Der Würgeengel (Originaltitel: El ángel exterminador) ist ein surrealistisches Filmdrama von Luis Buñuel aus dem Jahr 1962.

Handlung Die Eheleute Nobile geben eine Party, als die Bediensteten plötzlich ihre Posten verlassen. Die Gäste bleiben entgegen den gesellschaftlichen Konventionen über Nacht im Haus. Am nächsten Morgen stellen alle fest, dass sie den Raum, in dem sie sich befinden, nicht mehr verlassen können, obwohl sie physisch nicht daran gehindert werden. Offene Türen und Fenster ließen ein Verlassen jederzeit zu. Andererseits wagen sich Außenstehende und Schaulustige außerhalb des Hauses auch nicht in das Haus hinein, um den „Eingeschlossenen“ zu helfen. Es vergehen einige Tage, die Menschen werden nervös und hysterisch. Nahrungsmittel und Wasser gehen aus. Einer der Gäste stirbt, ein junges Paar begeht Selbstmord.

Die Gäste können sich schließlich selbst befreien: Das exakte Nachstellen der äußeren Szenerie, die sie in diese verzwickte Situation gebracht hat, hebt den Zauber auf. Die Befreiung wird in einer Kirche mit einer Messe gefeiert. Anschließend scheitern zuerst der Priester und die Messdiener, dann die gesamte Gemeinde aus unklaren Gründen bei dem Versuch, die Kirche zu verlassen. Es scheint sich ein neues Drama anzubahnen.

Nun setzt ein wildes Glockenläuten ein. Gleichzeitig räumt das Militär mit Waffengewalt den Vorplatz der Kirche, auf dem sich eine aufgebrachte Menschenmenge versammelt hat.

In der letzten Einstellung ist der Platz menschenleer, und man sieht eine Schar Lämmer, die unter fortdauerndem Glockengeläut und letzten Gewehrschüssen auf das Kirchenportal zulaufen und in der Kirche verschwinden.

Titel Ursprünglich sollte der Titel Die Schiffbrüchigen von der Straße der VorsehungDer in der deutschen Übersetzung der „Erinnerungen“ zitierte Titel lauten. Als der Autor José Bergamín von einem geplanten Stück mit dem Titel „El ángel exterminador“ (dt. „Der Würgeengel“) erzählte, war Buñuel so angetan, dass er, nachdem Bergamín sein Projekt aufgegeben hatte, den assoziationsstarken Titel für seinen Film übernahm.

Der deutsche Verleihtitel „Der Würgeengel“, das Äquivalent des spanischen „El ángel exterminador“, weckt Assoziationen an die Bibel. Die Bezeichnung „Würgengel“ (ohne das Fugen-e) erscheint zuerst bei Luther 1545,Jacob und Wilhelm Grimm: „Deutsches Wörterbuch.“ Hirzel, Leipzig 1854–1954(1960). Fotomechanischer Nachdruck in 32 Bänden, Deutscher Taschenbuchverlag, München 1984, Band 30, Spalte 2213–2218 angeregt durch einen lateinischen Bibeltext(Dominus) non sinet percussorem ingredi domos vestras et laedere. (2. Mose 12, 23) in der Bedeutung „von Gott zum Töten ausgesandter Engel.“

Hinweise im Film auf den Begriff Würgeengel gibt es kaum: Der sterbende alte Mann ist froh, dass er die „Ausrottung“ nicht mehr erlebt. Im Off ertönt im Umkreis der Sterbesequenz ein lautes Flügelschlagen. Eine Tür der Seitenkabinette ist mit Engeln bemalt.

Kritik

Auszeichnungen Regisseur Luis Buñuel war 1962 für die Goldene Palme der Internationalen Filmfestspiele von Cannes nominiert. 1963 gewann Luis Buñuel den Bodil für den besten nicht-europäischen Film.

Fortwirkung In ihrem Stück Rechnitz (Der Würgeengel) (2008) über das Massaker von Rechnitz nimmt Elfriede Jelinek Bezug auf das Filmszenario.nachtkritik.de Martin Wuttke, Anna Heesen und Arno Waschk verwendeten den Film als Grundlage für ihr Theaterstück „Nach der Oper. Würgeengel“, das am 12. Februar 2012 im Wiener Burgtheater Premiere hatte.Deutschlandfunk vom 14. Februar 2012 Thomas Adès: The Exterminating Angel. 2016, Oper nach dem Film; Tom Cairns (Regie und Mitarbeit am Libretto), Uraufführung bei den Salzburger Festspielen 2016 Der Würgeengel. Psalmen und Popsongs nach Luis Buñuel. Koproduktion von Schauspiel Leipzig und Schauspielhaus Bochum unter der Regie von Johan Simons, u. a. mit Sandra HüllerDer Würgeengel. Psalmen und Popsongs auf schauspiel-leipzig.de, abgerufen am 31. Januar 2024. PeterLicht und SE Struck: Der Würgeengel. Theaterstück nach Luis Buñuel (Uraufführung 20. Januar 2024, Schauspiel Frankfurt)Der Würgeengel (UA) auf schauspielfrankfurt.de, abgerufen am 20. Januar 2024.

Trivia Woody Allen nimmt in seinem Film „Midnight in Paris“ (2011) in einem Witz Bezug auf den Film.Die Zeit vom 18. August 2011

Literatur Luis Buñuel: Mein letzter Seufzer. (Deutsche Übersetzung des französischen Originals Mon dernier soupir von Enno Patalas und Frieda Grafe, ungekürzt, aber ohne Vorwort). Deutsche Erstausgabe. Athenäum, Königstein/Ts. 1983, S. 229–231. Lizenzausgaben: Ullstein, Frankfurt am Main und Berlin 1984; Volk und Welt, Berlin 1985. Luis Buñuel: Mein letzter Seufzer. Erinnerungen. (Neuausgabe mit einem Vorwort von Jean-Claude Carrière.) Alexander, Berlin 2000.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1962 Kategorie:Mexikanischer Film Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:Luis Buñuel