rechts|200px|Münze mit Abbildung Neros und Poppaeas rechts|200px|Münze mit Abbildung Poppaeas

Poppaea Sabina (* ca. 30/32 n. Chr. in Pompeji; † Sommer 65 n. Chr. in Rom) war die zweite Frau des römischen Kaisers Nero.

Herkunft thumb|Büste der Poppaea Sabina Poppaea Sabina, geboren in PompejiIm Familienbesitz der Poppaei befand sich sehr wahrscheinlich die sogenannte Casa del Menandro in Pompeji (I, 10, 4), benannt nach einem Porträt des griechischen Komödiendichters Menander, wo man um 1930 auch ein 115-teiliges Silberbesteck fand (jetzt im Museum in Neapel). Enge Verbindung zu Poppaea hat auch die Villa von Oplontis, 3 km von Pompeji entfernt und am Meer gelegen. Poppaea unterstützte ihren Geburtsort Pompeji auch bei dem Versuch, als Kolonie anerkannt zu werden., war Tochter des Titus OlliusTacitus, Annalen 13, 45. aus Picenum und der älteren Poppaea Sabina. Ihr Vater war befreundet mit dem Prätorianerpräfekten Sejan, der unter Kaiser Tiberius jahrelang der mächtigste Mann im Reich war. Sejans Sturz im Jahre 31 bedeutete für Titus Ollius, der nie über das Amt des Quästors hinauskam,Sueton, Nero 35, 1. ebenfalls den Untergang.

Seine Tochter, die bis dahin den Namen Ollia trug, nahm später den Namen ihres Großvaters mütterlicherseits an – Gaius Poppaeus Sabinus, Konsul des Jahres 9 und 26 für einen Sieg über die Thraker mit den Triumphinsignien ausgezeichnet.Tacitus, Annalen 4, 46.

Ehen Erste Ehe: Rufrius Crispinus

Poppaea heiratete zunächst den Prätorianerpräfekten Rufrius Crispinus aus ritterlichem Stand. Im Jahr 47 wurde der zweimalige Konsul Valerius Asiaticus auf Beschuldigung der Kaiserin Messalina durch den berüchtigten Suillius angeklagt, er habe mit Poppaeas Mutter einst Ehebruch getrieben.Tacitus, Annalen 11, 1f. Claudius schickte seinen Prätorianerpräfekten Rufrius, den Schwiegersohn der Beschuldigten, nach Baiae, um den Angeklagten gefangen zu nehmen und ihn nach Rom zu bringen. Asiaticus wurde zum Selbstmord gezwungen, Poppaeas Mutter von Messalina durch Drohungen ebenfalls in den Selbstmord getrieben, all dies laut Tacitus ohne Wissen des Kaisers.Tacitus, Annalen 11, 2. Rufrius Crispinus wurde vier Jahre später von Neros Mutter Agrippina seiner Stellung als Prätorianerpräfekt enthoben und durch Sextus Afranius Burrus ersetzt, weil sie den Präfekten „dem Andenken der Messalina und deren Kindern ergeben“ glaubte.Tacitus, Annalen 12, 42.

Im Jahr 58 ließ sich Poppaea von Rufrius Crispinus scheiden. Später wurde Rufrius Crispinus im Jahr 65 im Rahmen der Pisonischen Verschwörung gefangen genommen und ins Exil geschickt, wobei Tacitus auch persönliche Motive Neros für diese Verbannung andeutet.Tacitus, Annalen 15, 71. Einen vermutlich um das Jahr 51 (oder etwas später) geborenen Sohn aus dieser Ehe, der wie sein Vater Rufrius Crispinus hieß, ließ Nero noch als Knaben ertränken.Sueton, Nero 35.

Zweite Ehe: Otho

Laut Tacitus ging Poppaea bereits während der Ehe mit Crispinus ein Verhältnis mit Otho, dem Freund Neros und späteren Kaiser, ein und heiratete ihn nach der Scheidung von Crispinus.Tacitus, Annalen 13, 45.

Otho war so leichtsinnig, Nero gegenüber die Vorzüge seiner Frau zu preisen. Auch Poppaea machte sich erfolgreich daran, die Begierde des Fürsten durch geschickte Verführung und Verweigerung zu reizen. Schließlich wurde Otho von den Vertraulichkeiten ausgeschlossen und von Nero weit weg von Rom als Statthalter nach Lusitania (Portugal) geschickt.Tacitus, Annalen 13, 46.

Etwas anders wird die Geschichte bei Plutarch überliefert. Hier ist Otho ursprünglich nur ein Strohmann Neros, der sich in Poppaea verliebt hatte. Da er aber noch mit Octavia verheiratet war und zudem seine Mutter fürchtete, habe er Otho vorgeschickt. Otho aber wollte Poppaea nach erfolgter Hochzeit nicht mit Nero teilen; auch spielte Poppaea ihr eigenes Spiel, war Nero als Liebhaber gegenüber nicht abgeneigt, wollte sich auf eine Hochzeit mit Nero aber nicht einlassen. Wider aller Erwarten kam Otho in diesem Beziehungsgeflecht nicht zu Tode, sondern wurde auf Anraten Senecas nach Lusitanien geschickt.Plutarch, Galba 19 f.; Seneca hatte sich schon einmal, durch Zuführung der Claudia Acte, aktiv in das Liebesleben Neros eingeschaltet (siehe Tacitus, Annalen 14, 2).

Dritte Ehe: Nero

Im Jahr 59 erglühte Nero in „täglich heftigerer Liebe zu Poppaea“, die aber, „solange Agrippina lebte, die Ehe mit ihm und seine Scheidung von Octavia nicht hoffen konnte.“ Poppaea trieb also Nero durch Spottreden massiv dazu an, sich von seiner Mutter unabhängig zu machen, und setzte Nero, in Übereinstimmung mit dem Hof, unter Zugzwang. Womit niemand gerechnet hatte: Nero selbst sah offenbar keine andere Möglichkeit, sich von seiner Mutter zu befreien, als sie im März 59 ermorden zu lassen.Tacitus, Annalen 14, 1.

Erst nachdem die einflussreichen Berater Burrus und Seneca im April 62 kaltgestellt waren, setzte Poppaea endlich durch, dass sich Nero unter dem Vorwand, sie sei unfruchtbar, von Octavia scheiden ließ.Tacitus, Annalen 14, 59. Nero verband sich nun offiziell mit Poppaea, die der Octavia Sklavenliebschaft mit dem alexandrinischen Flötenspieler Eucerus vorwerfen ließ. Tigellinus betätigte sich hierbei als williger Mithelfer. Die Ehe mit Nero wurde offiziell geschieden, Octavia später nach Kampanien verbannt. Doch scheint die negative Reaktion des Volkes auf diese Maßnahme so eindringlich gewesen zu sein, dass Nero Octavia als seine Frau zurückholte.Tacitus, Annalen 14, 59 f.

Poppaea, die inzwischen ihre Schwangerschaft bemerkt hatte,Tacitus, Annalen 14, 61. Da die Geburt der Tochter wohl am 21. Januar 63 erfolgte, dürfte die Zeugung 9 Monate vorher, um den 21. April herum stattgefunden haben. Poppaea dürfte demnach frühestens Anfang Mai ihre Schwangerschaft bemerkt haben. brachte Nero jedoch dazu, Octavia einen weiteren Ehebruch zu unterstellen. Octavia wurde auf die pontinische Insel Pandateria verbannt und dort am 7. Juni 62 ermordet. „Ihr Haupt wurde abgeschnitten und in die Stadt gebracht und Poppaea betrachtete es.“

Zwölf Tage nach der Scheidung von Octavia heiratete Nero Poppaea.Sueton, Nero 35, 3.

Die Tochter: Claudia Augusta

Wohl am 21. Januar 63Die Arvalbrüder lösten ihr für eine glückliche Geburt geleistetes Gelübde an diesem Tag ein: . kam in Antium, dem Geburtsort auch Neros, eine Tochter zur Welt, von Nero Claudia Augusta genannt, nachdem er bereits Poppaea den Titel Augusta verliehen hatte.Tacitus, Annalen 15, 23. Zur Feier wurden Dankgebete gesprochen, der Fruchtbarkeit ein Tempel gelobt, ein Kampfspiel nach dem Muster der actischen Feier und weitere Festlichkeiten beschlossen. Doch schon im vierten Lebensmonat starb die Tochter.Tacitus, Annalen 15, 23; vgl. Sueton, Nero 35: „Von ihr [Poppaea] hatte er [Nero] eine Tochter, Claudia Augusta, die er aber, als sie noch ein Kind war, wieder verlor.“

Persönlichkeit Aussehen

Poppaea galt – wie bereits ihre Mutter – als eine der schönsten Frauen ihrer Zeit.Tacitus, Annalen 13, 45; vgl. Tacitus, Annalen 16, 6: [Nero] laudavitque ipse apud rostra formam eius. Ihr Haar war laut Plinius rotgolden,Plinius, Naturalis historia 37, 50. ihre Haut war weiß, was sie durch das Baden in Eselsmilch weiter zu fördern suchte.Plinius, Naturalis historia 11, 238; vgl. 28, 183.

Von Poppaea sind aufgrund der nach Neros Tod einsetzenden damnatio memoriae nur wenige Statuen oder Porträts erhalten, die ihr zudem oft auch nur unsicher zugeordnet werden können. Ihr Bild ist vor allem durch Münzen überliefert.

Bildung und Sprache

Poppaea hatte offenbar eine für eine Frau der damaligen Zeit recht gute Ausbildung. In einem zeitgenössischen Epigramm wird sogar ihre Weisheit („sophia“) gelobt.Anthologia Palatina 9, 355. Dass dies nicht vollständig als die übliche Schmeichelei gegenüber einer Kaiserin verbucht werden kann, zeigt das Urteil des Tacitus, der sonst nur wenig Schmeichelhaftes von Poppaea berichtet, ihr aber eine freundliche Rede und einen nicht ungebildeten Verstand zugesteht.Tacitus, Annalen 13, 45.

Tacitus, der uns ihre Sprechweise sehr anschaulich überliefert, hebt besonders ihre kokette, in Frageform gekleidete, Ironie hervor. Er zitiert sie wörtlich, ganz als ob er Briefe gekannt hätte,Es „kann kein Zweifel bestehen, daß Tacitus eine große Menge dokumentarischer Primärquellen zur Verfügung stand: Protokolle, Berichte, Erlässe, Gerichtsurteile, Beschlüsse, Reden, Briefe (vgl. etwa Tac. hist. 4,25,2 […]), Inschriften und […] Nachrichten aus den acta diurna.“ (Stefan Schmal: Tacitus (Hildesheim, 2005) S. 110.) die sie in den Jahren 59 und 62 an Nero schrieb:

Charakter und Gewohnheiten

Poppaeas Ruf war von Wolllüstigkeit und Berechnung bestimmt, sie trat auf mit halb verschleiertem Gesichte, „um dem Auge nicht volle Befriedigung zu gewähren“, vielleicht auch nur, um sich die vornehme Blässe zu erhalten, für die sie berühmt war. Auf ihren Ruf nahm sie keinerlei Rücksichten und verfolgte ihren eigenen Vorteil, wenn sie ihre Sinnlichkeit einsetzte.Tacitus, Annalen 13, 45. Allein auf ihre Schönheit verwandte sie größte Mühe und äußerte den Wunsch, „sterben zu dürfen, ehe sie verblühe“.Cassius Dio 62, 28, 1.

Mal schmeichelte sie Nero und lobte seine Schönheit,Tacitus, Annalen 13, 46. mal machte sie ihm Vorwürfe, nannte ihn „unmündig“ und „unfrei“.Tacitus, Annalen 14, 1. Ihr Zorn und ihre Grausamkeit waren gefürchtet.Tacitus, Annalen 14, 61. Ihr Tod war „für alle erfreulich, die sich ihrer Unkeuschheit und Grausamkeit erinnerten.“„Mortem Poppaeae […] recordantibus laetam ob impudicitiam eius saevitiamque“ (Tacitus, Annalen 16, 7; dt. Übers. W. Boetticher / A. Schaefer)

Reichtum, Luxus und kosmetische Raffinessen

Von ihrem Vermögen wusste Tacitus zu berichten, dass es der Berühmtheit ihrer Gens entsprach.Tacitus, Annalen 13, 45. Unter anderem setzte sie es ein, um ihrer ohnehin luxuriösen Körperpflege noch einen besonderen Akzent zu geben. So führte sie üblicherweise immer 500 frisch gefohlt habende Eselinnen mit, in deren Milch sie badete, um der Haut Blässe und Straffheit zu verleihen.Plinius, Naturalis historia 11, 238; 28, 183. Den Eseln aber ließ sie Fußfesseln aus Gold anlegen.Plinius, Naturalis historia 33, 140. Der Satiriker Juvenal machte sich in seiner berühmten Frauensatire über diese luxuriöse Marotte der Poppaea lustig.Juvenal 6, 462–469; auch der Scholiast zu Juvenal 6, 462 äußert sich zu den Eselsmilchbädern (vgl. Edward Champlin: Nero. Harvard 2005, S. 297 Anm. 46).

Noch Cassius Dio prangerte ihren verschwenderischen Aufwand an:

Religiosität

Astrologen

Obgleich schon so mancher Römer wegen Astrologie verurteilt und verbannt wurde,So wurde zum Beispiel im Jahr 49 Lollia wegen ihres „Umgangs mit Chaldäern und Magiern“ verbannt (Tacitus, Annalen 12, 22). Im Jahr 52 wurden die Astrologen durch Claudius „aus ganz Italien verbannt und ihre Anhänger bestraft“ (Cass. Dio 61.33.3b) hielt sich Poppaea einen ganzen Stab von AstrologenTacitus, Historien 1, 22. und ihre Neigung zur Sternkunde war wohl öffentlich bekannt und geduldet. Der Astronom und Epigrammatiker Leonidas von Alexandria schenkte Poppaea zum Geburtstag einen Himmelsglobus:Anthologia Palatina 9, 355; Dietrich Ebener (Hrsg.): Die Griechische Anthologie, Bd. II (Berlin 1991) 355. „Yet she was as intelligent as she was beautyful. The poet Leonides of Alexandria gave to Poppaea Augusta a globe of the heavens as a birthday present because, as he says in the accompanying epigram, she enjoyed gifts worthy of her marriage-bed (as the ‘wife of Zeus’) and of her learning (sophie).“ (Edward Champlin, Nero, Harvard 2005, S. 104.)

Poppaea und die Juden