mini|Der Herr ist mein Hirte, Evangelisches Kirchengesangbuch für die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, 17. Auflage, 1962, mit Goldschnitt mini|259. Eins ist not! Ach Herr, dies Eine (EM I u. II), Text: Johann Heinrich Schröder (1667–1699), Melodie: Adam Krieger 1657, geistlich Joachim Neander / Halle 1704, eine andere Weise: Johann Sebastian Bach 1736, Kapitel: Christlicher Glaube und christliches Leben, Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, 17. Auflage, 1962
Das Evangelische Kirchengesangbuch (EKG) war das erste gemeinsame Gesangbuch der deutschsprachigen Kirchengemeinden in den evangelischen Landeskirchen Deutschlands und den beiden evangelischen Kirchen Österreichs. Die Kirchen in der Schweiz sowie die meisten evangelischen Freikirchen haben eigene Gesangbücher. Das EKG wurde je nach Landeskirche zwischen 1950 und 1969 eingeführt, dann 1987 in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche – hier in erweiterter Form unter dem Titel Evangelisch-Lutherisches Kirchengesangbuch (ELKG). Zwischen 1993 und 1996 wurde es durch das heutige Evangelische Gesangbuch ersetzt.
Geschichte Schon Mitte des 19. Jahrhunderts gab es Bestrebungen, ein möglichst einheitliches evangelisches Gesangbuch für die deutschsprachigen Kirchen herauszubringen. So trafen sich 1853 in Eisenach Vertreter einiger evangelischer Landeskirchen, um aus dem reichen Schatz deutschsprachiger Kirchenlieder diejenigen herauszusuchen, die in möglichst vielen Gemeinden bekannt waren und gern und oft gesungen wurden. Es entstand daraus ein sogenannter Kern deutscher Kirchenlieder unter dem Titel Deutsches Evangelisches Kirchen-Gesangbuch in 150 Kernliedern, das auch unter der Bezeichnung Eisenacher Büchlein bekannt wurde.
Das „Eisenacher Büchlein“ wurde die Grundlage für ein 1915 erschienenes Gesangbuch unter dem Titel Deutsches Evangelisches Gesangbuch vom Deutschen Evangelischen Kirchenausschuss den deutschen evangelischen Gemeinden des Auslandes dargeboten, das neben einem allgemeinen Stammteil von 342 Liedern auch Geistliche Volkslieder (Nr. 343–387) enthielt. Die 342 Lieder des Deutschen Evangelischen Gesangbuchs (DEG), das später kurz auch als Einheitsgesangbuch bekannt war, wurde ab den späten 1920er Jahren in einigen nord-, west- und ostdeutschen Landeskirchen eingeführt und jeweils durch regionale Liederanhänge ergänzt. Es erschien in den altpreußischen Kirchenprovinzen Landessynodalverband der Freien Stadt Danzig, Ostpreußen, Grenzmark Posen-Westpreußen und Westpreußen sowie in der Unierten Evangelischen Kirche in Polen (mit dem Liederanhang Nr. 343–472 sowie Geistliche Volkslieder Nr. 473–536), Brandenburg und Pommern (eingeführt 1931 mit Liederanhang Nr. 343–530 sowie Geistliche Volkslieder Nr. 531–583), Rheinland und Westfalen (eingeführt 1929 mit Liederanhang Nr. 343–540 sowie Geistliche Volkslieder Nr. 1–76), Kirchenprovinz Sachsen und Evangelische Kirche in Anhalt (mit Liederanhang Nr. 343–595) sowie Schleswig-Holstein-Lauenburg, gemeinsam mit den Landeskirchen in Hamburg, Lübeck und Eutin sowie der Mecklenburgischen Kirche (mit Liederanhang). Letzterem schloss sich in den 1940er Jahren auch die Bremische Evangelische Kirche an.
Inhalt Das EKG erschien 1950 in einer Stammausgabe mit 394 gemeinsamen Liedern und Gesängen. Die einzelnen Landeskirchen ergänzten den Stammteil mit eigenen Liedern und zusätzlichen Textteilen in unterschiedlichen Ausgaben. Die Lieder des gemeinsamen Stammteils des Evangelischen Kirchengesangbuchs hatten folgende Themen:
Das Kirchenjahr Dieser Abschnitt umfasste die Lieder Nr. 1–123 und beinhaltete Lieder zu den kirchlichen Festen Advent, Weihnachten, Jahreswende, Epiphanias, Passion, Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten und Trinitatis sowie kleinere Kirchenfeste und Lieder für den Schluss des Kirchenjahres.
Der Gottesdienst Dieser Abschnitt umfasste die Lieder Nr. 124–175 und beinhaltete Lieder zum Eingang des Gottesdienstes, Liturgische Gesänge, Lieder zum Beschluss des Gottesdienstes, Lieder über das Wort Gottes, die Heilige Taufe, das Abendmahl, die Konfirmation, die Trauung und die Bestattung.
Psalmen, Bitt- und Lobgesänge für jede Zeit Dieser Abschnitt umfasste die Lieder Nr. 176–331 und beinhaltete Psalmlieder, Lieder für die Kirche, Lob- und Danklieder, Lieder über den christlichen Glauben und das christliche Leben, Lieder über Gottvertrauen, Kreuz und Trost sowie Lieder über Tod und Ewigkeit.
Lieder für besondere Zeiten und Anlässe Dieser Abschnitt umfasste die Lieder Nr. 332–394 und beinhaltete Lieder für Tag und Jahr (Morgen-, Mittag- und Abendlieder), Lieder um das tägliche Brot, Lieder in Arbeit und Beruf, Lieder auf Reisen sowie Lieder für Volk und Vaterland.
Die Lieder waren innerhalb der einzelnen Themen chronologisch angeordnet, das heißt, das jeweils älteste Lied wurde zuerst aufgenommen. Bei den Liedern bemühte man sich, möglichst die Originalfassung von Text und Melodie zu verwenden. Dies führte dazu, dass auch bekanntere Melodien einiger Lieder, etwa die volkstümliche Weise des Liedes Geh aus, mein Herz, und suche Freud von August Harder, zunächst nicht in das Gesangbuch aufgenommen wurden. Erst bei späteren Neuauflagen einzelner Landeskirchen wurde die alte Weise durch die bekanntere Weise Harders ersetzt.
Die ältesten Lieder des EKG waren unter anderem die lateinischen Gesänge des Kirchenvaters Ambrosius von Mailand, die jedoch später bearbeitet und in deutscher Sprache wiedergegeben wurden, die jüngsten Lieder waren die Dichtungen Rudolf Alexander Schröders, von dem fünf Lieder, und Jochen Kleppers, von dem drei Lieder in den Stammteil aufgenommen wurden. Das jüngste Lied überhaupt dürfte die Nr. 35 (Also liebt Gott die arge Welt) von Kurt Müller-Osten (1905–1980) gewesen sein. Es wurde 1941 gedichtet. Insgesamt enthielt der Stammteil des EKG unter anderem 31 Lieder von Martin Luther, 30 Lieder von Paul Gerhardt und 10 Lieder von Gerhard Tersteegen.
Im Grundsatz sollte der gesamte Stammteil des Gesangbuchs von allen Landeskirchen unverändert übernommen werden. Waren die Textfassungen oder andere Melodien in einzelnen Landeskirchen jedoch geläufiger, so wurden ausnahmsweise auch diese Fassungen in die jeweilige Regionalausgabe aufgenommen. So enthielt zum Beispiel die Ausgabe für die Evangelische Landeskirche in Baden beim Lied Nr. 63 (O Haupt voll Blut und Wunden) zusätzlich eine besondere Textfassung der 2. Strophe. Gelegentlich wurden auch ganze Lieder in einer anderen Textfassung komplett in den Regionalteil des Gesangbuchs aufgenommen, so etwa beim Lied Nr. 48 (Wie schön leuchtet der Morgenstern), das unter anderem im Regionalteil Baden und Württemberg nochmals zu finden ist.
Kritik mini|456. O du fröhliche, Liederanhang zum Evangelischen Kirchengesangbuch für die evangelischen Kirchen Hessens Schon bald nach Einführung des EKG gab es auch Kritik. Bemängelt wurde, dass einige sehr bekannte Kirchenlieder fehlten. So enthielt der Stammteil des EKG weder die beiden bekanntesten Weihnachtslieder O du fröhliche und Stille Nacht noch die Choräle Großer Gott wir loben dich und Ich bete an die Macht der Liebe. Auch fehlten viele sogenannte geistliche Volkslieder wie etwa Harre meine Seele. Diese Lieder waren, wenn überhaupt, nur in einigen Regionalteilen zu finden.
Beihefte Das EKG wurde seit den 1970er Jahren in den einzelnen Landeskirchen durch sogenannte „Beihefte“ ergänzt. Dabei wurden meist neue Kirchenlieder aufgenommen, um sie in den Kirchengemeinden bekannt zu machen. Daneben fanden Kanons als Singform erstmals Berücksichtigung. Die Beihefte nahmen häufig auch jene volkstümlichen geistlichen Lieder auf, deren Auslassung im EKG zuvor auf breite Kritik (s. o.) gestoßen war.
Regionalteile des EKG In den Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland bzw. in Österreich waren folgende Regionalteile in Gebrauch:
Anhalt, Pommern und Schlesische Oberlausitz 1951 wurde das EKG in der Evangelischen Landeskirche Anhalts, der Evangelischen Kirche von Schlesien und der Pommerschen Evangelischen Kirche eingeführt. Es erschien zunächst mit dem Untertitel Ausgabe für die Konsistorialbezirke Berlin, Magdeburg, Greifswald und Görlitz und für die Evangelische Landeskirche Anhalts und später mit dem Untertitel Ausgabe für die Evangelische Landeskirche Anhalt, Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg, Evangelische Kirche des Görlitzer Kirchengebietes, Evangelische Landeskirche Greifswald, Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen.
Es umfasste den Liederanhang „Sondergut der Konsistorialbezirke Berlin, Magdeburg, Greifswald und Görlitz und der Evang. Landeskirche Anhalts“ mit den Liedern Nr. 400–498 sowie „Lobgesänge“ Nr. 500–503. Ein von den Liedern inhaltsgleiches Gesangbuch erschien auch in separaten Ausgaben für die Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg und für die Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen.
Baden Durch Beschluss der Landessynode vom 27. April 1951 wurde zum Reformationsfest 1951 das Gesangbuch in der Evangelischen Landeskirche in Baden zunächst mit dem Untertitel Ausgabe für die Vereinigte Evangelisch-protestantische Landeskirche Badens und später mit dem Untertitel Ausgabe für die Evangelische Landeskirche in Baden eingeführt. Es umfasste den Liederanhang „Lieder der Vereinigten Evangelisch-protestantischen Landeskirche Badens“ mit den Liedern Nr. 400–516 sowie einen Melodienanhang.
Bayern Am 3. Mai 1957 beschloss die bayerische Landessynode das EKG mit dem Untertitel Ausgabe für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern einzuführen. Der „Liederanhang zum Evangelischen Kirchengesangbuch für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern“ umfasste die Lieder Nr. 401–547.
Berlin-Brandenburg Auf Beschluss der Provinzialsynode der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg vom 7. Februar 1951 führte die Kirchenleitung am 1. Advent 1951 das EKG mit dem Untertitel Ausgabe für die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg ein. Sein Liederanhang umfasste „Sondergut der Konsistorialbezirke Berlin, Magdeburg, Greifswald und Görlitz und der Evangelischen Landeskirche Anhalts“ mit den Liedern Nr. 400–498 sowie „Lobgesänge“ Nr. 500–503. Es stimmte in der Liedauswahl mit der Gemeinschaftsausgabe der anderen unierten Landeskirchen in der DDR überein, nämlich der Kirche des Görlitzer Kirchengebietes bzw. der Kirche der Schlesischen Oberlausitz und der Kirche in Greifswald bzw. der Pommerschen Evangelischen Kirche und der Evangelischen Kirche Anhalts, und es erschien ferner auch in einer separaten Ausgabe für die Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen. Es war darüber hinaus auch in der später geteilten Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg (Berlin-West) im Gebrauch.
Braunschweig Das EKG mit dem Untertitel Ausgabe für die evangelisch-lutherischen Kirchen Niedersachsens – Braunschweig für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche in Braunschweig wurde mit Rundschreiben vom 10. November 1949 zur Konfirmation 1950 angekündigt und dann auch herausgegeben. Es enthielt einen gemeinsamen „Liederanhang zum Evangelischen Kirchengesangbuch für die Evangelisch-Lutherische Kirchen Niedersachsens“ mit den Liedern Nr. 400–483, den „Sonderanhang zum Evangelischen Kirchengesangbuch für die Evangelisch-Lutherische Landeskirchen Braunschweig und Schaumburg-Lippe“ mit den Liedern Nr. 484–498 sowie „Liturgische Gesänge“ Nr. 500–580. Der Liedbestand war in Braunschweig und Schaumburg-Lippe identisch.
Bremen Der Kirchenausschuss der Bremischen Evangelischen Kirche veranlasste im Advent 1950 die Herausgabe des EKG mit dem Untertitel. Zum Liederanhang „Lieder der Evangelischen Kirche in Bremen“ gehörten die Nr. 400–479.
Hannover