Unter einer Sensibilitätsstörung (auch: Empfindungsstörung bzw. Empfindungsfähigkeitsstörung, Missempfindung) versteht man ein neurologisches Symptom in Form einer veränderten Wahrnehmung von Sinnesreizen aus der Körperperipherie.Sensibilitätsstörung. In: Roche Lexikon Medizin. 5. Auflage.

Überblick Bei der Prüfung von Sensibilitätsstörungen sollte immer eine Unterscheidung der verschiedenen sensiblen Qualitäten (Berührung, Temperatur, Vibration, Schmerz, Bewegung, Lage, Kraft) erfolgen. So lässt sich eine Nomenklatur der Sensibilitätsstörungen aufstellen.Werner Hacke: Neurologie. 13. Auflage. Springer, Berlin / Heidelberg 2010, ISBN 978-3-642-12381-8, S. 58/59.

Qualitative Veränderungen Parästhesien werden oft als „Kribbeln“, „Ameisenlaufen“, „Pelzigkeit“ oder „elektrisierendes Gefühl“ beschrieben. Sie sind meist im Versorgungsgebiet einzelner Nerven oder handschuh- und strumpfförmig an den Gliedmaßenenden lokalisiert. Ursache kann die Übererregbarkeit peripherer, sensibler Rezeptoren und Nervenfasern oder zentripetaler Bahnen, unter anderem der Hirnstränge sein. Dysästhesie und Parästhesie werden oft auch Missempfindungen genannt.Karl F. Masuhr, Marianne Neumann: Neurologie. 6., überarb. Auflage. Thieme, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-13-135946-9, S. 16.

Dysästhesie – qualitativ veränderte Wahrnehmung, die gegenüber dem Empfinden von Gesunden unangenehm ist Parästhesie – unangenehme bis schmerzhafte Empfindungen ohne adäquaten Reiz (gewissermaßen von allein)

Ausfall oder Verminderung der sensiblen Wahrnehmung Es kann allgemein zu einem kompletten Ausfall sensibler Afferenzen kommen, sodass keine Empfindungen in der betroffenen Region vorhanden sind. Dem jeweiligen Oberbegriff können verschiedene Störungen untergeordnet werden, die hiervon nur einzelne sensible Modalitäten betreffen.

Anästhesie (Sensibilitätsstörung) – kompletter Ausfall Analgesie – komplett aufgehobene Schmerzempfindlichkeit Pallanästhesie – kompletter Verlust von Vibrationswahrnehmungen Thermanästhesie – aufgehobene Empfindlichkeit für Temperaturunterschiede

Es werden auch Störungen unterschieden, die sensible Wahrnehmung (allgemein oder modalitätsspezifisch) abschwächen.

Hypästhesie – allgemein: abgeschwächte sensible Wahrnehmung; speziell: verringerte taktile Wahrnehmung (Tastempfindlichkeit) Hypalgesie – verringerte Schmerzempfindlichkeit Pallhypästhesie – Verminderung von Vibrationswahrnehmungen Thermhypästhesie – verminderte Empfindlichkeit für Temperaturunterschiede Dissoziierte Sensibilitätsstörung – nur bestimmte Qualitäten in einem Dermatom oder einer Extremität sind gestört

Steigerung der sensiblen Wahrnehmung Allodynie – Schmerzempfindung ausgelöst durch Reize, welche üblicherweise keinen Schmerz verursachen Hyperpathie – Berührungsreize werden als unangenehm oder schmerzhaft empfunden Hyperalgesie – erhöhte Schmerzempfindlichkeit (schon leichte Reize können schmerzhaft erscheinen; vgl. Allodynie) Hyperästhesie – erhöhte Tastempfindlichkeit

Therapie Eine mögliche Therapie richtet sich nach der Grunderkrankung.

Literatur Sensible Reizsymptome. In: Werner Hacke: Neurologie. 13. Auflage. Springer, Berlin / Heidelberg 2010, ISBN 978-3-642-12381-8, S. 58. Sensibilitätsstörungen. In: D. Rosenow, V. Tronnier, H. Göbel: Neurogener Schmerz: Management von Diagnostik und Therapie. 1. Auflage. Springer, Berlin / Heidelberg 2004, ISBN 3-540-21482-8, Kapitel 15.5.2.

Weblinks

Sensibilitätsstörungen. neuro24.de

Einzelnachweise

Kategorie:Krankheitssymptom in der Neurologie Kategorie:Wahrnehmung