Der Eisenzecher Zug (auch „Eisenzeche“; auf Platt „ahl Isezeäche“) war eine Verbundgrube mit gleichnamiger Hauptgrube im Oberen Kesselborntal südwestlich von Eiserfeld, einem Stadtteil von Siegen im Siegerland. Mit weit über 20 angeschlossenen Gruben war er einer der größten Verbände und die tiefste Grube im Siegerländer Erzrevier. Johann Philipp Becher nannte die damalige Eisenzeche im Jahr 1789 auch „Königin der Eisensteingruben“.Johann Philipp Becher: Mineralogische Beschreibung der Oranien-Nassauischen Lande, Marburg 1789, S. 392

Der Eisenzecher Zug gilt als Typlokalität für das in dieser Zeche erstmals entdeckte Mineral Lepidokrokit.

Gangmittel

Der Eisenzecher Gangzug hatte eine Länge von ca. 2 km (PDF; 243 kB) und zog sich von Nordosten nach Südwesten. Neben den Gruben der späteren Verbundgrube Eisenzecher Zug bauten auch andere Betriebe auf dem Gangzug, die größte unter ihnen war die spätere Betriebsabteilung Concordia bei Dermbach.

Das Gangmittel Eisenzeche hatte im Eisenzecher Stollen eine abbauwürdige Länge von 258 m und war 8–18 m mächtig. Im Reinhold Forster Erbstollen verringerte sich die Länge zwar auf 124 m, dafür nahm die Mächtigkeit auf 16–24 m zu. Das Nöllcher Mittel war 70 m lang und 1–2 m mächtig. Der Gang Kirschenbaum führte mit 106 m Länge und bis zu 5 m Mächtigkeit den reinsten Spateisenstein.

Das Grauebacher Gangmittel hatte eine Länge von 240 m und war 4,8 m mächtig. In den oberen Teufen kam Kupfererz vor. Der Gang Schlänger & Eichert war von den Einzelgruben der kleinste, nur noch unterboten vom Nöllcher Gang. Die Länge betrug 100 m, die Mächtigkeit 2,75 m, auch hier kam in den oberen Teufen Kupfererz vor. Das Gangmittel der Grube Scheuer war 220 m lang und 2,5 m mächtig.T. Hundt, G. Gerlach, F. Roth, W. Schmidt: Beschreibung der Bergreviere Siegen I, Siegen II, Burbach & Müsen; Bonn 1887

In 150–300 m Teufe hatten die Mittel eine Gangfläche von 4325 m². Diese vergrößerte sich bis in 500–550 m Teufe auf knapp 8000 m², in 790 m verringerte sie sich wieder auf 1000 m² Gangfläche. In der Teufe waren die Mittel im Durchschnitt nur noch 2–6 m, an einigen Stellen bis zu 8 m mächtig.

Gelände und Übertageanlagen mini|Eine Ansichtskarte der Grube aus dem Jahr 1912 mini|Eine Ansichtskarte der Grube mit einer Szene unter Tage, 1910 450px|links|Übertageanlagen In den 1880er Jahren entstanden die ersten zentralen Tagesanlagen im Kesselborntal nach der Gründung der Tiefbaugesellschaft und dem Abteufen des Kaiser-Wilhelm-Schachtes 1881. Bis in die Jahre um 1950 veränderten sich diese Anlagen ständig. Nordwestlich des Schachtes stand das Fördermaschinenhaus, dem sich daneben südlich das Zechenhaus anschloss. Nördlich des Fördergerüstes, das 1910 durch ein neues ersetzt wurde, war die Werksküche in einem kleineren Gebäude untergebracht. Südöstlich des Schachtes war das Kesselhaus. Der 1894 abgeteufte Neue Schacht befand sich im selben Gebäude südwestlich des ersten Schachtes, sein Fördergerüst war um 90° gedreht, so dass sich das Fördermaschinenhaus südwestlich anschloss. Direkt neben dem Gerüst standen Maschinen- und Traforaum sowie etwas weiter entfernt zwei Kühltürme. Auch das Gerüst des Neuen Schachtes wurde 1910 durch ein neues ersetzt. Nördlich, in der Ecke zwischen dem ersten Fördermaschinenhaus und der Werksküche war das Büro untergebracht, nordwestlich davon standen die Gebäude der Werkstätten. In der Reihe befanden sich Bohrschmiede, Schmiede, Schlosserei, Elektrowerkstatt und Schreinerei. Östlich der Werkstätten wurde später eine modernere Rohspataufbereitungsanlage erbaut, die 1953 bei einem Großbrand vernichtet wurde. Zwischen der Anlage und dem Fördergerüst des Kaiser-Wilhelm-Schachtes verlief ein Band auf Stützen zur Beförderung des Erzes vom Schacht in die Aufbereitung. Südöstlich davon befand sich die Röstofenanlage und darunter die alte Aufbereitungsanlage der Grube. Südlich dieser Anlagen war der Gleisanschluss an die Eisern-Siegener Eisenbahn und die Beladung der Loks angelegt. Von dem Gelände führte eine Bremsbahn hinauf zum Schacht. An dessen unterem Ende war ein Stollen, der unterirdisch bis an den Schacht führte. Rechts und links des Bahnanschlusses standen Kalk- und Holzlager sowie ein Zimmerschuppen und eine Waage. Die Gleise verliefen am rechten Hang durch das Kesselborntal, dann in zwei Spitzkehren in die Talmulde herab und von da an in Richtung Eiserfeld selbst.

Geschichte

Anfänge des Bergbaus auf dem Gangzug Rund um das Tal erstrecken sich Spuren des alten Bergbaus im Gebiet in Form von Pingen, Pingenzügen, Halden und alten Stollen. Die ältesten Erwähnungen von Gruben auf dem Eisenzecher Gangzug gehen auf das Jahr 1465 zurück, der ersten Erwähnung der Gruben Eisenzeche und Kirschenbaum. In einem Verzeichnis von Zehnteinnahmen des Siegener Bergmeisters Heintze Brüne stehen die Gruben „uff der Isenzechen“, „uff dem obersten“ und „uff deme rechten Kirßbaum“. Daneben werden „Graenbach“ und eine außer Betrieb stehende („wuste“) Grube „zween Kirßbom“. Von den über 40 damals existenten Bergwerken in der Region befanden sich neun auf dem Eisenzecher Gangzug.

Einzelgruben Nachfolgend sollen die Haupt- bzw. die größten Gruben des Eisenzecher Zugs genauer beschrieben werden.

Eisenzeche Jahr Fördermenge 1767VDI-Z: Zeitschrift für die Entwicklung, Konstruktion, Produktion, Band 19, 1875 1.429 t 1768 1.292 t 1769 1.365 t 1770 1.229 t 1787 1.337 t 1853Zeitschrift für das Berg-, Hütten und Salinenwesen in dem preußischen Staate, Berlin; Ausgabe 1854 2.276 t Jahr Fördermenge 1863Hans Dietrich Gleichmann: Der Füsseberg – Die große Zeit des Siegerländer Eisenerzbergbaus, Bertelsmann Fachzeitschriften-Verlag Gütersloh, 1994. 8.019 t 1870Zeitschrift für das Berg-, Hütten und Salinenwesen in dem preußischen Staate, Berlin; Ausgabe 1871 16.294 t 1873 33.508 t 1875 33.662 t 1885 26.167 t 1894Zeitschrift für das Berg-, Hütten und Salinenwesen in dem preußischen Staate, Berlin; Ausgabe 1895 62.888 t

1465 wurde die Grube als „uff der Isenzechen“ erstmals erwähnt. 1495 wurde die Grube abermals erwähnt. Um 1600 war die Förderung der Grube mit Kirschenbaum zusammen fünfmal so hoch wie die der Grube Stahlberg bei Müsen, gefördert wurden ca. 10–15 Wagen Spateisenstein, dies entsprach ca. 20 t Erz. Im 16. Jahrhundert wurde der Obere Eisenzecher Stollen angelegt, 1769 folgte der Tiefe Eisenzecher Stollen. Der Stollen wurde gemeinschaftlich durch die Gruben Eisenzeche, Kirschenbaum und Kalteborn getrieben und erreichte 1789 335 m Länge. Die Teufe der Grube betrug im selben Jahr 75 m. 1856 wurde der Eisenzecher Gang angehauen. Die Kosten verteilten sich zu 5/8 auf die Grube Eisenzeche und zu 3/8 auf die Gruben Kirschenbaum und Kalteborn. Seine Gesamtlänge betrug 1465 m. Zwischen 1730 und 1740 entstand ein Streit zwischen den Gruben Eisenzeche und Nöllchen, der 1740 damit endete, dass Nöllchen aufgekauft wurde. Zwischen 1751 und 1784 wurden insgesamt ca. 55.000 t Eisenstein gefördert. Ab 1794 wurde mit Hunden durch den Oberen Stollen gefördert. Um 1800 arbeiteten 14 Bergmänner in der Grube. 1848 wurde am Tiefen Stollen ein Zechenhaus und ein Fahrweg zur Verbindungsstraße Eiserfeld–Neunkirchen gebaut.

Während die Fördermengen (siehe Tabelle) im 18. Jahrhundert noch bei maximal 1.400 t lagen, stieg die Förderung ab 1850 im Zuge der Industrialisierung innerhalb weniger Jahre stark an und lag im Jahr der Konsolidation zu Eisenzecher Zug bei 62.888 t.

Kirschenbaum miniatur|Der Reinhold Forster Erbstollen diente den Eisenzecher Gruben als Erb- und zeitweise auch als Förderstollen.

Die Grube Kirschenbaum wurde 1465 erstmals erwähnt und war nach der Eisenzeche die zweitgrößte Grube im Verbund. 1495 ist in einer Urkunde die Rede von drei Gruben auf dem Kirschenbaumer Gang. 1557 wurde die Förderung eingestellt. Die Gruben Untere Kirschenbaum und Mittlere Kirschenbaum nahmen im Jahr 1571 den Betrieb wieder auf. Bereits im 16. Jahrhundert wurden wöchentlich 20–25 t Eisenerz gefördert. Dies entsprach ca. 1.000 t jährlich. 1863 betrug die Förderung 12.100 t. Sie fiel 1870 auf 7.600 t und stieg bis 1885 nur langsam wieder auf 8.811 t an. danach wurde wieder stärker gefördert, 1894 waren es 50.688 t Eisenstein.

Grauebach 1465 wurde die Grube Grauebach erstmals erwähnt. Der Abbau dürfte allerdings älter sein. 1730 wurde die Förderung nach einer Stilllegung wieder aufgenommen, in diesem Jahr wurde der Obere Grauebacher Stollen angelegt. 1797 wurde ebenfalls neu gemutet. Die Förderung steigerte sich ab den 1850ern ähnlich wie bei den anderen Gruben um das drei- bis vierfache innerhalb weniger Jahre. Im Jahr 1863 wurden 5.654 t Eisenerz gefördert, während es 1857 nur 2.364 t waren. Die Grube Grauebach war die drittgrößte Grube am Eisenzecher Gangzug und förderte im Jahr der Konsolidation 1894 bereits 38.308 t.

Scheuer und Schlänger & Eichert Die Grube Scheuer wurde ebenfalls 1466 erwähnt, während die Grube Schlänger und Eichert erst 1619 erstmals erwähnt wurde. Auch hier wird der Abbau älter sein. Der Eicherter Stollen wurde Mitte des 19. Jahrhunderts stillgelegt. 1812 wurde der Tiefe Stollen der Grube angelegt. Ähnlich der Grube Scheuer wurde die Förderung erst in den frühen 60ern des 19. Jahrhunderts gesteigert. Die Förderung beider Gruben 1869 betrug 7.022 t bei Scheuer bzw. 5.506 t Eisenerz bei Schlänger & Eichert.Zeitschrift für das Berg-, Hütten und Salinenwesen in dem preußischen Staate, Berlin; Ausgabe 1870

Tiefbaugesellschaft miniatur|links|Verschiedene Handwerker der Grube Eisenzecher Zug um 1900

1865 kauften die Gruben Eisenzeche, Kirschenbaum, Schlänger & Eichert, Scheuer, Kalteborn, Bergmannslust, Feuer und Flamme, Hohe Pfannenberger Vereinigung, Verweide, Arminius, Freiberg, Römel und Harteborn den am 21. März 1805 in Eiserfeld angehauenen Reinhold-Forster-Erbstollen, der mit einer Gesamtlänge (inkl. Nebenstollen) von 7597,50 m den Erbstollen der Gruben am Eisenzecher Gangzug bildete. Grube Fördermenge 1885 Eisenzeche 26.167 t Grauebach 11.789 t Kirschenbaum 8.811 t Scheuer 6.368 t Schlänger & Eichert 3.299 t Gesamt 56.434 t

Am 21. September 1880 gründeten die Gruben Eisenzeche, Kirschenbaum, Grauebach, Scheuer und Schlänger & Eichert die Eisenzecher Tiefbaugesellschaft, um gemeinsam wirtschaftlicher Tiefbau betreiben zu können. Der Kaiserschacht wurde ab 1881 im Grubenfeld Kirschenbaum abgeteuft. Im April 1883 erreichte er bereits 137 m Teufe, im Dezember desselben Jahres wurde der Reinhold Forster Erbstollen in 187 m Teufe durchschlagen. Nachdem im Januar 1885 der Grauebacher und im März der Kirschenbaumer Gang erreicht wurden, erfolgte die erste Seilfahrt am 26. September desselben Jahres. 1900 wurde die 250-m-Sohle und 1905 die 450-m-Sohle angehauen. Später wurden 790 m Teufe erreicht. In 450 m Teufe wurde eine Strecke nach Findling getrieben.

1883 wurde die Eisern-Siegener Eisenbahn gebaut, durch die die Grube durch den Eiserfelder Bahnhof angeschlossen war. Der zweite Schacht wurde ein Blindschacht, abgeteuft wurde er ab 8. Oktober 1882 im Feld Scheuer. Ende 1884 erreichte er die 1. Sohle und im April 1885 den Scheuer-Gang. Insgesamt gab es elf weitere Blindschächte und ein Gesenk. Der dritte Schacht folgte im Jahr 1894 als Blindschacht mit 670 m Teufe. Ein abgesetzter Hauptschacht von 670–1190 m Teufe unter dem Reinhold-Forster-Erbstollen erreichte 1950 seine gesamte Teufe. In folgenden Jahren wurden die Sohlen angefahren: miniatur|Grubenanlagen um 1905 Im dritten Schacht 1897: 150-m-Sohle 1900: 250-m-Sohle 1903: 350-m-Sohle 1904: 450-m-Sohle 1917: 670-m-SohleIm abgesetzten Hauptschacht 1927: 730-m-Sohle 1929: 850-m-Sohle 1930: 910-m-Sohle 1937: 1030-m-Sohle 1950: 1130-m-Sohle