Die Linde plc ist ein börsennotierter Industriekonzern mit Sitz im irischen Dublin und operativer Zentrale im britischen Guildford, der 2018 durch Fusion der in Deutschland entstandenen Linde AG mit dem ursprünglich ebenfalls von Carl von Linde gegründeten und im Ersten Weltkrieg konfiszierten US-amerikanischen Konkurrenten Praxair entstand.Pressemitteilung von Linde AG und Praxair zur Fusion Kerngeschäft von Linde sind Gase und Prozessanlagen, die Gase gewinnen oder herstellen. Das Unternehmen ist im Bereich der Industriegase Weltmarktführer vor dem französischen Konkurrenten Air Liquide.

Linde war aufgrund der Sitzzusammenlegung nach Irland von 2018 bis zum 1. März 2023 einer der wenigen Konzerne, der in zwei national bedeutenden Aktienindizes unterschiedlicher Märkte, dem US-amerikanischen S&P 500 und dem deutschen DAX, gelistet war, ohne in einem der beiden Länder mehr seinen Sitz zu haben. Seit dem 1. März 2023 wird Linde im US-amerikanischen S&P 500-Index gelistet,Nele Höfler: Bye-bye, Linde: Der DAX verliert sein wertvollstes Unternehmen In: Wirtschaftswoche, 18. Januar 2023, abgerufen am 22. Januar 2023. seit März 2024 auch im Nasdaq-100.

Geschichte 1871 bis 1900 mini|Carl von Linde (1868) mini|alternativtext=Aktie der Gesellschaft für Linde’s Eismaschinen über 1.000 Mark, ausgegeben am 1. Januar 1880, im Original unterschrieben von Carl Sedlmayr für den Verwaltungsrat und von Carl Linde für den Vorstand|Aktie der Gesellschaft für Linde’s Eismaschinen über 1.000 Mark, ausgegeben am 1. Januar 1880, im Original unterschrieben von Carl Sedlmayr für den Verwaltungsrat und von Carl Linde für den Vorstand 1873 wurde in der Münchner Spaten-Brauerei versuchsweise eine Kältemaschine nach Carl von Lindes Ideen installiert. Die Vereinbarung dazu wurde bereits 1871 geschlossen, das Patent 1873 angemeldet. Da Carl von Linde den Bau seiner Kältemaschinen nicht selbst finanzieren konnte, trat er für je 4.000 Mark jeweils ein Sechstel der Patentrechte an Gabriel Sedlmayr der Jüngere, Johann Sedlmayr und Georg Krauß ab. Zu diesem Finanzkonsortium gesellte sich 1877 der Unternehmer Heinrich von Buz von der Maschinenfabrik Augsburg, der für 12.000 Mark von Carl von Linde ein weiteres Sechstel der Patentrechte erhielt, wodurch Linde nur noch ein Drittel der Rechte blieb. Nach schwierigen und langwierigen Verhandlungen gründeten die vier Teilhabe – Gabriel und Johann Sedlmayr hatten 1877 ihre Anteile zusammengelegt – zusammen mit Carl Lang und Gustav Jung von der Mainzer Aktien-Bierbrauerei am 21. Juni 1879 die Gesellschaft für Linde’s Eismaschinen Aktiengesellschaft in Wiesbaden als Ingenieurbüro. Carl Lang (Vorsitzender), Carl Sedlmayr (Vertretung für Gabriel Sedlmayr), Georg Krauß, Heinrich von Buz und Gustav Jung bildeten den ersten Aufsichtsrat der Gesellschaft. Carl von Linde war ab 1879 der alleinige Vorstand, bis er die Position nach elf Jahren an seinen Mitarbeiter Friedrich Schipper übergab, der das Amt 39 Jahre lang bekleidete. Erst ab 1920 wurde der Vorstand erweitert. Die Gesellschaft hatte ein Grundkapital von 200.000 Mark, wovon der Bankier Moritz von Hirsch als stiller Teilhaber zusammen mit Carl Lang die Hälfte beigesteuert hatte, während Buz, Sedlmayr und Krauss ihre Patentrechte für die anderen 100.000 Mark einbrachten. Bei Gründung wurden zweihundert Aktien zu je 1.000 Mark herausgegeben; die Aufteilung dieser Aktien ist nicht genau bekannt, vermutlich erhielten Lang und von Hirsch davon 50, die anderen Teilhaber je 30 Aktien. Nachdem Moritz von Hirsch der Gesellschaft im selben Jahr für 50.000 Mark die Rechte für den französischen Markt abgekauft hatte, gründete er ein Eiswerk in Paris und ein Ingenieurbüro, in dem ab 1880 u. a. der junge Rudolf Diesel arbeitete.

mini|Modell der 1877 verkauften Kältemaschine Nach der Gründung der Gesellschaft gab Carl von Linde seine Stelle im bayerischen Staatsdienst (als Professor an der Technischen Hochschule München) auf. 1891, nachdem er die Leitung an Schipper übergeben hatte, verließ Carl von Linde Wiesbaden. Von Mai bis September 1891 lebte Linde gemeinsam mit seiner Familie in seiner Ferienvilla auf dem Salzberg über Berchtesgaden. Danach kehrte er als ordentlicher Professor zurück an die Technische Hochschule München, ab 1900 ohne Lehrauftrag.

Ab 1891 begann von Linde das nach ihm benannte Linde-Verfahren zur Zerlegung von Luft zu entwickeln, das 1892 durch einen Auftrag der Guinness-Brauerei gefördert wurde. Carl von Linde hielt 1893 einen Vortrag, in dem die Sauerstoffverflüssigung angesprochen wurde. Mitte 1894 erwähnte er in seinen Briefen Überlegungen zu einer „Sauerstoffmaschine“. Aus der „Linde-Luft“ entwickelte das Unternehmen 1895 Flüssigluftsprengstoffe, die es unter der Marke Oxyliquit vor allem in Deutschland für zivile und militärische Zwecke bis nach dem Ersten Weltkrieg herstellte.Arthur Marshall: Dictionary of explosives. 1920, S. 70. Die Produktion von Oxyliquit ist kompliziert. Wird beispielsweise flüssige Luft mit Kohlepulver vermischt, ist das nur so lange explosiv, bis die flüssige Luft aus dem Gemisch verdampft ist. Wenn die flüssige Luft verdampft ist, bleibt Kohlepulver zurück, das für sich alleine keine Sprengwirkung hat. Deswegen musste Oxyliquit am Ort des Verbrauchs zusammengemischt werden, wofür eine Menge flüssige Luft nötig war, die man vor Ort, z. B. im Steinbruch, erst erzeugen musste, da flüssige Luft schnell verdampft.

1900 bis 1976 mini|Aktie der Gesellschaft für Linde’s Eismaschinen von 1926 Am 8. Februar 1901 nahm Carl von Linde in einer neugebauten Versuchsstation im Pullacher Ortsteil Höllriegelskreuth eine „Sauerstoffmaschine“ in Betrieb. Der dort montierte Apparat lieferte ein Gemisch aus 50 % Sauerstoff und 50 % Stickstoff, später Linde-Luft genannt. Sie wurde unter 150 atü in Stahlflaschen gefüllt und in den Handel gebracht.

Im Juni 1902 zerstörte ein Brand diese erste Versuchseinrichtung. Bei der kurz darauf fertiggestellten Neukonstruktion des Apparats ersetzte Linde die schwergewichtige Verdampferkonstruktion durch eine mit Glasperlen gefüllte Rektifikationssäule (Rektifikationsverfahren). Dieser Apparat war der erste der Welt, mit dem es gelang, reinen Sauerstoff auf kryogene Weise zu erzeugen.

Anfang 1903 entstand eine dritte Ausführung. Bei ihr war die Perlensäule durch eine Säule mit Siebböden ersetzt. Bei diesem Apparat war der Gegenströmer bedeutend materialsparender konstruiert, zudem die Verdichtung der Luft höher gewählt und der bisher nötige zusätzliche Luftverflüssiger entbehrlich geworden. Diese dritte Ausführung der Sauerstoffmaschine lieferte 10 Kubikmeter 98%igen Sauerstoff in der Stunde und diente viele Jahre lang der Produktion in Höllriegelskreuth.

Noch 1903 errichtete Linde ein zweites Sauerstoffwerk in Unterbarmen, das mit einem baugleichen Apparat ausgestattet wurde.

Um eine bessere Position auf dem damals blühenden Sauerstoffmarkt zu bekommen, gründete die Linde-Gesellschaft 1904 die Vertriebs-Tochtergesellschaft Vereinigte Sauerstoffwerke GmbH, die Linde 1910 in die eigene Sauerstoffwerke GmbH in Berlin übernahm.Staatsarchiv Leipzig:

Eine weitere Tochtergründung von Linde waren die Güldner-Motorenwerke. Gemeinsam mit Hugo Güldner und Georg von Krauß wurde das Unternehmen 1904 in München gegründet und 1906 nach Aschaffenburg verlegt. 1929 wurden die Güldner-Motorenwerke von der Gesellschaft für Linde’s Eismaschinen übernommen und nach und nach umstrukturiert.

1907 gründete Carl von Linde mit Linde Air Products eine US-amerikanische Niederlassung. Diese wurde im Ersten Weltkrieg konfisziert und 1917 mit der National Carbon Company, der Prest-O-Lite Company und der Union Carbide Company in der Union Carbide & Carbon Corporation zusammengeschlossen. Seit 1989 war dieses eigenständige Unternehmen mit der Firma Praxair an der New Yorker Börse notiert.

Die Unternehmensabteilung für Gasverflüssigung und -zerlegung wurde ab den 1920er Jahren unter der Führung des Gründersohns Friedrich Linde (1870–1965) wichtigster Umsatzträger des Konzerns.Große Bayerische Biographische Enzyklopädie. K. G. Saur / Walter de Gruyter, München 2005. (eingeschränkte Vorschau auf Google Books)

Ab 1933 produzierte Linde Kleindieselmotoren und ab 1938 Gasmotoren und -generatoren sowie größere Dieselmotoren und Traktoren.

Während der Zeit des Nationalsozialismus profitierte Linde von dem Versuch Deutschlands, sich mit synthetischem Benzin und Kautschuk von Importen unabhängig zu machen. 1935 erhielt Generaldirektor Friedrich Linde den Titel eines Wehrwirtschaftsführers, was einerseits die nationale Bedeutung Lindes unterstrich und andererseits das Unternehmen weiter durch eine Vielzahl von Aufträgen an der Aufrüstung nutznießen ließ. Zu den engsten Mitarbeitern des Generaldirektors zählte der Betriebsleiter in Höllriegelskreuth, Alfred Heß, ein Onkel von Rudolf Heß.

Vor und während des Zweiten Weltkriegs waren Abteilungen Lindes in die Rüstungsproduktion eingebunden: So war das Unternehmen über die Heylandt Gesellschaft für Apparatebau am deutschen Raketenprogramm beteiligt; andere Zweige stellten Schweißgeräte und Motoren für die Rüstungsindustrie her. 1941 fertigte Linde Produktionsanlagen für die zur I.G. Farben gehörende Ammoniakwerk Merseburg GmbH im KZ-Außenlager Auschwitz II, zwei weitere geplante Anlagen wurden kriegsbedingt nicht mehr installiert. In den Produktionswerken wurden nach Schätzungen des Unternehmens für Mitte 1944 zwischen 400 und 500 Menschen zur Zwangsarbeit eingesetzt.

mini|Linde-Schild am Eingang der Gemeinschaftsgefrieranlage Ulrichstein (Mittelhessen) Mit den beginnenden Wirtschaftswunderjahren lieferte der Bereich Kältetechnik Gemeinschaftsgefrieranlagen sowie Milchkühlanlagen für die Landwirtschaft, Fahrzeug- und Krankabinenkühlanlagen.

1956 baute Linde in Aschaffenburg sein erstes hydrostatisch angetriebenes Transportfahrzeug (Hydrocar). Ab 1958 baute Linde Gabelstapler mit hydrostatischem Getriebe. Nachdem ein Verkauf der Motoren- und Traktorenfertigung gescheitert war, entschied der Vorstand am 21. März 1969, den Traktorenbau einzustellen und stattdessen die Gabelstaplerfertigung auszuweiten.

Seit 1961 im Vorstand und ab 1972 im Aufsichtsrat saß Johannes Wucherer – aus angeheirateter Verwandtschaft –, und weil Wucherer den Kaufmann Hans Meinhardt bei wichtigen Entscheidungen unterstützte, zog sich Hermann Linde schließlich 1976 ganz aus dem Unternehmen seines Großvaters zurück. Meinhardt wurde sein Nachfolger und übernahm wenig später die Unternehmensleitung. Rückblickend sagte Meinhardt über sein Verhältnis zu Hermann Linde: „Immer, wenn es ums Wesentliche ging, waren wir unterschiedlicher Meinung.“ Johannes Wucherer, Ehemann einer Enkelin Carl von Lindes, saß ab 1961 im Vorstand des Unternehmens. Ab 1971 waren neben ihm auch Hermann Linde und Hans Meinhardt Mitglieder des Vorstands, dem seit den 1950er Jahren auch der Ingenieur und Direktor Georg Plötz (bis 1971 stellvertretendes, dann ordentliches Vorstandsmitglied)Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 954. angehörte. Wucherer und Meinhardt isolierten Hermann Linde bei wichtigen Entscheidungen.

Hermann Linde hatte die technische Führung als entscheidenden Wettbewerbsvorteil befürwortet. Meinhardt sah die Gesamtverantwortung beim Zentral-Vorstand und baute die ehemalige Verwaltungszentrale zur Zentralverwaltung aus, mit Durchgriffsmöglichkeiten auf alle Führungsebenen in den einzelnen Niederlassungen. Meinhardt investierte massiv in Gabelstapler, verdreifachte die Zahl der Mitarbeiter, während der Konzernumsatz unter ihm durch Acquisition um das Vierfache stieg. Der Großanlagenbau globalisierte sich nach Erfolgen auch in Deutschland und in Südafrika. Dennoch wurden Gabelstapler mit Porschedesign zum Markenzeichen der Linde AG, und Meinhardt suchte weiter nach neuen Geschäftsfeldern.