Mosè in Egitto (deutsch: Moses in Ägypten) ist eine Oper (italienische Originalbezeichnung: „azione tragico-sacra“) in drei Akten von Gioachino Rossini. Das Libretto schrieb Andrea Leone Tottola. 1827 überarbeitete Rossini das Werk als französische Grand opéra mit dem Titel Moïse et Pharaon.

Handlung

Die Oper behandelt die biblische Erzählung vom Auszug des israelitischen Volkes aus Ägypten, versehen mit einer Liebesgeschichte zwischen Osiride, dem Sohn des hier Faraone genannten Pharaos, und der Israelitin Elcìa. Um Elcìa nicht zu verlieren, will Osiride den Auszug verhindern. Zu Beginn der Oper herrscht – eine der zehn Plagen – völlige Dunkelheit, die sich nach Mosès Gebet aufhellt. Faraone gestattet den Israeliten die Ausreise, widerruft die Erlaubnis auf Drängen seines Sohnes aber kurz darauf. Mit Blitz und Hagel treffen weitere Plagen das Land. Faraone erlaubt den Auszug wieder. Osiride flieht mit Elcìa, damit diese nicht mit ihrem Volk ziehen muss. Sie werden von seiner Mutter Amaltea und Aronne (Mosès Bruder Aaron) aufgespürt und voneinander getrennt. Erneut verbietet Faraone unter einem Vorwand die Abreise der Israeliten. Mosè prophezeit darauf den Tod der Erstgeborenen Ägyptens. Faraone lässt ihn festnehmen und ernennt Osiride zu seinem Mitregenten. Bei der Zeremonie demütigt Osiride Mosè. Elcìa bekennt öffentlich ihre Beziehung zu Osiride und fordert ihn auf, die Israeliten ziehen zu lassen. Als Osiride ihr die Bitte abschlägt und mit dem Schwert auf Mosè losgeht, wird er vom Blitz erschlagen. Die Israeliten können endlich abreisen. Am Roten Meer teilt sich das Wasser für sie und schlägt dann über dem nachfolgenden Pharao zusammen.

Die folgende Inhaltsangabe basiert auf der neapolitanischen Fassung von 1819.

Erster Akt

mini|Antonio de Pian: Bühnenbildentwurf des ersten Akts, Kupferstich von Norbert Bittner, Theater am Kärntnertor Wien 1824

Königlicher Palast in völliger Finsternis

Szene 1. Faraone, seine Frau Amaltea, ihr Sohn Osiride und der Hofstaat sind zutiefst bestürzt über die über das Land hereingebrochene Dunkelheit (Introduktion: „Ah! Chi ne aita? Oh ciel!“). Faraone, der den Hebräern bislang die Freiheit verweigert hat, fühlt sich schuldig an diesem Unheil. Er lässt Mosè rufen, um seinem Volk den Auszug nun doch zu gestatten. Osiride ist besorgt, denn er ist heimlich mit der Hebräerin Elcìa vermählt und will sie nicht verlieren.

Szene 2. Als Mosè und sein Bruder Aronne erscheinen, schwört Faraone ihm, sein Volk ziehen zu lassen, wenn er die Finsternis beendet. Mosè preist Gott und bewegt seinen Stab (Szene: „Eterno! Immenso! Incomprensibil dio!“). Sofort wird wieder heller Tag. Faraone, Amaltea und Osiride geben ihrer Freude und ihrem Erstaunen Ausdruck, während Mosè und Aronne die Macht des Herrn rühmen (Quintett: „Qual portento è questo!“). Faraone bestätigt, dass die Hebräer noch vor Mittag abziehen dürfen. Osirides zaghafter Einwand wird ignoriert. Alle entfernen sich jubelnd. Nur Osiride bleibt schwermütig zurück.

Szene 3. Osiride fordert den Priester Mambre auf, unter dem Volk Zwietracht zu säen. Alle sollen erkennen, was sie verlieren, wenn die Israeliten das Land verlassen. Mambre übernimmt diese Aufgabe nur zu gern. Mosè ist ihm schon lange ein Dorn im Auge. Er versichert Osiride, dass Mosè vor seiner Macht zittern werde. Auch er habe einst einen Stab in eine Schlange und einen Fluss in Blut verwandelt.

Szene 4. Elcìa ist dem wachsamen Auge Mosès entkommen, um sich vor dem Aufbruch ihres Volks von Osiride zu verabschieden. Er fleht sie vergeblich an, bei ihm zu bleiben (Duett: „Ah se puoi così lasciarmi“). Als in der Ferne Trompetenschall ertönt, reißt sie sich von ihm los.

Szene 5. Amaltea fragt Mambre nach dem Aufenthaltsort Faraones. Das Volk suche nach ihm, weil er sein Wort gebrochen habe und die Hebräer nun doch nicht ziehen lassen wolle. Nun fürchte man erneut den Zorn ihres Gottes. Amaltea vermutet, dass Osiride seinen Vater beeinflusst hat. Faraone und Osiride treten hinzu. Faraone hat ihre letzten Worte gehört. Er erklärt ihr, dass Osiride ihn davor bewahrt habe, dem Zaubertrug der Hebräer anheimzufallen. Mosès wahre Absicht sei es, zusammen mit den an der Grenze wartenden Midianitern das Land zu verwüsten. Die göttlichen Strafen seien lediglich Blendwerk gewesen. Er trägt Mambre und Osiride auf, Mosè mitzuteilen, dass er mit dem Tode bestraft werde, wenn er das Land verlasse. Osiride ist erleichtert über diese Wendung. Amaltea dagegen rät ihrem Gatten, seine Entscheidung noch einmal zu überdenken. Faraone bekräftigt seinen Entschluss (Arie: „A rispettarmi apprenda“).

Weite Ebene vor den Stadtmauern von Tani

Szene 6. Aronne, seine Schwester Amenofi und die anderen Israeliten haben sich zum Auszug aus Ägypten versammelt und singen eine Hymne zum Lob Gottes (Inno: „All’etra, al ciel“).

Szene 7. Elcìa klagt Amenofi ihr Leid über den bevorstehenden Abschied von Osiride (Duett: „Tutto mi ride intorno!“). Mosè, Osiride und Mambre mit ihrem Gefolge erscheinen. Osiride erzählt Mosè vom Meinungsumschwung Faraones (Finale: „Che narri? / Il ver / M’inganni“). Die Hebräer sind empört über diesen Wortbruch. Mosè prophezeit die nächsten Plagen: Hagel und Feuer werden das ägyptische Land verheeren. Osiride fasst das als Drohung auf und befiehlt, Mosè festzunehmen. Der Konflikt weitet sich aus, als die Hebräer versuchen, Mosè zu verteidigen.

Szene 8. Faraone tritt mit seinen Wachen zwischen die Streitenden und gebietet Einhalt. Mosè stellt ihn wegen seines Wortbruchs zur Rede. Faraone aber bekräftigt seine Entscheidung und fordert Respekt von seinen Sklaven. Mosè schüttelt seinen Stab, worauf ein heftiges Unwetter mit Donner, Blitz und Hagel ausbricht – ein Zeichen von Gottes Gericht. Alle geraten vor Entsetzen in größte Verwirrung.

Zweiter Akt

Königliche Gemächer

Szene 1. Faraone übergibt Aronne ein Schreiben, mit dem er den Israeliten wieder die Ausreise gestattet. Anschließend teilt er seinem Sohn Osiride mit, dass die armenische Königstochter in die Hochzeit mit ihm eingewilligt habe. Osiride ist entsetzt. Er weiß nicht, wie er seinem Vater seine Liebe zu Elcìa offenbaren soll. Als Faraone ihn nach dem Grund für seinen Kummer fragt, antwortet er lediglich mit dunklen Anspielungen (Duett: „Parlar, spiegar non posso“).

Szene 2. Mosè dankt Königin Amaltea für ihre Unterstützung. Amaltea hofft, dass Faraone seine Meinung nicht noch einmal ändern werde. Als Mosè ihn mit einem vom Wind bewegten Schilfrohr vergleicht, rät sie ihm, mit seinem Volk schnellstens aufzubrechen. Sie selbst wird von Kummer geplagt, deren Ursache ihr nicht klar ist. Die Israeliten trösten sie damit, dass der Himmel versöhnt sei (Arie mit Chor: „La pace mia smarrita“). Nachdem sie sich entfernt hat, berichtet Aronne seinem Bruder von einem neuen Unglück: Osiride habe Elcìa fortgeführt, um sie zu verstecken. Einer ihrer Leute sei den beiden auf der Spur. Mosè bittet ihn, die Königin davon zu unterrichten, um die Flucht zu verhindern.

Dunkle unterirdische Halle mit einer Wendeltreppe

Szene 3. Osiride führt die zitternde Elcìa die Treppe hinab. Sie fürchtet sich und folgt ihm nur widerwillig, da sie dem Willen Gottes gehorchen will (Duett: „Dove mi guidi? Il mio timor dilegua“). Osiride erzählt ihr von seiner geplanten Heirat mit der armenischen Prinzessin. Er beabsichtigt, in der folgenden Nacht mit ihr in ein anderes Land zu fliehen, wo sie in Armut leben können. Elcìa versucht, sich Mut zuzusprechen („Quale assalto, qual cimento“). Von oben ertönt Lärm. Dann erscheinen Amaltea und Aronne, begleitet von ägyptischen Garden mit Fackeln. Sie machen dem Paar Vorwürfe. Osiride besteht auf seinem Recht auf die Geliebte, während Elcìa versichert, nur aus unglücklicher Liebe gehandelt zu haben (Quartett: „Ah mira? / Oh ciel“ – „Mi manca la voce“). Osiride ist bereit, für Elcìa auf sein Thronerbe zu verzichten. Sie aber will das nicht zulassen und eher ihrer Liebe entsagen. Aronne führt Elcìa fort, während Amaltea den Prinzen zurückhält.

(Palast)

Szene 4. Faraone hat einen neuen Vorwand gefunden, die Israeliten im Lande zu behalten: Die Moabiter haben sich mit den Philistern verbündet und drohen, Ägypten zu überfallen. Ein Auszug sei jetzt zu gefährlich. Mosè verweist auf die Macht Gottes, der eine neue Plage verhängen werde, in der der Prinz und alle Erstgeborenen umkommen werden. Zornig lässt Faraone ihn in Ketten legen und abführen. Mosè vertraut auf Gott, der ihn rächen werde (Arie: „Tu di ceppi mi aggravi la mano?“).

Szene 5. Faraone erzählt Mambre von der neuen Prophezeiung Mosès. Er beschließt, dass Osiride selbst ihn an seiner Seite zum Tode verurteilen soll. Faraone fordert Mambre auf, die Edelleute zusammenzurufen. Amaltea erscheint und versucht, ihn von der misslungenen Flucht ihres Sohnes zu unterrichten. Faraone will davon nichts hören. Er vertraut Osiride vollkommen.

Szene 6. Die Edelleute treten zu den Klängen eines Marsches ein, gefolgt von den königlichen Garden. Faraone und Osiride begeben sich auf den Thron. Mambre führt den gefesselten Mosè herein. Es folgen Aronne und die zutiefst verstörte Elcìa in Begleitung von Amenofi und anderen israelitischen Mädchen (Chor: „Se a mitigar tue cure“). Nach einem Eingangschor der Edelleute verkündet Faraone, dass von nun an sein Sohn gemeinsam mit ihm herrschen werde. Osiride betet zum Himmel, dass er dem Vorbild seines Vaters folgen werde. Insgeheim hofft er darauf, Elcìa nicht zu verlieren. Faraone lässt Mosè vortreten. Osiride fordert ihn auf, sich vor ihm niederzuwerfen. Mosè ist bereit, ihn als König anzuerkennen, verweist aber erneut auf das Wort Gottes, der die Freiheit Israels fordere. Aronne ist verwundert, dass die Königin zu dieser Erniedrigung Mosès schweigt. Elcìa aber schreitet ein. Sie offenbart ihre Liebe zu Osiride und ihre bisher geheimgehaltene Ehe mit ihm und fordert ihn auf, Mosè frei und sein Volk ziehen zu lassen. Anschließend wolle sie sterben, um für ihren Fehler zu büßen. Osiride solle dann eine Königstochter heiraten (Finale: „Porgi la destra amata“). Osiride versichert ihr, dass er nur sie allein liebe. Als die Ägypter ihn auffordern, seine Pflicht zu tun, zieht er das Schwert und geht damit auf Mosè los. In diesem Moment wird er von einem Blitz getroffen und stürzt tot zu Boden. Während alle darüber staunen, schreitet der Vertilgungsengel durch den Palast. Faraone sinkt ohnmächtig auf den Leichnam des Prinzen nieder. Elcìa betrauert schmerzerfüllt ihren Geliebten und sehnt sich selbst nach dem Tod.

Dritter Akt

Ebene am Ufer des Roten Meeres

Szene 1. Zu den Klängen fröhlicher Musik ziehen Mosè und Aronne an der Spitze ihres Volkes herein.In der Partitur fehlt die im Libretto erwähnte fröhliche Musik. Im Vorwort zur kritischen Ausgabe wird vorgeschlagen, dazu den Marsch des ersten Finales ohne die Chorstimmen zu verwenden. Amenofi unterstützt die trauernde Elcìa. Mosè erklärt, dass das Volk jetzt in Sicherheit sei. Amenofi und Elcìa verzweifeln, weil sie keinen Weg über das Meer sehen. Mosè und Aronne dagegen vertrauen auf die Führung des Herrn. Mosè kniet nieder, um ein Gebet zu sprechen. Die anderen tun es ihm gleich (Preghiera: „Dal tuo stellato soglio“). Von Ferne ist Kriegslärm zu hören. Faraone und das ägyptische Heer nähern sich über die Hügel. Das Volk erschreckt (Schlusschor: „Ma qual fragor! / Che miro!“). Mosè berührt das Meer mit seinem Stab. Es teilt sich und gibt einen Weg frei. Das Volk zieht hindurch und setzt am anderen Ufer seinen Weg fort.

Szene 2. Faraone, Mambre und die anderen Ägypter sind beim Anblick des göttlichen Wunders zunächst erstaunt stehen geblieben. Faraone befiehlt, den Israeliten durch das Meer zu folgen. Sie treten zwischen die Wassermauern, worauf die Fluten über ihnen zusammenschlagen.

Gestaltung

Instrumentation

Die Orchesterbesetzung der Oper enthält die folgenden Instrumente:

Zwei Flöten / zwei Piccoloflöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte Vier Hörner, zwei Trompeten, drei Posaunen, Serpent