mini|Eistaucher steigen umgeben von Schaulustigen ins Wasser. mini|Eistaucher im Trockenanzug und mit Rebreather. Eistauchen meint das Tauchen mit technischen Hilfsmitteln in einem Gewässer mit zentimeterdicker Eisdecke. Sowohl Geräte- als auch Apnoetaucher praktizieren das Eistauchen. Weil beim Eistauchen die einzige Ein- und Ausstiegsmöglichkeit das in das Eis geschnittene Loch ist, erfordert es spezielle Verfahren und Ausrüstung. Das Eistauchen wird von Sporttauchern in der Freizeit, von Forschungstauchern zu wissenschaftlichen Zwecken und von Einsatztauchern für das Suchen, Retten und Bergen von Personen und Gegenständen sowie von Berufstauchern zur Wartung, Reparatur oder Errichtung von technischen Anlagen ausgeübt.
Ähnlich wie beim Höhlentauchen entsteht die größte Gefahr beim Eistauchen dadurch, dass der Tauchgang nicht einfach durch Auftauchen an die Oberfläche abgebrochen werden kann. Findet der Taucher den Weg nicht rechtzeitig zum Ein- und Ausstiegsloch zurück, so ist er unter dem Eis gefangen. Das Beherrschen der Tarierung ist ein kritischer Faktor für die Sicherheit beim Eistauchen, weshalb Anfängern von dieser Art zu tauchen abgeraten wird. Es wird empfohlen, einen Kurs für das Eistauchen zu absolvieren, bevor man auf eigene Faust Tauchgänge unter dem Eis plant. Eistaucher sind meist mit einer Leine verbunden, deren Ende an der Oberfläche befestigt ist und von einem Begleiter überwacht wird. Durch Wassertemperaturen knapp über (in Süßwasser) oder knapp unter (im Meer) dem Gefrierpunkt ist die Unterkühlung des Tauchers wie auch das Vereisen der Atemregler ein stets drohender Auslöser für tödliche Unfälle. Insbesondere das Apnoetauchen unter dem Eis kann als Extremsport eingestuft werden.
Gerätetauchen Teamsportart mini|Der Tender (ganz links im Bild) und das Rettungsteam am Einstiegsloch, während ein Buddyteam unter dem Eis taucht. 300px|mini|Ein 4er-Team beim Eistauchen. 4 Personen sind das Minimum für das Eistauchen. 1 = Momentan tauchendes Team (1A = erster Taucher am Seilende; 1B = zweiter Taucher und Seilhandler; 1C = Tender; 1D = erstes Führungsseil [grün] für die Kommunikation, Orientierung und Rettung, ~ 50–100 m lang.) 2 = Rettungstaucher (2A = vollständig ausgerüsteter Standbytaucher; 2D = zweites Führungsseil [orange]) 3 = Eisdecke 4 = Eisschrauben, um die Seilenden zu sichern. 5 = Einstiegsöffnung in der Eisdecke. 300px|mini|Ein 6er-Team beim Eistauchen. Das 6er-Team ist sicherer als ein 4er-Team. 1 = Momentan tauchendes Team (1A = erster Taucher am Seilende; 1B = zweiter Taucher und Seilhandler; 1C = Tender; 1D = erstes Führungsseil (grün) für die Kommunikation, Orientierung und Rettung, ~50-100m lang.) 2 = Rettungsteam (2A = vollständig ausgerüsteter Standbytaucher; 2B = vollständig ausgerüsteter Seilhandler für den Standbytaucher; 2C = Standbytender; 2D = zweites Führungsseil [orange]) 3 = Eisdecke 4 = Eisschrauben, um die Seilenden zu sichern. 5 = Einstiegsöffnung in der Eisdecke. Das Eistauchen mit einem Drucklufttauchgerät oder Rebreather ist eine Team-Tauchaktivität, die mindestens vier (besser sechs) Personen erfordert. Als Erstes gibt es ein Buddyteam, das unter dem Eis taucht. Der Tender (engl. für Versorger) steht neben der Ein-/Ausstiegsöffnung und verständigt sich über ein Führungsseil mit dem unter dem Eis befindlichen Team. Ein weiterer Taucher (die vierte Person) steht vollständig ausgerüstet als Rettungstaucher (auch Standby-Taucher oder engl. „standby diver“ genannt) bereit. Als sicherer gilt es jedoch, wenn der Rettungstaucher auch über einen Buddy verfügt und dieses Rettungsteam von einem separaten (Notfall-)Tender überwacht wird, falls er zum Einsatz kommt. Jeder im Team sollte so ausgebildet sein, dass er jede Aufgabe übernehmen kann. Auch die Tender sollten selbst Taucher mit einer abgeschlossenen Spezialausbildung für das Eistauchen sein, damit sie sich jederzeit gedanklich in die Lage der gerade tauchenden Kameraden versetzen können. Nur so kann ein Tender die Sicherheit der Taucher wirklich jederzeit gewährleisten.
Eisdecke mini|250px|Ausscheiden einer kleinen Sondieröffnung mit einer Motorsäge auf dem Lake Ronconkom, Long Island, USA. mini|250px|Eisdeckenanalyse an einer kleinen Sondieröffnung auf dem Lake Ronconkom. mini|Eisdeckenaufbau eines zugefrorenen Gewässers. Für das Eistauchen muss sichergestellt werden, dass die Eisdecke mehrere Personen tragen kann, selbst wenn sie aufgeschnitten wird. Ab einer Dicke von etwa 10 cm solidem Kerneis (Eis ohne Luft- oder Schneeeinschlüsse) ist das gegeben. Mit einer kleinen Sondieröffnung kann die lokale Kerneisdicke (auch Blaueis genannt) bestimmt werden. Bei Unsicherheiten soll man sich an die Anweisungen der lokalen Behörden halten und sie, falls nicht zugänglich, nötigenfalls erfragen.
Die Tragfähigkeit einer Eisdecke über einem stehenden Gewässer lässt sich mit der sogenannten „Gold-Formel“ (benannt nach Lorne W. Gold), bezogen auf eine Einzellast, abschätzen:
oder:
Bedeutung der Variablen: = zulässige Gesamtmasse einer Einzellast [kg/cm²] = Dicke des Kerneis [cm] = Dicke des weißen Eises [cm]
Daraus lassen sich die folgenden minimalen Kerneisdicken ableiten: +Kerneisdicke von min.Tragfähig für8 cmEinzelperson10 cmPersonengruppen15 cmSchlittenfahrzeugeab 20 cmPKWs und andere kleinere StraßenfahrzeugeAuf Fließgewässern: 12 bis 20 cmBetreten der Eisdecke
Deutlich dickeres Eis ist notwendig, falls es sich um Packeis oder um eine Eisdecke über einem fließenden Gewässer handelt.
Vorbereiten des Tauchplatzes mini|250px|Öffnen der dreieckigen Einstiegsöffnung, um danach unter dem Eis zu tauchen; auf dem Lake Ronconkom.400px|mini|Für Eistauchen vorbereiteter Tauchplatz. 1 = Schneebedeckte Eisdecke. 2 = Von Schnee befreite „Speichen“ für bessere Orientierung unter dem Eis. 3 = Von Schnee befreiter Arbeitsbereich. 4 = In der Eisdecke ausgeschnittene dreieckige Einstiegsöffnung. 5 = Erstes Führungsseil, vorbereitet für die Taucher. 6 = Zweites Führungsseil, vorbereitet für das Rettungsteam. 7 = Eisschrauben zur Sicherung der losen Seilenden. Falls auf dem Eis eine Schneedecke liegt, wird diese im Bereich um den Einstieg mit einer Schneeschaufel entfernt. Ein vom Zentrum der geplanten Einstiegsöffnung ausgehendes Sternmuster von Schaufelbahnen wird ebenfalls von Schnee befreit, um später die Orientierung unter dem Eis zu vereinfachen. Mit einer Eissäge von Hand oder motorisiert mit einer Kettensäge wird eine dreieckige Öffnung von etwa 2 bis 3 Meter ins Eis geschnitten. Um allenfalls letzte noch vorhandene Bruchstellen zu durchtrennen oder unerwünschte Spitzen und scharfe Kanten abzuschlagen, kann eine Axt benutzt werden. Die losen Eisstücke können mit Eiszangen, Eishaken und Stangen neben der Öffnung unter die Eisdecke geschoben werden. Die Führungsseile werden vom Tender neben dem Einstieg so ausgelegt, dass er sie später leicht ausgeben und wieder einholen kann, ohne dass sie sich verknoten oder verheddern. Das Seil für den Rettungstaucher (oder besser das Rettungsteam) wird auf der gegenüberliegenden Seite in gleicher Weise vorbereitet. Die losen Enden beider Seile werden mit einer Eisschraube etwa zwei Meter von der Öffnung entfernt fest im Eis verankert, damit sie dem Tender nicht entrissen werden können.
Tauchgang unter dem Eis Am Einstieg werden die Taucher mit einem Knoten oder Karabiner mit dem Seil verbunden. Dabei wird ein Taucher am losen Ende des Seils befestigt und sein Buddy in etwa zwei bis drei Metern Abstand. Als Knoten hat sich ein Palstek bewährt, den man um einen D-Ring des Jackets legt. Alternativ können auch doppelte Halbschläge verwendet oder zusätzlich unter dem Jacket ein Klettergurt eingesetzt werden. Werden Karabiner genutzt, sollten sie die gleichen Anforderungen erfüllen, wie sie beim Klettern gestellt werden. Der Taucher am losen Ende des Seils kann mehr oder weniger frei tauchen. Deshalb übernimmt er normalerweise die Aufgabe der Navigation und Naturbeobachtung oder Unterwasserarbeit. Sein Buddy ist für die sichere Seilführung und die Kommunikation mit dem Tender verantwortlich. Der Tender steht an der Einstiegsöffnung und versucht, das Seil immer so weit gespannt zu halten, dass die Kommunikation durch Zugzeichen jederzeit möglich ist. Der Rettungstaucher (und idealerweise sein eigener Tender) befindet sich während des ganzen Tauchgangs vollständig ausgerüstet neben der Einstiegsöffnung. Nur so kann der Rettungstaucher in einer Notfallsituation innerhalb Sekunden ins Wasser gleiten, um dem tauchenden Buddyteam zur Hilfe zu eilen. Beim Tauchen unter Packeis oder in fließenden Gewässern muss der Tender die Eisbewegung ständig beobachten, um sicherzustellen, dass der Ausstieg nicht plötzlich versperrt wird. Drohen entsprechende Eisverschiebungen, muss er die Taucher umgehend zurückrufen.
Kommunikation Das Buddyteam im Wasser kommuniziert – wie beim Tauchen üblich – durch Tauchzeichen miteinander. Falls viel Schnee auf dem Eis liegt, können die Taucherlampen benutzt werden, um Tauchzeichen anzuzeigen. Der Tender kommuniziert über Zugzeichen am Führungsseil mit den Tauchern. Anders als bei den Tauchzeichen gibt es keine einheitlichen bzw. genormten Ziehsignale beim Eistauchen. Sie können je nach Region und Zweck des Eistauchens unterschiedlich sein. Unter Sporttauchern haben sich die folgenden Signale durchgesetzt: +Signal (Zug am Seil)Bedeutung für die Taucher und den Tender1-mal„Mehr Seil bitte!“2-mal„OK?“ oder „Alles OK!“3-mal und mehr„Alarm“, „Notfall“, „Rettung nötig!“ oder „Sofort zurück zum Ausstieg!“ Für deutsche Rettungsdienste, Einsatztaucher der Feuerwehr oder deutsche Polizei und die Wasserwacht sieht die DGUV-Regel Nr. 105-002 in Anhang 5 komplexere Ziehsignale vor, als sie Sporttaucher normalerweise nutzen. Der VDST und seine Mitgliedsverbände lehren diese erweiterten Signale auch Sporttauchern im Zusammenhang mit dem Eistauchen: +Signal (Zug am Seil)Bedeutung für die Taucher und den Tender1-mal„Alam“, „Notfall“, „Gefahr“, „Rettung nötig!“ oder „Sofort zurück zum Ausstieg!“2-mal„Nach links tauchen.“3-mal„Nach rechts tauchen.“4-mal„Wir kehren um. Kein Notfall.“ oder „Umkehren! Keine Gefahr.“5-mal und mehr„OK?“ oder „Alles OK!“ Marine- oder Berufstaucher verwenden an ihre Bedürfnisse angepasste Seilsignale, sofern sie nicht über elektronische Unterwasserkommunikationsgeräte verfügen. Ein Beispiel für oberflächenversorgtes Tauchen: +Signal (Zug am Seil)vom Leinenführervom Taucher1-malAufsteigen!Ich will aufsteigen.2-mal mehr Luft3-mal weniger Luft4-malfreies Signal5-mal und mehrOK?OK! Als weitere noch komplexere Möglichkeit kann über das Führungsseil mit Morsecode kommuniziert werden. Dabei werden einzelnen Buchstaben eine Bedeutung zugewiesen. Ein Beispiel der deutschen Marine für Richtungsangaben: +Signal (Zug am Seil)Bedeutung des MorsecodeBedeutung für die Taucher und den TenderRüttelnn/aIch bin empfangsbereit. / Achtung, ein Signal kommt!lang – kurzNgeradeauskurz – lang – kurzRnach rechtskurz – lang – kurz – kurzLnach linkslang – lang – kurzGOKlang – lang – kurz – kurzZzurück
Navigation mini|Das Licht des Einstiegs und das Führungsseil helfen bei der Orientierung unter dem Eis. Beim Tauchen unter Eis kann man leicht die Orientierung verlieren. Liegt viel Schnee auf dem Eis, kann es unter der Eisdecke dunkel sein und das einzige Helle ist der Ausstieg. Das kann die Navigation vereinfachen. Ist das Eis jedoch schwarz, fällt diese Orientierungshilfe weg. Deshalb ist die Führungsleine nicht nur ein Kommunikations- und Sicherungsmittel, sondern auch eine Navigationshilfe. Sie zeigt immer den direkten Weg zum Ausstieg an. Darüber hinaus wird beim Eistauchen, wie beim Tauchen üblich, mit Kompass, Tiefenmesser und einer Uhr sowie dem natürlichen Orientierungssinn navigiert.
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