Der unsichtbare Dritte (Originaltitel North by Northwest) ist ein US-amerikanischer Thriller, der 1959 von Alfred Hitchcock nach einem Drehbuch von Ernest Lehman gedreht wurde. Ein harmloser Werbefachmann wird in mörderische Geheimdienstintrigen verwickelt und flüchtet quer durch die Vereinigten Staaten.
Der unsichtbare Dritte zählt zu den populärsten Filmen von Alfred Hitchcock. Er hat es wiederholt in die Top 100 der 1000 besten Filme auf They Shoot Pictures geschafft. Für den online verfügbaren Katalog der 1000 besten Filme wurden über 9000 Listen mit Filmkritiken ausgewertet. Der Film belegt dort als viertbester Hitchcock-Film Platz 57 (Stand 2026).
Handlung Der New Yorker Werbefachmann Roger Thornhill wird während einer Geschäftsbesprechung im Plaza-Hotel von bewaffneten Männern abgefangen. Die Gangster halten ihn für einen Mann namens George Kaplan, den sie gezielt ans Telefon haben rufen lassen. Gerade als der Hotelbedienstete Kaplan ausrufen ließ, hatte sich zufällig Thornhill bei ihm gemeldet, um ein Telegramm aufzugeben. Durch diesen Zufall kommt die auf einer Verwechslung beruhende Geschichte in Gang. Thornhill wird mit vorgehaltener Pistole in ein Auto verfrachtet und zu einer Villa auf Long Island gebracht, deren Adresse und Eigentümer er dort auf einer offen herumliegenden Postsendung identifizieren kann. Ein elegant gekleideter Mann betritt sodann, ohne sich vorzustellen, den Raum in Begleitung eines Sekretärs, und Thornhill wird aufgefordert, mit ihnen zu kooperieren. Thornhill lehnt dies strikt ab. Er weiß überhaupt nicht, was die Männer von ihm wollen. Seinen Beteuerungen, dass er nicht Kaplan sei, schenken die Entführer keinen Glauben. Schließlich flößen sie ihm zwangsweise Bourbon ein, setzen ihn in ein gestohlenes Auto und wollen es über eine Klippe rollen lassen.
Doch Thornhill kann trotz seiner Trunkenheit mit dem Auto fliehen und wird vor den verfolgenden Gangstern von der Polizei festgenommen. Der Richter, vor dem er am nächsten Morgen steht, glaubt ihm seine Geschichte nicht, zumal ihm seine Mutter mit offener Missbilligung seines Lebenswandels auch noch in den Rücken fällt. Thornhill macht sich auf die Suche nach den Verantwortlichen. In der Villa finden sich keine Beweise für seine Schilderung. Es stellt sich heraus, dass anscheinend noch niemand, auch nicht das Hotelpersonal des Plaza, George Kaplan gesehen hat. Thornhill erfährt, dass er den Villenbesitzer Townsend bei der UN antreffen könne, und fährt zum UN-Hauptgebäude. Doch ehe der ahnungslose Townsend Thornhill Hinweise geben kann, wird er vor zahlreichen Anwesenden durch einen Messerwurf getötet. Zu Unrecht hält man Thornhill für den Mörder. Nun ist er nicht nur vor den Gangstern, sondern auch vor der Polizei auf der Flucht. Verzweifelt beschließt er, der Spur Kaplans weiter zu folgen. Er macht sich auf den Weg zum Grand Central Terminal.
Während einer Sitzung von Mitarbeitern der CIA wird George Kaplan als eine Erfindung bezeichnet, ein nicht existierender Spion, der die Aufmerksamkeit der Gegenseite von dem eigentlichen Spitzel ablenken soll. Um ihren eigenen Agenten nicht zu gefährden, schreitet die CIA nicht ein, sondern überlässt Thornhill auf seiner Flucht sich selbst.
Im Zug nach Chicago lernt Thornhill die junge Eve Kendall kennen, eine attraktive, selbstsichere Frau, die ihn in ihrem Abteil vor der Polizei versteckt und eine Liebesaffäre mit ihm beginnt. Am Ziel wirkt sie abweisend, arrangiert aber für ihn telefonisch ein Treffen mit Kaplan an einer Bushaltestelle auf dem Land. Dort entgeht Thornhill mit Glück den Angriffen eines Sprühflugzeugs. Zurück in der Stadt erfährt er, dass Kaplan bereits vor dem angeblichen Telefonat aus seinem Hotel ausgecheckt hat. Eve, die er dort erblickt, will anscheinend nichts mehr von ihm wissen, führt ihn aber unbeabsichtigt zu einer Kunstauktion, wo er den mysteriösen Fremden aus der Villa wiedertrifft. Er erfährt dessen Namen „Vandamm“ und entdeckt, dass Eve dessen Geliebte ist. Eifersüchtig enthüllt er Eves Verhalten im Zug. Um Vandamms Helfern zu entkommen, die ihn umbringen wollen, stört Thornhill den Auktionsablauf durch massive Provokationen, beginnt eine Schlägerei und wird daraufhin von der Polizei abgeführt. Er wird jedoch auf eine telefonische Anordnung hin nicht zur nächsten Dienststelle, sondern zum Flughafen gefahren. Dort erwartet ihn der „Professor“, ein CIA-Verantwortlicher, der ihm die wahren Zusammenhänge erklärt: Eve wurde vom US-Geheimdienst angeworben und soll wertvolle Informationen über Vandamms Spionageorganisation liefern. Thornhill hat sie durch seine Szene in eine gefährliche Lage gebracht.
mini|Der Mount Rushmore als Schauplatz für den Höhepunkt des Films. Hitchcock garnierte seine Filmhöhepunkte gerne mit Monumenten oder Wahrzeichen. Um ihr zu helfen, erklärt sich Thornhill bereit, seine Rolle weiterzuspielen. Eve zeigt in einem Restaurant entgegen ihrem wahren Empfinden, dass sie genug von Thornhills Avancen hat, und erschießt ihn vor den Augen Vandamms zum Schein mit Platzpatronen. Dadurch soll dieser veranlasst werden, Eve auf seine unmittelbar bevorstehende Reise nach Europa mitzunehmen. Doch kurz vor dem Abflug mit einer Privatmaschine deckt „Sekretär“ Leonard den Schwindel auf, woraufhin Vandamm beschließt, Eve aus dem Flugzeug zu werfen. Thornhill, der das Gespräch der beiden heimlich mit angehört hat, kann Eve in letzter Minute retten. Gemeinsam fliehen sie mit einer kleinen Statue, in der Vandamms Spionagematerial versteckt ist, zum nahegelegenen Mount Rushmore National Memorial. Einen der Verfolger stürzt Thornhill in die Tiefe, und als Leonard die Statue an sich bringt und seinerseits kurz davor ist, Thornhill und Eve abstürzen zu lassen, wird er von der Polizei erschossen. Dem inzwischen festgenommenen Vandamm, der neben einigen Polizisten und dem Professor stehend das Geschehen verfolgt hat, bleibt nichts, als sich zu beklagen: „Ich finde das nicht sehr fair, richtige Patronen zu gebrauchen.“Im Original: „That wasn't very sporting, using real bullets.“
Derweil hält Thornhill Eve über dem Abgrund an den Händen und fordert sie auf, sich hochzuziehen. Abrupt wird die Szene verändert und Thornhill und Eve finden sich – nun als Ehepaar – im Schlafwagen eines Zuges wieder, wo er sie nun auf das Bett hochzieht. Sie küssen sich und der Zug fährt in einen Tunnel.
Inszenierung und Rezeption Hitchcock und sein Drehbuchautor Ernest Lehman konzipierten Der unsichtbare Dritte als eine Abfolge von Abenteuern, die der von Grant verkörperte Protagonist Roger O. Thornhill auf der Suche nach der Lösung des Rätsels überstehen muss. Wie in Hitchcocks früheren Filmen Die 39 Stufen (1935) und Saboteure (1942) gerät der sympathische männliche Held in eine wilde Fluchtgeschichte, die ihn quer durch das Land treibt. Ähnlich wie in Saboteure findet auch hier der Showdown an einem US-amerikanischen Symbol statt: War es in dem 1940er-Jahre-Film die Freiheitsstatue, ist es hier nun das Mount Rushmore National Memorial.
Die Abenteuer sind ohne wesentliche Übergänge aneinandergereiht. In jeder dieser Szenen steht Thornhill im Mittelpunkt. Nur einmal im Verlauf der über zwei Stunden schwenkt das Geschehen kurz von ihm ab, als nach etwa einem Drittel des Films der Zuschauer in einer Besprechung bei der CIA über die wahren Zusammenhänge aufgeklärt wird. Dieses Stilmittel der lückenlosen Aneinanderreihung einzelner dramaturgischer Höhepunkte nutzte Hitchcock zum ersten Mal in Die 39 Stufen, der auch als Vorgängerfilm von Der unsichtbare Dritte angesehen wird.
Mit Der unsichtbare Dritte hat Alfred Hitchcock einen seiner leichtesten und humorvollsten Spionagefilme inszeniert. Die Leichtigkeit und die Eleganz dieses Films haben sehr viele danach entstandene Filme beeinflusst, nicht zuletzt auch die in den 1960er Jahren entstandenen James-Bond- sowie die Indiana-Jones-Filme. Der unsichtbare Dritte war für lange Zeit Hitchcocks letzter vorwiegend heiterer Film.
Als ein wesentliches Merkmal von Hitchcock-Filmen gilt der sogenannte MacGuffin, ein Objekt, das Ausgangspunkt eines Plots sein kann oder auch wichtigstes Motiv für das Handeln der Figuren, dessen konkreter Inhalt aber von untergeordneter Wichtigkeit ist. In North by Northwest versucht Vandamm, Dokumente mit Regierungsgeheimnissen außer Landes zu bringen. Welcher Art diese Geheimnisse sind, warum der Professor und die CIA es unbedingt verhindern müssen, das wird im Film mit keinem Wort erklärt. Im Gespräch mit François Truffaut sagte Hitchcock: „Mein bester MacGuffin – darunter verstehe ich: der leerste, nichtigste, lächerlichste – ist der von North by Northwest ... der MacGuffin, reduziert auf seinen reinsten Ausdruck: nichts.“
Einzelne relevante Szenen und Sequenzen Viele einzelne Szenen und Episoden des Films dienten in den folgenden Jahrzehnten als Vorlage für Szenen in Abenteuer- und Kriminalfilmen anderer Regisseure.
Keine Drehgenehmigung für den UN-Hauptsitz
Die Mordszene bei den Vereinten Nationen wollte Hitchcock ursprünglich direkt im UNO-Hauptquartier in New York drehen, doch er erhielt keine Drehgenehmigung. Immer wieder wurde seither verbreitet, Hitchcock habe daraufhin mit versteckter Kamera unter der Gefahr, entdeckt zu werden, im Gebäude gefilmt. Es wurden jedoch lediglich von als Touristen getarnten Mitarbeitern Fotos gemacht, auf deren Basis im Studio die Lobby rekonstruiert wurde. Die einzige am Originalort gedrehte Einstellung ist die Totale, als „Cary Grant in das Gebäude hineingeht“; sie wurde von der Straße aus einem Lastwagen gefilmt.Truffaut / Hitchcock (siehe Literatur), S. 212–217, sowie S. 35 (zu den Cameoauftritten), S. 113 (zum MacGuffin) und S. 121 (zur „impertinentesten Schlusseinstellung“). Erst über 40 Jahre später durften innerhalb des UNO-Gebäudes erstmals Aufnahmen für einen Spielfilm gemacht werden: Sydney Pollack drehte 2004 dort für Die Dolmetscherin.
Die „Maisfeldszene“
Eine oft referenzierte und kopierte Szene – eine der bekanntesten Hitchcock-Szenen überhaupt – ist die sogenannte „Maisfeldszene“.So wird z. B. die Fluchtbewegung Cary Grants in dem Film Arizona Dream von Vincent Gallo in voller Länge nachgespielt. Von Eve Kendall in eine Falle gelockt, steht Thornhill auf einer einsamen Landstraße inmitten der Prärie und wartet auf eine angebliche Verabredung. Zunächst passiert fünf Minuten lang fast nichts. Durch die Wahl der Perspektive und durch den Schnitt nimmt der Zuschauer an der gespannten Erwartung und an Thornhills Skepsis teil. Ein Schädlingsbekämpfungsflugzeug entpuppt sich für ihn schließlich als Bedrohung. Es fliegt äußerst knapp über ihn hinweg und beschießt ihn dabei mit einem Maschinengewehr. Thornhill flüchtet zunächst in ein nahes Maisfeld. Der Doppeldecker wirft dort sein Schädlingsbekämpfungsmittel über ihm ab, worauf Thornhill wieder auf die Straße flüchtet und versucht, einen Laster anzuhalten. Dabei wird er von diesem beinahe überfahren. Der Doppeldecker fliegt schließlich in den Tanklaster und lässt diesen explodieren.
Hitchcock konterkariert mit dieser Szene ein bis dahin gängiges Filmklischee, nach dem eine bedrohliche Situation ein ebenso bedrohliches Umfeld erfordert: einen düsteren Ort und eine unübersichtliche Szenerie. Die Maisfeldszene wird oftmals als besonders exemplarisch für Hitchcocks präzise Arbeitsweise mit Storyboards genannt. Tatsächlich wurde sie jedoch ohne ein solches gedreht. Die vermeintlichen Storyboardzeichnungen für North by Northwest wurden erst nachträglich für Werbezwecke angefertigt.
Die Szene, die im Film im ländlichen Indiana spielt, wurde tatsächlich in Kalifornien nordwestlich der Stadt Wasco gedreht.Where Cary Grant Fled from the Crop Duster in „North by Northwest“. In: VirtualGlobetrotting. Abgerufen am 4. September 2023 (englisch). Hitchcock ließ Verkehrsschilder anbringen, wie sie in Indiana üblich sind, und die kalifornischen Schilder für die Dauer der Dreharbeiten abmontieren.
Die „Filmfehler“-Szene