mini|Clayton McMichen, um 1925 Clayton „Mac“ McMichen (* 26. Januar 1900 in Allatoona, Georgia; † 4. Januar 1970) war ein US-amerikanischer Old-Time und späterer Country-Musiker. McMichen nahm während seiner Karriere zahlreiche Platten auf und gilt als ein Vorläufer des Western Swings.
McMichen begann seine Laufbahn als professioneller Musiker Anfang der 1920er-Jahre als traditioneller Old-Time-Fiddler, auch wenn bereits damals Einflüsse des Jazz zu erkennen waren. Zwischen 1926 und 1931 erlangte er als Mitglied der Band Gid Tanner and his Skillet Lickers Berühmtheit, wandte sich aber von den alten musikalischen Gegebenheiten der anderen Mitglieder ab und entwickelte einen urbaneren Stil mit seiner eigenen Band.
Leben Kindheit und Jugend Clayton McMichen zufolge kam seine Familie ursprünglich aus Schottland und wanderte wahrscheinlich Anfang des 19. Jahrhunderts in die USA aus, wo sie sich im Paulding County, Georgia, niederließen.Wayne W. Daniel: Pickin' on Peachtree. S. 105. Clayton McMichen wurde 1900 in der kleinen Stadt Allatoona, Georgia, geboren, einer kleinen Gemeinde ungefähr 40 Meilen nordöstlich von Atlanta.
McMichens Vater Mitchell war ein professioneller Violinist und spielte in der Stadt in einem Hotel; sein Repertoire umfasste entgegen dem ländlichen Umfeld, in dem die McMichens lebten, vor allem Wiener Walzer. Der junge McMichen lernte anfangs aber nicht von seinem Vater das Fiddlespielen, da dieser seine Violine vor ihm versteckte und ihm verbot, darauf zu spielen. Vielmehr wurde McMichen im Alter von elf Jahren von einem schwarzen Musiker beeinflusst, den die Familie „Uncle“ nannte. Durch ihn wurde McMichen an die Fiddle gebracht und erlernte sein erstes Stück, das Traditional Sally Goodin’.
McMichen übte daraufhin heimlich auf der Geige seines Vaters, während dieser zur Arbeit ging. Eines Tages hörte er McMichen spielen und war so beeindruckt, dass er ihm eine eigene Fiddle schenkte. Ab diesem Zeitpunkt waren es sein Vater und seine Onkel, die ihm das Spielen beibrachten. Auch lokale Barn Dances, zu denen sich die Gemeinde traf und auf denen sein Vater von Zeit zu Zeit spielte, hatten einen großen Einfluss auf McMichen.Wayne W. Daniel: Pickin’ on Peachtree, S. 106. 1913 zog die McMichen-Familie nach Atlanta, wo der 13 Jahre alte McMichen einen Job als Automechaniker annahm. 1922 gewann er den zweiten Platz bei den Atlanta Fiddlers’ Conventions, einem jährlich stattfindenden Fiddle-Wettbewerb. Es ist durchaus möglich, dass McMichen hier auf viele Musiker stieß, mit denen er später zusammenarbeiten sollte.
1922–1925: Anfänge mini|Clayton McMichen & the Home Town Boys: Charlie Whitten, Mike Whitten und Clayton McMichen (sitzend) am 18. September im WSB Studio. Es fehlen Boss und Ted Hawkins, die ebenfalls während des ersten Auftrittes im Radio dabei waren. Noch im selben Jahr trat McMichen erstmals im Radio auf. Sechs Monate nachdem der Sender WSB in Atlanta auf Sendung gegangen war, erschien McMichen zusammen mit den Home Town Boys, zu diesem Zeitpunkt bestehend aus den Whitten Brothers (Charles und Mike Whitten) und den Hawkins Brothers (Boss und Ted Hawkins), erstmals im Programm der Radiostation. Es war der 18. September und McMichen hatte für seinen Auftritt Jazz- und Pop-Nummern wie Alabama Jubilee, Dapper Dan und The Sunshine of Your Smile ausgesucht – traditionelle Breakdowns waren nicht in Sicht. Ähnlich verhielt es sich zwei Tage danach, als McMichen und die Home Town Boys – wieder auf WSB – Ring Waltz, Sweet Bunch of Daisies und den bekannten St. Louis Blues zum Besten gaben. Bereits in dieser frühen Phase zeigte sich, wie weit McMichens musikalischer Geschmack von dem seiner Zeitgenossen abwich.Tony Russell: Country Music Originals, S. 39.
Die Besetzung der Home Town Boys variierte stark. Noch im selben Jahr stieß der Sänger und Gitarrist Riley Puckett zu McMichen und trat oft mit ihnen auf WSB auf. Weitere Mitglieder waren Lowe Stokes und später auch Bob und Robert „Punk“ Stephens. Die Radioauftritte der Band kamen bei den Zuhörern gut an und man erhielt immer wieder Zuspruch vom Publikum.
Auf einer Fiddlers Convention im August 1923 in Macon, Georgia, belegten die Home Town Boys jeweils die vorderen Plätze. Während Riley Puckett den ersten und Mike Whitten den zweiten Platz im Gitarren-Wettbewerb machten, Ted Hawkins „top banjoist“ wurde und Charles Whitten den dritten Platz im Fiddle-Wettbewerb belegte, konnte McMichen sich auf den ersten Platz spielen. Auf dieser Veranstaltung erhielt McMichen auch den Beinamen The North-Georgia Wildcat.
mini|links|Eine spätere Besetzung der Home Town Boys: Clayton McMichen, Robert Stephens, Bob Stephens, Lowe Stokes (hier an der Gitarre) McMichen und die Home Town Boys wurden zwischen 1922 und 1926 eine der beliebtesten Gruppen auf WSB und waren regelmäßig dort zu hören, auch wenn die Anzahl ihrer Auftritte mit der Zeit abnahm. Am 7. Juli 1925 machten die Home Town Boys für das Label OKeh Records im Columbia Studio in Atlanta ihre ersten Aufnahmen mit Alabama Jubilee, Bully of the Town, Silver Bell und Sweet Bunch of Daisies. Die Besetzung bestand bei dieser Session aus Clayton McMichen (Fiddle), Lowe Stokes (Fiddle), Robert „Punk“ Stevens, Sr. (Banjo), und Robert Stevens, Jr. (Klarinette). Der Gebrauch einer Klarinette stellte wieder einen Bezug zum Jazz und anderer Populär-Musik her, die McMichen bevorzugte. Stokes war kein regelmäßiges Mitglied der Band, sondern spielte auf diesen Songs nur Gitarre, da er ein guter Freund McMichens war und bereits eine Zeit lang bei ihm gewohnt hatte.
McMichens erste OKeh-Platten verkauften sich nicht gut und es blieben seine einzigen bei diesem Label. Die Home Town Boys spielten danach seltener zusammen, vor allem auch aufgrund von Robert Stephens Tod. Die Band wurde auf dem Weg zu einer Show in einen Autounfall verwickelt; während sich die Mitglieder allesamt aus dem Auto retten konnten, sah es erst so aus, als ob niemand ernsthaft verletzt war. Doch im selben Augenblick fiel Stephens zu Boden und starb auf der Stelle – sein Genick war gebrochen. Stephens’ Vater Robert Sr. kam nie über diesen Verlust hinweg.
1926–1930: McMichen und die Skillet Lickers mini|Die Skillet Lickers: Gid Tanner, Clayton McMichen, Riley Puckett (sitzend), Fate Norris (v. l. n. r.) Im April 1926 wurde von Frank Walker, Leiter von Columbia Records’ Old-Time Tunes-Abteilung, eine neue Stringband zusammengestellt, die neben McMichen die Musiker Riley Puckett (Gitarre), Gid Tanner (Fiddle), Fate Norris (Banjo) und McMichens Schwager Bert Layne (Fiddle) als Mitglieder hatte. Umso paradoxer erscheint es, dass diese Gruppe in den nächsten Jahren vor allem durch ihre traditionellen Fiddle-Stücke bekannt wurde, was McMichen missfiel und immer wieder zu Streitigkeiten führte. Bereits die erste Single Bully of the Town / Pass Around the Bottle wurde zu einer der meistverkauften Platten des Jahrzehnts, gefolgt von weiteren Hits. Umso schlimmer war es für McMichen, dass sein Name nicht auf den Platten zu lesen war, denn Frank Walker nannte seine neue „Supergroup“ Gid Tanner and his Skillet Lickers (mit dem Zusatz „with Riley Puckett“ auf den Plattenetiketten). McMichen schrieb 1958 zu dem Musikforscher John Edwards: Tony Russell: Country Music Originals. S. 39. Fortan wurden die Platten unter dem Namen Gid Tanner and his Skillet Lickers with Riley Puckett & Clayton McMichen veröffentlicht.
Zeitgleich mit dem Beginn der Skillet Lickers begann McMichen auch, als Leiter seiner eigenen Gruppe, den Melody Men, Platten für Columbia einzuspielen. Die Besetzung variierte, setzte sich oftmals aber aus drei Fiddlen – zumeist Bert Layne, Lowe Stokes und McMichen –, dem Klarinettisten „Stranger“ Melone und Riley Puckett an der Gitarre zusammen. McMichen schaffte es schließlich, Frank Walker davon zu überzeugen, „Hillbilly-Versionen“ von Pop-Songs aufzunehmen, auch wenn Walker weiterhin skeptisch blieb.Richard L. Matterson, Jr: .Mac and the Skillet Lickers: Part 5. Bluegrass Music and Artwork blog Pop-Bands hätte er genug finden können, dazu brauchte er keine ländlichen Fiddler. Doch bereits die erste Single unter dem Namen Clayton McMichen & His Melody Men, Let Me Call You Sweetheart / Sweet Bunch of Daisies, verkaufte sich über 100.000 Mal, was für damalige Verhältnisse eine enorme Zahl darstellte. An die Verkäufe der Skillet Lickers, die teilweise 200.000 abgesetzte Exemplare überstiegen, konnte McMichen aber nicht ranreichen.
Bis 1931 war McMichen für Columbia unter Vertrag und konnte weitere Hits erzielen. Trotzdem bestand Frank Walker darauf, dass McMichen weiterhin Old-Time-Songs aufnahm. Unter den Pseudonymen „Bob Nichols“ und „Oscar Ford“ sowie unter den Bandnamen McMichen-Layne String Orchestra (McMichen, Bert Layne, Riley Puckett) und Georgia Organ Grinders (McMichen, Bert Layne, Lowe Stokes, Fate Norris, Melvin Dupree, Dan Hornsby) veröffentlichte er auch zahlreiche Platten.
1930–1936: Georgia Wildcats auf Tourneen 1929 lernte McMichen den Gitarristen Hoyt „Slim“ Bryant kennen. In Bryant hatte er seinen perfekten musikalischen Partner gefunden, da Bryant ebenfalls Jazz spielte, neue Akkord-Techniken beherrschte und zudem mit der traditionellen Old-Time Music vertraut war. Am 7. Dezember 1930 hielt McMichen mit seiner neuen Band, den Georgia Wildcats, die erste Session für Columbia ab. Der Name lehnte an den Spitznamen an, den McMichen 1923 bei der Fiddlers’ Convention in Macon, Georgia, bekommen hatte.
Bis 1931 trat McMichen mit den Home Town Boys auf WSB auf, verließ den Radiosender jedoch danach, weil die Leitung des Senders den Old-Time-Musikern, die dort auftraten, keinerlei Gage dafür zahlte: „We kept playing up there [WSB], goin’ up there, and we got tired of playing for nothin'. We’d quit and then go back.“Richard L. Matterson, Jr.: Mac and Slim: On the Road Again. Bluegrass Music and Artwork blog McMichen und Bryant wechselten daher Anfang 1931 zu WLW in Cincinnati, Ohio, und zu WCKY in Covington, Kentucky. Im Oktober desselben Jahres arrangierte Columbia eine letzte Session der Skillet Lickers, bei der McMichen aber nur anwesend war, da das Label ihn für seine Sessions überdurchschnittlich viel Geld bezahlte. Als Ehemann und Vater nahm er jede Gelegenheit war, um Geld zu verdienen und sagte deshalb zu.
McMichens Tage bei den Skillet Lickers waren 1931 endgültig gezählt. Nie wieder wollte er mit diesen Musikern zusammen spielen, wie er später auch in einem Interview mit Norm Cohen bestätigte: „Don’t ask my any more questions about that bunch of nothing down there in Atlanta. They were all a bunch of stab-you-in-the-back no-goods… and the more I can forget them, and the longer I can keep them forgotten, the better.“Tony Russell: Country Music Originals, S. 42. Zusammen mit Slim Bryant (Gitarre), Bert Layne (Fiddle), Pat Berryman (Banjo) und Johnny Barfield (Gitarre) ging McMichen als Clayton McMichen and his Georgia Wildcats auf Tour durch den Süden der USA. 1931 war die Gruppe auf WLW und WCKY zu hören, ab 1932 auf KDKA in Pittsburgh und auf WTAM in Cleveland. Im Sommer 1932 wurden die Georgia Wildcats von Jimmie Rodgers, nun Superstar der Old-Time Music, zu einer Session in New Jersey eingeladen, auf Rodgers unter anderem McMichens Song Peach Pickin’ Time in Georgia und Bryants Komposition Mother, Queen of My Heart einspielte.