Der Hannoveraner ist eine deutsche Reitpferderasse, die zahlenmäßig zu den stärksten Warmblutzuchten weltweit gehört.
Äußeres Erscheinungsbild und Charakter Der Hannoveraner ist ein typisches modernes Sportpferd im Rechteckformat (länger als hoch). Gezüchtet wird der Hannoveraner als Rasse mit besonderer Eignung für den Reitsport. Es werden Pferde angestrebt, die aufgrund ihrer inneren Eigenschaften, der Rittigkeit, ihres äußeren Erscheinungsbildes, des Bewegungsablaufs, der Springveranlagung und der Gesundheit ideale Leistungs- und Freizeitpferde sind. Auf dieser Grundlage wird die Zucht von Pferden mit einer Schwerpunktveranlagung für eine der Disziplinen Dressur, Springen oder Vielseitigkeit angestrebt. Mit den oben genannten Eigenschaften wird auch die Zucht von Pferden bevorzugt, die außerdem Qualitäten für den Fahrsport sowie alle weiteren Reitsportaktivitäten haben. Dieses Zuchtziel bietet darüber hinaus jedem einzelnen Züchter genügend Spielraum, seine eigenen Vorstellungen umzusetzen., abgerufen am 3. Dezember 2020..
Es existiert eine Bandbreite von unterschiedlichen Typen, die vom harten, blutgeprägten Pferd bis zum sogenannten Kommandeurspferd (besonders großrahmiger, stämmiger Typ) reichen. Angestrebt wird ein Stockmaß um 165 cm.
Der Hannoveraner zeichnet sich durch seine Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp aus, die ihn für den großen Sport prädestinieren. Er ist sowohl in der Dressur-, im Spring- und im Vielseitigkeitsport einsetzbar und gilt als gelehrig, aufmerksam und ausgeglichen, aber auch als temperamentvoll. Der Hannoveraner hat ein ausgeglichenes, nervenstarkes, aber waches Temperament sowie einen umgänglichen, unkomplizierten, aber sensiblen Charakter. Zudem eignet er sich als Fahr-, Jagd- und Freizeitpferd.
mini|Der hannoversche Fohlenbrand
Zuchtgeschichte Die Hannoveranerzucht lässt sich bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Der Hannoveraner wurde für die Landwirtschaft und für den Militärdienst gezüchtet. Die Grundlage für die heutige Zucht stellt die Gründung des Landgestüts Celle am 27. Juli 1735 dar, mit der die zentrale Registrierung von Bedeckungen und Abfohlmeldungen eingeführt wurde. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden vermehrt Vollblut- und englische Halbbluthengste zur Veredelung des „Hannöverschen Pferdes“ eingesetzt. Nach 1870 erfolgte die Konsolidierung der Zucht unter Berücksichtigung der einheimischen Stämme, bei der die Kutsch- und Militäreignung des Hannoveraners im Vordergrund stand. In diese Zeit fällt die Gründung des Hannoverschen Stutbuches 1888, dem Vorgänger des Hannoveraner Verbandes. 1922 wurde der Verband hannoverscher Warmblutzüchter gegründet, der später in Hannoveraner Verband umbenannt wurde.
Kennzeichnend für die Hannoveraner Zucht war die vorrangige Haltung von Zuchtstuten bei bäuerlichen Züchtern, unterstützt durch das niedersächsische Landgestüt in Celle und dessen Deckstationen. Bis in die frühe Nachkriegszeit war noch ein in allen Belangen der Landwirtschaft einsetzbarer Pferdetyp Schwerpunkt der Zucht. Nach der weitgehenden Mechanisierung der Landwirtschaft wurde die Zucht auf den neuen Sporttyp umgestellt, vor allem durch Einsatz von Vollblütern und Trakehnern als Veredler. Die Hannoveraner Zucht war damit „Trendsetter“ für die übrige deutsche Warmblutzucht. 2005 fusionierte der Verband Hessischer Pferdezüchter mit dem Hannoveraner Verband. 2014 folgte die Fusion mit der Abteilung A des Rheinischen Pferdestammbuchs.100 Jahre Hannoveranerverband auf pferd-aktuell.de
Einer der herausragendsten Hannoveraner Dressurpferdevererber der vergangenen Jahre war der 1984 geborene Hengst Weltmeyer von World Cup I aus der Staatsprämienstute Anka, der bis zu seinem Tode 2011 im Eigentum des Celler Landgestütes stand. Weltmeyer wurde 1986 Körungssieger in Verden und 1987 Bundeschampion der dreijährigen Reitpferde. 1998 wurde ihm der Titel „Hannoveraner Hengst des Jahres“ verliehen. Der Privatbeschäler De Niro von Donnerhall aus der Alicante hat ebenfalls die deutsche Dressurpferdezucht nachhaltig geprägt. Selbst im Sport bis Grand Prix erfolgreich, wurde er wie Weltmeyer 2008 „Hannoveraner Hengst des Jahres“. Das gelang auch seinem Sohn Desperados FRH aus der Wie Musik, der 2016 Mit Kristina Bröring-Sprehe Mannschaftsolympiasieger in Rio de Janeiro wurde und sich anschließend in der Niedersachsenhalle feiern ließ.
Zu den erfolgreichsten Springpferdevererbern Hannovers zählt der 1993 geborene Landbeschäler Stakkato von Spartan aus der Pia. Er wurde in Verden gekört und absolvierte seine Hengstleistungsprüfung 1995 in Adelheidsdorf mit dem besten Springindex von 144,39 Punkten. Drei Jahre später wurde Stakkato mit Eva Bitter in Warendorf Bundeschampion der deutschen Springpferde. Es schlossen sich zahlreiche internationale Erfolge an, fünfmal ging er in Nationenpreisen für Deutschland an den Start. 2007 wurde er mit dem Titel „Hannoveraner Hengst des Jahres“ ausgezeichnet.
Hannoveraner Stutenstämme Die Stutenstämme habe eine besondere Bedeutung in der Pferdezucht. Stuten aus durchgezüchteten, vererbungssicheren Stämmen, die sich teilweise seit mehreren Generationen in Züchterbesitz befinden, sind sehr wertvoll und Voraussetzung für eine erfolgreiche Zucht. „Züchten heißt in Generationen zu denken“ ist eine alte Weisheit nicht nur in der Pferdezucht.
2010 hat der Hannoveraner Verband eine Systematik für die Stutenstämme entwickelt, bei der alle Zuchtstuten, die 2006 in eine Abteilung des Stutbuchs eingetragen waren, bis auf die jeweilige Stammstute zurückverfolgt wurde. Basis war der erste Band des Hannoveraner Stutbuchs von 1888. Es konnten 1.548 Stutenstämme hannoverschen Ursprungs identifiziert werden, die nach der Herkunft ihrer Stammstute in fünf Regionen unterteilt wurden.
Es wurden Stammnamen vergeben. Stammname ist grundsätzlich der Name der Stammstute, also der erstmals in einem Hannoveraner Zuchtbuch eingetragenen Stute. Zusätzlich zu der Stammnummer, die sich aus Herkunftsregion und Geburtsjahr der Stammstuten zusammensetzt, und dem Namen wird der Besitzer der Stammstute zum Zeitpunkt der Eintragung mit Name, Wohnort und Landkreis genannt. Die Stamminformationen sind ab 2010 in den Equidenpässen der Hannoveraner eingedruckt.
Zuchtverband mini|hochkant Der Hauptsitz des Hannoveraner Verbandes liegt in Verden. Dort werden in den Zuchtbüchern alle Daten und Informationen gesammelt und Equidenpässe ausgestellt. Auf dem Gelände der Niedersachsenhalle finden auch die großen Veranstaltungen Körungen, Turniere, Stutenschauen und Auktionen statt.
Verdener Auktion Die Verdener Auktion wird seit 1949 veranstaltet.Verden feiert 75 Jahre Auktionen, 141. Elite-Auktion geht ins Finale, Züchterforum, 8. Oktober 2024Spitzenklasse in Verden: Pferdeauktion feiert 75. Geburtstag, Radio Bremen, 12. Oktober 2024 Zu den Initiatoren gehörte Hans Joachim Köhler. Die erste Verdener Auktion fand im Winter 1949 in der Brunnenweg Kaserne statt. Das Veranstaltungskonzept wurde weiterentwickelt, sodass bei der dritten und vierten Auktion mit mehr als 40 Pferden gute Erlöse erzielt worden sind. In der Folge wurde die vorhandene Rinderauktionshalle am Lönsweg umgebaut und für die nunmehr halbjährlichen Pferdepräsentationen genutzt. Im Jahre 1972 wurde die Niedersachsenhalle an der Lindhooper Straße als Auktionshalle errichtet und im Herbst mit der 47. Verdener Auktion eingeweiht. Nach 35 Jahren und 70 Auktionen trat Köhler als Verantwortlicher von seiner Position zurück.Hans Joachim Köhler, "Pferde aus Verden - Schlagen Sie doch endlich zu", 1988, S. 49. Heute (2026) werden alle zwei bis drei Monate Pferde für verschiedene Anforderungen aus dem Zuchtgebiet vom Hannoveraner Verband versteigert. Es werden Fohlen, Zuchtstuten, gekörte Hengste und Reitpferde für die Disziplinen Dressur, Springen, Vielseitigkeit und für Freizeit und Fahrsport angeboten. Außerdem bieten die High Level Auktionen bereits weiter ausgebildete Pferde an, die zum größten Teil bereits Erfolge im Turniersport aufweisen.
Die Pferde werden durch eine Auswahlkommission streng selektiert und vor der Auktion tierärztlich untersucht. Zehn Tage vor der Auktion beziehen sie auf der Anlage an der Lindhooper Straße eine Box und können in dieser Zeit nach Absprache mit den Kundenberatern probegeritten werden. Die Präsentationen kann man live im Internet verfolgen. Die Live-Auktionen finden in der Niedersachsenhalle statt. Neben den Live-Auktionen erfreuen sich Online- oder OnLive-Auktionen großer Beliebtheit.Verdener Auktion, Hannoveraner Verband
Erfolgreiche Hannoveraner Olympiasieger mini|hochkant|Mannschaftsolympiasieger: Ingrid Klimke und ihr Hannoveraner Wallach FRH Butts Abraxxas bei den Olympischen Sommerspielen 2012 1928 Amsterdam – Einzelgold Dressur: Draufgänger v. Aldech/Nordgraf mit Carl Friedrich Frhr. von Langen 1928 Amsterdam – Mannschaftsgold Dressur: Draufgänger v. Aldech/Nordgraf mit Carl Friedrich Frhr. von Langen 1936 Berlin – Mannschaftsgold Springen: Alchimist v. Amalfi/Colonus mit Heinz Brandt 1960 Rom – Mannschaftsgold Springen: Ferdl v. Ferdinand/Feo mit Alwin Schockemöhle 1964 Tokio – Mannschaftsgold Springen: Dozent II v. Deputant/Schuß mit Hermann Schridde 1964 Tokio – Mannschaftsgold Dressur: Dux v. Duellant/Staatsanwalt mit Reiner Klimke 1968 Mexiko – Mannschaftsgold Dressur: Dux v. Duellant/Staatsanwalt mit Reiner Klimke 1972 München – Mannschaftsgold Springen: Askan v. Almhügel/Agram mit Gerd Wiltfang und Simona v. Weingeist/Angola mit Hartwig Steenken 1976 Montreal – Einzelgold Springen: Warwick Rex v. Wortschwall/Allwieder mit Alwin Schockemöhle 1976 Montreal – Mannschaftsgold Dressur: Woyceck v. Wunsch II/Deputant mit Harry Boldt und Mehmed v. Ferdinand/Altried mit Reiner Klimke 1988 Seoul – Mannschaftsgold Springen: Walzerkönig v. Watzmann/Absatz mit Franke Sloothaak 1988 Seoul – Mannschaftsgold Vielseitigkeit: Shamrock v. Shogun xx/Dominik mit Matthias Baumann und Sherry FRH v. Sudan xx/Florentiner II mit Thies Kaspareit 1992 Barcelona – Mannschaftsgold Springen: Ratina Z v. Ramiro/Alme Z mit Piet Raijmakers und Top Gun v. Grannus/Winnetou mit Jan Tops 1992 Barcelona – Mannschaftsgold Dressur: Gigolo FRH v. Graditz/Busoni xx mit Isabell Werth und Grunox v. Grunewald/Absatz mit Monica Theodorescu 1992 Barcelona – Einzelgold Vielseitigkeit: Kibah Tic Toc v. Domherr mit Matthew Ryan 1992 Barcelona – Mannschaftsgold Vielseitigkeit: Kibah Tic Toc v. Domherr mit Matthew Ryan 1996 Atlanta – Einzelgold Dressur: Gigolo FRH v. Graditz/Busoni xx mit Isabell Werth 1996 Atlanta – Mannschaftsgold Dressur: Gigolo FRH v. Graditz/Busoni xx mit Isabell Werth und Grunox v. Grunewald/Absatz mit Monica Theodorescu 2000 Sydney – Mannschaftsgold Springen: Goldfever v. Grosso Z/Galvano mit Ludger Beerbaum, For Pleasure v. Furioso II/Grannus mit Marcus Ehning und Esprit FRH v. Eiger/Fürst Ferdinand mit Lars Nieberg 2000 Sydney – Mannschaftsgold Dressur: Gigolo FRH v. Graditz/Busoni xx mit Isabell Werth 2004 Athen – Einzelgold Dressur: Salinero v. Salieri/Lungau mit Anky van Grunsven 2004 Athen – Mannschaftsgold Dressur: Bonaparte v. Bon Bonaparte/Consul mit Heike Kemmer, Wansuela suerte v. Warkant/Wachmann mit Hubertus Schmidt und Weltall VA v. Weltmeyer/Picard mit Martin Schaudt
2008 Hongkong – Einzelgold Dressur: Salinero v. Salieri/Lungau mit Anky van Grunsven 2008 Hongkong – Mannschaftsgold Dressur: Bonaparte v. Bon Bonaparte/Consul mit Heike Kemmer, Satchmo v. Sao Paulo/Legat mit Isabell Werth und Elvis VA v. Espri/Garibaldi II mit Nadine Capellmann 2008 Hongkong – Mannschaftsgold Vielseitigkeit: FRH Butts Abraxxas v. Heraldik xx/Kronenkranich xx mit Ingrid Klimke und FRH Butts Leon v. Heraldik xx/Star Regent xx mit Andreas Dibowski 2012 London – Mannschaftsgold Vielseitigkeit: FRH Butts Abraxxas v. Heraldik xx/Kronenkranich xx mit Ingrid Klimke