Save the Children ist eine internationale Nichtregierungsorganisation, die sich für die Rechte und den Schutz von Kindern weltweit einsetzt. Sie wurde im Jahr 1919 von der Lehrerin und Sozialreformerin Eglantyne Jebb in Großbritannien gegründet und ist konfessionell und politisch unabhängig. Heute besteht Save the Children International aus 28 Länderorganisationen – darunter Save the Children Deutschland e. V. und Save the Children Schweiz – und ist in rund 120 Ländern aktiv.

Erklärtes Ziel der Organisation ist es, die Rechte von Kindern weltweit zu stärken und ihr Leben zu verbessern. Die Arbeitsschwerpunkte liegen dabei auf den Bereichen Gesundheit und Überleben, Schule und Bildung sowie Schutz vor Gewalt und Ausbeutung. Darüber hinaus leistet Save the Children humanitäre Hilfe in Not- und Katastrophenfällen, zum Beispiel in Krisen wie dem Bürgerkrieg in Syrien, für Kinder und Familien in der Jemen-Krise, dem Krieg in Afghanistan oder nach Naturkatastrophen wie dem schweren Erdbeben in Nepal 2015.

Weiterhin fördert die Organisation politische Rechte für junge Menschen,Nault, 2003, S. 4. insbesondere durch die Durchsetzung der UN-Kinderrechtskonvention. Save the Children hat einen allgemein beratenden Status im Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen.

Auf den Ausbruch der Corona-Pandemie im Jahr 2019 reagierte Save the Children mit einem weltweiten Notfallplan namens „Protect a Generation“ in 87 Ländern gleichzeitig.Corona-Pandemie: Es trifft vor allem die Kinder. In: fr.de

Geschichte 1919 gründete die englische Lehrerin und Krankenschwester Eglantyne Jebb zusammen mit ihrer Schwester Dorothy Buxton den Save the Children Fund in London.The Save the Children Fund International Union. In: savethechildren.org Am 19. Mai 1919 gaben sie in einer Veranstaltung in der Royal Albert Hall die Gründung der Organisation bekannt. Die beiden Schwestern sammelten zunächst vor allem Spenden, um Kindern in Deutschland und Österreich zu helfen, die infolge des Ersten Weltkriegs unter einer Hungersnot litten. Bereits im Dezember 1919 traf Eglantyne Jebb Papst Benedikt XV. und überzeugte ihn davon, Save the Children zu unterstützen. Dieser forderte am 28. Dezember, dem „Tag der unschuldigen Kinder“ die Kirchengemeinden auf, für Save the Children zu spenden.

Am 6. Januar 1920 wurde in Genf „The Save the Children Fund International Union“ gegründet, der ebenfalls von Eglantyne Jebb geleitet wurde. Ziel war es, die Hilfe von Save the Children aus einem neutralen Land wie der Schweiz heraus zu koordinieren. Gleichzeitig entstanden in verschiedenen Ländern Ableger der Save the Children Bewegung, die unabhängig von der britischen Gründungsorganisation agierten, jedoch der Save the Children Union angehörten, darunter Rädda Barnen in Schweden. Die Organisation half zeitnah in mehreren Kriegen betroffenen Kindern. Beispielsweise während des Kriegs zwischen Griechenland und Türkei 1919 bis 1922 und der Hungersnot in Russland 1921. 1937 unterstützte der Save the Children Fund in Großbritannien das Basque Children’s Committee (BCC), das etwa 4.000 baskische Kinder betreute, die mit einem Kindertransport ins Vereinigte Königreich gebracht worden waren, um sie vor den Folgen der der Angriffe der Franco-Truppen im Spanischen Bürgerkrieg zu schützen.

Im Jahr 1972 schlossen sich die Save the Children Organisationen zur „International Save the Children Alliance“ zusammen, die 2010 in Save the Children International umbenannt wurde. Inzwischen ist Save the Children seit 100 Jahren im Einsatz für Kinder. In den 1930er-Jahren half die Organisation beispielsweise Kindern und ihren Familien, die vor dem spanischen Bürgerkrieg flohen. In den 1940er-Jahren stand die Hilfe für Kinder nach dem Zweiten Weltkrieg im Fokus. In den 1950er- und 1960er-Jahren versorgte die Organisation u. a. Kinder, die unter den Folgen des Korea- und Vietnamkriegs litten. Auch während der großen Hungersnot in Äthiopien 1984/85 war die Organisation für Kinder im Einsatz. Mitte der 1990er-Jahre startete die Organisation u. a. ein Programm, um während des Genozids in Ruanda getrennte Familien wieder zusammenzuführen.

Erklärung der Rechte des Kindes Save the Children Gründerin Eglantyne Jebb war eine Vorreiterin für die Kinderrechte weltweit. Im Jahr 1923 formulierte sie erstmals die Rechte der Kinder in fünf Grundsätzen, der Children’s Charter. „Ich bin davon überzeugt, dass wir auf bestimmte Rechte der Kinder Anspruch erheben und für die allumfassende Anerkennung dieser Rechte arbeiten sollten“, schrieb Jebb dazu an den Völkerbund in Genf. Sie schuf den ersten Entwurf für das Schriftstück, das 1924 vom Völkerbund als „Genfer Erklärung“ verabschiedet wurde. Es enthielt die folgenden fünf Kriterien:

Dem Kind müssen die Mittel an die Hand gegeben werden, die für seine gesunde Entwicklung erforderlich sind, sowohl materiell als auch emotional. Das Kind, das hungrig ist, muss ernährt werden, das kranke Kind muss versorgt werden, das rückständige Kind muss unterstützt werden, das straffällig gewordene Kind muss rehabilitiert werden, und das Waisenkind beherbergt werden. Das Kind muss das erste sein, dem in Zeiten der Not geholfen wird. Das Kind muss in die Lage versetzt werden, später selbstbestimmt seinen Lebensunterhalt zu verdienen, und muss vor jeder Form der Ausbeutung geschützt werden. Das Kind muss in dem Bewusstsein erzogen werden, dass seine Talente dem Dienst an seinen Mitmenschen gewidmet werden sollten.Yates, Mick: Eglantyne Jebb. LeaderValues. Abgerufen am 9. Oktober 2018.

UN-Kinderrechtskonvention Nach den Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs verabschiedeten die Vereinten Nationen 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Viele waren jedoch der Ansicht, dass die Rechte der Kinder in einem gesonderten Dokument eingehender behandelt werden müssten.

Im November 1959 änderte die UNO-Generalversammlung die ursprünglichen Kriterien von Jebb und verfasste die UN-Kinderrechtskonvention. Diese bestand aus zehn nicht verbindlichen Prinzipien, die die Staaten befolgen sollten, um im besten Interesse des Kindes zu arbeiten. Diese Erklärung von 1959 war jedoch nicht rechtsverbindlich und stellte lediglich eine Erklärung allgemeiner Prinzipien und Absichten dar. Im Jahr 1989 wurde sie jedoch von der UN-Generalversammlung angenommen. Am 2. September 1990 wurde sie internationales RechtUNICEF 2008 und auch von der Regierung der Bundesrepublik Deutschland ratifiziert.Fünfter und Sechster Staatenbericht der Bundesrepublik Deutschland zu dem Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte des Kindes. In: bmfsfj.de

Die Konvention besteht aus 54 Artikeln, die sich mit den grundlegenden Menschenrechten befassen, auf die alle Kinder Anspruch haben: das Recht auf Überleben, auf Entwicklung in vollem Umfang, auf Schutz vor schädlichen Einflüssen, Missbrauch und Ausbeutung sowie auf volle Teilhabe am familiären, kulturellen und sozialen Leben.UNICEF 2008 Die vier Kernprinzipien der Konvention sind Nichtdiskriminierung, die Hingabe an das Wohl des Kindes, das Recht auf Leben, Überleben und Entwicklung sowie die Achtung der Ansichten des Kindes.

Heute dient die Konvention als Grundlage für die gesamte Arbeit von Save the Children. Sie wurde in allen Ländern der Welt ratifiziert, mit Ausnahme der Vereinigten Staaten.There’s Only One Country That Hasn’t Ratified the Convention on Children’s Rights: US. In: aclu.org

Arbeit weltweit Save the Children ist nach eigenen Angaben die größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt.Angaben zur Größenordnung: The trustees report 2017, S. 5. Derzeit ist die Organisation in rund 120 Ländern aktiv (Stand 2018). Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen auf den Bereichen Bildung, Gesundheit und Überleben, Kinderschutz und der Bekämpfung von Kinderarmut. Dabei setzt die Organisation sowohl auf langfristige Projekte im Bereich Entwicklungshilfe als auch auf Einsätze in Krisensituationen, in denen schnelle humanitäre Hilfe gefragt ist. So leistete die Organisation Nothilfe nach dem verheerenden Tsunami in Asien 2004, dem Erdbeben in Haiti 2010, während der Ebola-Epidemie 2014 und der Hungerkrisen in Afrika 2011 und 2017. Die Organisation ist außerdem in Krisengebieten wie Syrien, dem Jemen und dem Irak im Einsatz und beteiligte sich in den Jahren 2016 und 2017 im Zuge der Flüchtlingskrise mit dem Schiff VOS Hestia an der Seenotrettung von Geflüchteten im MittelmeerSteve Scherer: Save the Children suspends migrant rescues in Mediterranean. Reuters, 23. Oktober 2017.. Darüber hinaus ist Save the Children als Nichtregierungsorganisation auf politischer Ebene aktiv, um sich für die Rechte von Kindern starkzumachen. Unter anderem hat Save the Children Beraterstatus beim Wirtschafts- und Sozialrat (ECOSOC) der Vereinten Nationen und unterstützt die Internationale Kampagne für das Verbot von Landminen (ICBL), die 1997 den Friedensnobelpreis erhalten hat.

Organisationsstruktur Save the Children ist ein weltweiter Verbund: Insgesamt 28 Länderorganisationen (Stand 2018) gehören zu Save the Children International (bis 2010 Save the Children Alliance). Die Dachorganisation mit Sitz in London koordiniert seit 2011 die weltweite Projektarbeit. Seit 2019 wird sie von der schwedischen Kinderrechtsaktivistin Inger Ashing geleitet.

Save the Children führt in mehr als 120 Ländern (Stand 2018) Projekte durch, die Kindern, ihren Familien und ihrem Umfeld zugutekommen. Finanziert wird die Arbeit durch Spenden von Privatpersonen, Unternehmen und öffentlichen Gebern. Die Gesamteinnahmen von Save the Children International und allen 28 Länderorganisationen beliefen sich 2017 auf 2,2 Mrd. US$. Über die Verwendung der Spenden legen sowohl Save the Children International als auch die einzelnen Länderorganisationen in ihren öffentlich zugänglichen Jahresberichten Rechenschaft ab.

Globale Kampagnen Mit globalen Kampagnen arbeitet Save the Children dafür, die Rechte und die Situation von Kindern weltweit zu verbessern und auf Missstände aufmerksam zu machen.

Im Fokus der aktuellen Save the Children Kampagne „Every Last Child“ stehen seit 2016 Kinder, die ausgegrenzt, benachteiligt oder schwer zu erreichen sind. So setzt sich die Organisation zum Ziel, innerhalb von drei Jahren 15 Millionen dieser Kinder Zugang zu medizinischer Versorgung und qualitativ hochwertiger Bildung zu ermöglichen. Vergangene Kampagnen stellten Themen wie Kindersterblichkeit („EveryOne“, 2009–2015) oder den Zugang zu Bildung für Kinder in Krisengebieten („Rewrite the Future“, 2006–2008) in den Mittelpunkt.

Darüber hinaus erhielt die Organisation weltweit viel Aufmerksamkeit für ihr Video „Most shocking a Second a Day“, das im Jahr 2014 zum dritten Jahrestag des Syrien-Kriegs veröffentlicht wurde. In weniger als einer Woche sahen mehr als 20 Mio. Menschen das Video, in dem der Kriegsschauplatz aus Syrien nach London verlegt wird und das Leben eines kleinen Mädchens in kürzester Zeit aus den Fugen gerät. Bis heute zählt das Video mehr als 60 Mio. Aufrufe.

Münchner Sicherheitskonferenz (MSK) Seit 2018 nimmt Save the Children an der Münchener Sicherheitskonferenz teil. Die Organisation nutzt das Forum, um gezielt Kinderrechtsthemen in der Sicherheitspolitik zu platzieren. Kinderrechte sollen so Ziel der Agenda auf der Konferenz und weit darüber hinaus werden. Im Jahr 2018, bei der ersten Teilnahme der Nichtregierungsorganisation, veranstaltete Save the Children unter Leitung seiner globalen CEO, Helle Thorning Schmidt, einen Round Table zum Thema „Kinder in Kriegen“. Weitergehend wurde erstmals der Report „Krieg gegen Kinder“,Krieg gegen Kinder, auf savethechildren.de auch SWOC-Report genannt, veröffentlicht. Er enthält auch eine vielfach beachtete Liste der zehn gefährlichsten Länder der Welt für Kinder enthält.