mini|Vorstellung eines Gasmotors auf der Expo 2015 in Mailand

Die Innio Jenbacher GmbH & Co OG, Eigenschreibweise INNIO, (von 2003 bis 2018 GE Jenbacher GmbH & Co OG) in Jenbach in Tirol ist ein Hersteller von Gasmotoren und Blockheizkraftwerken. Jenbacher ging aus den ehemaligen Jenbacher Werken, einem Hersteller von Dieselmotoren, Lokomotiven und Eisenbahntriebwagen hervor.

Firmenprofil und Produkte Innio Jenbacher stellt Gasmotoren und Blockheizkraftwerke in Containerbauweise zur Energieversorgung her. Am Hauptsitz Jenbach, in der Produktionszentrale, sind etwa 1500 Mitarbeiter beschäftigt, weltweit mehr als 2000. Das Unternehmen war bis Juni 2018 im Besitz von General Electric und dort Teil der Sparte Distributed Power. Nach dem Verkauf an Advent International ist Jenbacher als eigenständige Produktlinie mit den Schwesterfirmen Waukesha Engines und der vormaligen GE Kapfenberg (Zündkerzenentwicklung) unter dem neuen Firmen- und Markennamen Innio vereinigt.

+Übersicht der aktuellen Jenbacher GasmotorenBaureiheJ 208J 212J 312J 316J 320J 412J 416J 420J 424J 612J 616J 620J 624J 920Zylinderanzahl812121620121620241216202420Bohrung (mm)135145 -190310Hub (mm)145170185 -220350Hubraum / Zylinder (Liter)2,082,433,06 -6,2426,4Gesamthubraum (Liter)16,624,229,238,948,736,748,961,1 -74,999,8124,8149,7528,3Drehzahl (Drehfrequenz) 1/min (Hz)1500 (50), 1800 (60)1500 (50) / +Getriebe (60)1000 (50), 900 (60)Leistung (kWel)250 bis 335375 bis 501~500 bis ~1.000~900 bis ~1.500~1.800 bis ~4.50010.400Aktive ProduktionJaNeinJaJaJaJaJaJaNeinJaJaJaJaJa

Firmengeschichte mini|Jenbacher Berg- und Hüttenwerke Logo Ursprünge mini|Heinkel Werke Jenbach Logo Obwohl die Firma unter dem heutigen Namen keine lange Geschichte aufweist, gehen ihre Ursprünge weit zurück. 1487 wurde ein Hüttenbetrieb durch die Fugger gegründet. 1526 Verlegung des Kupfer- und Silberbergbaus von Schwaz nach Jenbach. 1657 wurde der gesamte Fugger-Besitz in Tirol vom Staat übernommen, die Kupfer- und Silbervorkommen waren jedoch erschöpft, so dass ab diesem Zeitpunkt Eisenerz abgebaut wurde. 1774 Beteiligung des K.K. Montanärars & Umstellung auf Eisengewinnung. 1870 ging die Hütte zwischenzeitlich an die Salzburg-Tiroler Montangesellschaft über. Ab 1881 kam es nach Erwerb und Modernisierung des Werkes durch Julius und Theodor Reitlinger zur Umbenennung in Jenbacher Berg- und Hüttenwerke. 1908 erfolgte die Einstellung des Bergbaus auf der Schwader Alpe. Ab 1909 ging aber auch das Eisen zur Neige, und nach einem Aufschwung während des Ersten Weltkriegs blieb nur mehr die Gießerei übrig.

1914 übernahm Friedrich Reitlinger das Werk nach dem Tode seines Vaters Julius, es folgte die Ernennung zum staatlich geschützten Unternehmen mit Beginn des Ersten Weltkrieges. Der jüdische Industrielle Reitlinger wurde im März 1938, kurz nach dem „Anschluss Österreichs“ an das nationalsozialistische Deutsche Reich, von Nationalsozialisten gewaltsam festgehalten und unter Druck gesetzt, bis er am 14. März 1938 gemeinsam mit seiner Tochter Johanna unter ungeklärten Umständen erschossen wurde.

Das Werk wurde zu Gunsten des Landes Tirol beschlagnahmt und arisiert. Zunächst wurden Bremsklötze für die Deutsche Reichsbahn hergestellt.

1939 erfolgte Erwerb des Werksgeländes durch Ernst Heinkel, der hier eine Produktion von Leichtmetall-Flugzeugteilen und Raketenmotoren etablierte. Das Werk wurde damit zum größten Rüstungsbetrieb Tirols. Dabei kam es zu massivem Einsatz von Zwangsarbeit: Zwei Drittel der 3.000 Beschäftigten waren Zwangsarbeiter. Ein Frauenlager, das als Außenlager des Arbeitserziehungslagers Reichenau der Gestapo unterstand, war bei den Jenbacher Heinkel-Werken angesiedelt. Die ukrainische Zwangsarbeiterin Eugenia Kaser berichtet von erbärmlichen Zuständen im Lager.

1945 erfolgte die Besetzung durch die amerikanische Armee.

Freddy Reitlinger, der einzig überlebende Sohn des 1938 ermordeten Friedrich Reitlinger, versuchte nach dem Krieg erfolglos, den Firmenbesitz restituiert zu bekommen. An Friedrich und Johanna Reitlinger und deren gewaltsames Ende erinnert seit 2024 eine Stele im Reitlingerpark in Jenbach. Neustart nach dem Krieg Nach dem Zusammenbruch am Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die „Jenbacher Werke“ unter öffentliche Verwaltung unter Leitung von Herbert von Pichler gestellt. Es musste auf Friedensproduktion umgestellt werden, wobei zuerst Kochgeschirr erzeugt, aber auch mit der Reparatur von Eisenbahnwagen begonnen wurde. Wegen der Verfügbarkeit von entsprechenden Fachleuten und Facharbeitern wurde entschieden, sich auf die Produktion von Dieselmotoren zu konzentrieren. Zuerst wurde ein liegender 15 PS-Einzylinder-Viertaktmotor gebaut, der sehr erfolgreich war und in großen Stückzahlen hergestellt wurde. Diesem folgten weitere Viertakt-Modelle und schließlich Zweitaktmodelle bis über 1500 PS nach. In den 1990er Jahren wurden die großen, vorwiegend Diesel-Zweitaktmotoren allerdings durch zunehmend noch leistungsstärkere und vorwiegend gasbetriebene Turbo-Viertaktmotoren verdrängt. Jenbach hatte nie lediglich Motoren, sondern stets Komplettanwendungen mit Kompressoren, Pumpen, Stromgeneratoren oder dgl. produziert. Mittels Lkw-Anhängerkupplung zu ziehende zweirädrige Baustellenkompressoren mit Einzylindermotor und Handkurbelstart waren zum Betrieb von Presslufthämmern auf Baustellen in den 1970er bis 1990er Jahren in Österreich sehr verbreitet. Markant ist die am Heck schräg abfallende Blechverkleidung, die den unten querliegenden zylindrischen Kessel nur teilweise abdeckt.

Konstitution als integrierte Gruppe und Aufspaltung Erst 1959 wurde die Firma als Jenbacher Werke AG konstituiert, wobei die Hauptaktionäre die Creditanstalt-Bankverein (CA) mit 35 % und Mannesmann mit 26 % waren, der Rest befand sich in Streubesitz. Die CA erhöhte ihren Anteil kontinuierlich, und durch den Verkauf der Mannesmann-Anteile an die von der CA kontrollierte Andritz AG erlangte sie überwiegende Mehrheit des Aktienkapitals. 1979 waren 1.550 Angestellte im Werk beschäftigt. 1988 wurde das Unternehmen mehrheitlich von der Auricon Beteiligungs AG erworben.

1991 kam es zur Aufteilung in die Jenbacher Energiesysteme AG (JES) und die Jenbacher Transportsysteme AG (JTS). JTS übernahm noch im gleichen Jahr 29,9 % der britischen Telfos Holding, wodurch sich das Unternehmen auch einen Einfluss auf Ganz-Hunslet, die ehemalige ungarische Lokomotivfabrik Ganz-Mávag, sicherte. Ende des Jahres wurde JTS Mehrheitseigentümer von Telfos. Kein Erfolg wurde der Versuch, mit Hilfe der AEG auch in die Straßenbahnproduktion einzusteigen. mini|Jenbacher Energiesysteme Logo Nachdem der Integral einen Verlust von über 22 Millionen Euro verursacht hatte, wurde die Schienenfahrzeugsparte 2001 an Connex abgestoßen. Der andere Firmenteil wurde 2003 an General Electric verkauft.

mini|GE Jenbacher Gas Engines Logo

Innio Jenbacher ab 2018 Im Juni 2018 gab General Electric den Verkauf seiner gesamten Sparte Distributed Power, bestehend aus den Gasmotorenaktivitäten der Gruppe mit u. a. den Geschäften der GE Jenbacher und dem Werk in Jenbach, an den Finanzinvestor Advent bekannt.Advent International: Advent to acquire GE’s Distributed Power business, Pressemitteilung vom 25. Juni 2018 (englisch). Am ersten November 2018 wurde Jenbacher mit ihren Schwesterfirmen Waukesha und Kapfenberg unter den neuen Firmen- und Markennamen Innio fusioniert, die Firmenzentrale von Innio ist in Jenbach. Seit Juli 2019 betreuen die Geschäftsbereiche Waukesha und Jenbacher als eigenständige Einheiten unter der Dachmarke Innio weltweit ihre Kunden in verschiedenen Branchen.

Im Mai 2026 wurde bekannt, dass Innio in den USA einen Antrag für eine Aktienplatzierung an der Technologiebörse Nasdaq gestellt hat.Tiroler Energiekonzern Innio plant Listing an US-Technologiebörse Nasdaq in Der Standard vom 13. Mai 2026, abgerufen am 13. Mai 2026

Ehemalige Aktivitäten mini|420x420px|JW – Vom Kochtopf zur DiesellokAb 1945 wurde unter anderem mit Reparaturen von rollendem Gut für die französische Besatzungsmacht begonnen. Zudem stellte Jenbacher zunehmend Fahrgestelle für Dieselmotoren (Feldbahn-Diesellokomotiven, Kompressoren und Diesel-Karren, etwa den Büffel für Reisegepäck und Bahnexpress-Gut auf den Bahnsteigen) und in der Folge zahlreiche Eisenbahn-Triebfahrzeuge für die Österreichischen Bundesbahnen, aber auch Fahrzeuge für andere Bahnverwaltungen und Betriebe her.

Motorenblöcke für die Lindner Traktoren Werke, Kompressoren und Standmotore alt=Lindner Traktor JW 15|mini|Lindner Traktor JW 15 alt=Lindner Traktor JW 35|mini|Lindner Traktor JW 35 Jenbacher baute ab 1948 Stationärmotoren mit zwei Schwungscheiben mit den Typenbezeichnungen JW 15 (15 PS, 11 kW), JW 20 (20 PS, 15 kW) und JW 35 (40 PS, 30 kW), welche unter anderem in den Lindner Diesel-Traktoren „L-15PS“ und „L-20 PS“ verbaut wurden. Die Type JW 8 leistete 4 bis 8 PS bei Drehzahlen zwischen 800 und 1500 min−1 und konnte über eine Riemenscheibe etwa eine Dreschmaschine antreiben.Jenbacher JW8 Kaltstart dreschkirtag, youtube.com, veröffentlicht am 16. September 2012, abgerufen am 27. August 2018, Video (4:47). – 2 Schwungräder, Zündfix. JW 15 K bezeichnete einen Kompressor, der – in Fahrtrichtung gesehen – an der rechten Seite anzukurbeln war.JENBACHER WERKE dieselmotor JENBACH JW 15 Federico Centola, youtube.com, 18. August 2016, abgerufen am 27. August 2018, Video (3:21). – Federico Centola zeigt auch Einzelteile des Motors und Tabellen mit Information: Viertakt-Einzylindermptor mit Verdampfungskühlung, 8–15 PS, 2 Schwungräder je 70 kg, Bruttomasse ca. 500 kg, schrägverzahnte Stirnräder 37:74 Zähne zur Ventilsteuerung, Diesel-Einspritzdruck 145 bar.Starting the Jenbach JW15 county1454, youtube.com, 4. März 2009, abgerufen am 27. August 2018, Video (1:31). – @0:11: "Zündfix" Starthilfe in der gelb-roten runden Dose.Majstor Ljubina pilana Žabalj - 2 od 3 davors85, youtube.com, 28. Juli 2011, abgerufen am 27. August 2018. Video (7:00) – Holzspan wird in den Zündschlüssel (sic!) gesteckt, brennt in 1:40 ab, wenn er nur mehr glimmt wird er eingesetzt und gestartet. Es gab auch einen JW 20 Motor und Kompressor. Der Kompressor JW 220 wurde 1961 gebaut und ist hingegen auf der linken Seite anzukurbeln.

Motoren der Baureihe „LM“

alt=LM 1500 Kurbelwelle|mini|JW LM 1500 & Kurbelwelle VM6 1500 SGO Verdichter BJ 70-77

Am Beginn der Entwicklung einer neuen Reihe von Hochleistungsmotoren ab den 1980er Jahren musste eine Entscheidung zwischen dem Viertakt- und dem Zweitaktprinzip getroffen werden. Unter Berücksichtigung der einfacheren Bauweise mit wenigen beweglichen Verschleißteilen, des vorteilhafteren Leistungsgewichts und der substantiell niedrigeren NOx-Abgasemmissionen wurde dem Zweitaktprinzip der Vorrang eingeräumt.

Ein Zweitaktmotor mit Spülluftkühlung für den stationären Anwendungsbereich weist ein gutes Leistungsgewicht auf. Die durch die Umweltschutzbehörden festgelegten Abgasgrenzwerte gewinnen fortlaufend an Bedeutung. Aus diesem Grund konzentrierte sich die Entwicklung auf Zweitaktmotoren mit innerer Gemischbildung und einem Leistungsbereich von 750 bis 2500 kW bei 1000 min−1 auf Basis einer Dieselmotorenreihe mit sechs, acht und zwölf Zylindern.

alt=Kälteturboverdichter-Aggregat LM 750 Go|mini|Kälteturboverdichter-Aggregat LM 750 Go für eine Groß-Kälte, Wärme-Anlage der Lebensmittelindustrie alt=2-Takt-Gasottomotor LM 150 GOE|mini|Schwerer ventilloser 2-Takt-Gasottomotor LM 1500 GOE, 1500 kW mech. Leistung bei 1000 Umdrehungen mini|Jenbacher Feldbahnlokomotive JW 15 der Versorgungsheimbahn Lainz in Wien

mini|Diesellokomotiven der ÖBB-Baureihe 2043 in Wels

mini|Diesellokomotive der ÖBB-Baureihe 2060 in Wien-Stammersdorf

+Anbei die Übersicht der entwickelten LM Motoren:TypLM 750GoLM 1000GoLM 1500GoLM 1750GoLM 2000GoLM 2250GoLM 2500GoAnzahl Zylinder681214161820Hubraum (Liter)67,890,4135,6158,2180,8203,4226,0Leistung (kW)750100015001750200022502500Masse (kg)740089001180018600208002320025300

Schienenfahrzeuge