Ananas ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Bromeliengewächse (Bromeliaceae). Die bekannteste Art, die Ananas (Ananas comosus), ist eine wichtige Obstpflanze. Daneben werden andere Arten und Sorten aufgrund ihrer Laubblätter und dekorativen Früchte als Zierpflanzen kultiviert.

Beschreibung mini|links|Illustration der Kulturananas aus Blanco: Flora de Filipinas ... Gran edicion ... Atlas II

Vegetative Merkmale Die Ananas-Arten sind bodenbewohnende (terrestrische), ausdauernde, krautige Pflanzen. Die Sprossachse ist gestaucht, dadurch ist die Pflanze stammlos bis nur einen kurzen Stamm bildend, und die Blätter stehen in dichten Rosetten, die Durchmesser von bis zu 2 Metern erreichen. Die derben, zurückgebogenen Laubblätter sind bis zu 80 Zentimeter lang und haben kaum Saugschuppen (vergleiche andere Bromeliengattungen). Die Blattscheiden sind kaum vergrößert. Die Blattspreite ist am Rand dornig gezähnt.

Generative Merkmale Der kurze bis verlängerte, meist aufrechte Blütenstandsschaft ist mit stacheligen Hochblättern besetzt. Der Blütenstand ist ährig und kugelig bis zapfenförmig. Am oberen Ende des Blütenstandes steht ein Schopf von sterilen, laubblattartigen Brakteen.

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und dreizählig mit doppelter Blütenhülle. Die drei Kelchblätter sind frei. Jedes der drei freien Kronblätter trägt innen zwei trichterförmige, zarte Schuppen (Lupe!) und ist blau, purpurfarben oder weiß. Drei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen Fruchtknoten verwachsen.

Die Beeren, die Tragblätter der Blüten und die Blütenstandsachse verwachsen zu einem fleischigen Fruchtstand. Die kleinen (2 bis 3 Millimeter), dicken, eiförmigen Samen sind braun bis schwarz und haben keine Anhängsel.

Ökologie Kulturananas bilden keine Samen und werden daher als kenokarp (leerfrüchtig) bezeichnet. Die Vermehrung erfolgt deshalb vegetativ über Kindel oder Bewurzelung der Blattschöpfe.

Etymologie Der Name Ananas stammt aus dem Guaraní ananá, naná, nanas mit der Bedeutung Ananas. Die erste schriftliche Überlieferung stammt von André Thevenet 1555.

In Österreich und im süddeutschen Raum werden bzw. wurden die besonders großfruchtigen Zuchtformen der Erdbeere auch als „Ananas“ bezeichnet, um sie von der Walderdbeere zu unterscheiden, während die richtige Ananas im Zuge dessen als Hawaii-Ananas bezeichnet wird.

Systematik mini|Ananas ‘Variegatus’ mit dekorativen Blättern mini|Fruchtstand von Ananas ananassoides var. nanus Taxonomie Die Gattung Ananas wurde 1754 durch Philip Miller in The Gardeners Dictionary...Abridged...fourth edition no. 1. aufgestellt. Ein Synonym für Ananas ist Ananassa

Botanische Geschichte Wie u. a. die Bromelienliste des Bromelienspezialisten Harry E. Luther (The Marie Selby Botanical Gardens Sarasota, Florida, USA) von 2008 zeigt, gab es in der Gattung Ananas (vgl. Smith und Downs, 1979) klassischerweise aufgrund ihrer Morphologie in bis zu acht Arten und zwei Varietäten, darunter: Ananas ananassoides , Ananas bracteatus (mit der Varietät Ananas bracteatus var. tricolor ), Ananas comosus (mit der Varietät Ananas comosus var. variegatus ), Ananas fritzmuelleri , Ananas lucidus , Ananas nanus , Ananas parguazensis . Die Gattung Ananas bildete seitdem gemäß beschriebener systematischen Einteilung dabei eine eigene Gattung ohne die Gattung Pseudananas mit Pseudananas sagenarius als einzige Art. Die Art Ananas monstrosus, die bei Givnish und Downs (1979) noch vertreten war, wurde bereits durch Leal (1990) ausgeschlossen.

Problematik der Kulturpflanze und unterschiedliche Ansätze Coppens d’Eeckenbrugge und Leal interpretierten bereits 2003 in The pineapple: botany, production and uses aus ihren Ergebnissen heraus, dass die Gattungen Ananas und Pseudananas zu einer einzigen zusammengelegt werden müssten und so ergaben sich erste Ansätze, die klassische Einteilung nach Smith und Downs (1979) zu modifizieren. Zum Ziel der Änderungen gehörten die Umbenennung von Pseudananas sagenarius in Ananas macrodontes, von Ananas ananassoides und Ananas nanus jeweils in Ananas comosus var. ananassoides, von Ananas lucidus in Ananas comosus var. erectifolius, von Ananas parguazensis in Ananas comosus var. parguazensis sowie von Ananas comosus in Ananas comosus var. comosus. Der o. g. ungültige Status von Ananas monstrosus gemäß Leal (1990) wurde akzeptiert, sodass diese Art als Sorte von Ananas comosus bezeichnet wurde.

Nachdem die Arbeitsgruppe Butcher und Gouda (2014) den damals aktuellen Forschungsstand hinsichtlich der Gattung Ananas betrachtet hatten, schlussfolgerten sie, dass alle botanischen Beschreibungen der Ananas-Arten mithilfe von Exemplaren kultivierter Pflanzen durchgeführt worden waren. Eine Ausnahme vermuteten sie dabei bei den Arten A. ananassoides, Ananas parguazensis sowie Ananas macrodontes, da diese anders als beispielsweise Ananas comosus nicht auf Grund ihrer essbaren Früchte kultiviert und so wohl kaum eine Selektion unterlägen, die sie von ihren natürlichen Populationen unterscheiden würde. Butcher und Gouda (2014) bezeichneten die Art Ananas comosus als eine durch Menschen erzeugte Kulturform, die deshalb nach der Nomenklatur der ICNCP (International Code for Nomenclature of Cultivated plants) nicht die Typusart sein könne. Deshalb schlug die Forschergruppe vor, Ananas ananassoides als Typusart festzulegen, da sie die erstbeschriebene Art sei. Es wurde ein neuer Typus (Lectotypus) festgelegt. Die beiden anderen Arten Ananas sagenaria und Ananas parguazensis wurden später 1830 bzw. 1968 erstbeschrieben.

Alle anderen früheren Arten sollen gemäß Butcher und Gouda (2014) Kulturformen sein und müssten entsprechend unter Berücksichtigung des ICNCP unter dem neuen Status einer pflanzlichen Sorte neu benannt werden (Ananas ‘Bracteatus’, Ananas ‘Comosus’, Ananas ‘Erectifolius’, Ananas ‘Lucidus’ etc.).

Die interspezifische sowie infraspezifische Verwandtschaft in der Gattung Ananas innerhalb der Bromelioideae ist noch ein nicht abgeschlossener Gegenstand der Forschung, bei der nicht nur morphologische, sondern auch molekulare und molekulargenetische Merkmale zu Rate gezogen werden. Je nach Autor gibt es in der Gattung Ananas bis zu acht Arten und die nähere Verwandtschaft der Ananas-Arten und Pseudananas sagenarius unterstützt, gemäß Butcher und Gouda 2014 werden neben Ananas comosus nur drei Ananas-Arten wie folgt anerkannt:

Akzeptierte Arten, Subtaxa und ihre Verbreitung In der Wildnis kommen nur drei Arten und zwei Subtaxa vor: Ananas ananassoides (Syn.: Acanthostachys ananassoides ): Es gibt zwei Varietäten: Ananas ananassoides var. ananassoides (Syn.: Ananas microstachys var. typicus , Ananas microstachys , Ananas sativus var. microstachys , Ananas comosus sensu non , Ananas guaraniticus , Ananas comosus var. microstachys , Ananas ananassoides var. typicus ): Sie gedeiht auf trockeneren und offeneren Standorten als die anderen Taxa in Höhenlagen 0 bis zu 1000 Metern in Paraguay, Brasilien und Argentinien. Ananas ananassoides var. nanus (Syn.: Ananas nanus ): Sie gedeiht in mehr oder weniger offenen Wäldern in Höhenlagen bis zu 1000 Metern in Suriname und Brasilien. Ananas parguazensis (Syn.: Ananas ananassoides sensu non ): Sie gedeiht auf relativ feuchten Standorten in Höhenlagen 45 bis zu 1200 Metern in Kolumbien, Venezuela, Guyana, Suriname und Brasilien. Ananas sagenaria (Syn.: Ananas macrodontes , Pseudananas sagenarius ): Sie gedeiht in Waldgebieten im Halbschatten in Paraguay, Brasilien und Argentinien.

Kulturpflanzen und ihre Nutzung In Kultur werden einige Sorten der Art Ananas (Ananas ‘Comosus’) in fast allen tropischen Gebieten der Erde angebaut. Sie ist eine wichtige Obstpflanze (siehe dort). Daneben wird sie sowie andere Arten und deren Sorten aufgrund ihrer Laubblätter und dekorativen Früchte als Zierpflanzen kultiviert. Die Laubblätter der Ananas 'Lucidus' sind am Rand nicht bewehrt und sie werden als Faserpflanze genutzt.

Belege und weiterführende Informationen Literatur Werner Rauh: Bromelien – Tillandsien und andere kulturwürdige Bromelien. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1990, ISBN 3-8001-6371-3. Freddy Leal, George Coppens d’Eeckenbrugge, Bruce K. Holst: Taxonomy of the genera Ananas and Pseudananas – a historical review. In: Selbyana, Volume 19, Issue 2, 1998, S. 227–235. Wei-liang Ma, Bruce Bartholomew: Die Gattung Ananas Miller. S. 18 – textgleich online wie gedrucktes Werk. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China, Volume 24: Flagellariaceae through Marantaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2000, S. 18, ISBN 0-915279-83-5, (Online PDF; 30,5 kB). (Abschnitt Beschreibung) M. F. Duval, G. S. C. Buso, F. R. Ferreira, J. L. Noyer, George Coppens d’Eeckenbrugge, P. Hamon, M. E. Ferreira: Relationships in Ananas and other related genera using chloroplast DNA restriction site variation. In: Genome, Volume 46, 2003, S. 990–1004. doi:10.1139/G03-074 George Coppens d’Eeckenbrugge, Freddy Leal: Morphology, Anatomy and Taxonomy. In: Bartholomew et al.: The Pineapple: Botany, Production and Uses, 2003, S. 13–32. Derek Butcher, Eric J. Gouda: Most Ananas are Cultivars. In: Bromeliaceae, Journal of the Bromeliad Society of Queensland Inc., Volume 48, Issue 1, 2014, S. 14–16.

Einzelnachweise Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Birkhäuser, Basel/Boston/Berlin 1996, ISBN 3-7643-2390-6 (Nachdruck ISBN 3-937872-16-7). Harry E. Luther: An Alphabetical List of Bromeliad Binomials, 2008 in The Marie Selby Botanical Gardens, Sarasota, Florida, USA. Veröffentlicht durch The Bromeliad Society International. Derek Butcher, Eric J. Gouda: Most Ananas are Cultivars. In: Bromeliaceae, Journal of the Bromeliad Society of Queensland Inc. Volume 48, Issue 1, 2014, S. 14–16.

Eric J. Gouda, Derek Butcher, Kees Gouda: Encyclopaedia of Bromeliads, Version 5, 2023. In „Species Index“ auf Ananas, anschließend auf die Art/Unterart klicken. zuletzt eingesehen am 27. November 2024

Weblinks

Kategorie:Bromeliengewächse Kategorie:Bromeliaceae