mini|Blick von der Hauptstraße zum Bahnhof
Trossingen ist eine Kleinstadt auf der Baar in Baden-Württemberg. Die zweitgrößte Stadt des Landkreises Tuttlingen liegt inmitten der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg. Die Hochschulstadt Trossingen ist Sitz einer staatlichen Musikhochschule, einer traditionsreichen Musikinstrumentenindustrie sowie verschiedener überregionaler musikalischer Einrichtungen und mehrerer Verbände aus dem Bereich Musik. Trossingen bezeichnet sich daher auch als Musikstadt.
Geographie Geographische Lage Trossingen liegt in 660 bis am nördlichen Rand der Baar-Hochebene. Der Stadtteil Trossingen selbst liegt am Trosselbach, der in den Hagenbach und weiter in die Prim fließt. Der südlich gelegene Stadtteil Schura wird von der europäischen Wasserscheide durchzogen und liegt am Schönbach, der über die Elta in die Donau entwässert. Der Neckar fließt nur wenige Kilometer westlich an Trossingen vorbei, die Donau etwa 20 Kilometer südlich.
Der Hohenlupfen (zwischen Talheim und Durchhausen) und Hohenkarpfen (südlich von Gunningen und Hausen ob Verena) sind zwei markante Berge in der näheren Umgebung. Etwa 15 Kilometer westlich beginnt der Schwarzwald, etwa zehn Kilometer östlich die Schwäbische Alb mit dem Klippeneck.Siehe https://www.luftlinie.org/Trossingen/Klippeneck Donaueschingen ist rund 20 Kilometer, der Bodensee etwa 40 Kilometer entfernt.Siehe https://www.luftlinie.org/Schura,Trossingen,Baden-W%C3%BCrttemberg,DEU/Ludwigshafen,Bodman-Ludwigshafen,Baden-W%C3%BCrttemberg,DEU Die nächste größere Stadt Villingen-Schwenningen liegt etwa 13 Kilometer westlich von Trossingen.
Nachbargemeinden Mit den Gemeinden Durchhausen, Gunningen und Talheim ist Trossingen eine vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen. Tuningen (Schwarzwald-Baar-Kreis), Weigheim (Stadt Villingen-Schwenningen), Deißlingen (Kreis Rottweil), Aixheim (Gemeinde Aldingen) und Aldingen sind weitere Nachbargemeinden, für die die Stadt als Unterzentrum verschiedene Aufgaben wahrnimmt.
Stadtgliederung Trossingen besteht aus den beiden Stadtteilen Trossingen und Schura. Die Stadtteile sind räumlich identisch mit den früheren Gemeinden gleichen Namens und bilden Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung. Im Stadtteil Schura ist eine Ortschaft im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzendem eingerichtet. (PDF-Datei; 51 kB)
Zum Stadtteil Schura gehört das Dorf Schura. Zum Stadtteil Trossingen gehören die Stadt Trossingen, die Höfe Bruderhalde, Eschbach, Hirschweiden, Kleiner Heuberg, Löhlebühl und Rennplatz sowie die Häuser Deibhalde und Heimgarten. In Trossingen aufgegangen sind die Ortschaften Niederhofen und Sontheim. Außerdem liegen in Trossingen die Wüstungen Hangendenhausen, Schindlingen und Talhausen.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2, S. 664–666.
In den 1990er Jahren wurde auf einer Anhöhe im Südwesten des Stadtteils Trossingen das Neubaugebiet Gölten gebaut. Es befindet sich nur etwa 500 Meter nördlich von Schura.
Klima Das Klima wird von den Einheimischen als oft rau und trocken charakterisiert. Vom Südwesten her wird das Klima vom eher kalten und trockenen Klima der Baar beeinflusst, vom Norden und Osten vom rauen Klima der Schwäbischen Alb. Die mittlere Niederschlagsmenge liegt bei 800 bis 900 mm, die mittlere Jahrestemperatur bei 8 °C, der Wind weht vorwiegend von West bis Süd. „Schwületage“ sind eher selten: Vier bis sechs Tage sind normal, in der Rheinebene sind es 14 Tage. Frosttage sind recht häufig: zwischen 130 und 150 Tage im Jahr (zum Vergleich: Freiburg durchschnittlich 49, Stuttgart 88).
Trossingen liegt in der Nähe eines der sonnenreichsten Orte Deutschlands: Das wenige Kilometer entfernte Klippeneck hat durchschnittlich etwa 1915 Sonnenstunden im Jahr.
Schutzgebiete
In Trossingen liegen die Landschaftsschutzgebiete Trosselbachtal und Sommerschafweide mit Baum- und Heckenbeständen südlich der Straße Trossingen-Aldingen im Gewand Auwasen. Außerdem liegt südöstlich der Stadt ein kleines Teilgebiet des FFH-Gebiets Baar, Eschach und Südostschwarzwald. Südwestlich von Schura beginnt das Vogelschutzgebiet Baar.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte Trossingen als Alamannendorf mini|„Trossinger Leier“, gefunden in alamannischer Grabstätte Trossingen befindet sich auf einem Gebiet, das bis zum Jahre 73 n. Chr. von Kelten besiedelt wurde. Dann stießen römische Truppen in die Region vor und errichteten auf Trossinger Gemarkung mehrere Gutshöfe. Als die Alamannen um 260 den Limes durchbrachen, wurde das Gebiet nach 200 Jahren römischer Herrschaft von diesen aufgegeben und von den Alamannen übernommen. Es handelt sich um eines der Kerngebiete des alamannischen Herzogtums, das 748 dem Machtbereich der fränkischen Könige angegliedert wurde. Bereits 1873 wurden erste alamannische Gräber mit gut erhaltenen Beigaben aufgedeckt. Im Jahre 2001 wurden erneut Gräber auf der Löhr entdeckt, darunter das mittlerweile in Fachkreisen berühmte Trossinger Leiergrab.Alamannen im Blick. Ausstellung im Museum. In: Südkurier. 14. Juli 2008.
Mittelalter Erstmals erwähnt wurde der Ort im Jahre 797 in einer Urkunde des Klosters St. Gallen. Von dort aus wurde Trossingen vermutlich auch im 8. Jh. christlich missioniert. Im 9. Jahrhundert entstanden die Siedlungen Sontheim, T(h)alhausen und Hangendenhausen, die später wieder abgingen. Im späten Mittelalter wechselte die Herrschaft mehrmals, wie Verträge zwischen dem Kloster Reichenau und der Reichsstadt Rottweil belegen. Aus dem 13. Jahrhundert berichten Geschichtsbücher von den Maiern von Trossingen, die als ritterliche Dienstleute des Klosters arbeiteten, bis sich Mitte des 15. Jahrhunderts ihre wirtschaftliche Grundlage immer weiter verschlechterte und viele (um ihren Lebensstandard besorgt) Schulden machten oder Besitz verkauften. Im Jahre 1444 kam Trossingen zum Stabsamt Tuttlingen und damit zur Grafschaft Württemberg.
Frühe Neuzeit Im Jahre 1534 wurde in Trossingen, wie im ganzen Herzogtum Württemberg, die Reformation eingeführt. Der neue Glaube breitete sich unter Mitwirkung des Trossinger Reformators Johannes Spreter rasch aus. Der Ort war bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts rein evangelisch. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Trossingen 1633 in zwei Raubzügen der Villinger völlig niedergebrannt. Die Einwohnerschaft wurde zerstreut und viele Menschen starben in diesen Jahren. Um 1648 hatte Trossingen wieder 150 Einwohner und bekam 1651 einen eigenen Pfarrer, nachdem es zuvor seit 1640 Filiale von Aldingen war.
Auch in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts bis 1714 wurden die Trossinger leidgeprüft, als in der Zeit des Pfälzischen und des Spanischen Erbfolgekriegs immer wieder Durchmärsche französischer, österreichischer und bayrischer Truppen mit Plünderungen stattfanden. 1743 bis 1746 wurde eine neue evangelische Kirche gebaut, die erst seit 1933 „Martin-Luther-Kirche“ genannt wird. War Trossingen anfangs rein bäuerlich geprägt, so gab es bereits im 18. Jahrhundert auch Handwerker wie Töpfer, Schuhmacher, Schreiner und Schneider.
Bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im 1806 gegründeten Königreich Württemberg wurde Trossingen und der Nachbarort Schura dem Oberamt Tuttlingen zugeordnet.
Die Entwicklung zur Musikstadt mini|Die Mundharmonika machte Trossingen zur Musikstadt Im Jahre 1827 brachte der Nachbar („das Uhrenmännle“) von Christian Messner (auch „Zeug-Christe“ genannt, weil dieser Zeugmacher war) die erste Mundharmonika von Wien nach Trossingen. Christian Messner baute die Harmonika 1830 nach und wurde der erste „Bläslemacher“. Er gilt deshalb als Begründer der Trossinger Harmonika-Industrie. 1857 gründete Matthias Hohner sein eigenes Unternehmen, das später als Matth. Hohner AG weltbekannt wurde. Neben Messner und Hohner gründeten auch Andreas Koch, Christian Weiß 1855 und einige mehr weitere Harmonikafabriken, die Jahrzehnte später von Hohner übernommen wurden. Ab den 1880er Jahren setzte eine rasante wirtschaftliche Entwicklung ein. Trossingen wurde weltweit Mittelpunkt der Harmonika-Industrie.
Mit der als Privatbahn betriebenen Trossinger Eisenbahn erhielt die Stadt 1896 über eine vier Kilometer lange elektrifizierte Trasse von der Innenstadt zum sogenannten Staatsbahnhof direkten Zugang zum Streckennetz der Württembergischen Eisenbahn.
Frühes 20. Jahrhundert mini|Trossingen 1903 Erstmals 1911 stieß man bei Grabungsarbeiten auf Knochen des etwa 200 Millionen Jahre alten Plateosaurus; bis 1932 wurden hier die meisten erhaltenen Skelette der Art gefunden. Im Jahre 1912 gründete der spätere NSDAP-Ortsgruppenleiter Fritz Kiehn die „Efka-Werke“, die vor allem Zigarettenpapier produzierten und sich zum zweiten großen Arbeitgeber neben der Matth. Hohner AG entwickelten. 1927, anlässlich der 100-Jahr-Feier der Harmonika-Industrie, erfolgte die Verleihung der Stadtrechte. Trossingen hatte zu dieser Zeit knapp 6000 Einwohner, die Harmonika-Industrie hatte ihre Blüte erreicht und beschäftigte vor dem Zweiten Weltkrieg rund 5000 Arbeiter in Trossingen und in einem ausgedehnten Filialsystem auf der Baar und dem Heuberg. Die Harmonika-Industrie dominierte das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben der Stadt; über viele Jahrzehnte hinweg konnten im Rathaus kaum einschneidende Entscheidungen ohne Hohners Zustimmung gefällt werden. In der Blütezeit der Harmonikafertigung wurden über 30 Millionen Mundharmonikas und 30.000 Akkordeons gefertigt.
Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg wurde Trossingen 1938 dem Landkreis Tuttlingen zugeschlagen.
Auch Trossingen hatte unter dem Zweiten Weltkrieg stark zu leiden. Über 400 gefallene und vermisste Soldaten sind zu beklagen. Außerdem gab es 1945 im Februar und im April Luftangriffe. Der Einmarsch der französischen Truppen erfolgte am 21. April 1945.
Soweit bekannt gab es vor 1945 in Trossingen keine jüdischen Einwohner.
Seit Oktober 2021 wurden insgesamt zehn Stolpersteine verlegt. Damit wird derer gedacht, die ab 1940 im Rahmen der Aktion T4 in der Tötungsanstalt Grafeneck ermordet wurden. Es wird recherchiert, ob es weitere NS-Opfer aus Trossingen gab.Auch Trossingen verlegt Stolpersteine, Heuberger Bote, 23. September 2021Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 20. September 2021 auf trossingen.deKatharina Schaub, Stolpersteine verlegt: Diese Schicksale stecken dahinter, schwaebische.de, 23. Oktober 2024
Nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 wurde Trossingen Teil der Französischen Besatzungszone und erfuhr somit 1947 die Zuordnung zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Land Baden-Württemberg aufging.
Die schlechte Ernährungslage und die strengen Nachkriegswinter machten den Trossingern besonders zu schaffen. Vor diesem Hintergrund stellte die Aufnahme von rund 1800 Vertriebenen und Flüchtlingen aus dem deutschen Osten eine besondere Herausforderung dar. In den folgenden Jahren entstanden rund um die Stadt mehrere Neubaugebiete.
mini|Die Musikhochschule heute