Riechstörung, Geruchsstörung, Geruchssinnstörung oder Dysosmie ist der Oberbegriff für verschiedene Störungen der olfaktorischen Wahrnehmung.
Klassifizierung Man unterscheidet im Einzelnen:Elvira Heimann: Olfaktorische und Emotionswahrnehmung bei Morbus Huntington. Dissertation, Bochum 2002. Online: Normosmie: von allen Störungen freie, normale Geruchswahrnehmung
Quantitative Geruchsstörungen Anosmie: der vollständige Verlust der Geruchswahrnehmung Periphere Anosmie: Verlegung der Nasenatmung jeglicher Ursache Essentielle Anosmie: Anosmie durch lokale Schädigung der Riechschleimhaut Spezifische Anosmie: Ausfall des Geruchsvermögens für einzelne Stoffe Hemianosmie: einseitige Anosmie Hyposmie: Herabsetzung des Geruchsvermögens Presbyosmie: Mit zunehmendem Alter natürlicherweise voranschreitende Hyposmie Hyperosmie: krankhafte Überempfindlichkeit gegenüber Geruchsreizen
Qualitative Geruchsstörungen Parosmie: Nichtübereinstimmung der subjektiven Geruchsempfindung mit der Duftqualität des angebotenen Riechstoffes Euosmie: subjektiv angenehm empfundene Parosmie (auch Synonym für Normosmie) Phantosmie: trughafte Geruchswahrnehmung ohne Einwirkung von Geruchsreizen (Geruchshalluzination) Agnosmie: Agnosie des Geruchs Heterosmie: Verwechslung bestimmter Gerüche („Falschriechen“) Subjektive Kakosmie: subjektiv unangenehm empfundene Parosmie Objektive Kakosmie: objektiv nachweisbarer unangenehmer Eigengeruch Pseudoosmie: Umdeutung eines Geruchs unter Einwirkung von starken Affekten
Nach dem Ort der Störung Nach Lokalisation der Störungsursache werden folgende Riechstörungen unterschieden:Klimek, Ludger; Moll, Bertram; Kobal, Gerd: Riech- und Schmeckstörungen im Alter. In: Deutsches Ärzteblatt 97, Heft 14, 7. April 2000 , S. A-911–918 (Tabelle S. A-916). Respiratorische Dysosmie: Riechstörung durch eingeschränkten Zutritt von Riechstoffmolekülen zur Riechschleimhaut Epitheliale Dysosmie: Riechstörung durch Schädigung auf der Ebene der Riechschleimhaut (verschiedene Teilursachen möglich) Nervale Dysosmie: Riechstörung durch Schädigung der Fila olfactoria Zentrale Dysosmie: Riechstörung durch Schädigung des Riechkolbens oder der zentraleren Anteile der Riechbahn bis hin zur Hirnrinde.
Ursachen Die verschiedensten Ursachen sind möglich:Klimek, Ludger; Moll, Betram; Kobal, Gerd: Riech- und Schmeckvermögen im Alter. In: Deutsches Ärzteblatt 97, Heft 14, 7. April 2000, S. A-911 - A-918Arzneimittelinduzierte Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns. In: Der Arzneimittelbrief 44, Nr. 11, November 2010, S. 81–83Hüttenbrink, Karl-Gerd et al.: Riechstörungen – Häufig im Alter und wichtiges Frühsyndrom neurologischer Erkrankungen. In: Deutsches Ärzteblatt 110, Heft 1-2, 7. Januar 2013, S. 1–7 Virusinfektionen (inklusive COVID-19Schenk, Marion: Neurologische Manifestationen: Wie COVID-19 die Nerven tangiert. In: Deutsches Ärzteblatt 117, Heft 19, 8. Mai 2020, S. A-1001 - A-1004.) Toxische Substanzen: Schwefeldioxid, Schwefelwasserstoff, Schwefelkohlenstoff, Chlorwasserstoff, Kohlenmonoxid, Schwermetalldämpfe, organische Lösungsmittel, Benzine, Stäube von Zement, Harthölzern u. v. m. Arzneimittel: Calciumantagonisten (Nifedipin, Felodipin, Amlodipin, Diltiazem), ACE-Hemmer, Methotrexat, Doxylamin, Terbinafin, D-Penicillamin, Amiodaron, Lovastatin, Amitryptilin u. a. Traumata: Siebbeinfraktur, Hirnquetschungen, Schädeleinblutungen u. a. Inhalativer Zigarettenrauch Zentralnervöse Erkrankungen: Morbus Parkinson, Morbus Alzheimer, Senile Demenz, Korsakow-Syndrom, Chorea Huntington Diabetes mellitus Leber- und Nierenerkrankungen Tumoren (selten einziges Symptom) Hypothyreose Chronische Rhinosinusitis, allergische Rhinitis, Polyposis nasi, Schleimhautschwellung Psychiatrische Erkrankungen (Schizophrenie, Depression) Chronischer Gebrauch von vasokonstrigierenden Nasentropfen Angeboren (Kallmann-Syndrom, Refsum-Syndrom, Usher-Syndrom, Laurence-Moon-Biedl-Bardet-Syndrom, kongenitale Schmerzinsensitivität u. a.)
Einzelnachweise
Kategorie:Krankheitsbild in der Neurologie Kategorie:Riechen Kategorie:Krankheitssymptom