mini|John Travolta auf einer Promotion-Veranstaltung zum Film Battlefield Earth – Kampf um die Erde
Battlefield Earth – Kampf um die Erde (Originaltitel: Battlefield Earth: A Saga of the Year 3000) ist ein US-amerikanischer Film aus dem Jahr 2000 nach der Romanvorlage Kampf um die Erde des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard. Regie führte Roger Christian, produziert wurde der Film unter anderem von John Travolta, der auch eine der Hauptrollen spielte.
Der Film wurde von Kritikern als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten eingestuft und gilt als einer der größten Flops der Filmgeschichte. Die überhöhte Angabe des Budgets führte zu einem umfangreichen gerichtlichen Nachspiel.
Handlung Die Erde ist im Jahr 3000 von Außerirdischen vom Planeten Psychlo beherrscht, die vor fast 1000 Jahren in nur neun Minuten den gesamten Planeten erobert und einen großen Teil der Menschheit versklavt haben. Der Rest, nur noch mit kümmerlicher Bildung, haust weit verstreut in primitiven Siedlungen und Gemeinschaften fernab jeglicher Zivilisation. Der junge Jonnie Goodboy Tyler macht sich von einer solchen Siedlung in den Rocky Mountains auf den Weg, die Wahrheit über die inzwischen als Dämonen mystifizierten Aliens herauszufinden. Er und sein Begleiter Carlo werden von den Aliens in einer zerfallenen Stadt gefangen genommen. Sie werden in eine Basis der Aliens gebracht, in der bereits viele andere Menschen eingesperrt sind, die dort als Arbeitssklaven ihr Dasein fristen.
Terl, der Sicherheitschef der Psychlos, einer Rasse von professionellen Eroberern, Ausbeutern und Plünderern, wurde auf die Erde strafversetzt und will sich von dort wieder freikaufen, indem er Goldvorräte in einem für die Aliens verseuchten Gebiet der Erde heimlich von den Sklaven ausbeuten lässt. Aufgrund Tylers häufiger Fluchtversuche erkennt er dessen Intelligenz und will ihn zum Vorarbeiter machen. Er verschafft ihm mit einer Schnelllernmaschine eine breit gefächerte Bildung und stellt ihm eine Mannschaft sowie ein Fluggerät zur Seite, um effektiv und schnell Gold abzubauen.
Doch Tyler plant mit seinem neuen Wissen einen Aufstand gegen die Psychlos und sammelt das Gold einfach heimlich in Fort Knox, anstatt es mühsam in den radioaktiv verseuchten Bergen abzubauen. Tyler und seine Gefolgsmänner finden zudem eine Untergrund-Militärbasis mit Waffen, noch funktionstüchtigen Kampfjets und Atombomben. Sie nutzen die gewonnene Zeit, um mit Hilfe von Flugsimulatoren den Luftkampf zu trainieren.
Schließlich greifen die Rebellen die Basis der Außerirdischen an, befreien und bewaffnen dort die Menschen und zerstören nach einem langen Kampf auch die gläserne, robuste Kuppel über ihnen in Denver und töten damit die meisten Psychlos, die in der Erdatmosphäre nicht atmen können. Tylers Gruppe kann ein Teleportationsgerät der Außerirdischen nutzen, das herbeigerufene Truppen zur Niederschlagung des Aufstands vom Heimatplaneten senden will, und befördert damit kurz vorher stattdessen eine Atombombe nach Psychlo, die dort die komplette Atmosphäre in Brand setzt und so den Planeten auslöscht.
Terl überlebt und wird von den Menschen lebend gefangengehalten, um eine wertvolle Geisel zu haben, falls die Außerirdischen von einer ihrer vielen unbekannten Basen zurückschlagen sollten. Terl ist wertvoll, da er eine große Schuld an der Zerstörung Psychlos trägt. Sein Stellvertreter Ker läuft zu den Menschen über und lehrt sie die Psychlotechnologie.
Produktion Battlefield Earth ist die erste Verfilmung eines Hubbard-Romans. Schon bald nach dessen Veröffentlichung 1982 machte L. Ron Hubbard Pläne öffentlich, das Buch verfilmen zu wollen. Im Oktober 1983 verkaufte die Scientology-nahe Literaturagentur Author Services Inc. die Filmrechte an Salem Productions, die den Stoff in zwei Teilen zu je 15 Millionen Dollar Budget verfilmen wollte.Pressemitteilung Author Services Inc., Business Wire, 14. Oktober 1983 Trotz fortgeschrittener Vorbereitungsmaßnahmen wurde das Projekt nie realisiert.Glenn Whipp: , Los Angeles Daily News, 12. Mai 2000
Parallel plante auf Hubbards Bestreben hin auch der Scientologe John Travolta eine Verfilmung des Buches, fand jedoch keine Unterstützung bei den großen Studios. Erst durch seinen Erfolg mit Pulp Fiction konnte er seinen Einfluss vergrößern und Mitstreiter gewinnen.
Nachdem die Filmrechte zunächst an Metro-Goldwyn-Mayer verkauft worden waren, unterzeichnete Travoltas langjähriger Manager Jonathan Krane 1997 einen Vertrag mit 20th Century Fox. Aber auch dieser Deal scheiterte letztlich, da beide Studios Bedenken gegenüber dem riskanten Projekt hatten, das aufgrund seiner massiven Abhängigkeit von Spezialeffekten teuer zu werden drohte, während Hubbards Erzählweise als naiv und veraltet galt und seine Scientology-Zugehörigkeit als Negativfaktor angesehen wurde.
1998 wurde das Projekt von Franchise Pictures übernommen, deren CEO Elie Samaha sich darauf spezialisiert hatte, von größeren Studios zurückgewiesene Wunschprojekte renommierter Schauspieler zu reduzierten Kosten zu produzieren. Travolta wurde bei verminderter Gage als Mitproduzent engagiert und steuerte fünf Millionen Dollar seines eigenen Vermögens zum Budget bei.James Parish: Fiasco: A History of Hollywood’s Iconic Flops. Wiley, 2007, S. 275–291, ISBN 0-470-09829-5Lynn Hirschberg: The Samaha Formula for Hollywood Success. In: The New York Times, 14. Mai 2000 Der Film wurde als Independent-Produktion für Morgan Creek Productions ausgelegt, die ihn aufgrund eines bestehenden Distributionsvertrags über Warner Bros. in den USA vertrieben.Benedict Carver: In: Variety, 14. Januar 1999
Warner Bros. stellte Schätzungen zufolge 20 Millionen Dollar Marketingbudget zur Verfügung.Science Friction. In: The Herald Sun, 12. April 2006
Franchise Pictures behielt die internationalen Vertriebsrechte und vergab die europäischen Rechte im Austausch für 47 % der Produktionskosten, die mit 75 Millionen Dollar ausgewiesen wurden, an die Intertainment AG aus Ismaning. Dieses Abkommen wurde später Gegenstand eines Gerichtsverfahrens, in dessen Zuge Franchise Pictures bankrottging.Janet Shprintz: Legal eagle says Eli fudged budgets, Variety, 10. Mai 2004Intertainment setzt auch Imperial Bank auf Beschuldigten-Liste im 75-Millionen-Dollar-Betrugsverfahren gegen Franchise Pictures. Pressemitteilung Intertainment, 21. Februar 2001
Travolta und Krane übernahmen die Suche nach Besetzung und Stab und versuchten zunächst, Quentin Tarantino als Regisseur zu gewinnen. Als dieser ablehnte, wurde Roger Christian engagiert, der 1977 einen Oscar als Art Director für Krieg der Sterne erhalten hatte und später Second-Unit-Regisseur für Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung war.
Travolta selbst sah sich ursprünglich in der Rolle des Tyler, fühlte sich für die Heldenrolle aber schließlich zu alt und übernahm den Bösewicht Terl.Frank Nordhausen, Thomas Schuler: John Travolta bringt einen Roman des Scientology-Gründers in die Kinos. In: Berliner Zeitung, 6. April 2000
Drehorte waren Montreal und Orte in Québec., Author Services Inc.
Kritiken Scientology-Kontroverse Im Vorfeld der Veröffentlichung des Films wurde über mögliche subliminale Botschaften spekuliert, die Scientology-Gedankengut verbreiten könnten.Martin Paetsch: Sektenpropaganda vom Ober-Alien? Spiegel Online, 15. Mai 2000
Warner Bros. wies diese Vermutungen als „albernen Unsinn“ zurück, Scientology nannte sie „Quatsch“.Duncan Campbell: Cult classic, The Guardian, 31. Mai 2000 Ein Sprecher der Bewegung bezeichnete die Parallelen zwischen Filmhintergrund und Scientologys Glaubensinhalten als äußerst vage: „Um diesen Vergleich zu ziehen, müsste man einige erhebliche logische Sprünge machen.“Battlefield May Be Over Profit. In: South Florida Sun-Sentinel, Tribune Media Services, S. 32, 25. Februar 2000 Auch John Travolta erklärte, dass der Film nicht durch die Lehren Scientologys inspiriert sei.Grace Bradberry: , The Times, 19. Februar 2000
Rezeption Der Film wurde von der Kritik nahezu einhellig abgelehnt. So führte Paul Clinton (CNN) an, dass der Film von Anfang an Travoltas Baby gewesen, aber „kein hübsches Baby“ sei, und dass dessen Versuch, ein episches Meisterwerk zu erschaffen, in fast jedem Aspekt scheiterte. Dafür mache der Film seine „Mängel an einfacher Logik mit seinem sichtlich unbeabsichtigten, kitschigen Humor wett“.Paul Clinton: Review: Logic loses in 'Battlefield Earth. CNN Leonard Maltin bemängelte, dass „plumpe Handlung, deplatzierte Satire, unglaubhafte Zufälle und eine bleierne Gangart Travoltas bizarre, aber amüsante Performance zertrampeln.“Leonard Maltin: Leonard Maltin’s Movie Guide. 2004 Edition. Penguin Group, 2003, ISBN 0-451-20940-0, S. 91
Jonathan Ross fand im Daily Mirror schlichtweg „alles an Battlefield Earth scheiße“, insbesondere die Musik, die Dialoge und die Spezialeffekte; ebenso kritisierte er „den Anfang, die Mitte und besonders das Ende“.Jonathan Ross: What does Travolta think he’s doing? He looks like an over-stuffed, dreadlocked, Cabbage Patch Doll. In: The Daily Mirror, 2. Juni 2000
Das Lexikon des internationalen Films urteilte: „Ein eindimensionaler Science-Fiction-Film, der unter den dramaturgischen Defekten des Drehbuchs und dem Unvermögen seines Regisseurs zu leiden hat“ und hielt ihn für einen „Film, den man schnell vergessen könnte, wenn nicht die alberne Aufmachung der Aliens in Erinnerung bliebe, die wie übel gelaunte Reggae-Fans aussehen.“
Laut James Berardinelli mache Battlefield Earth Filme wie Supernova und Sphere – Die Macht aus dem All zu Musterbeispielen der Stimmigkeit und sei „komplett langweilig“.Battlefield Earth – A Film Review by James Berardinelli
Roger Ebert von der Chicago Sun-Times verglich den Film mit einer „Busfahrt mit jemandem, der seit langer Zeit ein Bad benötigt“. Er sei nicht bloß schlecht, er sei bösartig unangenehm.Roger Ebert: Battlefield Earth. In: Chicago Sun-Times
Thomas Brendel vom deutschen Online-Kritikermagazin moviemaze schrieb, der Film stolpere von einer lachhaften Peinlichkeit in die nächste und lasse den Zuschauer schließlich verärgert zurück. Er fragte sich ebenfalls, „was im Gehirn des Regisseurs vorgegangen sein muss, um solch einen kruden Film abzugeben“.
Auszeichnungen Dallas-Fort Worth Film Critics Association Awards 2001: „Schlechtester Film“ Goldene Himbeere 2001: Battlefield Earth wurde in sieben Kategorien insgesamt acht Mal für den Negativpreis der Golden Raspberry Award Foundation nominiert und erhielt ihn in all diesen. Damit war Battlefield Earth zum damaligen Zeitpunkt zusammen mit Showgirls der Film, der die meisten Goldenen Himbeeren erhalten hatte.Golden Raspberry Award Foundation and John Wilson: Schlechtester Film Schlechtester Schauspieler (John Travolta, für Battlefield Earth und Lucky Numbers zusammen) Schlechtester Nebendarsteller (Barry Pepper, nominiert war außerdem Forest Whitaker) Schlechteste Nebendarstellerin (Kelly Preston) Schlechteste Filmpaarung (Travolta mit „jedem, der mit ihm zu sehen ist“) Schlechteste Regie (Roger Christian) Schlechtestes Drehbuch (Corey Mandell und J. D. Shapiro) 2005 erhielt der Film anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Golden Raspberry Award Foundation von dieser zusätzlich die Auszeichnung zum „schlechtesten Drama unserer ersten 25 Jahre“.Golden Raspberry Award Foundation and John Wilson: All-Time Cham-peens (As of 25th Annual RAZZIE Awards) Diese mitgerechnet, war Battlefield Earth erneut Rekordhalter der meisten Goldenen Himbeeren, zusammen mit Ich weiß, wer mich getötet hat, der in einer Verleihung acht Auszeichnungen bekommen hat.John Wilson and The Golden Raspberry Award Foundation: 2010 waren der Film und John Travolta erneut für die Goldenen Himbeeren zum „schlechtesten Film des Jahrzehnts“ bzw. „schlechtesten Schauspieler des Jahrzehnts“ nominiert.Razzie Awards: 2010 IMDb Der Film erhielt schließlich die Auszeichnung zum schlechtesten Film des Jahrzehnts.Negativ-Oscar. Spiegel Online; abgerufen am 7. März 2010.