Ahrem ist ein Stadtteil von Erftstadt im Rhein-Erft-Kreis, Nordrhein-Westfalen. Ortsbürgermeister in der Ratsperiode 2025–2030 ist Jörg Hoffsümmer.
Lage Ahrem ist ein Straßendorf und liegt südlich von Lechenich. Zwischen Lechenich und Ahrem verläuft die Bundesstraße 265. Durch den Ort fließt der Rotbach.
Geschichte mini|hochkant|Fränkische rauwandige Flasche, Grabungsfund 1974
Ahrem ist eine der Ansiedlungen des Erftstädter Raums, deren Geschichte wie die der meisten hiesigen Orte weit in die Vergangenheit zurückreicht.
Vorgeschichte und römische Zeit Etwa 400 Meter südlich des Ahremer Ortskerns bestand eine eisenzeitliche Siedlung, die durch Keramikfunde belegt werden konnte. Auch die römische Zeit hinterließ ihre Spuren im Ort und seiner Umgebung, wie ebenfalls zahlreiche dieser Epoche zugeordnete Keramiken und Grabbeigaben belegen.Bernhard Schreiber: Archäologische Funde und Denkmäler des Erftstädter Raums. S. 123. Beim Bau einer Gasleitung wurde 2005 die am südlichen Ortsausgang verlaufende alte Römerstraße, heute Agrippa-Straße Köln–Trier genannt, freigelegt und untersucht. Die ursprünglich etwa 20 m breite Straße besaß an beiden Seiten einen Entwässerungsgraben. Entlang der Straße fanden sich römische Brandgräber mit Grabbeigaben, darunter eine weißtonige Matronenfigur, aus dem 2. und 3. Jahrhundert.Archäologie im Rheinland. Theiss Verlag, Stuttgart 2005, S. 76–78.Petra Tutlies, Claus Weber: Archäologie in Erftstadt. Berichte zu Ausgrabungen, Beobachtungen und Funden aus den Jahren 2005 bis 2016. In: Jahrbuch der Stadt Erftstadt 2018. Erftstadt 2017. S. 96
Mittelalter und Neuzeit Ahrem wurde im Mittelalter Arnheim genannt. Die Ortsbezeichnung entstammt der fränkischen Zeit und verweist auf eine Siedlung des Arn oder Arno. Diese fränkische Gründung dürfte dauerhafter Natur gewesen sein. Auf einem im Jahr 1974 entdeckten Gräberfeld bestätigten freigelegte Grabbeigaben aus dem 6. und 7. Jahrhundert auch für diese Zeit eine Besiedlung Ahrems.Bernhard Schreiber: Archäologische Funde und Denkmäler des Erftstädter Raums. S. 124.
mini|hochkant=1.40|Flurkarte des 18. Jh. mit Lechenich und Ahrem
Erstmals erwähnt wurde der Ort 1256 als „Airnhem“ in einer Urkunde des Kölner Erzbischofs Konrad von Hochstaden, der seine Besitzungen in Ahrem gegen Güter des Kölner Stiftes St. Aposteln in Lechenich tauschte.HAStK Bestand St. Aposteln Urkunde Nr. 3/51, veröffentlicht in K. und H. Quellen zur Geschichte der Stadt Erftstadt. Band 1 Nr. 93.
Im Jahre 1293 wurden 15 Familien erfasst, die dem Erzbischof von Köln zu Abgaben verpflichtet waren.HAStK Best. Auswärtiges 170b, veröffentlicht in Stommel: Quellen zur Geschichte der Stadt Erftstadt. Band 1 Nr. 178.
Die Ahremer gehörten zur Bürgerschaft der Stadt Lechenich. Sie galten als „auswendige Bürger“, weil sie außerhalb der Stadtmauern wohnten. Erstmals im Jahre 1517 wurden sie zusammen mit den Bürgern der Stadt Lechenich angeführt.HAStK Bestand Domstift Urkunde Nr. 3/1978, veröffentlicht in Stommel: Quellen. Band 3 Nr. 1559. Die Erwerbstätigkeit der Ahremer Einwohner bestand überwiegend in der Bewirtschaftung kleinbäuerlicher Betriebe. Hierfür hatten sie, neben Grundpachten an den Erzbischof,Archiv Schloss Gracht auch landesherrliche Steuern zu zahlen.HSTAD Bestand Kurköln II 1904, veröffentlicht in Stommel: Quellen. Band 3 Nr. 2063. Die Ortsvorsteher, die zu den Lechenicher Stadtratsversammlungen eingeladen wurden, sammelten die landesherrlichen Steuern (Simpeln) ein. Ferner war Zehnt an das Stift St. Aposteln zu zahlen.HAStK Bestand Geistliche Abteilung 38b, veröffentlicht in Stommel: Quellen. Band 5 Nr. 2964.
Für den Alltag der Ahremer Bewohner bestanden festgesetzte Regeln, die strengstens von ihnen zu beachten und einzuhalten waren. Wer sich nicht an die Verordnungen hielt, unbefugt Holz sammelte, Reiser abschnitt oder beim heimlichen Gras- oder Ährendiebstahl ertappt wurde, hatte nach einem Amtsverhör mit einer Brüchtenstrafe zu rechnen. Zur Nutzung als Viehweide stand den Einwohnern ein Teil der „Eilau“, ein Busch-Heidegebiet zwischen Bliesheim, Friesheim und Lechenich, aus dem Besitz des Kölner Stiftes St. Mariengraden zur Verfügung. Für das in Erbpacht vergebene Hüterecht zahlten die Einwohner jährlich einen halben Malter Weizen.HAStK Bestand Geistliche Abteilung 166a, veröffentlicht in Stommel: Quellen. Band 2 Nr. 968.
In den kriegerischen Auseinandersetzungen des 17. und 18. Jahrhunderts wurde die Ahremer Bevölkerung durch Einquartierungen, Fouragelieferungen und Geldzahlungen stark belastet. Bei der Verzeichnung des Grundbesitzes im Jahre 1660 bestand Ahrem aus 44 Häusern. Davon waren 39 im Besitz von Bauern, alles andere war im Besitz der Adeligen oder der Kirche.HSTAD Kurköln II 1117, veröffentlicht in Stommel: Quellen. Band 4 Nr. 2566 und Nr. 2570.
mini|hochkant|Apolloniakapelle, 1691
In unmittelbarer Nähe des Hermeshofes wurde eine kleine Fachwerkkapelle errichtet, die zu Ehren der heiligen Apollonia geweiht war. Der Besitzer des Hofes, der Kölner Bürgermeister Herr von Imstenrath, gab nicht nur sein Einverständnis für den Bau der Kapelle auf seinem Grund, sondern spendete auch für den Bau derselben. Dies belegt die Inschrift über dem Türsturz folgenden Inhaltes:
Mit Bewilligung und Zusteur Herrn Bürgermeisters von Elmsrath hat hiesige Gemeinde diese auferbaut Anno 1691.
Am Festtag dieser Heiligen (9. Februar) machten Pilger aus den Nachbargemeinden in Ahrem eine Rast an der Kapelle. Von dort führte ihr Weg zum Franziskanerkloster in Lechenich, in dem ein Zahn der Heiligen als Reliquie verehrt wurde. Sie verbanden ihre Gebete zur heiligen Apollonia mit der Bitte um Schutz vor Zahnschmerzen.
Die Figur der Heiligen, die im Innern der Kapelle stand, war eine so genannte Ankleidefigur, und wurde (wie bei manchen besonders verehrten Marienstatuen) an Festtagen mit kostbarem Gewand geschmückt. Heute hat die Statue ihren Platz in der Ahremer Pfarrkirche St. Johannes der Täufer gefunden.
Adeliger und geistlicher Besitz Im Mittelalter war der Erzbischof von Köln der größte Grundherr in Ahrem. Mehrere Güter hatte der Erzbischof an Adelige vergeben, die über die Lehen mit Zustimmung des Erzbischofs selbst verfügen konnten.
Maximinenhof Ein bedeutender Adelshof, zu dem auch eine Ölmühle gehörte, lag am nördlichen Ende des Dorfes. Mit ihm wurde 1410 Gerhard Voss von Lechenich von Erzbischof Friedrich von Saarwerden belehnt.HSTAD Kurköln Lehen Generalia 1 Seite 157, veröffentlicht Stommel: Quellen. Band 2 Nr. 861. Der Hof kam dann in Erbfolge an die Familie Haes von Konradsheim und von ihr an die Familie von Eyll. Degenhard von Eyll verkaufte den Hof 1641 an das Augustinerinnenkloster St. Maximin in Köln,Archiv Zwolle (NL) Bestand Kasteel Rechteren inv.nr.1453 und inv. Nr. 1466, veröffentlicht in Stommel: Quellen. Band 4 Nr. 2286 und Band 5 Nr. 2352a. nach dem der Hof seitdem Maximinenhof benannt wurde. Der Maximinenhof blieb bis zur Säkularisation mehrere Generationen an die Familie Schick verpachtet.KAStK Bestand St. Maximin Akte 6, veröffentlicht in Stommel: Quellen. Band 5 Nr. 2962.
Hermeshof Mit einem anderen von Wassergräben umgebenen Hof in der Dorfmitte hatte Erzbischof Friedrich von Saarwerden 1406 Nikolaus von Meller belehnt.HSTAD Kurköln Lehen Generalia 1, S. 156, veröffentlicht in Stommel: Quellen. Band 2 Nr. 836. Nach ihm waren Angehörige des Adelsgeschlechtes von Merode belehnt.HSTAD Kurköln Lehen Spezialia 129 Urkunde Nr. 1 Seit 1463 sind die Zisterzienserinnen des Klosters Sion in Köln als Eigentümer nachgewiesen.HAStK Bestand Kloster Sion Repertorien und Handschriften 1, veröffentlicht in Stommel: Quellen. Band 2 Nr. 1088. Als der Kölner Lizenziat zum Pütz, Offermann von St. Brigida zu Köln, 1650 den Hof erwarb und verpachtete, gingen die von den Ahremern an den Hermeshof zu zahlenden Abgaben bis zur Säkularisation an das Kölner Waisenhaus. Ein weiterer Besitzer des „Pützhofes“ war der Kölner Bürgermeister Johann von Imstenrath.HAStK Bestand Armenverwaltung Nr. 150–154, veröffentlicht in Stommel: Quellen. Band 5 Nr. 2499a.
Erzbischöfliche Mühle Die am Rotbach gelegene erzbischöfliche Getreidemühle wurde im Verzeichnis erzbischöflicher Einkünfte 1293 als „Mühle genannt Mike“ bezeichnet.HAStK Best. Auswärtiges 170b, veröffentlicht in Stommel: Quellen. Band 1 Nr. 178. Sie war seit 1371 im Lehnsbesitz der Voß von Lechenich und ihrer Erben, der Haes von Konradsheim. Für das Mahlrecht zahlten sie eine Abgabe an die erzbischöfliche Kellnerei in Lechenich. Nach einer Auseinandersetzung mit Erzbischof und Kurfürst Ferdinand, der den geforderten Mühlenzwang für den Ort Ahrem nicht duldete, verglich sich der Kurfürst 1627 mit den Haes von Konradsheim, dass die Mühle zurück an den Kurfürsten fiel und von der Kellnerei in Lechenich verpachtet wurde. Bis zur Säkularisation blieb sie Bannmühle für Ahrem.Archiv Harff Bestand Konradsheim Akte 51, veröffentlicht in Stommel: Quellen. Band 4 Nr. 2320.
Hof des Kölner Domkapitels Ebenfalls zu den Grundherren in Ahrem gehörte das Kölner Domkapitel, dessen Ahremer Hof schon 1423 genannt wurde.HAStK Bestand Domstift Akte 3c, veröffentlicht in Stommel: Quellen. Nr. 911 1587 gehörten 15 Hofgeschworene zum Hofgericht des Domkapitels.HSTAD Bestand Kurköln II 1904, veröffentlicht in Stommel: Quellen Band 4 Nr. 2063. Nach den Hofgerichtsprotokollen von 1728 und 1729 besaßen nur noch zwei Ahremer Haus und Hof, die zum Hofgericht des Domkapitels gehörten. Die übrigen Hofgüter waren durch Erbteilung im Besitz von mehr als 50 Personen, von denen die meisten nur noch kleine Parzellen besaßen.HAStK Bestand Domstift Akte 15, veröffentlicht in Stommel: Quellen. Band 3 Nr. 1842 und Band 5 Nr. 2856. Die Parzellen waren so unbedeutend, dass der Hof des Domkapitels in Ahrem in der Säkularisation nicht genannt wurde.
Veränderungen des Ortsbildes im 19. und 20. Jahrhundert mini|hochkant|Kartenausschnitt Lechenich/Ahrem um 1808
Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich der Ort zu einem Straßendorf entlang der heutigen Mühlen- und Bachstraße, von der kleine Nebenstraßen abzweigten. 1801 bestanden in Ahrem neun Straßen (mit französischen Bezeichnungen). Ahrem hatte zu dieser Zeit 64 Häuser und zählte 280 Einwohner, darunter befanden sich 65 Kinder unter 12 Jahren. Von den Bewohnern waren zwei Pächter großer Güter, 16 bezeichneten sich als Landwirte und 18 als Tagelöhner. Von den 16 ansässigen Gewerbetreibenden, waren sechs Leineweber. Die übrigen Haushalte galten als arm.K. Stommel: Die Einwohnerlisten aus Erftstadt 1798–1801. Erftstadt 1989, S. 11–21.
Zu dem unter französischer Herrschaft 1798/1800 eingerichteten neuen Verwaltungsbezirk, der Mairie Lechenich im Kanton Lechenich, zählte die Gemeinde Ahrem. Sie gehörte nach 1815 weiterhin zur Bürgermeisterei Lechenich (seit 1927 als Amt bezeichnet). Dies dauerte bis zur kommunalen Verwaltungsreform und der Bildung der Stadt Erftstadt im Jahr 1969 an.
Der Bau der beiden Provinzialstraßen Neuss-Kerpen-Lechenich im Jahr 1854, und Lechenich – Derkum (-Euskirchen) im Jahr 1857 mit der Trasse über die Gennerstraße in Ahrem, brachte eine wesentliche Verbesserung der bisherigen regionalen Verkehrsanbindung der Ortschaft.Stadtarchiv Erftstadt Protokollbuch der Gemeinde Lechenich Le Nr. 2010.
Die Landwirtschaft blieb bestimmend für Ahrem. Mit der Intensivierung des Braunkohleabbaus am Ende des 19. Jahrhunderts verdienten jedoch mehr und mehr Ahremer ihren Lebensunterhalt in den Gruben oder Brikettfabriken der Rheinischen Braunkohlebetriebe in der Umgebung. Nebenbei betrieben sie weiter Landwirtschaft für den Eigenbedarf.
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