Amherst (Aussprache: ) ist eine Stadt in den Vereinigten Staaten von Amerika im Hampshire County im Westen des US-Bundesstaates Massachusetts. Das U.S. Census Bureau hat bei der Volkszählung 2020 eine Einwohnerzahl von 39.263 ermittelt.
Die Stadt liegt am Talrand des Connecticut River (Pioneer Valley). Sie war von 1950 (10.856 Einwohner) bis 1990 auf über 35.000 Einwohner angewachsen. Die Stadt gilt, wie auch das Pioneer Valley allgemein („Happy Valley“), im Vergleich zu anderen Gegenden der USA als überwiegend progressiv oder politisch links (englisch: liberal), wofür sie besonders von Kritikern manchmal mit dem Spitznamen „Volksrepublik Amherst“ (People’s Republic of Amherst) bezeichnet wird.Yes to ‘The Vagina Monologues’ But No to ‘West Side Story’. Teil-Mitschrift der Fernsehshow The O’Reilly Factor vom 14. Januar 2003. auf foxnews.com (abgerufen am 23. Juni 2010)
Die Stadt ist vor allem bekannt als Standort dreier renommierter Hochschulen – der University of Massachusetts Amherst, des Amherst College und des Hampshire College – und als Geburts-, Wohn- und Sterbeort der amerikanischen Dichterin Emily Dickinson (1830–1886).
Geschichte Geschichte bis 1800 Bis ins 17. Jahrhundert war das spätere Amherst Jagdgebiet des indianischen Stammes Norwottuck. Er schlug in dieser Gegend vor allem sein Winterquartier auf, da der Wald reichlich Rinde zum Bau von Unterkünften und die Bäume und der unebene Grund mehr Schutz vor dem Wetter boten als die nahe Ebene des Connecticut-River-Tals. Die Norwottuck-Indianer sammelten hier in der Jahreszeit, die sich nicht für den Feldbau eignete, Früchte und Nüsse und gingen auf die Jagd. Tauschhandel wurde mit den Stämmen im Süden und Norden betrieben. Auf den Seiten des Massachusetts Center for Renaissance Studies der University of Massachusetts Amherst (englisch) Abgerufen am 16. Oktober 2015. mini|links|hochkant=1.5|Amherst 1886 In den 1630er Jahren zogen englische Siedler den Connecticut River hinauf und ließen sich an seinen Ufern nieder. Die Indianer betrieben mit den Siedlern zunächst noch Pelzhandel. 1658 schloss der Engländer John Pynchon von Springfield mit drei Indianern, die als Anführer Umpanchla, Quonquont and Chickwolopp bezeichnet wurden, einen Kaufvertrag; gegen 400 Meter Perlenketten, einen großen Mantel und mehrere kleinere Geschenke"two Hundred fatham of Wampam & Twenty fatham, and one large Coate at Eight fatham wch Chickwollop set of, of trusts, besides severall small giftes" (sic) erhielt Pynchon demzufolge ein Gebiet, das unter anderem auch das heutige Amherst umfasste. Verhandlungsversuche der Indianer, ihre Maisfelder zu behalten, schlugen fehl: 1659 wurde im Südwesten des heutigen Amherst von Siedlern die Ortschaft Hadley gegründet, 1662 wurde das Gebiet der neugeschaffenen Hampshire County (vorher Middlesex County) untergeordnet, und bis kurz nach 1700 waren die Indianer aus dem Gebiet um Amherst vertrieben. 1703 wurde daraufhin das Siedlungsgebiet um Hadley aufgeteilt und per Lotterie in neun Ziehungen 1703 bis 1745 an erwachsene Männer und wenige Witwen vergeben. Die ersten Häuser auf dem Gelände des späteren Amherst wurden vermuten bis 1730 gebaut, 1742 wurde ein eigenes Gebäude für Zusammenkünfte der Siedler errichtet. In den 50er Jahren des 18. Jahrhunderts wurde eine vom heutigen Stadtzentrum nach Süden reichende Rasenfläche für privaten oder besonderen Gebrauch (public or particular use) reserviert, die ab dem 19. Jahrhundert für Paraden, Feierlichkeiten und Rinderschauen genutzt werden würde. (englisch; 29. September 2007). Abgerufen am 7. April 2024.
1759 wurde die ursprünglich „Hadley East“ (Ost-Hadley) oder „Third Precinct“ (dritter Bezirk) genannte Siedlung zur eigenständigen Kleinstadt erhoben und erhielt einen eigenen Namen. Benannt wurde sie nach dem damals weithin bekannten britischen Feldmarschall und späteren Lord Jeffrey Amherst; der Name wurde vom zuständigen Kolonialgouverneur bestimmt, wohingegen die damalige Bevölkerung der Stadt den indianischen Namen Norwottuck bevorzugt haben soll,Peter d'Errico: Jeffrey Amherst and Smallpox Blankets auf nativeweb.org (englisch; abgerufen am 17. September 2007) den heute noch ein Berg im Süden von Amherst trägt.
1786/1787 nahmen viele Einwohner der Stadt an Shays Aufstand teil, einem Aufstand in West-Massachusetts gegen hohe Schulden und Steuern. Ende Januar/Anfang Februar zog die Armee des Gouverneurs unter General Benjamin Lincoln durch Amherst, soll aber kaum jemand in der Stadt angetroffen haben, da die Einwohner sich großenteils den Aufständischen angeschlossen hatten. (englisch) Abgerufen am 16. Oktober 2015.
Laut einer Volkszählung lebten im Jahr 1790 bereits 1231 Menschen in Amherst, etwa gleich viele männliche und weibliche Bewohner; ein gutes Viertel der Bewohner waren Jungen bis 16 Jahre (keine gesonderten Daten für Mädchen).Amherst, Hampshire, County, MA. 1790 Census. (eigene Addition) (abgerufen am 18. September 2007)
Die Hochschulen In Amherst gibt es drei Hochschulen. Als drittältestes College von Massachusetts (nach der Harvard-Universität und dem Williams College) wurde 1821 das private Amherst College gegründet, das zu den berühmtesten Liberal-Arts-Colleges der USA zählt. Seine größtenteils durch rote Backsteinwände und weiße Tür- und Fensterrahmen gekennzeichneten Gebäude stehen unmittelbar neben dem Zentrum von Amherst.
1863 wurde die staatliche University of Massachusetts Amherst (kurz UMass Amherst) als Agrarhochschule ins Leben gerufen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem allgemeinen College wurde und 1947 ihren heutigen Namen erhielt. Sie ist heute sowohl von ihren Studentenzahlen als auch ihren Bauten und ihrer Grundfläche deutlich größer als das Amherst College; dadurch prägt sie Amherst trotz der größeren Entfernung vom Zentrum – etwa ein Kilometer – stark. Ihre 1960er- und 1970er-Jahre-Bauten können sich nach heute vorherrschendem Geschmack allerdings nicht mit dem repräsentativen Amherst College messen.
1965 wurde im Südsüdwesten von Amherst, außerhalb des bebauten Stadtgebietes, als Experiment einer alternativen Hochschule das Hampshire College gegründet. 2026 wurde die Schließung dieser Einrichtung angekündigt.Mark Arsenault: Hampshire College Will Close Amid Student Enrollment Declines, The New York Times vom 14. April 2026
mini|Haus von Emily Dickinsons Bruder, Teil des Emily-Dickinson-Museums unmittelbar im Osten des Zentrums
Das moderne Amherst
Amherst hat ein kleines Stadtzentrum, das neben einer zentralen Rasenfläche („Common“) vor allem zwei sich kreuzende Straßen mit ein paar Geschäften, Banken, Restaurants, wenigen Kneipen und einem Programmkino umfasst. Ein weiteres Zentrum besteht in North Amherst, etwa vier Kilometer nordnordwestlich des Zentrums von Amherst. Aufgrund strenger Bauvorschriften gibt es auf dem Stadtgebiet − mit Ausnahme der Hochschulen – kaum mehrstöckige Gebäude; größere Geschäfte sind fast ausnahmslos jenseits der Stadtgrenze zu Hadley angesiedelt.
Die drei Hochschulen, vor allem die University of Massachusetts, prägen die Stadt: Sie sind nicht nur wichtige Arbeitgeber und beeinflussen das junge Durchschnittsalter der Einwohner. Sie bestimmen auch das kulturelle Leben von Amherst. Denn obgleich von der Stadt selbst aus relativ wenig kulturelle Veranstaltungen angeboten werden, wird die Gegend durch die universitären Ereignisse – meist von und/oder für Studenten organisiert – „mitversorgt“. Einen Anziehungspunkt für abendliche Unternehmungen (Kneipen, Restaurants, einige kleinere Konzerte) bildet daneben die Kleinstadt Northampton westlich der Stadt.
Aufgrund der im Stadtgebiet und in der Umgebung angesiedelten Hochschulen („Five Colleges“) ist Amherst Mittelpunkt eines für eine amerikanische Kleinstadt seiner Größe ungewöhnlich guten Netzes von Buslinien zu den benachbarten Orten einschließlich Northampton; die Buslinien werden fast ausnahmslos von den Hochschulen betrieben. In Amherst liegt außerdem ein Amtrak-Bahnhof, der Amherst an die etwa 30 Kilometer weiter südlich liegende Stadt Springfield und im Norden an Vermont anbindet (Bahnstrecke „Vermonter“). Eine früher außerdem bestehende Bahnstrecke von Northampton über Amherst nach Osten wurde stillgelegt und zu einem Fahrradweg umgebaut.
Demographie
Die kleine Stadt zeichnet sich allgemein durch einen hohen Anteil von Akademikern aus.
Die Volkszählung im Jahr 2000 bezog zudem auch viele Studenten ein, die in den Universitätsferien (über Weihnachten und ca. Juni bis August) zum Teil die Stadt verlassen. Demnach lebten in Amherst 34.874 Menschen. Davon wohnten 12.423 Personen in Sammelunterkünften (insbesondere also Studentenwohnheimen), die anderen Einwohner lebten in 9.174 Haushalten und 4.550 Familien. Die Bevölkerungsdichte betrug 486 Einwohner pro Quadratkilometer; erfasst wurden 9.427 Wohneinheiten. Die Bevölkerung setzte sich zusammen aus 79,33 % weißer Bevölkerung, 6,19 % Latinos (Einwohner lateinamerikanischer Abstammung), 5,10 % Afroamerikanern, 0,21 % Indianern, 9,02 % Asiaten, 0,09 % Bewohnern aus dem pazifischen Inselraum und 2,89 % Mitgliedern anderer ethnischer Gruppen; 3,35 % gaben die Abstammung von mehreren Ethnien an.
Von den 9.174 Haushalten hatten 27,0 % Kinder, die mit ihnen zusammen lebten. 36,4 % waren verheiratete, zusammenlebende Paare, 10,8 % waren allein erziehende Mütter, und 50,4 % lebten ohne Kinder. 28,6 % waren Singlehaushalte und in 8,6 % lebten Menschen im Alter von 65 Jahren oder darüber. Die durchschnittliche Haushaltsgröße betrug 2,45, die durchschnittliche Familiengröße 2,97 Personen.
Nach den Zahlen von 2000 verteilte sich die Bevölkerung auf 12,8 % unter 18 Jahren, 50,0 % von 18 bis 24 Jahren, 17,2 % von 25 bis 44 Jahren, 13,4 % von 45 bis 64 Jahren und 6,6 % von 65 Jahren oder älter. Der Altersmedian (ähnlich einem Durchschnitt) betrug 22 Jahre. Auf 100 weibliche Personen kamen 92,6 männliche Personen und auf 100 erwachsene Frauen ab 18 Jahren kamen 90,8 Männer.
Der Median der Haushaltseinkommen betrug der Volkszählung zufolge 40.017 US-$, das Durchschnittseinkommen einer Familie 61.237 $. Männer hatten ein Durchschnittseinkommen von 44.795 $, Frauen 32.672 $. Das Pro-Kopf-Einkommen betrug 17.427 $. Unter der Armutsgrenze lebten 7,2 % der Familien und 20,2 % der Einwohner, darunter 9,3 % der Einwohner unter 18 Jahren und 3,5 % der Einwohner im Alter von 65 Jahren oder älter.
Die folgende Tabelle listet die Bevölkerungszahlen von Amherst seit 1790 gemäß den Ergebnissen der Volkszählungen 1790 bis 2010.Amherst Planning Department: (PDF, englisch)
Jahr Einwohner 1790 1.233 1800 1.258 1810 1.469 1820 1.917 1830 2.631 1840 2.550 1850 3.057 1860 3.206 Jahr Einwohner 1870 4.035 1880 4.298 1890 4.512 1900 5.028 1910 5.112 1920 5.550 1930 5.888 1940 6.410 Jahr Einwohner 1950 10.856 1960 13.718 1970 26.331 1980 33.229 1990 35.228 2000 34.874 2010 37.819202039.263
Sehenswürdigkeiten
mini|Das Naturkundemuseum des Amherst College mini|Blick vom Bare Mountain des Mount Holyoke Range nach Westen Vor allem die Hochschulen und ihre Studenten ziehen Besucher an, die sich vor allem aus Eltern, Angehörigen und Freunden oder Ehemaligen der Hochschulen zusammensetzen. Als architektonisch und landschaftlich „schön“ wird von Besuchern vor allem die Anlage des Amherst College empfunden, wohingegen jene Gebäude der University of Massachusetts Amherst, die von namhaften Architekten errichtet wurden, in ihrem 1960er- und frühen 1970er-Jahre-(Beton-)Stil heute nicht mehr dem populären Geschmack entsprechen. (englisch) Abgerufen am 16. Oktober 2015.