen den Kleinkastellen Anhausen und Ferbach mini|links|Hinweistafel am Ort des Kleinkastell Anhausen (2025) In diesem Abschnitt, in dem der Limes überwiegend durch die dichtbewaldeten Höhenzüge des Westerwaldes verläuft, zum Teil parallel zum Rheinhöhenweg, sind über weite Strecken sowohl der Pfahlgraben selbst als auch die Relikte seiner Bauwerke noch vorzüglich erhalten.
Spuren der Limesbauwerke zwischen dem Kleinkastell Anhausen und dem Kleinkastell Ferbach: ORLORL = Nummerierung der Limesbauwerke gemäß der Publikation der Reichs-Limeskommission zum Obergermanisch-Raetischen-Limes Name/Ort Beschreibung/Zustand Wp 1/41Wp = Wachposten, Wachturm. Die Ziffer vor dem Schrägstrich bezeichnet den Limesabschnitt, die Ziffer hinter dem Schrägstrich in fortlaufender Nummerierung den jeweiligen Wachturm. „Anhausen“ 200px|mini|Links: Grundriss Wp 1/41;rechts: Lage Wp 1/40 bis Wp 1/42und KK Anhausen Sichtbarer HügelWp 1/41 bei möglicherweise eines ehemaligen Holzturms, wahrscheinlich aber eines Holzgebäudes anderer Bestimmung, mit den Seitenlängen von 7,2 × 4,2 Metern. Zwischen dem Kleinkastell Anhausen und dem Limesgraben auf künstlich errichtetem Hügel.
Zwei Bauphasen konnten nachgewiesen werden: Nach einer Zerstörung durch ein Feuer unbekannter Zeitstellung und Ursache wurde der Turm wieder aufgebaut. Umgeben war das Gebäude von einem Spitzgraben von 1,50 Meter Breite und einer zum Ausgrabungszeitpunkt erhaltenen Resttiefe von 0,80 Meter. KKKK = nicht nummeriertes Klein-Kastell Kleinkastell Anhausen siehe oben Wp 1/42 „Faules Ufer“ 100px|mini|Freigelegter Palisadengraben bei Wp 1/42Wahrnehmbarer, etwa 25 Meter hinter dem Limes gelegener, flacher SchutthügelWp 1/42 bei eines quadratischen Steinturms mit einer Seitenlänge von 4,80 Meter und einer Mauerstärke von rund einem Meter. Ein älterer, mit einem 1,20 Meter tiefen Spitzgraben umgebener Holzturm konnte nachgewiesen werden. Wp 1/43 „Am Kieselweg“ mini|links|Lage des Wp 1/43 100px|mini|Profil des Palisadengrabens zwischen Wp 1/42 und WP 1/43 Sichtbare Schutthügelgruppe zweier Steinturmhügel. An die Stelle des älteren, auf einer erhöhten Erdplattform errichteten und von einem 13 m durchmessenden Spitzgraben umlaufenen Holzturms trat möglicherweise zunächst der östliche, kleinereHolzturm und östlicher Steinturm der Turmstelle Wp 1/43 bei und in der Qualität des Mauerwerks sorgfältiger ausgeführte der beiden Steintürme. Dieser rechteckige Steinturm besaß Seitenlängen von 4,15 mal 4,80 Meter und eine Mauerdicke von 0,95 Meter. Die aufgehenden Mauern aus Quarzitschiefer ruhten auf einem 1,1 Meter breiten Fundament, das 0,5 Meter in den Boden eingetieft war.
Er wurde später durch den rund zwölf Meter entfernt gelegenen, größeren, aber weniger sorgfältig und mit minderwertigerem Steinmaterial aus flachen Schieferbruchsteinen ausgeführten, westlichen SteinturmWestlicher Steinturm der Turmstelle Wp 1/43 bei ersetzt, der eine Seitenlänge von 5,53 Meter im Quadrat besaß und dessen Mauerstärke 0,97 Meter betrug. Das aus Schieferschrot bestehende Mauerfundament sprang um neun Zentimeter nach außen vor und war lediglich 15 bis 20 Zentimeter ins Erdreich eingetieft.
Die Turmstelle 1/43 ist zuletzt im Jahre 2007 im Rahmen einer behutsamen Nachgrabung untersucht worden. Ein Ergebnis dieser Nachforschung war, dass die zeitliche Abfolge der beiden Steintürme entgegen der oben beschriebenen Auffassung der Reichs-Limeskommission nicht sicher zu bestimmen sei. Nach dem Ende der Untersuchungen wurden die Originalbefunde mit Schutzfolie und einer einen halben Meter mächtigen Erdschicht bedeckt, auf der aus den Originalsteinen der Altgrabung der Grundriss des östlichen Steinturms an originaler Fundstelle dargestellt wurde.Cliff Alexander Jost: Untersuchungen an alten Grabungsstellen der Reichs-Limeskommission am Limes zwischen Wied und Saynbachtal. In: Peter Henrich (Hrsg.): Perspektiven der Limesforschung. 5. Kolloquium der Deutschen Limeskommission. (= Beiträge zum Welterbe Limes. Band 5). Theiss, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2465-8, S. 23–28. Wp 1/44 „Am alten Saatkamp“ Wahrnehmbarer SchutthügelWp 1/44 bei eines rund 20 Meter hinter dem Limesgraben gelegenen Steinturms, der zur Zeit der Untersuchungen durch die Reichs-Limeskommission schon stark zerstört war. Ein älterer Holzturm wurde anhand seines 1,35 m breiten und 45 cm tiefen Spitzgrabens nachgewiesen. Wp 1/45 „Am Burghoffeld“ 200px|mini|Lage Wp 1/45 bis Wp 1/47 Die TurmstelleWp 1/45 bei des Steinturms ist nicht mehr sichtbar. Es handelte sich um einen quadratischen Turm mit einer Seitenlänge von 4,80 Meter und einer Mauerstärke von 90 cm. Der Besatzung des Turms oblag vermutlich die Beobachtung eines alten, von Heimbach kommenden Weges, der an dieser Stelle den Limes kreuzte und sich von hier aus in Richtung Isenburg fortsetzte. Zwischen der Turmstelle und Wp 1/46 liegt – im Wald neben dem Gelände des Golfclubs Rhein-WiedOffizielle Webpräsenz des Golfclub Rhein-Wied e. V. – ein hallstattzeitliches Grabhügelfeld der Laufelder KulturIn der Literatur auch als „Laufelder Gruppe“. mit insgesamt etwa 60 Grabhügeln.Das Gräberfeld wurde von Georg Loeschcke untersucht und im „Limesblatt“ publiziert. Die Funde gelangten ins damalige Bonner Provinzialmuseum, dem Vorläufer des Rheinischen Landesmuseums Bonn.
Weiter südwestlich finden sich im Waldgelände unterhalb des Abschlags der Golfbahn 9 noch deutliche SpurenEtwa bei einer vermutlich ebenfalls hallstattzeitlichen Ringwall-Anlage, der so genannten „Alteburg“. Die unregelmäßig geformte Anlage bedeckte einst eine Fläche von rund 8500 Quadratmeter. Ihre größte Längenausdehnung betrug 175 Meter, die größte Breite 95 Meter. Aufgrund des identischen Fundmaterials, das zudem über das gesamte Golfplatzgelände streut, erscheint ein Zusammenhang mit dem Gräberfeld nahezu zwingend. Der nördliche Bereich der Anlage wurde durch neuzeitlichen Ackerbau zerstört.