Das Hermann-von-Helmholtz-Gymnasium ist ein öffentliches Gymnasium und eine Europaschule in Potsdam, das nach dem ehemaligen Schüler Hermann von Helmholtz benannt wurde. Ältere historische Namen waren Große Stadtschule und Viktoria-Gymnasium.
Profil Die Schule besitzt einen naturwissenschaftlichen und einen bilingualen Zweig. Im bilingualen Zweig werden Geschichte, Politische Bildung und Wirtschaft auf Englisch unterrichtet, die Abiturprüfung in Geschichte erfolgt ebenfalls auf Englisch. Das Gymnasium ist Europaschule, nahm am Sokrates-Programm teil, ist Mitglied im MINT-EC und seit September 2008 Ganztagsschule. 2005 belegte das Gymnasium den dritten Platz im Brandenburger Landesranking auf Grundlage der Noten des Brandenburger Zentralabiturs.
Geschichte Im Jahr 1738 wurde aufgrund des Ausbaus Potsdams zur Garnisonsstadt durch den Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. die Gründung einer neuen Schule nötig. Die „Große Stadtschule“ oder auch „La Grande École“, in der heutigen Friedrich-Ebert-Straße, bestand zunächst nur aus zwei Lehrern und zwei Schulklassen. 1812 wurde die Schule schließlich als humanistisches Gymnasium umgestaltet und unter dem Rektor Johann Samuel Büttner (Rektor von 1794 bis 1824, † 1839)Gottfried Seebode, Johann Christian Jahn, Reinhold Klotz (Hrsg.): Neue Jahrbücher für Philologie und Paedagogik oder Kritische Bibliothek für das Schul- und Unterrichtswesen. Neunter Jahrgang, Band 27, 1. Heft, B. G. Teubner, Leipzig 1839, Hinweise: S. XXVI, S. 199. vergrößert. Zu dieser Zeit durften nur Jungen das Gymnasium besuchen. Einer der Schüler war Hermann von Helmholtz.
1878 zog die Schule in einen Neubau in der Kurfürstenstraße. Die Pläne entwarf der Architekt Richard Vogdt (1833–1894), der Stilelemente der Spätgotik mit der Renaissance verband. Den dreigeschossigen, roten Ziegelbau schmücken Elemente aus hellem Sandstein. Den damaligen Namen Viktoria-Gymnasium (auch Victoria-Gymnasium) gewährte Kronprinzessin Victoria. Bis 1933 wurde am Gymnasium auch Hebräisch unterrichtet.
Den Zweiten Weltkrieg überstand das Schulgebäude unbeschadet. 1946 wurde das Gymnasium in Helmholtzschule umbenannt und nach den Bildungsreformen der DDR Erweiterte Oberschule (EOS) 4. Die Schule bewahrte sich auch in der DDR ihren guten Ruf und zählte zu den besten Schulen des Landes. 1991 wurde aus der Erweiterten Oberschule wieder ein Gymnasium.
Berühmte Lehrer und Schüler des Gymnasiums Lehrer Carl Kappus (1879–1951), Sprachwissenschaftler, Studienrat Januar–März 1919 Friedrich Wilhelm Reimnitz (1803–1864), Lehrer und Professor von 1827 bis 1833 Max Treu (1842–1915), Philologe, Direktor 1893–1907 Max Wellmann (1863–1933), Medizinhistoriker, Oberlehrer 1902–1914
Schüler Martin Ahrends (* 1951), Schriftsteller Helmut Boese (1916–2001), Bibliothekar und Autor Hartmut Boockmann (1934–1998), Historiker Walther Borsche (1877–1950), Chemiker Manfred Butzmann (1942–2026), Grafiker Hoimar von Ditfurth (1921–1989), Arzt, Dozent, Publizist und Wissenschaftsjournalist Lothar Doering (* 1950), Handballspieler Klaus von Dohnanyi (* 1928), Jurist und Politiker Hartmut Dorgerloh (* 1962), Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg Hans-Heinrich Herwarth von Bittenfeld (1904–1999), Diplomat Claudia Hübschmann (* 1974), Schauspielerin Ernst Ihnen (1899–nach 1968), Landrat des Landkreises Teltow Carl Gustav Jacob Jacobi (1804–1851), Mathematiker, erlangte mit 13 Jahren die Hochschulreife Doreen Jacobi (* 1974), Schauspielerin Heinrich Detloff von Kalben (1898–1966), Offizier, NS-Landrat Hermann Kasack (1896–1966), Schriftsteller und Dichter Wilhelm Kempff (1895–1991), Pianist, Organist und Komponist Anja Kling (* 1970), Schauspielerin Edlef Köppen (1893–1939), Schriftsteller und Rundfunkredakteur Carl Krug (1874–?), Chemiker, Montanwissenschaftler und Metallurg Wolfgang Liebert (* 1944), Maler und Grafiker Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim (1905–1944), Oberst im Generalstab, eine der führenden Persönlichkeiten des 20. Juli 1944 um Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg Lothar Persius (1864–1944), Marineoffizier und Marineautor Hans Poelzig (1869–1936), Architekt und Hochschullehrer Josefine Preuß (* 1986), Schauspielerin Ronja Prinz (* 1990), Schauspielerin Friedrich Wilhelm Reimnitz (1803–1864), Gymnasiallehrer und Politiker Friedrich Rogge (1867–1932), Jurist, Landrat und Verbandsvorsteher Christian Schmidt (* 1980), Autor und Lektor Julia Schoch (* 1974), Schriftstellerin Wolfgang Schollwer (1922–2021), Politiker Dietmar Schönherr (1926–2014), österreichischer Schauspieler Paula Schramm (* 1989), Schauspielerin Alexander Schuke (1870–1933), Orgelbauer Christian Schwarz-Schilling (1930–2026), Politiker, Bundespostminister Simone Thomalla (* 1965), Schauspielerin Johannes Ullrich (1902–1965), Historiker und Archivar Erhard Wetzel (1903–1975), Jurist und Verfasser des sog. Gaskammerbriefes
Literatur Gymnasium Potsdam (Hrsg.): Programm des Gymnasiums zu Potsdam 1864–1875. Königliches Viktoria-Gymnasium zu Potsdam (Hrsg.): Programm des Königlichen Viktoria-Gymnasiums zu Potsdam 1883–1912. Königliches Viktoria-Gymnasium zu Potsdam (Hrsg.): Jahresbericht des Königlichen Viktoria-Gymnasiums zu Potsdam 1914–1915.
Weblinks
Offizielle Website Im Zeichen der Eule, Geschichte und Geschichten einer Schule in Deutschland – Von der Grand Ecole über das Viktoria-Gymnasium zum Helmholtz-Gymnasium Potsdam
Einzelnachweise
Kategorie:Gymnasium in Brandenburg Kategorie:Bildungseinrichtung in Potsdam Potsdam Kategorie:MINT-EC-Schule Kategorie:Europaschule Kategorie:Bildungseinrichtungsgründung 1738