Der Wert (auch: ökonomischer Wert, ) ist in der Wirtschaftswissenschaft die sich aus Preisen ergebende, quantitativ messbare Bedeutung von Wirtschaftsobjekten (Güter, Forderungen und Dienstleistungen), die dem Tauschverhältnis eines Wirtschaftsobjekts zu einem anderen oder einem maximal akzeptablen Grenzpreis (Entscheidungswert) entspricht.

Allgemeines Das Wort Wert stammt aus dem en „werd“ des 8. Jahrhunderts, was so viel bedeutet wie „wertvoll“, „kostbar“ oder „wert“.Christine Baumbach, Peter Kunzmann (Hrsg.): Dignité. 2010, S. 72. Der Wertbegriff zeichnet sich seitdem durch eine breite, interdisziplinäre Bedeutung aus.Johannes Erich Heyde: Wert: eine philosophische Grundlegung. 1926, S. 7. Aber selbst in den Wirtschaftswissenschaften ist der Wertbegriff umstritten. Ein ökonomischer Wert erfordert jedenfalls eine Beziehung zwischen Wirtschaftsobjekt und Wirtschaftssubjekten, also beispielsweise zwischen Gütern und ihren Eigentümern. Ein Gut bekommt demnach erst für jemand, der es besitzt oder besitzen möchte, überhaupt einen Wert. Für den Wirtschaftswissenschaftler Bruno Hildebrand existierte 1865 der Wert einer Sache nur für und nur durch die Menschen, es stehen sich Person und Sache gegenüber.Bruno Hildebrand (Hrsg.): Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik. Band 4, 1865, S. 171 (books.google.de).

Wert und Preis werden in der Umgangssprache oft als Synonyme verwendet, die Wirtschaftswissenschaften unterscheiden sie jedoch. Während der Preis der in Geldeinheiten gemessene Tauschwert einer spezifischen Tauschaktion zwischen Marktteilnehmern darstellt, versteht man unter dem Wert die aggregierte Preisvorstellung einer Gruppe von MarktteilnehmernMatthias Thomas, Karl Werner Schulte: Handbuch Immobilien-Portfoliomanagement. 2007, S. 11. oder eine modellbasiert berechnete Kennzahl die von erwarteter Höhe, Risiko und Zeitpunkt der Zahlungen eines Bewertungsobjekts abhängt („subjektiver Entscheidungswert“). Der Preis beinhaltet deshalb stets die individuellen und subjektiven Vorstellungen über einen Vermögensgegenstand, während der Wert in der neoklassischen Bewertungstheorie als intersubjektiv gilt und deshalb als objektivierter Preis („Marktwert“) angesehen wird.Philipp Senff: Compliance Management in China. 2015, S. 45. Andere, z. B. die investitionstheoretischen Bewertungsansätze gehen grundsätzlich von einem subjektiven, also vom individuellen Bewertungssubjekt abhängigen Wert, dem subjektiven Entscheidungswert, aus (siehe nachfolgend weitere Erläuterungen zu Bewertungstheorien).

Für die Entstehung eines Werts ist die Beziehung zwischen dem Individuum und seinem Eigentum im Sinne einer Subjekt-Objekt-Beziehung von Bedeutung.Benedikt Herles: Wert im Spiegel ökonomischer Rationalität. 2011, S. 1 (books.google.de). Um die Beziehung zum Wirtschaftsobjekt aufzubauen oder zu beenden, sind Erwerb oder Veräußerung von Gütern erforderlich, die eine Bewertung notwendig machen, um die Art oder Höhe der Gegenleistung quantifizieren zu können. Den Wirtschaftswissenschaften kommt dabei auch die Aufgabe zu, die Güter zu bewerten, um dadurch die Realität rechenbar und vergleichbar zu machen. Denn wirtschaftliches Handeln erzwingt die Einführung einer Maß- und Rechengröße, die durch Bewertung ermittelt wird.Daniel Ranker: Immobilienbewertung nach HGB und IFRS. 2006, S. 9 (books.google.de). Nicht nur Güter, sondern auch Dienstleistungen weisen einen (Gebrauchs-)Wert auf.Jürgen Ritsert: Wert: Warum uns etwas lieb und teuer ist. 2013, S. 1 (books.google.de).

Wert ist Wortbestandteil zahlreicher Begriffe wie Anschaffungswert, Barwert, Beleihungswert, Buchwert, Entscheidungswert, Ertragswert, Geldwert, innerer Wert, Marktwert, Sachwert, Substanzwert, Unternehmenswert, Verkehrswert, Versicherungswert, Wertminderung oder Zukunftserfolgswert. Es handelt sich um substanzielle Wertbegriffe und Wertkonventionen, die einem Vorgang (Anschaffungswert) oder einem Wirtschaftsobjekt (Beleihungswert) einen Wert beimessen. Ein substanzieller Wert liegt vor, wenn ein Wirtschaftsobjekt der Bedürfnisbefriedigung dient.Stefan Bartsch: Ein Referenzmodell zum Wertbeitrag der IT. 2014, S. 89 ff. (books.google.de).

Arten Nach dem Verwendungszweck unterscheidet man zwischen Tausch- und Gebrauchswert sowie Entscheidungswert. Der Tauschwert spielt eine Rolle bei dem Tausch von Waren, insbesondere beim Kaufvertrag, Mietvertrag oder sonstigen Geschäften und auch bei der einseitigen Schenkung. Der Gebrauchswert indes erfordert keine Transaktionen, sondern erschöpft sich im individuellen Nutzen eines Gutes bei seiner Verwendung durch ein Wirtschaftssubjekt. Während der Tauschwert eher ein objektiver Wert ist, handelt es sich beim Gebrauchswert eher um einen subjektiven Wert. Der modellbasiert berechnete Entscheidungswert dient als Grundlage einer Entscheidung, z. B. über Kauf und Verkauf eines Bewertungsobjekts. Er kann so z. B. als maximal akzeptierbarer Kaufpreis interpretiert werden (Grenzpreis). Er ist abhängig von erwarteter Höhe, Risiko (Ertragsrisiko / Ertragsvolatilität) und Zeitpunkt der vom Bewertungsobjekt für das Bewertungssubjekt (z. B. Käufer) generierten Zahlungen (Erträge, Cashflows).

Das Wort „Wert“ ist Bestandteil vieler Komposita, insbesondere:

Begriff Begriffsinhalt Fachgebiet Beleihungswert Wert einer Kreditsicherheit Bankwesen Bodenwert Wert eines Grundstücks Immobilienwirtschaft Buchwert Wert, mit dem ein Wirtschaftsgut zum Bilanzstichtag in der Bilanz erscheint Rechnungswesen Ertragswert Kapitalisierung des erwirtschafteten oder zukünftigen Ertrags als Gegenwartswert Wertermittlung gemeiner Wert der unter marktüblichen Umständen erzielbare Marktpreis eines Wirtschaftsgutes Steuerrecht Geschäfts- oder Firmenwert Differenz zwischen dem Unternehmenswert und der Summe der Zeitwerte aller Aktiva und Passiva Rechnungswesen Liebhaberwert subjektive Wertvorstellung einer Person, die sie einem Gegenstand durch ihr Affektionsinteresse beimisst Sammeln Liquidationswert Erlös, der bei der Auflösung oder Liquidation von Unternehmen durch die Veräußerung aller Vermögensgegenstände erzielt werden kann Wirtschaft Marktwert Wert, der einem Wirtschaftsobjekt auf einem Markt durch den Marktpreis von den Marktteilnehmern beigemessen wird Rechnungswesen Minderwert Wert, den der Markt einer beschädigten Sache nach ihrer Reparatur über den wegen nicht behebbarer Mängel verbliebenen technischen Minderwert hinaus bereits wegen des Risikos verborgener Mängel gegenüber einer vergleichbaren unbeschädigten Sache beimisst Versicherungswesen Neuwert Betrag, der zur Wiederbeschaffung aufgebracht werden muss, um eine neue Sache gleicher Art, Güte und Funktion zu erhalten Versicherungswesen Nominalwert der auf Geld und Finanzinstrumenten aufgedruckte Wert Bankwesen Realwert Wert als Ergebnis einer Preisbereinigung (Inflation oder Deflation) des Nominalwertst Bankwesen Restwert Wert eines Vermögensgegenstands nach Ablauf der Nutzungsdauer Rechnungswesen Sachwert Wert von Mobilien und Immobilien Wertermittlung Schrottwert geschätzter Wert eines Fahrzeugs oder einer Anlage, die voraussichtlich nicht mehr durch Instandsetzung funktionstüchtig gemacht werden kann und verschrottet werden muss Rechnungswesen Versicherungswert Betrag, den der Versicherungsnehmer zur Zeit des Eintrittes des Versicherungsfalles für die Wiederbeschaffung oder Reparatur der versicherten Sache aufzuwenden hat Versicherungswesen Wiederbeschaffungswert Kosten, die aufzuwenden sind, um ein bestimmtes Wirtschaftsobjekt zu ersetzen Versicherungswesen Zeitwert Wert eines Wirtschaftsobjektes zu einem festgelegten Zeitpunkt Rechnungswesen

Manfred Jürgen Matschke versteht beim Unternehmenswert unter dem Entscheidungswert den Grenzpreis. „Der Entscheidungswert ist ein Komplex von Bedingungen, die sich auf die konfliktlösungsrelevanten Sachverhalte beziehen und die im Falle einer Einigung eingehalten sein müssen, damit der nach Realisation der vorgesehenen Handlung erreichbare Grad an Zielerfüllung nicht geringer ist als die ohne die Handlung vom Entscheidungssubjekt erreichbare Zielrealisation“.Manfred Jürgen Matschke, Der Entscheidungswert der Unternehmung, 1975, S. 27

Geschichte Bereits Aristoteles (384–322 v. Chr.) unterschied in seiner „Politik“ zwischen Gebrauchswert und Tauschwert. „Man kann einen Schuh gebrauchen, um ihn zu tragen, aber auch, um ihn zu tauschen, beides sind Gebrauchsmöglichkeiten ein und desselben Schuhs“.Aristoteles: Politik. 1257 a 5-10, wobei es weder im Text noch im Kontext um Wert geht - vielmehr darum, dass ein Gegenstand eine instrinsiche Funktion hat (angezogen werden) und eine ihm externe Funktion (getauscht werden) hat. Güter können jedoch einen Gebrauchswert haben, ohne einen Tauschwert zu besitzen wie bei allen freien Gütern (etwa Luft) und bei allen zur eigenen Bedürfnisbefriedigung selbst hergestellten Gütern (etwa das Getreide des Landwirts für den Eigenverbrauch). Aristoteles untersuchte nicht, woher der Güterwert kommt, sondern stellte fest, dass jedes Gut einen Gebrauchs- und Tauschwert besitzt. Maßstab des Tauschwerts ist für Aristoteles das Bedürfnis. Die Scholastiker Thomas von Aquin und Albertus Magnus entwickelten im Mittelalter die aristotelische Ökonomik weiter und sahen im Arbeitsaufwand und den Herstellungskosten () einen objektiven Wertmaßstab.Thomas von Aquin: Recht und Gerechtigkeit: Theologische Summe II-II. Fragen 77–78, ca. 1270 Der Gewinn durfte sich nach der kirchlichen Wertlehre nur auf diese verausgabten Kosten beziehen, nicht jedoch darüber hinausgehen.

Je nach theoretischer Perspektive sieht die klassische Nationalökonomie als Hauptbestimmungsgrößen des Werts eines Wirtschaftsobjekts dessen subjektiven Nutzen (John Law, John Locke), Herstellkosten (Adam Smith), die Arbeitszeit (David Ricardo, Karl Marx), oder Angebot und Nachfrage (Jean Baptiste Say) an.Bernd Schlöder: Soziale Werte und Werthaltungen. 1993, S. 41 f. (books.google.de).

John Law unterschied im Jahre 1705 erstmals seit Aristoteles wieder zwischen dem subjektiven Gebrauchswert und dem TauschwertHans Weber: John Law. 1928, S. 1 FN 1. und versuchte dies am Beispiel von Silber zu erklären. Als Ware (Commodities) besaß Silber einen Wert aufgrund seines Nutzens für nicht monetäre Zwecke (als Schmuck oder Geschirr). Er ging davon aus, dass der aus der Zahlungsmittelfunktion von Silber resultierende und vom Gebrauchswert unabhängige Zusatzwert (Tauschwert; ) ausschließlich auf seine Zahlungsmittelfunktion zurückzuführen sei. „Der zusätzliche Wert, welchen Silber aus seiner Geldverwendung erfährt, stammt von den Eigenschaften her, welche es zu dieser Verwendung als brauchbar erscheinen lassen, und dieser Wert ergibt sich aus dem Gebrauch als Geld.“John Law: Money and Trade. 1705, S. 197 f. Hierdurch versuchte er die Substituierbarkeit von Gold und Silber durch Papiergeld zu begründen. Law war seit 1715 Chef der Banque Générale in Paris und hielt den Gebrauchswert (von ihm dort lediglich genannt; eigentlich zur Unterscheidung vom Tauschwert, ) für wichtiger.