mini|Stierkampf in der Arena von Arles mini|Erstochener Kampfstier

Als Stierkampf bezeichnet man gemeinhin die rituelle Tötung eines Kampfstieres.

Die bekanntesten Stierkämpfe finden in Spanien statt, aber auch in Portugal, Südfrankreich sowie in ehemaligen spanischen Kolonien und spanisch beeinflussten Regionen in Lateinamerika. Eine Version, bei der die Stiere nicht getötet werden, wird als Erbe portugiesischer Vergangenheit auf der tansanischen Insel Pemba gepflegt. Je nach Region gelten unterschiedliche Regeln. Stierkämpfe sind unter Aspekten des Tierschutzes umstritten.

Geschichte Der älteste Beleg stammt aus dem Jahr 1215, als eine Bischofssynode unter der Leitung des Bischofs von Segovia Priestern in den Städten Cuéllar, Coca, Sepúlveda und Pedraza die Teilnahme an „Bullenspielen“ (juegos de toros) untersagte.Historia de los Encierros Ein literarischer Beleg des Stierkampfes findet sich in dem nur noch als Prosatext überlieferten Epos der Siete Infantes de Lara (um 1280). Reste der mittelalterlichen Corrida haben sich noch im Rejoneo erhalten.

Die heutige Art des Stierkampfes (etwa Kampf auf Augenhöhe und nicht mehr vom Pferd aus, Verwendung der Muleta, Tötung mit einem einzigen Stich) wurde im frühen 18. Jahrhundert durch Francisco Romero (1700–1763), dem ersten professionellen Stierkämpfer, entwickelt. Die erste steinerne Stierkampfarena Spaniens befindet sich bei der Stadt Béjar und wurde in den Jahren 1711 bis 1714 gebaut. Per Gesetz hatte Philipp V. im Jahr 1700 den (damals noch ausschließlich von Adeligen betriebenen) Stierkampf untersagt. Aufgehoben wurde Philipps Erlass 1725.Kersten Knipp: Flamenco. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-518-45824-8, S. 33. Auch unter König Karl IV. (regierte von 1788 bis 1808) war der Stierkampf verboten, sein Nachfolger Ferdinand VII. erlaubte ihn jedoch wieder. Im Jahr 1796 wurden in der Schrift Tauromaquia des Matadors José Delgado erstmals die Regeln beschrieben, nach denen der spanische Stierkampf im Wesentlichen bis heute durchgeführt wird. Im Jahr 1830 gründete Pedro Romero, ein 1754 geborener Enkel Francisco Romeros, in Sevilla die erste Stierkampfschule. Ein weiterer Star des Stierkampfes war der ebenfalls 1754 geborene José Delgado, genannt „Pepe Hillo“.Kersten Knipp: Flamenco. 2006, S. 33 f.

Spanischer Stierkampf Im spanischen Stierkampf wird der Stierkämpfer Torero (von toro ‚Stier‘) genannt. Der Stierkampf findet in einer Stierkampfarena statt, die meist ausschließlich zu diesem Zweck erbaut wurde. Ein wesentliches Element des Stierkampfes ist die ritualisierte und reglementierte Form seiner Darbietung.

Bei rund 1700 corridas (Stand 2015) und in der Regel sechs Tieren pro Veranstaltung ist die Zahl der dabei getöteten Stiere auf etwa 10.000 im Jahr zu schätzen. Angesichts dieser hohen Zahl und des blutigen Charakters des Stierkampfes gab es seit jeher, auch in Spanien selbst, Widerstände gegen diese Art von Spektakeln. Auf den Kanarischen Inseln wurde der Stierkampf 1991 abgeschafft, diesem Beispiel folgten Katalonien 2010 und die Balearen im Jahre 2016.

Wirtschaftliche Bedeutung mini|Las Ventas, die Stierkampfarena von Madrid mini|Plaza de Toros, Málaga

Mit dem Stierkampf sind in Spanien etwa 200.000 Arbeitsplätze verbunden. Insgesamt wurde bis 2007 jährlich ein Umsatz von 1,5 Milliarden Euro generiert.Andrew Rimas und Evan D. G. Fraser: Beef – The Untold Story of How Milk, Meat, and Muscle Shaped the World. HarperCollins e-books, 2008, ISBN 978-0-06-170785-8, S. 34. Seitdem ist die Zahl der Veranstaltungen jedoch zurückgegangen: 2007 waren es 3700, 2008 noch 3295, 2012 unter 2000,Der Stierkampf steckt in der Krise, Martin Dahms, Berliner Zeitung, 10. November 2013 2015 rund 1700Zahlen der spanischen Organisation der Stierkampfveranstalter Asociación Nacional de Organizadores de Espectáculos Taurinos (ANOET), zitiert auf Stierkampf für alle (Weblog), Eintrag vom 7. Juli 2016., 2022 lag sie bei 1500 und 2023 leicht darunter.

Im Jahr 2015 wurden in Spanien 425 Stierkampfarenen (Plazas de Toros) gezählt. Im überwiegenden Teil dieser Arenen werden ein bis zwei Stierkampfveranstaltungen pro Jahr veranstaltet, sechs Arenen liegen im zweistelligen Bereich.Estadísticas („Statistiken“) auf mundotoro.com, abgerufen am 11. Juli 2016. Es gibt rund 75 Veranstalter von corridas in Spanien. Größte Arena ist die Plaza Las Ventas in Madrid, deren Betreibergesellschaft 400 Angestellte beschäftigt (Stand 2006) und pro Jahr 5 Millionen Euro Konzessionsgebühr an die Stadt zahlt.Stierkampf: Blutiges Milliardengeschäft. In: Die Welt, 6. Juli 2006.

Die Züchter von Kampfstieren sind in fünf Dachverbänden organisiert. Für die bei einer corrida benötigten sechs Stiere werden von großen Stierkampfarenen wie in Madrid oder Sevilla bis zu 150.000 Euro gezahlt. Aber nur 20 Prozent der jedes Jahr auf den Markt kommenden Stiere können zu diesen hohen Preisen verkauft werden. Die übrigen Stiere, die entweder von ihrem Temperament nicht geeignet sind oder physische Makel aufweisen, werden entweder an kleinere Stierkampfarenen in der Provinz oder an Schlachter verkauft.

Trotz des hohen Umsatzes der spanischen Stierkampfarenen sind nur wenige Zuchtbetriebe profitabel. Bis 2020 gab es ungefähr 1500 Betriebe, vor allem in Andalusien, Kastilien und León und Extremadura, von denen aufgrund der Schließung der Arenen während der COVID-19-Pandemie zahlreiche Konkurs anmelden mussten – allein in Andalusien bis zur Mitte des Jahres 2021 etwa 20 Prozent. Obwohl es bis zu 5.000 Euro kostet, einen toro bravo aufzuziehen, mussten Züchter wegen der ausbleibenden Nachfrage ihre Tiere teilweise für weniger als 500 Euro pro Stück an Schlachtereien verkaufen. Von dieser Krise der Stierzüchter waren 2021 in Andalusien zugleich etwa 54.000 Arbeitsplätze betroffen.José Luis Losa: El 20% de las ganaderías de toros bravos ha quebrado en el último año en Andalucía. Artikel vom 9. Juni 2021, abgerufen am 19. Mai 2023 (spanisch).

Die Stierkämpfer

mini|hochkant|Alguacilillos in der Arena von Alicante Torero ist ein Oberbegriff für alle Teilnehmer einer Corrida, also matador bzw. novillero, banderilleros sowie picadores.

Im 18. und 19. Jahrhundert war wirtschaftliche Not häufig der Grund, warum sich junge Männer in der Arena dem Stier stellten. Sie entstammten häufig der Landbevölkerung oder gehörten der Minderheit der Gitanos an. Toreros der höchsten Kategorie, die heute in den großen Arenen auftreten, erhalten eine Gage von rund 50.000 bis 100.000 Euro und genießen zum Teil großes gesellschaftliches Ansehen. Einzelne Toreros erhalten bis zu 180.000 Euro für ihren Auftritt. Die Auftritte der Stierkämpfer werden von fachkundigen Journalisten, den Stierkampfkritikern, eingehend beschrieben und kommentiert; Stierkampfkritiken sind feste Bestandteile des Kulturteils spanischer Zeitungen.Paul Ingendaay: Darf man noch über Stierkampf schreiben? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Mai 2022, S. 16. Seit 1968 (in Spanien seit 1979) sind auch einige weibliche Matadore in Erscheinung getreten. Eine der bekanntesten von ihnen ist Cristina Sánchez (aktiv 1993–1999).

Pro Jahr werden in der Madrider Escuela de Tauromaquia etwa hundert Schüler für eine vierjährige Ausbildung zum Torero aufgenommen. In Spanien gilt ein Lebensalter von 16 Jahren als Minimum. Mexikanische Kämpfer können erheblich jünger sein.

Stierkampfarenen In Spanien werden die Stierkampfarenen (plazas de toros) in drei Kategorien eingeteilt. Für jede Kategorie müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein. Zur ersten Kategorie zählen folgende neun Arenen: Las Ventas in Madrid, Real Maestranza in Sevilla, Vista Alegre in Bilbao, die Plaza de Toros de Valencia, La Misericordia in Saragossa, die Plaza de Toros de Pamplona, La Malagueta in Málaga, Los Califas in Córdoba und Illumbe in San Sebastián.

Kampfplatz mini|Stierkämpfer hinter dem burladero

Der Kampfplatz (ruedo), dessen Boden mit Sand bedeckt ist, ist rund und muss nach dem Reglement einen Durchmesser zwischen 45 und 60 Metern aufweisen. Er ist von der barrera umgeben, einer 1,60 Meter hohen Abgrenzung aus Holzbrettern. Diese hat mehrere Tore, meistens sind es vier: das Haupttor (puerta grande), die puerta de toriles (durch die die Stiere das Rund betreten), die puerta de arrastre (durch die die toten Stiere herausgezogen werden) und die puerta de caballos (durch die die picadores in die Arena einreiten). Außerdem hat die barrera meist vier offene Durchgänge, die jeweils durch eine davorstehende Bretterwand (burladero) geschützt werden, hinter die sich die Stierkämpfer vor dem Stier flüchten können. Um auf der Flucht vor dem Stier die barrera notfalls überspringen zu können, verfügt diese auf 40 cm Höhe über einen Fußbalken.

Zwischen der barrera und den Zuschauerrängen liegt ein schmaler Gang (callejón), in dem sich während der corrida die gerade nicht aktiv beteiligten Stierkämpfer und andere Personen (z. B. die Manager der Toreros, Reporter etc.) aufhalten.

Ablauf der „Corrida de toros“ Der Ablauf einer spanischen corrida ist – wie auch andere Aspekte von Stierkampfveranstaltungen und des Stierkampfwesens im Allgemeinen – im Reglamento de Espectáculos Taurinos, einer Rechtsnorm im Range eines Real Decreto, geregelt.

Meist treten bei einer corrida drei Matadore (= „Töter“) und sechs Stiere auf. Ein Kampf dauert etwa 20 Minuten. Zu Beginn der Veranstaltung ziehen die Beteiligten in die Arena ein und präsentieren sich dem Publikum. Es sind diese: der matador (Stiertöter), die picadores (Lanzenreiter, wörtlich „Hauer, Stecher“) und die banderilleros (von banderilla, „geschmückte Stechlanze“). Diese erste Phase nennt man den paseillo. Zu jedem matador gehören zwei picadores und drei banderilleros, die zusammen mit dem matador dessen cuadrilla bilden.

Zwei Reiter, die alguacilillos, erbitten symbolisch den Schlüssel zur puerta de toriles, dem Tor der Kampfstiere, vom Präsidium. Dieses, dessen Präsident die Autorität erhalten hat, Stierkämpfe durchführen zu lassen, wacht über den Kampf. Gemäß den Reglements sollte dies der Präsident, alcalde (Bürgermeister) oder der Polizeichef der Stadt sein; jedoch ist diese Position unbeliebt, sodass häufig ein anderer Beamter das Amt übernimmt. Der Präsident stellt die höchste Autorität in der Arena dar und entscheidet über Ablauf, Wertung und eventuelle Strafen. Als Berater stehen dem Präsidenten ein Veterinär und ein „technischer Berater“ (asesor técnico en materia artístico-taurina), bei dem es sich um einen ehemaligen Stierkämpfer oder eine anderswie besonders mit dem Stierkampf vertraute Person handeln muss, zur Seite.

Zeigen sich in der Arena bei einem Stier offensichtliche Gebrechen oder legt er ein Verhalten an den Tag, das den normalen Ablauf der corrida unmöglich macht, ordnet der Präsident an, ihn in die Stallungen (corrales) zurückzubringen. Dies geschieht dadurch, dass eine Herde Ochsen in die Arena getrieben wird, mit denen der Stier in der Regel von sich aus in die Stallungen zurückkehrt. In diesem Fall wird der Stier durch einen Ersatzstier, den sobrero, ersetzt. Kann der Stier nicht in die Stallung zurückkehren (z. B. weil er sich schwer verletzt hat), wird er in der Arena durch einen Dolchstoß ins Genick getötet. In diesem Fall wird kein sobrero eingesetzt.

Der eigentliche Kampf besteht aus drei Teilen, den tercios (Dritteln), die durch Hornsignale voneinander getrennt werden.

Erster Teil mini|Beginn des tercio de varas : verónica und larga serpentina. mini|Empfang des Stiers a porta gayola und eine Reihe von verónicas.

Das erste Drittel (tercio de varas) beginnt damit, dass der Stier die Arena betritt. Meist läuft er im leeren Rund etwas umher, bevor der Matador die Arena betritt. Manchmal empfängt der Matador jedoch sofort den in die Arena laufenden Stier kniend mit der capote (einem großen, meist außen purpurroten und innen gelben Tuch) und nutzt diese, um den angreifenden Stier an sich vorbeizulenken (porta gayola).