miniatur|Kanalzüge eines analogen Audio-Mischpults. Mit den weißen Schiebereglern lassen sich die Signalpegel der einzelnen Audio-Kanäle einstellen. Die grünlichen Drehknöpfe links oberhalb sind überwiegend Klangregler für unterschiedliche Frequenzbereiche (z. B. getrennt für Bass-, Mitten- und Höhenbereich) für jeden der Kanäle.
Ein Mischpult (englisch , kurz auch Mixer oder Console) dient dem Zusammenführen verschiedener elektrischer Signale (Audio, Video) und findet sich hauptsächlich in den Bereichen Veranstaltungstechnik und Musikproduktion.
Ein Mischpult zur Videobearbeitung nennt man herkömmlich auch Schnittpult, meistens jedoch Bildmischer. Die zur Beleuchtung von Bühnen benutzten Lichtsteuerungsanlagen werden umgangssprachlich oft als Lichtmischpult oder kurz Lichtpult bezeichnet, obgleich hierbei keine Signale gemischt werden. Hauptsächlich verwendet man den Begriff Mischpult im Zusammenhang mit der Tontechnik.
Audio-Mischpult miniatur|Analoges Audio-Mischpult im Theater
Ein Audio-Mischpult – auch als Ton-Mischpult, Tonpult, Mischer, Mixer oder Konsole bezeichnet – dient dazu, elektrische Tonsignale von verschiedenen Quellen (z. B. Mikrofone, Abspielgeräte oder elektronische Klangerzeuger) auf zwei oder mehr Ausgangssummen oder -busse (Untersummen mehrerer Signale), meistens nach Frequenzgangs- und Dynamikveränderungen, zusammenzufügen. Für Mischungen in Stereofonie werden zum Beispiel alle am Mischpult anliegenden Signale auf die Stereo-Kanäle „Links“ und „Rechts“ zusammengeführt. Ferner lassen sich mit geeigneten Mischpulten Mehrkanal-Surroundmischungen erzeugen. Es gibt unterschiedliche Mischpulte für die jeweiligen tontechnischen Anwendungen, wie Aufnahme und Abmischung in Tonstudios, Live-Beschallung, DJ oder Sendung, die sich in Bezug auf Größe, Funktionsumfang, Ergonomie, Klangeigenschaften und Preis von 50 Euro bis über eine Million Euro stark unterscheiden können. Audio-Mischpulte gibt es in den Ausführungen Analogmixer, Digitalmixer und Powermixer.
Funktionsgruppen Digital-Tonmischpult nach einer technischen Wartung|alternativtext=Digital Mischpult|mini mini|DJ-Arbeitsplatz mit Plattenspielern und DJ-CD-Playern an einem gemeinsamen Mischpult (Mitte) in einem Techno-Club
Ein Mischpult ist in den meisten Fällen in verschiedene Funktionsbereiche aufgeteilt. In der üblichen Konfiguration folgen die Signalwege dabei meist der Leserichtung von oben nach unten und von links nach rechts.
Eingangskanäle Die erste Sektion bilden mehrere Audio-Eingänge. Diese sind gegebenenfalls weiter gruppiert nach Mono- und Stereo-Eingängen.
Subgruppen Auf größeren Mischpulten finden sich Subgruppen, mit denen mehrere Eingangssignale zusammengefasst werden können, etwa um gleichzeitig deren Lautstärke regeln zu können, sie an verschiedene Spuren eines Aufnahmegeräts oder eine eigene PA-Gruppe (Beschallungsgruppe) zu schicken. Bei Mischern, die zum DJing verwendet werden, ist außerdem ein Crossfader (Überblendregler) zwischen den Subgruppen üblich.
Rückkanäle / Effekte Die von den einzelnen Kanälen zu internen oder externen Effektgeräten abgezweigten Signale können wieder dem Summensignal, manchmal auch bestimmten Subgruppen zugemischt werden.
Master / Summe Der finale Mix wird schließlich über einen Master-Fader einer – externen oder beim Powermixer integrierten – PA, einem Aufnahmegerät oder Sender zugeführt.
Abhören Vom Bediener (Operator) können verschiedene Punkte im Signalweg, meist mit einem „Solo“ gekennzeichneten Schalter/Taster, gewählt werden, um sie auf dem Kopfhörer oder Lautsprechern im Abhörraum (Control-Room) wiederzugeben oder vorzuhören.
Technischer Aufbau mini|Einsatz eines analogen Tonmischpults in der TV-Liveproduktion (2014).
Es gibt analoge, digitale und hybride (analoge mit digitaler Technik kombiniert) Mischpulte. In Analogmischpulten ist das Signal immer ein elektrisches Abbild des Schalls und wird auch so verarbeitet. In Digitalmischpulten dagegen wird der Ton in ein digitales Signal umgewandelt und von Prozessoren (DSP) verarbeitet. Hybridpulte besitzen eine digitale Steuerung und analoge Signalverarbeitung.
Alle diese Techniken haben ihre Vor- und Nachteile. So kann ein kleines Mischpult günstiger in Analogtechnik hergestellt werden, da ein geringerer Schaltungsaufwand nötig ist. Mit der Anzahl der Kanalzüge und Ausgänge wächst der Schaltungsaufwand und damit steigt der Preis an. Große Mischpulte können meistens kostengünstiger in Digitaltechnik hergestellt werden, weil eine Grundausstattung zwar teurer, eine Erweiterung und Aufteilung allerdings preiswerter ist, da die digitalen Signale auf einem gemeinsamen Datenbus übertragen werden und nicht von separaten elektrischen Leiterbahnen. Außerdem kann bei Digitalpulten an der Anzahl der Bedienelemente gespart werden, da ein Regler oder eine Taste mit verschiedenen Funktionen belegt werden kann. Es müssen nicht mehr für alle Kanäle alle Bedienelemente vorhanden sein. Die vorhandenen Kanalbedienstreifen können durch Layer- oder Bankumschaltungen mehrfach genutzt werden. So sind Kanalzahlen möglich, die in analoger Bauweise aus reinen Platzgründen nicht mehr zu realisieren wären. Bei heutigen Digitalpulten lassen sich die meisten Einstellungen (Faderpositionen, Kanal-Ein/-Ausschalter, Klang- und Panoramaeinstellungen etc.) in so genannten Szenen oder Snapshots abspeichern und bei Bedarf in Sekundenbruchteilen wieder aufrufen. Oft sind Effektgeräte wie zum Beispiel Kompressoren in Digitalpulten bereits integriert. Dadurch können im Vergleich zur Analogtechnik Platz und Kosten für zusätzliche Geräte eingespart werden.
Des Weiteren können manche digitalen Modelle auch dynamische Regelvorgänge wie etwa Faderbewegungen speichern und automatisch ablaufen lassen (dynamische Automation). Hybridpulte bieten diese Möglichkeit auch für analoge Signalverarbeitung. Der Schaltungsaufwand und damit der Preis für die Kopplung der digitalen Steuerung mit der analogen Signalverarbeitung ist verglichen mit einem rein digitalen Ansatz jedoch sehr hoch und findet deswegen heute kaum Anwendung. Einzig eine digitale Pegelsteuerung in ansonsten analogen Pulten ist noch gebräuchlich. Echte Hybridpulte wie etwa die Euphonix CS-Serie oder die Lawo PTR werden heute nicht mehr hergestellt.
Mischpulte lassen sich auch auf einem Computer realisieren. Sie sind hierbei meistens in so genannte Digital Audio Workstations (DAW) integriert.
Die wichtigsten Merkmale eines Mischpultes sind die Anzahl der Eingangskanäle, die Anzahl der Ausgangsbusse, die Klangbearbeitungsmöglichkeiten und die ergonomische Anordnung der Bedienelemente für den jeweiligen Anwendungsbereich. Auf der rein technischen Seite ist das entscheidende Merkmal die Signalqualität. Der Frequenzgang sollte möglichst linear sein, und der Dynamikbereich, das heißt der Abstand zwischen dem Eigenrauschen des Mischpultes und seiner Verzerrungsgrenze, sollte möglichst groß sein.
Typischer Signalfluss im Audiomischpult mini|Tonmischpult im Rundfunk, RM3200D von DHD-Audio
Eingangskanal Am Anfang des Signalweges in einem Tonmischpult wird die Signalquelle je nach Pegel entweder an einen Line- oder einen Mikrofoneingang angeschlossen. Lineeingänge dienen zum Anschluss vergleichsweise hochpegliger Audiogeräte wie Keyboards und CD-Player und stehen meist in Form von Klinkenbuchsen, bei einfachen Geräten auch Cinch, zur Verfügung. Mikrofoneingänge sind hingegen meist in Form von XLR-Buchsen ausgeführt und verfügen oft über eine Phantomspeisung zur Verwendung hochwertiger Kondensatormikrofone. Über einen Drehregler (Eingangsverstärkung, Gain) wird der Eingangspegel der Signalquelle dem optimalen Arbeitsbereich des Mischpultes angepasst. Hier kann auch ein spezieller Mikrofon- oder Entzerrvorverstärker für Plattenspieler eingebaut sein. Zur optischen Kontrolle eines jeden Kanalpegels ist oft entweder ein Peakmeter oder ein vu-Meter vorhanden. Ergänzend zum Gainregler findet sich meist ein Pad-Schalter (Abdämpfungsschalter), mit dem ein zu lautes Eingangssignal um einen bestimmten Betrag (meist 20 dB) abgesenkt werden kann.
Ebenso findet sich bei vielen Mischpulten ein sogenannter Trittschallfilter (Ein Hochpass, der störende tiefe Frequenzen abschneidet, die z. B. durch Schritte auf der Bühne oder Greifbewegungen am Mikrofon verursacht werden). Oft kann die Grenzfrequenz dieses Filters eingestellt werden, entweder durch zweistufige Taster (zum Umschalten zwischen z. B. 80 Hz und 160 Hz), oder sogar durch Drehpotentiometer.
Handelt es sich um ein digitales Mischpult, so folgt an dieser Stelle die Analog-/Digitalwandlung des Signals.
Anspruchsvoller ausgestattete Mischpulte verfügen als Nächstes über einen Phasenschalter, mit dem die Schwingungsrichtung des Signals um 180° gedreht werden kann (Wellenberg wird zu Wellental und umgekehrt). Dies ist nützlich, um entweder Polungsfehler in der Verkabelung zu korrigieren oder gegenpolige Signale aufgrund von Mehrfachmikrofonierung einer Klangquelle anzupassen (z. B. bei Mikrofonabnahme der Snare eines Schlagzeugs von oben und von unten).
Als Nächstes durchläuft das Signal die Klangregelung (Filter, Equalizer). Der Klang eines Signals kann in verschiedenen Frequenzbändern (z. B. Bässe, untere Mitten, obere Mitten, Höhen) bearbeitet werden. Diese Bänder lassen sich jeweils im Pegel anheben oder absenken. Verfügt das Mischpult ferner über einen Frequenzregler, so können die einzelnen Bänder ggfs. verschoben werden, was gezieltere Anpassungen an die tatsächlich im Signal vorkommenden Frequenzen ermöglicht. Ist darüber hinaus ein Gütenregler (auch mit Q bezeichnet) vorhanden, so kann die Breite der Beeinflussung eines Bandes variiert werden. Sind alle genannten Regelmöglichkeiten vorhanden, so spricht man von einem vollparametrischen Equalizer. Daneben können für den Bass- und den Höhenbereich auch noch separate, sehr steilflankige Hoch- und Tiefpassfilter vorhanden sein, die es erlauben, sämtliche Frequenzen ober- oder unterhalb einer bestimmten Grenzfrequenz komplett wegzufiltern.
Bei manchen Pulten kann (wahlweise schaltbar vor oder hinter dem EQ) die Dynamik des Signals mittels Noise Gate und/oder Kompressor beeinflusst werden. Bestimmte Mischpulte verfügen des Weiteren über sogenannte Insertbuchsen in den Eingangssektionen der Kanäle, die das Einschleifen von externen Dynamik- oder Effektgeräten im betreffenden Kanal erlauben.
Im weiteren Verlauf des Kanalzugs folgen anschließend der Ein-/Ausschalter () sowie als elementares Bauteil der bei jedem Mischpult vorhandene Schieberegler für den Kanalpegel, üblicherweise als bezeichnet, bei Kompaktmischern auch als Drehpotentiometer ausgeführt.
Im Signalweg hinter dem Fader folgt der Panoramaregler (auch genannt, entgegen der Logik auf dem Bedienfeld über dem Fader angeordnet), mit welchem bestimmt werden kann, wie das Signal im Stereobild der Mischpultsumme positioniert ist. Er ist ein Überblendregler (ähnlich einem Crossfader) und dient dazu, ein Signal nach dem Kanal-Fader auf den rechten und linken Kanal in der Stereosumme zu verteilen; ist der Kanal einer Subgruppe zugeordnet, wird das Signal entsprechend dorthin geleitet, wobei die rechte Reglerstellung der geradzahligen Subgruppe, die linke der ungeraden entspricht. Um dabei eine insgesamt gleich bleibende Lautheit zu erreichen, wird das Signal einer entsprechenden Kurve folgend auf der dem Regler abgewandten Seite stärker bedämpft, auf der dem Regler zugewandten Seite weniger. Bei der in Mischpulten üblichen Intensitätsstereofonie werden dabei keine Signale in ihrer Laufzeit verändert oder auf den gegenüberliegenden Kanal geleitet.
Letztes Glied im Kanalzug ist das sogenannte Routing. Verfügt das Mischpult über Subgruppen, kann das Signal über Schalter neben dem Fader je nach Ausführung alternativ oder gleichzeitig zum Mastersignal an diese geschickt werden. Ebenso kann – besonders bei digitalen Mischern – jeder einzelne Eingangskanal direkt einer Spur eines Mehrkanal-Recorders zugeordnet werden.