mini|St. Mauritius, Blick von der Jahnstraße, 2012
Die Pfarrkirche St. Mauritius in Köln hat ihren Ursprung in hochmittelalterlicher Zeit. Sie wurde erstmals im Jahr 1135 erwähnt.
Lage Das mächtige Bauwerk steht auf dem nach ihm benannten Mauritiuskirchplatz. Dieser ist östlich begrenzt durch die Straße Mauritiussteinweg, an der Südseite verläuft die hier beginnende Jahnstraße. Westlich des Platzes mündet die Arndtstraße und im Norden die Straße Am Rinkenpfuhl. Der Mauritiuskirchplatz liegt im Stadtteil Altstadt-Süd und gehört zum Stadtbezirk Innenstadt.
Anfang als Eigenkirche mini|hochkant|Die in Weingärten gelegene Abtei St. Pantaleon um 1625 Die Abtei St. Pantaleon verfügte über erheblichen Grundbesitz in suburbio coloniensis civitatis in der damaligen Vorstadt. Hier stand auch die „Eigenkirche“ der Abtei, deren genaue Datierung hinsichtlich ihrer Errichtung jedoch nicht möglich ist. In Köln gab es weit über 100 dieser Kirchen. Der Höchststand im Eigenkirchenwesen liegt im 9. und 10. Jahrhundert. Ein Beispiel gibt die noch heute in dieser Form existierende „Familienkirche“ St. Gregorius im Elend in der Kölner Südstadt. So liegt die Zeit der Erbauung dieser ersten Vorgängerkirche, der späteren Klosterkirche der Benediktinerinnen im Pantaleonssprengel, vor der salischen in der ottonischen Periode.
Sie unterstand der dem gleichen Orden zugehörigen Abtei St. Pantaleon, die Otto der Große im 10. Jahrhundert gegründet hatte. Sie wurde später zur Pfarrkirche erhoben.Hiltrud Kier, Ulrich Krings, Band III.
Wachsende Kirchengemeinde Die ständig steigenden Bevölkerungszahlen bewirkten auch einen starken Andrang der Gläubigen zu den Gottesdiensten. Er beeinträchtigte sogar den Ablauf der klösterlichen Liturgie der Mönche in der Abteikirche St. Pantaleon. Um diesen Zuwachs an Gläubigen in dem sich ausdehnenden Wohnviertel des Sprengels gerecht zu werden, wurde der Neubau einer mehr Raum bietenden Kirche beschlossen. Sie sollte zur Pfarrkirche des neuen Kirchspiels St. Mauritius werden.Köln: Die romanischen Kirchen, Band I, Helmut Fußbroich, S. 561.
Ende der „Eigenkirche“ und Neubau Als Ersatz der abzureißenden Eigenkirche stiftete im Jahr 1135 der wohlhabende Kölner Bürger Hermann de Scipiona, auch „von Stave“ oder „von Stabe“ genannt, und seine Frau Ida die Geldmittel für den Bau einer neuen größeren Kirche.Lacomblet, B. I. S. 289. Das Geschlecht der „Staben“ (von Stabe, de baculo), an dessen Wohnsitz noch jetzt die Straßenbezeichnung „Stavenhof“ in der Nähe des Eigelsteintores erinnert, wird in der Chronik der Stadt Köln mehrmals erwähnt.Chronik der Stadt Köln, abgedruckt in den Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, Heft 16, S. 58. Der Kirchenbau wurde nach sechsjähriger Bauzeit durch Erzbischof Arnold I. von Köln im Jahre 1141 zu Ehren des heiligen Mauritius konsekriert.
Die Zeitangaben zur Ersterwähnung schwanken zwischen dem Jahr 1135,Historische Angaben zur Kirche Sankt Mauritius – Informationstafel der Pfarre. sowie 1141Die Chronik Kölns, S. 65. und der Angabe zu Kloster und Kirche 1144.Adam Wrede, Band II, S. 178. Hierbei bezieht sich das Jahr 1135 auf den Baubeginn, denn es wird eine Bauzeit von 6 Jahren erwähnt, das Jahr 1141 auf die Weihe. Die Erwähnung im Jahr 1144 bezieht sich auf beide Bauwerke, Kloster- und Pfarrkirche.
Neubau in der Pantaleonsvorstadt mini|hochkant|Römermauer am Mauritiussteinweg Gebaut wurde unmittelbar vor der ersten römischen Stadtmauer, deren Reste noch heute in den Gärten der hinter der Kirche (östlich, stadteinwärts) liegenden Häuserzeilen des Mauritiussteinweges zu besichtigen sind.
Wie die ihr auch damals schon benachbarten Kirchen, St. Aposteln, westlich von ihr gelegen, oder St. Pantaleon im Süden, gehörte auch St. Mauritius noch nicht zum eigentlichen Stadtgebiet. Die Kirche war nach der im Jahre 1106 vorgenommenen zweiten Stadterweiterung im westlichen Bereich der Stadt eine der ersten neuen Kirchen auf dem entstehenden, später (um 1180) auch befestigten suburbanen Gelände der wachsenden Pantaleonsvorstadt.
In einer Urkunde des Jahres 1144 verfügt Arnold I. von Köln ausdrücklich, den Westbau der Kirche mit seiner Michaelskapelle und der Westempore dem neben der Kirche befindlichen Kloster der Benediktinerinnen für ihre Gottesdienste zu überlassen.Kölner Kirchen, S. 58.Wolfgang Peters.
Bauwerk und Einweihung
Die Kirche wurde im Stil einer romanischen Pfeiler- und Gewölbebasilika errichtet. Ihr Langhaus, ohne die bis dato übliche flache Holzdecke, war als erste Kölner Kirche zugleich mit ihren Seitenschiffen als Gewölbe angelegt.
Der dreischiffige Bau ohne ein Querschiff hatte drei Joche und war zum östlichen Ende hin mit einem Drei-Apsiden-Abschluss versehen. Zur Stadt hin trennten verzierende, schlanke Flankentürme als Treppentürme die fein gestuften Apsiden der Kirchenfassade. Ihre Anbindung an das Kirchenschiff erhielten die Türme durch ein sie umgreifendes Traufgesims.
Die Obergadenwände des Langhauses und des Westbaues hatten paarweise angeordnete Fenster und äußere Blendarkaden. Der quadratische Mittelbau des der Basilika vorgesetzten Westbaues hatte jeweils zur Nord- und Südseite hin doppelgeschossige Seitenflügel. Die Seitenschiffe des Langhauses setzten sich in diesen Flügeln bis zur Westfassade fort. Das Langhaus selbst wurde in dieser Kombination durch ein Zwischenjoch mit dem Westwerk verbunden. Die mit kleinen Giebeln versehenen Seitenflügel erhoben sich über die in sie übergehenden Seitenschiffe hinaus. Mittig auf dem Emporengeschoss, Seitenflügel und Langhaus überragend den Mittelbau mit seinem Fundament als Sockel nutzend, erhob sich ein mächtiger, in einer vierseitigen Pyramide endender Turmbau.Köln: Die romanischen Kirchen, Band I, Helmut Fußbroich, St. Mauritius.
mini|hochkant|St. Mauritius, Kölner Gabelkreuz um 1415 Leichte Änderungen wurden in spätgotischer Zeit vorgenommen. So wurden, um den Lichteinfall zu erhöhen, die Fenster der Seitenschiffe und der Apsiden erweitert. Das Kircheninnere änderte sich durch einen im Jahr 1483 gestifteten neuen Hochaltar. Ein Ereignis des Jahres 1572 ist die Absetzung des Pfarrers, der es gewagt hatte, im Sinne Martin Luthers zu predigen. Eine westliche Vorhalle, welche noch 1572 erwähnt wurde, muss später abgetragen worden sein. Im 18. Jahrhundert wurde die Ausstattung der Kirche barockisiert.
Die Kirche war mit einer Nonnenempore ausgestattet. Dieser Einbau, oftmals reich mit Malereien verziert, war häufig bei mittelalterlichen Klosterkirchen anzutreffen. Bei den nach der Säkularisation verbliebenen Kirchen wurden sie, wie auch hier, oftmals abgerissen.
Ende der Klosterkirche Das Ende der Pfarr- und Klosterkirche im 19. Jahrhundert begann mit den Ereignissen und Auswirkungen der französischen Besatzung der Stadt. Nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1802 wurde die Kirche versteigert – aller kirchlicher Besitz war verstaatlicht worden. 1830 wurde der Westteil der Kirche bis auf das Untergeschoss abgerissen. Obwohl durch Stadtbaumeister Johann Peter Weyer schon zwei Jahre später ein Holzturm zur Aufnahme der Glocken errichtet worden war, die Pfarrgemeinde sogar 1842 einen Kostenplan zur Erhaltung erstellt hatte, war das Ende für die Kirche nicht aufzuhalten gewesen. Der restliche Kirchenbau wurde 1846 aufgrund angeblicher erheblicher Bauschäden und Einsturzgefahr trotz gegenteiliger Expertise des Dombaumeisters Ernst Friedrich Zwirner aus dem Jahr 1845 durch die Behörde geschlossen. Dem endgültigen Abriss (mit Ausnahme von Teilen des Unterbaues) im Jahr 1859 waren lange Debatten um eine Instandsetzung oder den Abriss vorausgegangen.Köln: Die romanischen Kirchen, Band I, Helmut Fußbroich, S. 566.
Kloster der Benediktinerinnen Die ersten Benediktinerinnen für den Konvent an St. Mauritius stammten wahrscheinlich aus dem Mutterhaus der Nonnen auf der Rheininsel Rolandswerth: Nonnenwerth hieß früher noch Rolandswerth.Wolfgang Peters, Ulrich Krings, Seite XIVI. Erzbischof Arnold I. von Köln bezeichnet in einer Urkunde die Rheininsel auch als Insula beatae Mariae Virginis – als Liebfraueninsel. Die Gründung des Klosters fällt in die Zeit der schriftstellerischen Tätigkeit der Benediktinerin Hildegard von Bingen (1098–1179).
Ein schon bald ausbrechender Streit bezüglich Grundbesitz und kirchenrechtlicher Zuständigkeit zwischen Abtei und den Nonnen veranlasste den Erzbischof einzugreifen.
Er verfügte für den Konvent:
„dass die Ordensschwestern, welche er von Nonnenwerth hierher berufen, in der Besorgung ihrer äußeren Angelegenheiten sich selbst überlassen und frei sein sollten, so sollen sie weder bei Mangel noch bei Überfluss auf den Abt angewiesen sein; dass sie aber in der Seelsorge und der Beobachtung der Ordensregel nach dem Erzbischofe an zweiter Stelle dem Abte zu gehorchen hätten. Die Mutter oder Vorsteherin soll von den Schwestern frei gewählt, aber nicht Äbtissin, sondern nur Priorin genannt werden.“
Der Erzbischof ordnete weiterhin an, der Abt habe den Schwestern des Klosters 25 Morgen Land nebst einigen Parzellen an der Kirche zur Nutzung zu überlassen, jedoch unter Vorbehalt des Eigentumsrechtes der Abtei. Er verfügte für die Kirche: „dass dieselbe als Pfarrkirche (ecclesia parochialis) der Kirche St. Pantaleon zugehörig (pertinens) sei; dass der Abt deshalb das Recht, welches er bis dahin gehabt, auch fürderhin besitzen sollte, so namentlich das Recht der Investitur oder Anstellung des Pfarrers, sowie die Immunität (Freiheit von Steuern, Abgaben und anderen Lasten).“
Das Kloster gelangte schon bald zu erheblichem Grundbesitz. Im Jahr 1152 schenkte Abt Wolbero von St. Pantaleon den Nonnen acht Morgen Land, bei Sülz (ad curtem in Sulpze) gelegen, um daraus beliebigen Nutzen zu ziehen. 1157 beurkundete Erzbischof Friedrich II., dass die Nonnen der Kirche St. Mauritius, welche in der Vorstadt von Köln errichtet ist, in der Villa Marsdorp drei Mansen für 130 Mark rechtmäßig erworben haben. Nur wenige Jahre später bestätigte der nächste Kölner Erzbischof Rainald von Dassel ebenfalls rechtmäßigen Erwerb von umfangreichen Liegenschaften durch den Konvent:
Ein Hof in Hönningen bei Rondorf (curtem in hoingen), sechs Mansen; Ein Hof in Meschenich (Meschingin), zu 48 Mark für 90 Morgen; Einzelne Besitzungen in Rath (Rothe); Einen Hof in Junkersdorf (Guntersdorp), teilweise herrührend vom Stifter des Klosters und der Kirche, Hermanus und Ida; Einige Besitzungen in Remagen (Rinage); Zwei Mansen vor Ort neben dem Kloster (in pago juxta clausterum), von denen jeder jährlich einen „Solidi“ Zins zu zahlen hatte; Fünfzehn Morgen in Lich und fünfundvierzig Morgen Land in Emb (Embe);
In den folgenden Jahrhunderten wurden durch den Eintritt von begüterten Töchtern in das Kloster Ländereien und Anwesen gestiftet, wie im Jahr 1459 durch Adam von Haren, der Ältere einen bedeutenden Meierhof, das Gut Baelä mit Ländereien westlich von AachenChristian Quix: Historisch-topographische Beschreibung der Stadt Aachen und ihrer Umgebungen. DuMont-Schauberg, Köln und Aachen 1829, S. 137 f. sowie durch Adam von Haren, der Jüngere das Gut Hanbruch.