Die als Königliche Landwirthschaftliche Hochschule zu Berlin gegründete Einrichtung war eine dem preußischen Landwirtschaftsministerium unterstellte und durch Vereinigung des landwirtschaftlichen Lehrinstituts und des landwirtschaftlichen Museums offiziell im Jahr 1881 entstandene Hochschule für Agrarwissenschaft und verwandte Fächer in Berlin. An der Umwandlung war maßgeblich der Vortragende Rat und Geheime Oberregierungsrat Hugo Thiel beteiligt.Volker Klemm: Von der Königlichen Akademie des Landbaus in Möglin zur Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. Berlin 1998, S. 161. Erst 1897 wurde Thiel Direktor der „Abtheilung für Verwaltung der Domänen“ im Landwirtschaftsministerium.Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1898. S. 167 Die Landwirtschaftliche Hochschule gehört seit April 2014 unter dem Namen Albrecht Daniel Thaer-Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften zur Lebenswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. mini|hochkant=1.4|Hauptgebäude in der Invalidenstraße, um 1890

Landwirtschaftliches Lehrinstitut mini|Gutshaus Möglin um 1900 mini|Die Landwirtschaftliche Akademie Proskau, um 1860 mini|Siegelmarke der Königlichen Landwirthschaftlichen Hochschule zu Berlin (bis 1918) mini|Campus in Dahlem (1921) Die landwirtschaftliche Lehre in Berlin geht auf Albrecht Daniel Thaer (1752–1828) zurück, der im märkischen Dorf Möglin in der Nähe des Oderbruchs 1806 ein Landwirtschaftliches Lehrinstitut gegründet hatte, das ab 1819 Königliche Preußische Akademische Lehranstalt des Landbaus hieß. Thaer hielt von 1810 bis 1819 als außerordentlicher Professor landwirtschaftliche Vorlesungen an der Berliner Universität. Unter seinen Nachfolgern entwickelte sich der Wissenszweig in Verbindung mit der Berliner Universität.

Von behördlicher Seite ergriff im Dezember 1850 das Landesökonomiekollegium die Initiative zur Gründung eines landwirtschaftlichen Lehrinstituts, indem es dafür beim erst 1848 gegründeten Landwirtschaftsministerium eine „jährliche Unterstützung von 3000 Rthlr.“ beantragte. Das Ministerium aber bestritt ein „fühlbares Bedürfniß zu einer solchen Einrichtung“ und wollte daher „bedeutende Geldmittel aus Staatsfonds darauf nicht verwendet“ wissen.GStA PK I. HA Rep. 87 B Nr. 20051, fol. 22 v und 27 r

Im Januar 1857 verwies Privatdozent Carl Schulz-Fleeth auf den „Mangel eines chemischen Laboratoriums, in welchem die die Landwirthschaft Studirenden eine zweckentsprechende Anleitung“ erhalten und sich ein „vollständiges Verständniß der Chemie“ verschaffen könnten. „Ganz besonders zweckmäßig“ erschien ihm aber „die Verbindung einer agriculturchemischen Untersuchungsstation“ mit dem genannten Laboratorium. Er bat, seine „Ansichten weiter begründen und entwickeln zu dürfen.“GStA PK I. HA Rep. 87 B Nr. 20051, fol. 31 v - 32 v

Schließlich wurde dann 1858 Schulz-Fleeth vom Landwirtschaftsminister „veranlaßt, ein Laboratorium für landwirthschaftliche Untersuchungen einzurichten, und Landwirthen Unterricht in der landwirthschaftlichen Chemie zu ertheilen“.GStA PK I. HA Rep. 76 V a Sekt. 2 Tit. IV Nr. 30, fol. 34 v

Erst im März 1859, vier Monate nach Ernennung der Minister der Neuen Ära, überreichte Schulz-Fleeth dem Landwirtschaftsministerium nähere Vorschläge „für die Errichtung einer landwirthschaftlichen Lehranstalt in Verbindung mit hiesiger Universität“ und bat, dass ihm „die außerordentliche Professur der Landwirthschaft, welche früher der Professor Störig inne hatte, seit dessen Tode aber unbesetzt geblieben, wiederum übertragen werde.“ Der neue Landwirtschaftsminister Pückler stimmte den Vorschlägen „in den wesentlichen Puncten“ zu und setzte sich umgehend beim neuen Kultusminister Bethmann-Hollweg für Schulz-Fleeths Ernennung zum außerordentlichen Professor der Landwirtschaft ein, die allerdings erst im Januar 1860 erfolgte.GStA PK I. HA Rep. 87 B Nr. 20051, fol. 40 r/v, 43 r/v

So entstand schon im Oktober 1859 unter Schulz-Fleeths Leitung ein selbständiges landwirtschaftliches Lehrinstitut, das nach Ansicht Pücklers „gewissermaßen in die Stelle der Mögliner Anstalt“ trat.GStA PK I. HA Rep. 151 I C Nr. 12436 Allerdings sah die philosophische Fakultät darin nur das „scheinbar selbständige, in der That aber durch die Universität genährte Lehrinstitut“.GStA PK I. HA Rep. 76 V c Sekt. 2 Tit. 23 LITT A Nr. 74, fol. 40 r

Dem Landwirtschaftsminister teilte Schulz-Fleeth im Januar 1862 mit, dass sich „nach der bisherigen Erfahrung während der Sommersemester“ im Lehrinstitut „immer nur eine verhältnißmäßig geringe Zahl von Studirenden der Landwirthschaft“ aufhielten, nämlich „gewöhnlich nur 8 bis 10“.GStA PK I. HA Rep. 87 B Nr. 20051, fol. 98 r Im Wintersemester 1875/6 waren es aber schon 97, im Sommersemester 1876 und WS 1876/7 jeweils 99.GStA PK I. HA Rep. 87 B Nr. 20051, fol. 211 v Ende des Jahres 1880 belief sich die „Zahl der Zöglinge“ auf 144, davon waren 112 „Inländer“ und 32 „Ausländer“. Von diesen waren 17 „aus den übrigen Staaten des deutschen Reiches“.GStA PK i. HA Rep. 87 B Nr. 20051, fol. 247 r Bis 1880 stellte das Institut „als Aufnahme-Bedingung höchstens die Berechtigung zum einjährigen freiwilligen Militairdienst.“GStA PK I. HA Rep. 87 B Nr. 20051, fol. 228 v: Hermann Engelhard von Nathusius an Landwirtschaftsminister Karl Rudolf Friedenthal Genauer laut „Statistische Nachrichten über das Vereinigte landwirthschaftliche Lehr-Institut und Museum“ nach „dem Stande am Schlusse des Jahres 1880“: Für das Studium konnten „inscribirt werden: a, unentgeldlich: (sic!) alle immatrikulirten Studirenden der Königl. Universität Berlin. b, gegen eine Einschreibgebühr von 6 M für jedes Semester: alle diejenigen, welche sich dem Studium der Landwirthschaft widmen“ wollten und „mit den nöthigen Vorkenntnissen ausgerüstet“ waren, „was durch die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militairdienst erwiesen“ wurde.GStA PK I. HA Rep. 87 B Nr. 20051, fol. 246 r / v

Im Wintersemester 1862/63 beispielsweise lasen im Lehrinstitut Albrecht Conrad Thaer „Einleitung in das landwirthschaftliche Studium“ und „landwirthschaftliche Betriebslehre“, Professor Eichhorn „Landwirthschaftliche Chemie“, „chemische Grundlagen des Ackerbaues und der Viehzucht“ und „Anleitung zu agricultur-chemischen Untersuchungen mit praktischen Uebungen im Laboratorium“, Karl Heinrich Koch „Landwirthschaftliche Botanik mit besonderer Berücksichtigung der die Culturpflanzen betreffenden Krankheiten“ und Professor Manger „Landwirthschaftliche Baukunde“.Annalen der Landwirthschaft in den Königlich Preußischen Staaten. Wochen-Blatt. (Beilage) vom 5. November 1862, S. 412 f.

Mit „großer Majorität“ beschloss das preußische Haus der Abgeordneten am 5. Dezember 1866 auf Antrag des Abgeordneten Johann Joseph Fühling, „die Königliche Staats-Regierung aufzufordern, dem in Anknüpfung an die Berliner Universität gegründeten landwirthschaftlichen Lehrinstitut zu Berlin eine dem Lehrzwecke entsprechende und der Universität würdige Organisation zu geben und die dazu erforderlichen Kosten auf den Staatshaushalts-Etat für 1868 zu bringen.“Stenographische Berichte über die Verhandlungen. Haus der Abgeordneten. Zweiter Band. Berlin 1866. S. 916 Der Hintergrund dieser Aufforderung bestand darin, dass das Lehrinstitut in den Worten des Abgeordneten von der Marwitz vom Dezember 1867 „sein Dasein in einem Hinterhause der Behrenstraße fristet“.Stenographische Berichte über die Verhandlungen. Haus der Abgeordneten. Erster Band. Berlin 1867, S. 589

Zunächst war das Lehrinstitut „im ersten Stock eines Privathauses in der Behrenstraße 28 untergebracht“, vom „Wintersemester 1873/74 ab, in der Dorotheenstr. 38/39“ in den Räumen des damaligen „zahnärztlichen Instituts“.L. Wittmack (Hrsg.): Die Königliche Landwirtschaftliche Hochschule in Berlin. Festschrift zur Feier des 25jährigen Bestehens. Berlin 1906, S. 12. Erst seit 1877 (bis 1880) wurde auch im Hof- und Staatshandbuch die Adresse „Dorotheen-Str. No. 38. u. 39.“ angegeben.Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1877. S. 196; 1878/79, S. 202; 1879/80, S. 195

Für den Neubau in der Invalidenstraße 42, d. h. „für die gesammten Bauten und inneren Einrichtungen des Museums und Lehrinstituts“ wurden in Mark „mittelst der Staatshaushalts-Etats pro 1874 450000 M., pro 1875 450000 M., pro 1878/79 1233000 M., pro 1879/80 394000 M., zusammen 2527000 M. zur Verfügung gestellt“.GStA PK I. HA Rep. 87 B Nr. 24793, Schreiben des Landwirtschaftsministers Karl Rudolf Friedenthal an die Baukommission vom 30. Dezember 1878

Landwirtschaftliche Hochschule Da das Lehrinstitut „bis zum Frühjahr 1880 in mangelhaften Miethsräumen untergebracht war“, zog es zum Sommersemester 1880 in das als Museumsneubau errichtete Gebäude in die Invalidenstraße 42 um und erhielt den Namen „Vereinigtes landwirthschaftliches Lehrinstitut und Museum“. Wegen dieser „weitschweifigen Bezeichnung“ wurde vom Landwirtschaftsminister der Name „Landwirthschaftliche Hochschule“ ohne das Attribut „Königlich“ beantragt und am 14. Februar 1881 vom König bewilligt.GStA PK I. HA Rep. 89 Nr. 31929, fol. 26 f. Allerdings erhielten seit 1887 die Schreiben im gedruckten Kopf den erweiterten Namen „Königliche Landwirthschaftliche Hochschule zu Berlin“.GStA PK I. HA Rep. 89 Nr. 31929, fol. 40 r, 50 r, 55 r, 146 r

Im Schloss und auf dem Gut Proskau in Oberschlesien (Regierungsbezirk Oppeln) richtete das Königreich Preußen 1847 eine höhere landwirtschaftliche Lehranstalt ein, die spätere Landwirtschaftliche Akademie Proskau. Diese wurde 1881 aufgelöst und ihre Sammlungen in das etwa 400 km entfernte Museum der Landwirtschaftlichen Hochschule nach Berlin, Invalidenstraße 42, verlegt.L. Wittmack (Hrsg.): Die Königliche Landwirtschaftliche Hochschule in Berlin. Festschrift zur Feier des 25jährigen Bestehens. Berlin 1906, S. 76. Für die Berliner Hochschule wurden aus der Proskauer Akademie neu berufen: ihr Direktor Hermann Settegast für Tierzucht und Betriebslehre, Richard Börnstein für Physik und Hans Gruner für Mineralogie und Geognosie.L. Wittmack (Hrsg.): Die Königliche Landwirtschaftliche Hochschule in Berlin. Festschrift zur Feier des 25jährigen Bestehens. Berlin 1906, S. 17. Zu den zehn Gründungsprofessoren („etatsmässige Lehrer“) gehörten ferner Albert Bernhard Frank (Pflanzenphysiologie), Leopold Kny (Botanik), Hans Heinrich Landolt (Chemie), Alfred Nehring (Zoologie), Albert Orth (Landwirtschaft), Ludewig Wittmack (Botanik) und Nathan Zuntz (Tierphysiologie).Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1881/82. S. 148

Die Hochschule, die von 1881 bis 1896 durch keine Gliederung eingeteilt war,GStA PK I. HA Rep. 89 Nr. 31929, fol. 62 v erhielt 1897 satzungsgemäß folgende drei Abteilungen:Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1898. S. 174 Abtheilung I für Landwirthschaft Abtheilung II für Geodäsie und Kulturtechnik Abtheilung III für die landwirthschaftlich-technischen Gewerbe

Nach Preußens Landwirtschaftsminister Ernst von Hammerstein-Loxten an den Kaiser und König hatte die Hochschule „seit ihrer Eröffnung am 1. April 1881 bis Ende Dezember 1895 2941 Zuhörer“, wovon „59 Landwirthe, 4 Lehrer der Landwirthschaft, 419 Landmesser und 153 Kulturtechniker die vorgeschriebenen Prüfungen abgelegt und bestanden“ hatten. Im Wintersemester 1896/97 wurde sie „von über 600 Studirenden besucht“.GStA PK I. HA Rep. 89 Nr. 31929, fol. 61 r

Ende Dezember 1896 bestand der Lehrkörper aus „15 etatsmäßigen Professoren, 14 Hülfslehrer und 6 Privatdozenten“ sowie noch „20 Assistenten der verschiedenen wissenschaftlichen Institute“.GStA PK I. HA Rep. 89 Nr. 31929, fol. 61 r

Bei einer Gasexplosion am 30. September 1900 war „ein Theil der Kellergewölbe des Hauptgebäudes eingestürzt, das Dach des Lichthofes zertrümmert,“ auch wurden „die wissenschaftlichen Sammlungen im Lichthof und im Erdgeschoß des Museums stark beschädigt“.GStA PK I. HA Rep. 89 Nr. 31929, fol. 104 r