mini|Burghügel von Breitungen/Werra in einer Luftaufnahme mini|Blick auf Breitungen Breitungen/Werra ist eine Gemeinde im Landkreis Schmalkalden-Meiningen in Thüringen (Deutschland), zu der die Ortsteile Altenbreitungen, Bußhof, Craimar, Farnbach, Frauenbreitungen, Grumbach, Herrenbreitungen, Knollbach, Neuhof und Winne gehören.
Geografie Breitungen liegt an der Werra zwischen Thüringer Wald und Rhön und ist erfüllende Gemeinde für die Gemeinden Fambach, Rosa und Roßdorf. Zum Ort gehören weiterhin sieben sogenannte Höfe, die etwas außerhalb liegen und aus den Ansiedlungen mehrerer Gehöfte bestehen: Winne, Bußhof, Knollbach, Craimar, Grumbach, Neuhof und Farnbach.
Geschichte
Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 933 als bretinga und entstand an einer wichtigen Werra-Furt. Die Siedlung umfasste damals ein Gebiet von 280 Quadratkilometern. Mit dieser Größe, dem Verwaltungssitz des Gerichts und der Mutterkirche war Breitungen im 10. Jahrhundert politischer und kultureller Mittelpunkt der Region. Aus drei Siedlungskernen ist der Ort Breitungen zusammengewachsen, der heute noch in drei Ortsteile gegliedert wird: Altenbreitungen, gelegen am linken und rechten Werraufer, ist der älteste Teil Breitungens und entstand aus einer von Alemannen gegründeten Siedlung. Frauenbreitungen, gelegen am linken Ufer der Werra, wurde als Königsbreitungen, einer fränkischen Villa, gegründet. 1150 wurde hier ein Augustinerinnenkloster gegründet, das bis 1528 bestand. Nach Gründung dieses Nonnenklosters wurde der Ort zu Frauenbreitungen umbenannt. Herrenbreitungen entstand gleichzeitig mit der Gründung der königlichen Villa in Frauenbreitungen auf dem Hügel am rechten Werraufer durch eine Königspfalz (Burg), die dem Ortsteil vorerst den Namen Burgbreitungen verlieh. Nach der Zerstörung im 10. Jahrhundert gründete Pfalzgraf Siegfried von Orlamünde ein Benediktinerkloster, und so wurde Burgbreitungen zu Herrenbreitungen.
Frauen- und Herrenbreitungen, um 1300 zu Lehen des Klosters Hersfeld geworden, wurden nach Aufhebung der Klöster in der Reformation als Vogtei und als Amt von Henneberger Grafen und Meininger Fürsten regiert. Der Henneberger Graf Poppo XII. ließ nach 1560 unter Einbeziehung baulicher Reste des aufgehobenen Klosters ein neues Renaissance-Schloss errichten. Im Jahr 1583 erlosch das Henneberger Geschlecht, und die Landgrafschaft Hessen-Kassel wurde Besitzer von Schloss Herrenbreitungen und dem Amt Herrenbreitungen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Schloss beschädigt, die originale Bausubstanz aus dem 16. Jahrhundert blieb aber in großen Teilen erhalten. Im 18. und 19. Jahrhundert diente das Schloss als Justizamt, Gefängnis und Rentamt.
mini|hochkant|Wappen des Renaissance-Schloss Breitungen
Die Ortsteile Frauen- und Altenbreitungen gehörten ehemals zu Sachsen-Meiningen (Amt Frauenbreitungen), der Ortsteil Herrenbreitungen zu Hessen-Kassel (Amt Herrenbreitungen der Herrschaft Schmalkalden). Während Frauen- und Altenbreitungen schon immer politisch eine Einheit bildeten, verschmolzen erst 1950 alle drei Ortsteile zum Dorf Breitungen (Werra).
Während des Zweiten Weltkrieges mussten etwa 1740 Kriegsgefangene sowie Frauen und Männer aus den von Deutschland besetzten Ländern Zwangsarbeit verrichten: in der Metallwarenfabrik Scharfenberg & Teubert GmbH in der Poststraße und Eisenacher Straße, in der Firma Heller & Söhne, im Sägewerk, auf dem Rittergut Farnbach. Auf dem Friedhof von Frauenbreitungen wurden zahlreiche Opfer von Zwangsarbeit aus Breitungen sowie aus Allendorf bei Bad Salzungen, Kaltenborn und Wernshausen beigesetzt. An sie erinnert dort ein Denkmal.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Band 8: Thüringen. VAS – Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 251.
Das Renaissance-Schloss war im Zweiten Weltkrieg mit Evakuierten aus Luftkriegsgebieten und ab 1945 über Jahrzehnte mit Flüchtlingen und Vertriebenen aus den Ostgebieten belegt.
Am 1. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Herrenbreitungen eingegliedert.
Von 1993 bis 1996 war Breitungen/Werra Mitgliedsgemeinde und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Werratal. Mit Auflösung dieser wurde die Gemeinde erfüllende Gemeinde für die anderen zwei Mitgliedsgemeinden Fambach und Heßles sowie für Rosa und Roßdorf. Die zwei zuletzt genannten Gemeinden gehörten der gleichzeitig aufgelösten Verwaltungsgemeinschaft Vorderrhön an. Heßles wurde am 1. Dezember 2008 nach Fambach eingemeindet.
Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember): 1994: 5724 1995: 5666 1996: 5722 1997: 5693 1998: 5634 1999: 5557 2000: 5508 2001: 5454 2002: 5382 2003: 5332 2004: 5299 2005: 5240 2006: 5213 2007: 5152 2008: 5062 2009: 5003 2010: 4910 2011: 4886 2012: 4869 2013: 4826 2014: 4815 2015: 4808 2016: 4816 2017: 4768 2018: 4763 2019: 4759 2020: 4695 2021: 4636 2022: 4479 2023: 4423 2024: 4394 Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik
Die Einwohner von Breitungen sind in den benachbarten Ortschaften auch als die Breitcher Sandhasen bekannt. Die spezifischen Namensgebungen sind für diese Region sehr typisch. Der Hintergrund dieser Bezeichnungen ist noch nicht ganz geklärt. Jedenfalls gehören sie ethnologisch zu den joking relationships und sind in Deutschland als Ortsnecknamen verbreitet.
Religion 43 % der Bevölkerung gehören einer evangelischen Landeskirche an, 2 % der katholischen Kirche..
Die lutherische Marienkirche in Frauenbreitungen gehört zum Kirchenkreis Bad Salzungen-Dermbach der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, die Michaelskirche in Herrenbreitungen hingegen zum Kirchenkreis Schmalkalden der unierten Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck.
mini|hochkant|St. Marienkirche am Marktplatz in Frauenbreitungen
Die wenigen Katholiken gehören zur Pfarrei St. Andreas (Bad Salzungen). Nächste Filialkirche ist St. Kilian (Bad Liebenstein), nachdem 2012 die Gottesdienste in der Kapelle im Engelshof in Frauenbreitungen eingestellt wurden.
Des Weiteren existiert in Breitungen die Borntalkapelle, die zum Kirchenbezirk Sachsen-Thüringen der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche gehört.
Politik Bürgermeister Seit der Kommunalwahl am 15. Juli 2012 ist Ronny Römhild (parteilos, von SPD aufgestellt) Bürgermeister der Gemeinde Breitungen/Werra. Er erlangte mit 51,1 % der Stimmen bereits im ersten Wahlgang den Posten des hauptamtlichen Bürgermeisters. Am 15. April 2018 wurde Römhild mit 89,7 % der Stimmen erneut im Amt bestätigt. Bei dieser Wahl trat er als einziger zugelassener Wahlvorschlag zur Wahl des Bürgermeisters an. Bei der letzten Wahl am 26. Mai 2024 trat Römhild erneut als einziger Kandidat für den Posten des hauptamtlichen Bürgermeisters an und wurde mit 81,0 % abermals im Amt bestätigt. Dabei wurde er von den Bürgerfreunden Breitungen e.V. zur Wahl aufgestellt. Er bekleidet dazu auch das Amt des Gemeinschaftsvorsitzenden für die Gemeinden Fambach, Rosa und Roßdorf, für welche die Erfüllende Gemeinde Breitungen/Werra die Verwaltungsaufgaben übernimmt.
Gemeinderat Der Gemeinderat setzt sich seit der Wahl 2014 aus 16 ehrenamtlichen Ratsmitgliedern zusammen, nachdem er zuvor 20 Mitglieder umfasste. Die letzte Kommunalwahl im Jahr 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 61,4 % zu folgendem Ergebnis:Thüringer Landesamt für Statistik. Partei / Liste Stimmenanteil Sitze Die Linke 4,6 % 1 AfD 14,4 % 2 CDU 31,1 % 5 SPD 13,7 % 2 Bürgerfreunde Breitungen e.V. 25,1 % 4#Auftrag Heimat11,0 %2
Wappen
Gemeindepartnerschaften Partnergemeinden: Petersberg bei Fulda, Cisek (Polen)
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Klosterkirche Herrenbreitungen mini|Der Schornstein von Breitungen kurz vor der Sprengung
Bauwerke Schloss Breitungen Der Henneberger Graf Poppo XII. ließ nach 1560 unter Einbeziehung baulicher Reste des aufgehobenen Klosters ein neues Renaissance-Schloss errichten. Im Jahr 1583 erlosch das Henneberger Geschlecht, und die Landgrafschaft Hessen-Kassel wurde Besitzer von Schloss Herrenbreitungen und dem Amt Herrenbreitungen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Schloss beschädigt, die originale Bausubstanz aus dem 16. Jahrhundert blieb aber in großen Teilen erhalten. Erhalten sind auch Teile der früheren Klostermauer und große Gutsgebäude. Das Schloss befindet sich seit 2007 in Privatbesitz und wird seither saniert. Einige Räume des Schlosses werden vom Verein Das Aktivmuseum – ländliches Brauchtum genutzt, der auch die benachbarte Basilika sowie den gepflegten Kräutergarten betreut. Romanische Basilika Die Basilika wurde als Klosterkirche der Benediktinermönche 1112 geweiht. Der Bau aus Sandstein in romanischem Stil war eine kreuzförmige Basilika mit dreischiffigem Langhaus, Querschiff und einem Chorraum, dessen drei Schiffe in Apsiden endeten. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Basilika stark beschädigt. Die Apsiden konnten nicht gerettet werden, die nach 1660 unter Ausschluss der Apsiden neu erbaute Ostwand des Chores verhinderte jedoch die völlige Zerstörung des Bauwerks, deren romanischer Innenraum bis heute erhalten blieb. Der in den 1990er Jahren sanierte Bau dient als Ausstellungs- und Konzertraum sowie als Außenstelle des Standesamtes Breitungen. Der 28 Meter hohe Turm ist das Wahrzeichen der Gemeinde Breitungen. mini|hochkant|Michaeliskirche auf dem Burghügel Herrenbreitungen Rußwurmsches Herrenhaus Michaelskirche Marienkirche 240-jährige Wassermühle Kapelle Kamin des ehemaligen Heizkraftwerks (Lage: ) Der Schornstein, der mit einer Höhe von 204 Metern, aufgerufen am 26. September 2018 zu den höchsten Bauwerken in Thüringen zählte, wurde mit dem Abbruch des Heizkraftwerkes am 6. August 2005 gesprengt. Aussichtsturm auf dem Pleß, 1999 errichtet mit Aussichtsplattform und Rundblick über Thüringer Wald, Thüringer Rhön, Wartburg und Wasserkuppe Fachwerkensemble am Marktplatz aus dem 17. Jahrhundert Der Sachsenstein auf dem Pleß mini|Breitunger See
Naturdenkmäler und Naturschutzgebiete Hausberg Pleß mit Aussichtsturm Breitunger Seen
Sport Das im Juni 1976 errichtete Sportzentrum Breitungen wurde im Jahre 1996 um einen Tribünenbereich erweitert, damit bei größeren Sportveranstaltungen genügend Zuschauer Platz finden. Durch Breitungen führt der Werratal-Radweg. In der Gemeinde gibt es einen Badestrand mit Minigolfanlage, Beachvolleyballplätzen sowie Caravan- und Campingstellflächen. Die Fußballmannschaft FSV Rot-Weiß Breitungen spielt gegenwärtig in der achtklassigen Kreisoberliga Rhön-Rennsteig. Die HSG Werratal bestreitet in der Thüringenliga ihre Spiele.
Regelmäßige Veranstaltungen Ochsenfest der Freiwilligen Feuerwehr – am Gerätehaus – jährlich am Pfingstmontag Minigolf-Meisterschaften der Breitunger Vereine großes Straßenfest, jährlich im Juni, entlang Amtsstraße oder im Dorfzentrum Pleßlauf, jährlich im August größtes Riesenkürbisfest Thüringens, jährlich Anfang September Breitunger Kirmes, jährlich Ende September/Anfang Oktober Breitunger Sternenmarkt – Weihnachtsmarkt, jährlich am 3. Advent
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Die Wirtschaftsstruktur der Gemeinde wird durch kleinere mittelständische Unternehmen und Kleingewerbe bestimmt. Es sind zwei Gewerbegebiete ausgewiesen, und zwar das Gewerbegebiet Nord (ca. 31 Hektar) und das Gewerbegebiet West (ca. 8 Hektar). Daneben gibt es das als Mischgebiet ausgewiesene, 1994 errichtete Dorfzentrum Schafwerra (ca. 4 Hektar) mit zahlreichen Dienstleistungseinrichtungen.
Ansässige Unternehmen
ANC netcontrol GmbH Elektrobau GmbH Breitungen Kunststofftechnik Breitungen GmbH & Co.KG (ehem. Zahn GmbH) Leuchtstoffwerk Breitungen GmbH Roese Energietechnik GmbH Apothekenrechenzentrum Wünsch GmbH Autohaus Breitungen Gbr WIS Kunststoffe GmbH mini|Breitungen bei Sonnenaufgang
Bildung