mini|Eine Katze frisst einen Fisch, Grab des Beamten Nacht

Fisch sowie Meeresfrüchte und andere Wassertiere gehörten im Alten Ägypten zu den wichtigsten Nahrungsmitteln und waren seit der Frühgeschichte wichtigster Lieferant von Proteinen für einen Großteil der ägyptischen Bevölkerung. Schriftliche und archäologische Quellen liefern umfangreiche Informationen zu verschiedenen Fischen und anderen Wassertieren sowie zu deren Fang und Verwendung. Wassertiere wurden in der altägyptischen Kunst dargestellt, als Medikament genutzt, Muschelschalen und Schneckengehäuse bearbeitet und als Schmuck oder Werkzeuge verwendet oder in religiösem Kontext eingesetzt. Fischfang war ein eigener Gewerbezweig, mit Wassergetier wurde gehandelt und die Jagd auf Fische und anderes Wassergetier war ein Zeitvertreib der ägyptischen Elite. Auch die Bibel hebt die Bedeutung von Fisch als Nahrungsmittel im alten Ägypten hervor. „Wir denken an die Fische, die wir in Ägypten umsonst zu essen bekamen“.

Fische mini|hochkant|Detail der Fisch-Abbildungen in der Punthalle des Hatschepsut-Tempels in Deir-el-Bahri Im Unterschied zu anderen Mittelmeerkulturen des Altertums fingen die Ägypter zu einem überwiegenden Teil Süßwasserfische, im Nildelta auch Brackwasserfische. Nach der derzeitigen Quellenlage spielte der Fang von Salzwasserfischen keine Rolle.Dietrich Sahrhage: Fischfang und Fischkult im alten Ägypten. von Zabern, Mainz 1998, S. 77. Die Gründe dafür sind unklar, womöglich war es unnötig, sich dem größeren Risiko des Hochseefischens auszusetzen, und einfacher, im Nil und in den Oasengewässern zu fischen. Hauptfangregionen waren neben dem gesamten Nil mit seinem Delta die Gewässer im Fayyum-Becken. mini|Darstellung von Fischen in der Grabkammer des Menna, Wandbild um 1422–1411 v. Chr. In der Neuzeit wurden mehr als 65 Nilfische beschrieben. Etwa 30 von ihnen wurden dank archäologischer Quellen für das Alte Ägypten nachgewiesen, da sie als Abbildungen in Gräbern überliefert wurden. Für etwa die Hälfte dieser identifizierten Fische sind auch ihre altägyptischen Benennungen bekannt. Diverse Fischarten hatten mehrere Bezeichnungen; insgesamt kennt man heute etwa 50 verschiedene altägyptische Fischnamen.Dietrich Sahrhage: Fischfang und Fischkult im alten Ägypten. von Zabern, Mainz 1998, S. 57. Manche Abbildungen aus dieser Zeit des Alten Reiches sind so herausragend, dass die Fischarten wissenschaftlich eindeutig bestimmbar sind. Für spätere Phasen der ägyptischen Geschichte ist das nur selten möglich. Einzelne Arten sind dann schwerer zu unterscheiden, häufig ist jedoch die Gattung oder zumindest die Familie der abgebildeten Tiere feststellbar.Dietrich Sahrhage: Fischfang und Fischkult im alten Ägypten, von Zabern, Mainz 1998, S. 80 Die Ägypter verfügten augenscheinlich bereits über Kenntnisse der Lebensgewohnheiten mancher Fischarten, so wurden etwa auf mehreren Wandbildern die auf dem Rücken schwimmenden Fiederbartwelse auf dem Rücken schwimmendDietrich Sahrhage: Fischfang und Fischkult im alten Ägypten. von Zabern, Mainz 1998, S. 58. und Meeräschen in Schwärmen dargestellt.So auf den Jahreszeitenreliefs der sogenannten „Weltenkammer“ im Sonnenheiligtum des Niuserre, das heute in Berlin zu sehen ist, oder in der Unas-Pyramide in Sakkara Aus schriftlicher Überlieferung sind nicht nur Namen der einzelnen Fische, sondern auch die Bezeichnungen von Körperteilen und Organen bekannt.Ingrid Gamer-Wallert: Fische und Fischkulte im Alten Ägypten. Harrassowitz, Wiesbaden 1970, S. 47–50.

Wichtige Fische waren: mini|hochkant|Darstellung von zwei mit dem Speer gejagten Tilapia-Fischen, Grabkammer des Menna, Wandbild um 1422–1411 v. Chr.

Meeräschen. Diese wurden auf Wandbildern am häufigsten dargestellt. Auch heute zählen sie noch zu den wichtigsten Fangfischen im Nil. Sie wurden vor allem wegen ihres festen und wohlschmeckenden Fleisches geschätzt und mit Zugnetzen befischt. Der Rogen wurde durch Salzen, Pressen und Trocknen zu einem kaviarähnlichen, recht wertvollen Produkt verarbeitet.Dietrich Sahrhage: Fischfang und Fischkult im alten Ägypten. von Zabern, Mainz 1998, S. 62–66. Barschfische wurden am zweithäufigsten dargestellt. Dabei sind vor allem Buntbarsche und der eine Länge von 60 Zentimetern erreichende Nilbuntbarsch abgebildet. Letzterer wurde hauptsächlich im Delta und im Fayum bejagt, was Funde einer großen Menge von Gräten belegen. Dass Nilbuntbarsche Maulbrüter sind, war den Ägyptern offenbar bekannt, galt ihnen der Nilbuntbarsch doch als Symbol für Fruchtbarkeit und Wiedergeburt. Auch die Brutpflege von Zilles Buntbarsch wurde von den Ägyptern wahrgenommen und von ihnen bildlich festgehalten. Demnach formt der Fisch aus dem Laich eine Kugel, die er in einer Grube ablegt oder an einem Stein befestigt. Heute sind Barsche die wichtigsten Speisefische aus dem Nil und machen mehr als 70 % des Fanges aus. Die altägyptischen Zahlen sind allerdings nicht bekannt, doch ist davon auszugehen, dass die Fangzahlen sehr hoch und Barsche auch im Alten Ägypten wichtige Speisefische waren. Eine besondere Rolle spielte der Nilbarsch (altägyptisch Aha), der vor allem am schnell fließenden und sauerstoffreichen oberen Nil gefangen wurde. Die Raubfische konnten bis zu zwei Meter lang und 175 Kilogramm schwer werden. In manchen Gegenden Ägyptens wurden sie kultisch verehrt und waren Opferfische für die Götter. In der Spätzeit wurden sie häufig mumifiziert und beispielsweise in Esna in Särgen in großen Fischnekropolen bestattet.Dietrich Sahrhage: Fischfang und Fischkult im alten Ägypten. von Zabern, Mainz 1998, S. 66–69. Welse kamen in vielen verschiedenen Arten vor und waren von hoher wirtschaftlicher Bedeutung. Das wässrige, weniger gut schmeckende Fleisch war jedoch weniger beliebt, weshalb anzunehmen ist, dass Welse eher von ärmeren Bevölkerungsschichten gegessen wurden. Besonders weit verbreitet waren die Fiederbartwelse. Sie haben starke Rücken- und Brustflossenstachel, an denen Giftdrüsen sitzen. Diese konnten zu schwer heilenden Verletzungen führen, weshalb die Stachel von den Fischern sofort nach dem Fangen abgebrochen wurden. Selten vorkommend, aber ebenfalls bejagt wurde der Zitterwels. Ihm kam in der altägyptischen Medizin eine bedeutende Rolle zu.Dietrich Sahrhage: Fischfang und Fischkult im alten Ägypten. von Zabern, Mainz 1998, S. 69f. Nilhechte wurden vor allem in stehenden und langsam fließenden Gewässern gefangen. Die Art Mormyrus kannume wurde Oxyrhynchos genannt und an mehreren Orten göttlich verehrt. Das Fleisch der Nilhechte ist einerseits von weniger guter Qualität, andererseits sehr fetthaltig.Dietrich Sahrhage: Fischfang und Fischkult im alten Ägypten. von Zabern, Mainz 1998, S. 71. mini|Darstellung von Nilbuntbarschen in der Grabkammer des Menna, Wandbild um 1422–1411 v. Chr. Andere Fische waren die Bynnibarbe, ein karpfenähnlicher Fisch, der Lepidotos genannt wurde, verschiedene Arten der Salmler und der gern verzehrte Aal. Ein besonders charakteristischer und gleich dem Aal sehr häufig dargestellter Fisch war der Nilkugelfisch, auch Fahaka oder Maeotis-Fisch genannt. Er war weit verbreitet und sein wohlschmeckendes Fleisch sehr geschätzt. Die Zubereitung muss jedoch recht schwierig gewesen sein, da Keimdrüsen und Leber des Fisches extrem wirksame Gifte enthielten. In der Wissenschaft ist umstritten, ob diese Kugelfische in Elephantine kultisch verehrt wurden. mini|Detail der Fisch-Abbildungen in der Punthalle des Hatschepsut-Tempels in Deir-el-Bahri Salzwasserfische wurden selten abgebildet. Am bekanntesten sind die Darstellungen von etwa 30 verschiedenen Fischen und weiteren Meerestieren in der Punt-Halle des Tempels der Hatschepsut in Deir el-Bahari. Hier konnten im Rahmen der Darstellung einer Punt-Expedition die abgebildeten Rochen, Doktorfische, Skorpionfische, Schwertfisch, Einhornfisch, Frauenfische, Kugelfische, Stachelwelse, Plattfische, Drückerfische, Soldatenfische, Kaninchenfische, Lippfische, Fledermausfische, Fächerfische, Sichelfische sowie Langusten, Kalmare und mehrere Süßwasserfische identifiziert werden.Dietrich Sahrhage: Fischfang und Fischkult im alten Ägypten. von Zabern, Mainz 1998, S. 77–82.

Andere Wirbeltiere mini|Ägyptischer Kultgegenstand in Krokodilform Die Ägypter unterschieden nur bedingt verschiedene Tiergattungen. Kultisch verehrt wurden Krokodile, von denen Tausende in mumifizierter Form überliefert wurden. Der Krokodilgott Sobek galt als Herr der Fische, das Krokodil als großer Fisch. Die in Massen im Nil, in den Kanälen, in den Sümpfen und in den Seen vorkommenden Krokodile genossen wegen ihrer Kraft und ihrer Gefährlichkeit hohes Ansehen. An manchen Orten wurden Krokodile – die ja auch eine Gefahr für die Menschen darstellten – trotz ihrer kultischen Verehrung (meist mit Harpunen) bejagt, wie die überlieferten Bildnisse erahnen lassen. Aus frühzeitlichen Siedlungen bei el-Omari ist bekannt, dass Krokodile auch gegessen wurden. Plutarch berichtet davon, dass auch in Edfu Krokodilfleisch verzehrt wurde. Ansonsten konnten bislang keine Belege dafür gefunden werden, dass das Krokodil in pharaonischer Zeit als Nahrungsmittel Verwendung fand. Jedoch wurden in der Medizin Krokodilaugen zum Heilen von Augenkrankheiten verwendet.Dietrich Sahrhage: Fischfang und Fischkult im alten Ägypten. von Zabern, Mainz 1998, S. 74f.

Gegessen wurden zeitweise Schildkröten. Die wirtschaftlich bedeutendste war die Nilweichschildkröte. Sie kam im Nil zahlreich vor und erreichte eine beachtliche Größe; so hatte beispielsweise der Rückenpanzer einen Durchmesser von bis zu 120 Zentimetern. Möglicherweise wurden die Rückenpanzer in vorgeschichtlicher Zeit als Schilde benutzt, doch ist das bislang nicht bewiesen.Joachim Boessneck: Die Tierwelt des Alten Ägypten. Untersucht anhand kulturgeschichtlicher und zoologischer Quellen. Beck, München 1988, S. 25. Im Mittleren Reich wurde der Verzehr von Schildkröten beendet. Sie wurden als Gegner des Sonnengottes Ra angesehen, den sie bei dessen nächtlichen gefährlichen Fahrten durch die Unterwelt in seiner Barke als Tiere der geheimnisvollen Tiefen bedrohten. Doch fanden noch manche Teile der Schildkröte in der Medizin Verwendung. An vielen Stellen finden sich Wandbilder, so in den Tempeln von Philae, Edfu oder in Dendera, auf denen Pharaonen bei der rituellen Jagd und Tötung von Schildkröten gezeigt werden.Dietrich Sahrhage: Fischfang und Fischkult im alten Ägypten. von Zabern, Mainz 1998, S. 76f.

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