mini|Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest Burgdorf (2013) mini|Plakat zum Eidgenössischen Schwingfest 1908 in Neuenburg
Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF, , , ) ist ein Eidgenössisches Fest und findet alle drei Jahre statt. Dabei werden die Schweizer Nationalsportarten Schwingen, Hornussen und Steinstossen ausgeübt, wobei der Schwingsport im Zentrum steht. Erstmals fand es 1895 in Biel statt. Es ist zusammen mit dem Unspunnenfest und dem Kilchberger Schwinget der wichtigste Wettkampf im Schwingen und Steinstossen.
Schwingerkönig Der Gewinner des Eidgenössischen, wie das Fest im Allgemeinen genannt wird, wird zum «Schwingerkönig» ausgerufen. In dem seltenen Fall, dass ein Schwinger die gleiche Punktzahl wie der Schwingerkönig erreicht, erhält dieser den Titel «Erstgekrönter». auf schlussgang.ch, abgerufen am 25. August 2019. Der Schwingerkönig erhält den «Muni», einen Stier, als lebenden Hauptpreis («Lebendpreis»). Auch für die anderen Teilnehmer stehen jeweils in einem Gabentempel gestiftete Preise zur Auswahl. Ein Schwinger, der an einem Eidgenössischen einen Kranz gewinnt, also zu den besten 15 Prozent gehört, wird als Eidgenosse bezeichnet und zur Schwinger-Elite gerechnet. Umgangssprachlich werden die besten Schwinger als die Bösen bezeichnet. Die Bösen sind in der Schweiz einer breiten Bevölkerungsschicht so bekannt wie andere Sportgrössen.
Der Rekord liegt bei drei Titelgewinnen und wird von drei Schwingern simultan gehalten, den Bernern Hans Stucki (1900, 1902, 1905) und Rudolf Hunsperger (1966, 1969, 1974) sowie dem Nordostschweizer Jörg Abderhalden (1998, 2004, 2007). Abderhalden stand ausserdem vier Mal in Folge im Schlussgang des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests. Willy Lardon gewann das Eidgenössische ebenfalls dreimal (1937, 1943, 1945), erhielt dabei den Titel des Schwingerkönigs aber nur zweimal zugesprochen (1937, 1943). Im Jahre 1945 wurde er nach gestelltem Schlussgang gegen Peter Vogt «Erstgekrönter». Peter Vogt gewann das Eidgenössische ebenfalls dreimal (1945, 1948, 1950), erhielt dabei den Titel des Schwingerkönigs aber nur einmal zugesprochen (1948).. In: SF Sport. 2010. Im Jahre 1945 (zusammen mit Lardon) und 1950 nach gestelltem Schlussgang gegen Walter Flach wurde er «Erstgekrönter». Daneben wurde Karl Meli zweimal Schwingerkönig (1961, 1964). Meli hat auch als einziger den Kilchberger Schwinget zweimal gewonnen (1967, 1973), und er gewann insgesamt mehr Schwingfeste als jeder andere. Auch Ernst Schläpfer ist zweifacher Schwingerkönig (1980, 1983) und verpasste 1986 den dritten Titel nur knapp gegen Harry Knüsel.
Austragungsorte und Sieger Für die Austragung des Eidgenössischen sind abwechselnd die verschiedenen Verbände des Eidgenössischen Schwingverbands zuständig. Diese können innerhalb ihres Einzugsgebietes das Eidgenössische durchführen. Das erste offizielle Eidgenössische Schwing- und Älplerfest fand 1895 in Biel statt.
Jahr Austragungsort Veranstalter Schwingerkönig 2028 Thun Bernisch-Kantonaler Schwingerverband 2025 Mollis Nordostschweizerischer Schwingerverband Armon Orlik 2022 Pratteln Nordwestschweizerischer Schwingerverband Joel Wicki 2019 Zug Innerschweizerischer Schwingerverband Schwingerkönig: Christian StuckiErstgekrönter: Joel Wicki 2016 Estavayer-le-Lac Südwestschweizerischer Schwingerverband Matthias Glarner 2013 Burgdorf Bernisch-Kantonaler Schwingerverband Matthias Sempach 2010 Frauenfeld Nordostschweizerischer Schwingerverband Kilian Wenger 2007 Aarau Nordwestschweizerischer Schwingerverband Jörg Abderhalden 2004 Luzern Innerschweizerischer Schwingerverband Jörg Abderhalden 2001 Nyon Südwestschweizerischer Schwingerverband Arnold Forrer 1998 Bern Bernisch-Kantonaler Schwingerverband Jörg Abderhalden 1995 Chur Nordostschweizerischer Schwingerverband Thomas Sutter 1992 Olten Nordwestschweizerischer Schwingerverband Silvio Rüfenacht 1989 Stans Innerschweizerischer Schwingerverband Schwingerkönig: Adrian KäserErstgekrönter: Eugen Hasler 1986 Sitten Südwestschweizerischer Schwingerverband Harry Knüsel 1983 Langenthal Bernisch-Kantonaler Schwingerverband Ernst Schläpfer 1980 St. Gallen Nordostschweizerischer Schwingerverband Ernst Schläpfer 1977 Basel Nordwestschweizerischer Schwingerverband Arnold Ehrensberger 1974 Schwyz Innerschweizerischer Schwingerverband Ruedi Hunsperger 1972 La Chaux-de-Fonds Südwestschweizerischer Schwingerverband David Roschi 1969 Biel/Bienne Bernisch-Kantonaler Schwingerverband Ruedi Hunsperger 1966 Frauenfeld Nordostschweizerischer Schwingerverband Ruedi Hunsperger 1964 Aarau Nordwestschweizerischer Schwingerverband Karl Meli 1961 Zug Innerschweizerischer Schwingerverband Karl Meli 1958 Freiburg Südwestschweizerischer Schwingerverband Max Widmer 1956 Thun Bernisch-Kantonaler Schwingerverband Eugen Holzherr 1953 Winterthur Nordostschweizerischer Schwingerverband Walter Flach 1950 Grenchen Nordwestschweizerischer Schwingerverband Kein SchwingerkönigErstgekrönte: Walter Haldemann und Peter Vogt 1948 Luzern Innerschweizerischer Schwingerverband Peter Vogt 1945 Bern Bernisch-Kantonaler Schwingerverband Kein SchwingerkönigErstgekrönte: Willy Lardon und Peter Vogt 1943 Zug Innerschweizerischer Schwingerverband Willy Lardon 1940 Solothurn Nordwestschweizerischer Schwingerverband Otto Marti, Werner Bürki 1937 Lausanne Südwestschweizerischer Schwingerverband Willy Lardon 1934 Bern Bernisch-Kantonaler Schwingerverband Werner Bürki 1931 Zürich Nordostschweizerischer Schwingerverband Hans Roth 1929 Basel Nordwestschweizerischer Schwingerverband Hans Roth 1926 Luzern Innerschweizerischer Schwingerverband Henri Wernli 1923 Vevey Südwestschweizerischer Schwingerverband Karl Thommen 1921 Bern Bernisch-Kantonaler Schwingerverband Robert Roth 1919 Langenthal Bernisch-Kantonaler Schwingerverband Robert Roth, Gottlieb Salzmann 1911 Zürich Nordostschweizerischer Schwingerverband Gotthold Wernli 1908 Neuenburg Südwestschweizerischer Schwingerverband Albrecht Schneider 1905 Interlaken Bernisch-Kantonaler Schwingerverband Hans Stucki 1902 Sarnen Innerschweizerischer Schwingerverband Hans Stucki 1900 Bern Bernisch-Kantonaler Schwingerverband Hans Stucki, Emil Kocher 1898 Basel Nordwestschweizerischer Schwingerverband Christian Blaser, Frédéric Bossy 1897 Biel/Bienne Bernisch-Kantonaler Schwingerverband Alfons Thurneysen 1895 Biel/Bienne Bernisch-Kantonaler Schwingerverband Alfred Niklaus
1977 fand das ESAF im St. Jakob-Stadion statt, 1998 im Stadion Wankdorf. Ansonsten wird jeweils extra für die Dauer des Anlasses eine temporäre Infrastruktur aufgebaut, ausser zumindest 2025, als die Arena nach dem Anlass noch für ein Personalfest der Migros genutzt wurde.
Aarau 2007 mini|alt=|Logo ESAF Aarau 2007 Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2007 in Aarau dauerte drei Tage und war der grösste Schweizer Sportanlass des Jahres. Es nahmen 279 Schwinger und 150 Steinstösser teil, dazu 450 Hornusser in 20 Mannschaften. Das eigens für den Anlass errichtete Stadion fasste knapp 47'000 Zuschauer, und an den drei Tagen kamen 200'000 Besucher. Die für das Schwingfest erbaute Arena war das grösste temporäre Sportstadion, das in der Schweiz verwendet wird. Die Schwingwettkämpfe wurden vom Schweizer Fernsehen live übertragen, und die nationale Presse berichtete ausführlich. Schwingerkönig wurde zum dritten Mal Jörg Abderhalden.
Frauenfeld 2010 mini|alt=|Logo ESAF Frauenfeld 2010 Das «Eidgenössische» 2010 fand vom 20. bis 22. August in Frauenfeld statt. Zum grössten Schweizer Sportanlass kamen rund 250'000 Besucher, mehr als von den Veranstaltern erwartet. Die «Gänge» (Paarungen) im Schwingen wurden erneut in der 47'000 Besucher fassenden temporären Arena ausgetragen. Die Wettkämpfe fanden in drei Sportarten statt: Neben dem Schwingen, für das über 300 Teilnehmer gemeldet waren, wurden auch Wettkämpfe im Hornussen und im Steinstossen ausgetragen.
Beim Anschwingen im Duell des amtierenden Schwingerkönigs gegen den Kilchbergsieger stellte Stucki gegen Abderhalden. Der damals erst 20-jährige Kilian Wenger gewann mit acht Siegen. Wenger bezwang dabei Jörg Abderhalden im fünften Gang und Martin Grab im Schlussgang.
Burgdorf 2013 mini|alt=|Logo ESAF Burgdorf 2013 Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2013 fand vom 30. August bis 1. September 2013 in Burgdorf im Emmental im Kanton Bern statt. Das Festgelände umfasste 70 Hektaren mit 12 Festzelten und einer langen Marktgasse. Die Arena für 52'013 Personen war die grösste temporäre Arena der Welt.Fabian Christl: Die Party steigt schon vor dem Fest. In: Der Bund, 29. August 2013. 278 Schwinger, 20 Hornussermannschaften und 121 Steinstösser traten zum Wettkampf an, rund 300'000 Besucher waren zu Gast.Eidgenössisches übertrifft alle Erwartungen. In: Neue Luzerner Zeitung. 2. September 2013. Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) setzten rund 400 Extrazüge ein, die Busland AG, eine Tochtergesellschaft der BLS AG, 680 Extrabusse. SBB, 27. August 2013 (Medienmitteilung).
Die Preise im Gabentempel hatten einen Gesamtwert von 800'000 Franken, Hauptgewinn war ein Muni oder alternativ ein Hochlader im Wert von 20'000 Franken. Das Budget der Veranstaltung lag bei 25 Millionen Franken, davon kamen über 10 Millionen von Sponsoren. Insgesamt wurde für das Fest ein Umsatz von 80 Millionen Franken erwartet.Roman Seiler: Burgdorf freut sich auf Schwinger und ein 80-Millionengeschäft. In: Aargauer Zeitung. 28. August 2013.
Im Anschwingen endete der Spitzenkampf zwischen den Schwingerkönigen Kilian Wenger und Arnold Forrer mit einem Gestellten (Unentschieden). Ansonsten gewannen die Berner überwiegend ihre Kämpfe.Hans Trachsel: Der König der Bösen wankt. In: Neue Zürcher Zeitung. 31. August 2013. Im 2. Gang verlor Wenger überraschend gegen den Luzerner Martin Koch und hatte damit faktisch keine Chance mehr auf eine Titelverteidigung. In: Schlussgang. 31. August 2013. Auch im 3. Gang waren von den neun ohne Niederlage Führenden sechs Berner. In: Schlussgang. 31. August 2013. Im 4. Gang lagen vier Schwinger in Führung, darunter drei Berner. In: Schlussgang. 31. August 2013. Während im 5. Gang noch Christian Stucki vor Matthias Sempach lag, ging dieser im 6. Gang in Führung, die er im 7. Gang noch ausbaute. Im Schlussgang standen sich Christian Stucki und Matthias Sempach gegenüber, letzterer konnte den Gang für sich entscheiden und wurde damit neuer Schwingerkönig.
Estavayer-le-Lac 2016 Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (Fête fédérale de lutte suisse et des jeux alpestres) 2016 fand vom 26. bis 28. August bei Estavayer-le-Lac auf dem Gelände des benachbarten Militärflugplatzes Payerne statt.. Insgesamt 800 Athleten standen im Einsatz: 280 Schwinger, 120 Steinstösser und 400 Hornusser. Das Budget für den Mega-Event betrug 29 Millionen Franken. Rund 280'000 Leute besuchten den Anlass auf dem 90 Hektare grossen Festgelände. Das Stadion wies ein Fassungsvermögen von 52'016 Plätzen auf. Es wurden 240'000 Liter Bier und 200'000 Liter Wasser ausgeschenkt und rund 60'000 Bratwürste verzehrt.
Schwingerkönig wurde der 30-jährige Matthias Glarner. Er gewann im Schlussgang gegen Armon Orlik. Das Steinstossen mit dem 83,5 kg Unspunnenstein gewann Remo Schuler.
Zug 2019